2017-07-16

Predigt über 1. Mose 12,1-4 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen 5. Sonntag nach Trinitatis

aus dem 1. Mosebuch, Kapitel 12, die Verse 1-4

„Und der HERR sprach zu Abra(ha)m: Geh aus deinem Vaterland und 

von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, 

das ich dir zeigen will. 

Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und 

dir einen großen Namen machen und du sollst ein Segen sein. 

Ich will segnen, die dich segnen und verfluchen, die dich verfluchen

und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. 

Da zog Abra(ha)m aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte und Lot zog

mit ihm. Abra(ha)m aber war fünfundsiebzig Jahre alt, 

als er aus Haran zog.“ 

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

was für eine Geschichte wird uns in diesen vier knappen Versen 

erzählt? - Aus der großen Zahl der Menschen 

greift sich Gott einen heraus: 

Abraham - um ihn zu seinem Auserwählten zu machen!

Mit diesem einen Abraham beginnt Gott - mitten in der 

Weltgeschichte - seine Heilsgeschichte! 

 

Gott greift nach Abraham und erwählt sich - durch ihn - sein Volk! 

Kein besonderes Volk -, kein großes Volk! 

Weder ausnehmend fromm und gehorsam - 

noch durch sonst irgend etwas ausgezeichnet! 

Das Besondere dieses Volkes ist nur, 

dass Gott zu ihm spricht: 

„Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, 

dann sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; 

denn die ganze Erde ist mein. 

Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern 

und ein heiliges Volk sein“ (2. Mose-Buch / 4). 

Was für eine Geschichte, die Gott da mit Abraham beginnt!? 

 

Leiblich - sind wir alle, 

liebe Gemeinde, keine Nachkommen Abrahams! 

Und trotzdem dürfen sich alle Christen als hinein genommen 

betrachten in die Geschichte, die hier beginnt!

Abraham ist der Vaters Israels - und als solcher - auch der Vater all‘

derer, die heute glauben. 

Weil sie durch Jesus Christus einbezogen worden sind 

in Gottes Heilsgeschichte.

 

Das ist schon seltsam: 

Die Berufung Abrahams - vor mehr als 4000 Jahren - 

hat mit der Glaubensgeschichte jedes Christen zu tun. 

Mit der Berufung Abrahams - beginnt Gott - die Aktion 

„Heimholung einer verlorenen Menschheit“ 

unter seine Herrschaft. 

 

Und das ist auch der Grund dafür, 

warum Abraham auch für uns heute Morgen noch wichtig ist: 

An seinem Lebensweg -, an seinem Verhalten können wir lernen, 

was glauben heißt. 

 

Dazu drei Aspekte heute Morgen: 

 

1.) Abraham vertraut Gottes Führung 

Wir wissen eigentlich kaum etwas von ihm. 

Sein Name taucht zum ersten Mal in einem Geschlechtsregister

im Kapitel davor auf: 

    - Er ist der Sohn Tharahs -, also Nachkomme Sems, eines 

        Sohns von Noah

    - Er wohnt im Zwei-Strom-Land (dem heutigen Irak), 

        ist verheiratet mit Sara; 

        ihr Kinderwunsch aber ist bisher unerfüllt geblieben. 

Soviel erfahren wir von ihm. 

Und dann kommt dieses Wort Gottes an Abraham: 

„Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft 

und aus deines Vaters Hause in ein Land, 

das ich dir zeigen will ...“

So um die 75 Jahre alt muss er gewesen sein, 

als er dieses Wort hört. 

 

Gott ruft den Abraham heraus aus seinem bisherigen Leben!

Er löst ihn heraus aus der Verwandtschaft. 

Er mutet ihm zu, alle Sicherheiten, alles Vertraute zu verlassen -, 

sein Vertrauen nur auf Gott zu setzen - und - loszuziehen! 

 

Wir wissen nicht, welche Lebensplanung Abraham hatte. 

Aber er war sicher in dem Alter, 

in dem er nicht nur auf viel Lebenserfahrung zurückschauen kann, 

sondern auch so seine Vorstellung hatte, 

wie der Rest des Lebens noch verlaufen könnte. 

 

Unser Leben zu planen, 

einen Entwurf für unser Leben zu haben, 

das ist für jeden von uns wichtig. 

