2018-01-21

Predigt über Offenbarung 21,6 / Prädikantin Sylvia Donath

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Liebe Gemeinde,

ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Als ich die Jahreslosung zum ersten Mal gelesen habe, da hatte ich sofort Bilder und Gedanken im Kopf.

Durst – das kennen wir alle an heißen Tagen, nach dem Sport oder Spaziergang, nach einer Autofahrt...

Quelle – Wasser sprudelt zwischen Felsen, aus Wiesen, läuft in einen Bach oder See und ganz beeindruckend in einem Wasserfall aus vielen Metern Höhe

Wasser – Wasser ist Lebensnotwendig; wenn es zu wenig oder zu viel Wasser gibt kann dies in der Natur aber auch sehr bedrohlich sein; wer springt nicht gerne ins „Kühle Nass“.

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Und doch möchte die Jahreslosung noch etwas ganz anderes sein, als nur die gedankliche Verknüpfung mit Begriffen.

Nun sind schon die ersten Tage und Wochen des Jahres 2018 vergangen und doch liegt dieses Jahr noch wie ein unbeschriebenes Blatt, ein leeres Buch vor uns und wartet darauf gefüllt zu werden.

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Als Buchhändlerin ist mir das Bild des Buches sehr nahe. Unbeschriebene Seiten -zusammengehalten von Einband und Heftung. Wie z.B. dieses Hier (Buch hochhalten)

Was wird am Ende dieses Jahres auf den Blättern zu lesen sein? An welche Ereignisse, welche Bilder werden wir uns erinnern? Werden wir sagen können: „Es war ein gutes Jahr?“

Wird es vielleicht sogar eines gewesen sein, an das wir uns noch in fünf oder zehn Jahren ganz positiv erinnern: an bestimmte Höhepunkte und Feste; an Begegnungen, die uns guttaten und die uns in unserem Innersten berührten?

Das Buch – das Jahr wird sich füllen, Tag um Tag, je weiter es fortschreitet.

Vielfach schreiben wir beim Verschenken in Bücher eine Widmung.
Und der Satz aus der Offenbarung des Johannes soll unsere ganz persönliche Widmung von Gott für das Jahr sein. Auf die erste Seite geschrieben, das Motto, der Zuspruch, der uns 2018 begleiten soll. Vielleicht haben sie ein Tagebuch oder ein Buch, in dass sie Sprüche, Texte und anderes eintragen was Ihnen wichtig ist. Die Jahreslosung kann unser Begleiter, unser Anker, unser Merkvers sein. Egal was das Jahr uns bringen wird.

Die Jahreslosung für 2018 stammt aus der Offenbarung des Johannes oft auch als Apokalypse bezeichnet. Sicher eines der Bücher in der Bibel zu dem die Meinungen am weitesten auseinandergehen. Drastische Schilderungen, ungewöhnliche Bilder und Wortwahl – kein einfaches Buch, keine lieblichen Geschichten. Wer schonmal in Frankreich war hat vielleicht in Angers die Wandteppiche zur Apokalypse aus dem 14. Jahrhundert gesehen oder in Enzklösterle die Darstellung des Himmlischen Jerusalem.

Die Offenbarung ist ein Trost- und Hoffnungsbuch für Christen in schwierigen Situationen.
Die Situation damals zum Ende des 1.Jahrhunderts nach Christus – der Tempel ist zerstört, die Gemeinden in Kleinasien werden verfolgt und unterdrückt. Für die Christen ist alles schwierig und trostlos, fast ausweglos.
Die Elterngeneration lebt in der Hoffnung auf die Rückkehr des Messias  Gottes Reich wird noch zu unseren Lebzeiten anbrechen glauben sie.

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Gerechtigkeit und Frieden werden wiederhergestellt. Das griechische und römische Weltbild prägt die Zeit => Könige und Kaiser sind als Gottheiten zu verehren; das römische Reich spielt seine Macht voll aus. Viele Kriege wurden geführt, andersdenkende unterdrückt.

Die Offenbarung besteht aus vielen Bildern die z.T. Bezug auf Schriften des AT und jüdische Schriften nehmen.
Die Bild-Sprache ist für uns heute oft unverständlich, zum Teil sehr drastisch und düster.

Und dann eine weitere Verwirrung – zwei Worte werden verwendet Offenbarung und Apokalypse.

Der Begriff Offenbarung steht für aufdecken, entblößen, kundtun, zu erkennen geben, mitteilen, verkündigen. Die griechischen Worte apokalypto und apokalypsis sind die Zeitwörter dazu – enthüllen, sichtbar machen, Enthüllung.

Träume und Visionen werden gedeutet, Wissen aus dem göttlichen Bereich wird dargestellt. Es geht um die christliche „Nah-Erwartung“ des Reiches Gottes.

