2016-12-11 3. Advent

Predigt über Lukas 3,1-15 / Pfarrer Friedhelm Bühner

„Im Jahr 2016, als Angela Merkel die Geschicke des deutschen

Volkes bereits 11 Jahre lenkte 

und Winfried Kretschmann als Ministerpräsident in Stuttgart weilte, 

als Frank Otfried July auch im Dezember noch Landesbischof war, 

da geschah das Wort Gottes zu Hans. 

Der stellte sich daraufhin auf den Stuttgarter Marktplatz, 

taufte die Leute im Brunnen vor dem Neuen Schloss

und erzählte allen lautstark von Gott und seinem Gericht -, 

so, dass jeder nur noch mit den Ohren schlackerte.“

 

Würden Sie hingehen, liebe Gemeinde?

Würdet Ihr hingehen, liebe Konfirmanden?

Und hin-hören?

 

Ich vermute, wir winken bei solchen selbsternannten 

Endzeitpropheten eher ab. 

 

Heute sind wir jedenfalls nicht auf dem Schlossplatz, 

sondern in die (weitaus bescheidenere) Christuskirche / Schlosskirche

gekommen. 

 

Und jetzt bekommen Sie hier aus Lukas 3 Folgendes zu hören (Vv1-6): 

„1 Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als 

Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von 

Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der 

Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene, 2 als 

Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah das Wort 

Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste. 3 Und 

er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe 

der Buße zur Vergebung der Sünden, 4 wie geschrieben steht im 

Buch der Reden des Propheten Jesaja (Jesaja 40,3-5): »Es ist eine 

Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn 

und macht seine Steige eben! 5 Alle Täler sollen erhöht werden, und 

alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, 

soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden. 

6 Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.« 

 

 

1. Jesus den Weg bereiten - wer? (Vv1-6)

Ganz genau wird da beschrieben, 

mit wem wir es hier zu tun haben: 

Johannes, Sohn des alten Priesters Zacharias. 

In seinem Pass steht bei Beruf: „Wegebereiter“.

Von Geburt an ist er dazu berufen, 

ein Prophet Gottes zu sein und Gott voranzugehen, 

um ihm den Weg zu bereiten. 

Was für eine ehrenvolle Aufgabe: 

Ein Vorbereiter, ein Pionier für Gott zu sein. 

Und jetzt ist es endlich so weit: 

Nach jahrelanger Vorbereitungszeit in der Einsamkeit

geht es jetzt los. 

Es passiert etwas:

Das „Wort Gottes geschieht“ zu Johannes. 

 

Er hat sich ganz auf Gott ausgerichtet, 

hat sich darin eingeübt ihn zu hören - und jetzt

hört er auf ihn. 

 

Kaiser Tiberius, Pilatus und wie sie alle heißen: 

Sie sind nicht die eigentlichen Herren dieser Welt. 

Es gibt nur einen Herrn, 

von dem sich Johannes etwas sagen lässt. 

Es gibt nur einen Herrn, 

der die Geschichte lenkt, 

von dem alles kommt

und auf den alles zuläuft - und für den setzt Johannes

sein ganzes Leben ein. 

 

Johannes, der Wegbereiter: 

Er geht in die Gegend des Jordan, 

wo früher Sodom und Gomorra bei einem Feuerregen zerstört wurden. 

Und weist auf einen hin, der größer ist als er. 

Er weist auf den hin, den er selbst im Namen trägt: 

„JOCHANAN: Gott ist gnädig“.

Er predigt die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden. 

 

Die Johannestaufe ist noch nicht die christliche Taufe

auf den Namen des dreieinigen Gottes. 

Sie ist eine rituelle Waschung, ein „Eintauchen“: 

Wie bei unserer Taufe wäscht man sich nicht selber, 

sondern Johannes reinigt die Menschen durch Untertauchen im Jordan. 

Damit sie vor Gott in Ordnung kommen, 

bevor Gott sichtbar kommt 

und alle Menschen sich vor ihm verantworten müssen. 

 

Johannes, der Wegbereiter, 

eine unüberhörbare Stimme: 

Er predigt gute Botschaft: 

Umkehr ist nötig - und - Umkehr ist möglich!

Er tut, was er tut, im Auftrag Gottes. 