Keiner kann einfach so von einem Tag in den nächsten hineinstolpern.

Ich muss wissen, was ich will. 

Aber - das wird hier deutlich: 

    - Wir müssen auch bereit sein, unsere Pläne aus der Hand zu legen!

    - Ich muss offen dafür sein, dass mich so ein Ruf Gottes trifft: „Geh

        aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und

        aus deines Vaters Hause in ein Land, das ICH dir zeigen will.“

    - Ich muss meine Vorstellungen entwickeln - aber dann doch 

        so frei von diesen Vorstellungen sein, dass ich mich Gott

        auch anvertrauen kann!

        (Planung ist gut … aber ich muss mir immer klar machen: 

        Gottes Planung geht vor meiner Planung. 

        Sehe ich das schon so?)

 

Bei Abraham ist das so: 

Mit 75 Jahren macht er sich auf den Weg. 

Er verlässt das Vaterland -, löst sich aus seiner Sippe -, 

verkauft sein Haus, 

gibt seiner bisherigen Lebensplanung den Abschied 

- und - zieht los!

Nach dem, was unser Text berichtet, 

macht er sich wortlos auf den Weg. 

Wir hören keine Überlegungen, 

keine Bedingungen, keine Klage -, 

nur das: „Und Abraham zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte“.  

 

Aber wo geht er hin? 

 

Wohin wird ihn dieser HERR führen? 

 

Dabei war es doch die größte Herausforderung, aufzubrechen 

auf ein Ziel hin, das Abrahem selber noch verschleiert blieb! 

Das einzige, was Abrahem weiß, ist: Es ist ein Land, das Gott ihm 

zeigen will! 

 

Da spüren wir etwas davon, was es heißt, 

sich Gottes Führung anzuvertrauen! 

Da ist nicht jeder Schritt von vorne herein klar!

Da ist nicht alles bis ins Letzte hinein abgesichert, 

wie uns da so wichtig ist. 

Weil - sich von Gott führen zu lassen, ganz oft heißt, 

ins Ungewisse zu gehen, gerade nicht zu wissen, 

wie der Weg aussieht und das Land, 

das mir Gott erst zeigen will. 

 

(Rückschau auf das eigene Leben: 

    - mit 24 Jahren Abitur gemacht / berufsbegleitend / und gleich-

        zeitig gekündigt bei meinem Arbeitgeber ... 

        (Großvater: „Heute hast du den größten Fehler deines Lebens 

        gemacht ...“)

    - geheiratet (worden) - und 

    - mit einem kleinen Geldpolster in Tübingen begonnen zu studieren ...

    - Damals jung und risikobereit! / „Gott kann es möglich machen ...“

        - Mitten im Studium eine neue Prüfung: N.C. eingeführt, 

            nur Studenten mit einem Abschluss bis max. 2,49 kriegen

            auch eine Stelle bei der Landeskirche ...

        - Und wir hatten gerade das 3. Kind bekommen ...

        - Geld immer knapper ...

    - Heute: Muss aufpassen, dass mit zunehmendem Alter nicht

        auch die Trägheit und die Absicherungsmentalität zunimmt …

    - Ja, auch die Frage: Warum wollt ihr mit 55 nochmal die Stelle wechseln?

        Es wär’ so schön hier! - Stimmt!

        Und es fällt gar nicht so leicht, jetzt tatsächlich zu gehen

        und daheim aussortieren zu müssen,

        was man über Jahrzehnte so an Hausrat gesammelt hat …

        Aber: Wir hatten den Eindruck: Gott will es so!

        (und deshalb wagen wir jetzt nochmal einen Wechsel)

 

    Klar, einfacher wird es nicht …

    Aber: Wir haben schon mehr als einmal die Erfahrung machen dürfen:     

    Wo wir Gott alles zutrauen, da ist er dabei!

    

    - Übrigens: ich habe damals im Jahr 1994, nach dem Ende des Studiums, 

        tatsächlich eine Stelle bekommen: mit 2,48 Notenschnitt (0,01 Noten-

        punkte über dem Mindestschnitt!)

 

    - Wir haben es als ein Zeichen gesehen: 

        Gott ist da, er führt Dich -, wenn, ja wenn Du ihn führen lässt!