Kein Wunder, dass die Christen unter diesen Bedingungen anfingen zu zweifeln und vom Glauben abzufallen. Vielleicht beteten sie auch mit den Worten des 42. Psalms: „Wie ein Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“

Auf die Sehnsüchte, Zweifel und Ängste hat Gott durch Johannes in der Offenbarung geantwortet. Seine Vision eines neuen Himmels und einer neuen Erde am Ende der Bibel sind ein Angebot an uns alle, am Glauben festzuhalten und ihn zu leben. Jesus ist die Quelle, die unseren Lebensdurst löschen kann.

Und der Verfasser: früher dachte man es wäre Johannes der 4.Evangelist und Verfasser der Briefe. Heute ist man sich sicher – es war ein Prophet Johannes, der in Asien sehr bekannt war. Ein judenchristlicher Prophet, der zur Zeit der Niederschrift der Offenbarung auf die Insel Patmos verbannt war. Er hat alles in göttlichem Auftrag geschrieben und so die judenchristliche Prophetie des Urchristentums zusammengefasst.

Die Welt damals war politischen Umwälzungen ausgesetzt. Die Botschaften und Aussagen der Bildsprache der apokalyptischen Schriften beruht auf folgender Basis:

Gott hat in Jesus Christus eine Herrschaft angetreten und dadurch hält er in all den Schrecken der damit angebrochenen Endzeit das Regiment fest in Händen und wird zuletzt einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen.

Das die Bilder und Aussagen direkt von Gott kommen wird bereits am Anfang der Offenbarung klargemacht:

„Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll; und er hat sie gedeutet und gesandt durch seinen Engel zu seinem Knecht Johannes, der bezeugt hat das Wort Gottes und das Zeugnis von Jesus Christus, alles, was er gesehen hat. Selig ist, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.“

Damals wie heute geht die Offenbarung auf menschliche Sehnsüchte ein. Von der Schöpfung herkommend, über den Kreuzestod Jesu bis zur Gründung der ersten Gemeinden. Johannes spannt einen Bogen zwischen den ersten und den letzten Seiten der Bibel. Dazwischen steht die Geschichte Gottes mit uns Menschen. Gott selbst ist Anfang und Ziel dieser Geschichte.

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Sind wir uns bewusst, was es heißt durstig zu sein? Bei uns ist sauberes Trinkwasser immer und überall verfügbar. Zugang zu sauberem Wasser ist ein Menschenrecht. Trotzdem stirbt alle 20 Sekunden ein Kind an unzureichender Wasserversorgung – 3 Millionen Menschen jährlich.

Doch hier geht es mehr als um den Durst nach Wasser. Vorhin im Lied hat Elisabeth Cruciger gedichtet „und dürsten stets nach dir“. Da geht es um unseren Lebensdurst. Durst nach Leben - viele Facetten gilt es da zu bedenken. Die Angebote hier den Durst zu stillen sind sehr vielfältig. Da wird in Erfolg, Anerkennung, Gesundheit, Partnerschaft und vieles mehr investiert. Glück wird bei Events gesucht, alternative Lebensstile geprägt.

Und dann, wenn die Quellen versiegen, der eigene Lebensentwurf zu wackeln beginnt?
Aus welchen Quellen lebe ich? Sprudeln diese oder sind sie kurz vor dem Versiegen?

Gott will unseren Durst stillen und so können wir auf den „letzten Aufruf“ Gottes hören: „und wen dürstet, der komme, und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst“ wie es kurz vor Ende der Offenbarung heißt.

Und eines müssen wir uns auch vor Augen halten – Gott gibt uns umsonst – doch einer – Jesus – hat dafür schon bezahlt. Denn wenn es etwas umsonst, gratis gibt einer schon dafür bezahlt – der Geber oder Sponsor.

Ich lade sie ein nun das ausgeteilte Lesezeichen in die Hand zu nehmen oder vor sich hinzulegen.

Das Bild stammt von Stephanie Bahlinger.

Haben sie auf dem Bild schon die sprudelnde Quelle entdeckt. Nicht sofort ist sie sichtbar. Die beiden verbundenen Gefäße prägen das Bild und doch – da wo das irdenen Gefäß auf das violette Quadrat trifft – sprudelt die Quelle hervor. Das Wasser umspült das braune Gefäß und von rechts schiebt sich ein größeres weißes Gefäß ins Bild. Ein geschwungenes goldenes Kreuz verbindet die Gefäßhälften und zugleich das dunkle unten mit dem hellen oben.

Erde und Himmel werden verbunden, ebenso die Gefäße. Gerade das irdene, braune zeigt Kratzer und Gebrauchsspuren. Verbunden sie die Gefäße auch durch die Violett– rosa Farbfläche.

Violett – Farbe der Umkehr und Buße. Das Rechteck könnte ein Spiegel sein – mir vorgehalten. Gott durchschaut uns – wie die Frau am Jakobs Brunnen. Sie schöpft frisches Wasser und er hält den Finger in die Wunde ihres Lebens, viele Gescheiterte Beziehungen. Er macht ihr ein Angebot „wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten – wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten. (Joh. 4,13ff).

Wasser spült auch Dinge weg – so konnten wir es in den letzten Tagen auch in den Nachrichten aus den Hochwasserregionen sehen. Wasser spült weg – unsere Schuld, unser Versagen, den Ballast den wir mit uns herumtragen.