Er hat seine „job description“ aus dem Buch Jesaja: 

Als Stimme eines Predigers in der Wüste ruft er dazu auf, 

dem Herrn den Weg zu bereiten. 

 

Und dieses Jesaja-Wort … ist ein Wort mitten hinein in den Winter. 

Mitten hinein in hohe Schneeberge am Straßenrand, 

hinein in das Schaufeln, Schippen und Streuen. 

Die Wege werden frei gemacht. 

 

Da ist die Rede von einem Weg für Gott. 

Da ruft uns einer zu: 

Es hat ein Ende mit einem Leben in Abhängigkeit, Schuld und

Gottesferne. Etwas Neues fängt an. 

Gott kommt in Bewegung, 

er macht sich selber auf den Weg. 

 

Da ruft uns einer zu, Gott den Weg zu bereiten

wie einem Fürsten, 

nicht nur Zuschauer zu sein, sondern anzupacken, 

mitzuhelfen den roten Teppich auszurollen. 

 

Anpacken - das kennen wir irgendwo her!

Gerade jetzt vor Weihnachten … welche Hebel setzen wir 

nicht alles in Bewegung für dieses Fest?!

Das Haus wird hergerichtet, die Wohnung, Kerzen, Baum, 

„Brötle“, Punsch … und natürlich Geschenke!

 

Aber bereite ich dadurch tatsächlich Gott den Weg zu mir, zu uns?

Geht es mir bei alledem darum, dass Gott zu uns kommt?

„Bereitet nicht einfach Weihnachten vor, 

sondern bereitet Gott den Weg zu euch!“ -, 

das ruft uns Jesaja zu … und so verkörpert es Johannes: 

„Lebt ganz im Advent: 

Macht euch bereit für das Kommen Gottes

und für die Begegnung mit ihm!“

 

Den Bank-Slogan kennen wir ja „Wir machen den Weg frei!“

und gemeint sind unsere eigenen Wege. 

 

Wenn Jesaja ruft „Macht den Weg frei“, 

dann meint er Gottes Weg zu uns!

 

Da sollen Berge und Hügel weichen 

und alles Krumme gerade werden, 

ja sogar alle Abgründe sollen aufgefüllt werden -, 

damit der Weg Gott entspricht. 

 

Auch bei mir gibt es so etwas:
Dinge, die mir die Sicht auf Gott verstellen, 

die sich aufbauen vor mir wie ein Berg, 

den ich nicht abarbeiten kann. 

Krumme Dinge, die gegen Gott stehen und ihm im Weg sind. 

Abgründe, die ich am liebsten ausblende und nicht sehen will, 

weil sie mir zeigen, 

dass ich nicht bin, wie ich sein soll!

 

Johannes, der Wegbereiter: 

Er setzt sich mit allem, was er tut, dafür ein, 

dass „alle Menschen das Heil Gottes sehen“, 

dass alle Leute kapieren, was es mit Jesus auf sich hat, 

der zu uns kommt - als Heiland, Retter und Richter. 

Jede Schlucht, jeder Berg und Hügel, alle Menschen - jeder überall

soll es begreifen: Wenn Jesus kommt, geht es um das ewige Heil. 

Für jeden einzelnen in dieser Welt und also auch um mich …

und damit verbunden: 

Um meine Loslösung von allem, was vor Gott nicht recht ist

und nicht sein soll. 

 

Wir singen Lied EG 312,1-2 „Kam einst zum Ufer nach Gottes

Plan und Wort, ein Prediger und Rufer, Johannes hieß der Mann …“

 

Jesus des Weg bereiten - darum geht es Johannes. 

Aber warum eigentlich?

Das hören wir aus den nächsten Versen. 

Und Achtung: Sie werden wahrscheinlich mit den Ohren schlackern!

 

Lukas 3,7-9: 

„ 7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von 

ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss 

gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, 

bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor

zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott 

kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9 Es ist schon

die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute 

Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“

 

 

2. Jesus den Weg bereiten - warum? (Vv7-9)

Das ist doch typisch Kirche!

Zorn, Buße, Axt am Baum, Feuer.

Immer der moralische Zeigefinder, 

immer die Keule mit dem Gericht Gottes, 

dem wir nicht entkommen können. Also wirklich!