 

 

Abraham damals - und damit steht er für alle bis heute, 

die sich von Gott führen lassen wollen, 

war voll und ganz auf das Vertrauen angewiesen: 

Der lebendige Gott … wird … mich führen!

ER weiß es besser!

Ich vertraue … mich IHM an!

 

(Damit stehen wir beim Zweiten:)

 

 

2.) Abraham vertraut Gottes Wort 

Wir haben die fast übermenschliche Zumutung gesehen, 

die Abraham durch dieses Wort Gottes zuwächst: 

Er muss im Grunde alles hergeben, was er bisher hatte, 

alle Sicherungen und Sicherheiten ...

Und er hat nichts mehr - als - das Wort des HERRN! 

 

Ich glaube, wir alle kennen Situationen, 

in denen wir uns nur auf ein Wort, 

das gegeben ist, verlassen können.

Nicht nur beim JA-Wort des Ehepartners - 

oder beim Wort eines guten Freundes, 

das uns Hilfe verspricht. 

 

Auch im Geschäftsleben oder im politischen Bereich 

gibt es noch den Wert von „Treu und Glauben“ -, 

gibt es Situationen, in denen ich nichts als eine Zusage, 

ein Versprechen, vielleicht ein Ehrenwort  habe. 

Mehr ist manchmal gar nicht möglich. 

Und gerade deshalb tun wir uns damit so unheimlich schwer, 

weil wir wissen - wenn‘s zum Hauen und Stechen kommt -, 

können sich Worte auch als leer erweisen - oder 

als wie vom Winde verweht sein. 

 

Ein Wort ist deshalb immer genau so viel wert - 

wie der, der es gibt, vertrauenswürdig ist - und 

ich ihm Vertrauen entgegenbringen kann! 

 

Das gilt nicht nur im Zwischenmenschlichen, 

sondern auch im Verhältnis zu Gott: 

Wir haben immer nur das Wort - 

und das ist genau so viel wert, 

wie es mir gelingt, Gott (und dem Wort der Schrift) 

mein Vertrauen zu schenken! 

 

Mehr als dieses Wort haben wir nicht - 

und werden wir auch nie bekommen! 

Weil Gott will, dass ich IHM - vertraue!  

 

Und genau hier können wir von Abraham doch viel lernen: 

Er hatte es auf keinen Fall leichter als wir heute. 

Und wir haben sein Beispiel vor Augen, 

sein Geführtwerden und den Segen, 

der dann von ihm ausgegangen ist.

Die lange Heilsgeschichte, 

in der wir immer wieder Gottes Eingreifen sehen können.  

 

Wir haben heute Jesus, das eine Wort des Vaters, 

in dem er so klar gesprochen hat -, 

so verbindlich und so begreiflich, 

dass es jeder verstehen kann! 

 

Damit haben wir es im Grunde viel einfacher als Abraham -, 

wegen der vielen Beispiele, die zeigen, 

wie Gehorsam gegen Gott belohnt wird - 

und dass diejenigen, die auf IHN bauen, nicht auf Sand bauen. 

 

So gibt es viele Beispiele auch bei den Jüngern: 

Petrus z. B., der nach einem frustrierenden und erfolglosen Fischfang

von Jesus noch einmal aufs Wasser hinausgeschickt wird - und das

am hellichten Tag, wo es zu 99,9 % überhaupt nichts zu fangen gibt -, 

er steht einfach vor der Frage: Tue ich‘s oder lass‘ ich’s?!

Er hätte jetzt seine ganze Berufserfahrung in eine Diskussion ein-

bringen können, aber was hätte es gebracht!? 

Stattdessen wagt er einfach das Vertrauen auf Jesu Wort hin und 

sagt: „Aber auf Dein Wort hin will ich die Netze setzen“ - 

und er wird mit einem überreichen Fang belohnt. 

 

Mehr als Gottes Wort (niedergeschrieben in der Bibel) 

ist uns nie gegeben, liebe Gemeinde, liebe Konfis.

Aber wir können seinem Wort vertrauen, 

weil Gott sich voll und ganz mit diesem Wort identifiziert hat. 

Es kommt nie leer zurück. 

„Sein Wort ist wahr und trüget nicht ...“ (= Gesangbuchlied).