Das braune Gefäß vom Leben gezeichnet und doch nach oben hin heller werdend. Gott lädt uns ein mit all unseren Ecken und Kanten, all unseren Macken und Rissen in unserem Leben.

In unserer Gesellschaft und vermeintlich auch im Glauben ist scheitern nicht vorgesehen. Leistungsdenken und Perfektionismus prägen uns in allen Lebensbereichen. Und wenn Fehler passieren meinen wir uns aufwändig rechtfertigen zu müssen.

In der Bibel kommen ganz oft Gefäße vor, die nicht perfekt sind und glänzen. Irdenen Gefäße mit Gebrauchsspuren, die machen das Leben aus!
So steht im Korintherbrief (2.Kor. 4,7): Wir haben diesen Schatz in Irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.

Die unterschiedlichen Elemente des Bildes verbindet das geschwungene Kreuz. Das Kreuz - Hinweis auf die Verbindung von Himmel und Erde und in der waagrechten von uns Menschen untereinander.

Drei angedeutete Blutstropfen – Erinnerung an Jesu Verzweiflung im Garten Gethsemane und am Kreuz „Mein Gott mein Gott warum hast du mich verlassen...“ Jesus hat es selbst erfahren was es heißt durstig, hungrig zu sein, Schmerzen zu ertragen, Verlassenheit zu spüren. Doch all das was unser Leben stört, was uns von Gott trennt hat er am Kreuz überwunden. Alles ist bezahlt und daher für uns umsonst.

Wasser und Feuer – auch dieses Element ist in der linken oberen Ecke zu sehen. Beides kann zerstörende Wirkung haben und zugleich von Nutzen für uns sein. Wasser ist lebenswichtig. Feuer wärmt uns, damit können wir kochen, Kerzen machen es hell, Feuer zerstört aber auch Existenzen und Leben.

Fortgespült werden unsere Ängste und Zweifel – wie eine braune Brühe unter dem irdenen Gefäß. Lasten abgeben, wegspülen lassen das dürfen wir.

Feuer erinnert uns an die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten. Wasser und Feuerzungen – Zeichen des heiligen Geistes „denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.“ (Jes. 44,3)

Dann kommt das zarte Grün und die Hoffnung keimt auf. Wir dürfen vertrauen. Auf Gottes gute Schöpfung.
Der goldene Strich ergibt nicht nur ein Kreuz, der Schwung ergibt in der Bildmitte eine Acht.

Acht die Zahl, das Zeichen für die Ewigkeit. Unser Durst wird ewig gestillt.

Links unten im Bild bestimmen Turbulenzen das Leben und rechts oben ist alles ruhig und klar. Beide Zeiten wird es auch in diesem Jahr geben. Turbulent und unübersichtlich und dann wieder ruhig und strukturiert. Und sind wir mal ganz ehrlich – wenn immer alles glattginge, wäre es dann nicht langweilig!

Dietrich Bonhoeffer hat gesagt: „es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche“. Genau dies mach doch unser Leben aus. Von Grautönen bis hin zu schrillen bunten Farben. Dies sind die Facetten unseres Lebens. Und der Glauben gibt uns die Gewissheit – ich stehe auf festem Boden. Ich kann aus den Zusagen Gottes immer wieder schöpfen, die Quelle versiegt nicht.

Wir sind gemeinsam auf dem Weg, dem Lebensweg. Mal leicht hüpfend und dann wieder eher mit schweren Beinen. Durststrecken gilt es zu überwinden, denn „Gott Spricht: ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“.

Manchmal ist es gar nicht so einfach zu merken, nach was genau es mich denn dürstet.
Manche dürstet es nach Liebe, Zuwendung und Geborgenheit.
Manche dürstet es nach Gerechtigkeit und Wahrheit.

Manche dürstet es nach einem Sinn in ihrem Leben, nach Orientierung, nach einer Aufgabe.
Manche dürstet es nach Anerkennung, Vertrauen und neuer Kraft. Manche dürstet es nach Frieden, dass die Kriege dieser Welt, Terror und Gewalt endlich enden.

Vieles mehr wird uns auf ganz unterschiedliche Weise begegnen.

„ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“

Diese Widmung hat uns Gott in unser Jahresbuch geschrieben. Ich lade sie ein immer mal wieder eine Pause zu machen und zu schauen, was dieses Jahr bringt und wie die Quelle unseren Lebensdurst stillt. Was in unser Lebensbuch geschrieben wurde.

Amen




Dieser Artikel wurde von Dirk Fries erstellt.

Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Christvesper, Christuskirche Dennach (Pfr. Held)
16:30 Uhr:
Waldweihnacht an der Schwanner Warte: Familiengottesdienst mit Weihnachtsstück (KiGo-Team & Jan Hunsmann)
18:00 Uhr:
Christvesper, Schlosskirche Schwann (Pfr. Held)
Dienstag, 25.12.2018
9:30 Uhr:
Einsingen zum Weihnachts-GD in Schwann
17:00 Uhr:
Weihnachts-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)