 

Auf Gottes Wort hin macht sich Abraham auf den Weg, 

er vertraut ihm 

und damit stehen wir beim Dritten: 

 

 

3.) Abraham vertraut Gottes Verheißungen 

 

Abraham bekommt von Gott die Zusage: „ICH will dich zum großen 

Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen

und du sollst ein Segen sein ...“

 

Er sagt nicht nur: Geh!

Sondern er sagt sich ihm zu - und das heißt doch Segen Gottes: 

    - ICH stehe zu dir!

    - ICH stelle dich unter meinen Schutz, lasse mein Angesicht

        leuchten über dir ...

Und wieder ist da eine Zumutung: Denn Sarah (schon hochbetagt!) - 

hatte immer noch kein Kind - und genau das wäre doch ein Zeichen 

des Segens Gottes gewesen!

 

Was ist da Abraham wohl alles durch den Kopf gegangen? 

Er, Vater eines großen Volkes -, 

er, der noch immer keinen Sohn hat

und an seiner Seite eine unfruchtbare Frau. 

Verlangte Gott nicht das Unmögliche? 

 

Einige Kapitel später erfahren wir, wie Abraham - Gott - 

die Kinderlosigkeit klagt und wie es ihm schwer wird, 

an Gottes Verheißung festzuhalten: 

„Mir hast du keine Nachkommen gegeben; und siehe, 

einer von meinen Knechten wird mein Erbe sein ...“ (5).

Und dann geht dem Abraham ja wirklich die Geduld 

und das Vertrauen aus: Sarah gibt ihm eine Magd, 

damit sie stattdessen einen Sohn zur Welt bringt (6). 

 

Aber das war nicht Gottes Weg. 

 

Und etwas später kommen drei Gottesboten und kündigen den 

Nachkommen an: Da kann Sarah nur noch lachen, heißt es da

in der Bibel (7). 

 

Aber dann bekommen sie den versprochenen Sohn: ISAAK.

Und den soll Abraham schließlich wieder opfern (1. Mose 22). 

 

Kurzum: Mehr als bei Abraham kann das Vertrauen 

in Gottes Verheißungen nun wirklich nicht geprüft werden!

Aber trotzdem und erst recht: Abraham vertraut den Zusagen Gottes!

 

Er hat dieses Wort erhalten!

Er hat sein Vertrauen bewährt!

Er glaubte Gottes Wort - und vertraute darauf, dass Gott sein Wort

wahr macht: 

    - ICH will dich segnen - ICH habe etwas Großes mit dir vor!

    - Ich hab‘ dir eine wichtige Rolle zugedacht in dem, was ich mit

        den Menschen vorhabe: Du sollst der Stammvater meines

        Volkes, der Vater aller derer werden, die glauben. 

    - Wer zu dir in Beziehung steht, wer sich auf dich beruft, 

        soll gesegnet sein!

Abraham selber konnte ja noch gar nicht ahnen, was in dieser

Verheißung alles drin liegen würde. 

 

Und können wir es erahnen, was in Gottes Verheißungen alles

für uns drinliegt? 

 

Gott hat versprochen, sein Volk zu segnen!

Er hat zugesagt, durch böse und gute Tage zu begleiten!

Am Kreuz Jesu hat er sich verpflichtet, denen, die an ihn glauben, 

für immer mit Gnade und Liebe zu begegnen. 

Sie werden durch Jesus gerettet!

Er hat verheißen, dass es für sie nach diesem Leben noch einmal ein 

neues, viel schöneres Leben geben wird. 

 

Glaubst Du seinem Wort -, vertraust Du seiner Verheißung? 

 

Nicht mehr als das brauchen wir zu bringen

und diese ganzen Zusagen, sie stehen gerade auch 

über Deinem leben! 

Bist Du bereit?

 

Und ganz nebenbei können wir selbst

immer wieder erleben: 

Von Menschen, die so wie Abraham Gott vertrauen, 

von denen geht ein Segen aus!

 

Was ist der Schüssel dazu? 

Der Schlüssel für Gottes Segen (auch über Deinem Leben) ist 

die Frage: Bist Du bereit, Gott ganz zu vertrauen?

Mehr als alles anderen?

Mehr als Dir selbst!

 

Wenn das so ist, 

wirst Du eine Gesegneter des HERRN sein!

Amen

 

Anmerkungen:

(4)    Ex 19,5f

(5)    Gen 15,3

(6)    Gen 16

(7)    Gen 18

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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