 

Und überhaupt: Diese Anrede!

Meint der mit „Schlangenbrut“ etwa, dass wir das Böse, 

das am Anfang der Welt m

bei Adam und Eva als Schlange schon alles durcheinander 

gebracht hat, auch in uns tragen?

 

Da komm’ ich in den Gottesdienst, 

weil mir Gott wichtig ist, 

bei allen Fragen, die ich vielleicht habe - und dann so was!

 

Aber ich will erstmal Luft holen, die Anfragen 

einfach mal zulassen: 

Ist da etwas dran?

 

Wenn diese Welt nicht ins Leere, sondern auf Gott zuläuft, 

wenn er tatsächlich einmal sichtbar für alle vor der Tür steht, 

was gilt dann?

Rechne ich eigentlich noch mit einer letzten Verantwortung 

vor Gott für alles, was ich tue oder lasse?

Kann es nicht auch ein Zeichen seiner rettenden Liebe (und damit

Wertschätzung) sein, wenn er genau hinschaut, 

was ich mit meinem Leben anfange?

 

Sicher: Bei mir ist weit nicht alles so, wie es sein soll. 

Da hätte ich schon gern jemand, 

der mir den Bauch krault

oder auf die Schulter klopft und sagt, 

dass alles schon irgendwie passt und in Ordnung geht. 

 

Gott tut das aber offenbar nicht. 

Er fordert mich heraus, 

selber genau hinzuschauen, 

damit durch ihn … wirklich alles in Ordnung kommen kann. 

Da liegt wohl der Grund dafür, 

warum ich ihn nicht aus meiner kleinen und großen Lebensplanung

ausklammern soll, 

sondern ihn da hinein kommen lassen

und ihm dafür bei mir einen Weg zu bereiten. 

 

Und wenn ich weiterdenke:

Gehe ich davon aus, dass ich auf der richtigen Seite stehe?

Am Tag seines Erscheinens zum Gericht …

Wenn ja, warum?

 

Weil ich getauft bin?

Weil ich schon lange dabei bin?

Es wäre doch wirklich einmal spannend, 

wenn mir jemand sagen würde, was an meinem Leben

auf meine Beziehung zu Gott hinweist - und was nicht!

 

Ich will doch etwas in Gottes Augen Sinnvolles 

aus meinem Leben machen

und nicht abgetrennt von ihm sein, 

ihm, der mich ins Leben geschickt hat und versorgt. 

 

Steht vielleicht das dahinter, wenn Johannes sagt:

„Leute, horcht hin und handelt jetzt“?

 

Wenn ich ehrlich bin: Manchmal brauche ich es, 

dass mir jemand die Wahrheit in aller Deutlichkeit vor den Latz knallt

und mich wachrüttelt. 

Ich merke nämlich, wie alle diese Fragen 

in mir einen Weg für Jesus bereiten 

und ich neu zu ihm finde - und er zu mir …

 

Wir singen Lied EG 312,3-4 „Täufer, was liefst du umher in 

Fell und Gurt …“

 

 

3. Jesus den Weg bereiten - wie? (Vv10-14)

Die Worte von Johannes lassen die Leute nicht kalt. 

Sie wenden sich auch nicht empört ab. 

Im Gegenteil: Sie kommen ins Nachdenken. 

Sie tuscheln ganz aufgewühlt rechts und links miteinander: 

Was, wenn der recht hat?

Wie kann es bei mir weitergehen?

Was muss, was kann anders werden?

 

Kurz: Wie kann ich Gott in meinem Leben den Weg bereiten?

 

Lukas 3,10-14:

„10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn 

tun? 11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, 

der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso.

12 Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen zu lassen, und 

sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? 13 Er sprach 

zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! 14 Da 

fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir 

tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder 

Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!“ 

 

Es ist ein Text für Praktiker, 

für alle, die etwas machen und anpacken wollen. 

Die Menge, die Zöllner, die Soldaten - alle fragen sie: 

„Was sollen wir tun?“

 

Ich weiß nicht, mit welcher Frage Du im Moment hier bist. 

Vielleicht sehnst Du dich auch nach einem praktischen Rat. 

Wie kann es weitergehen?

Und was kannst Du dafür tun, 

dass es in Gottes Sinn weitergeht?

 

Die Antwort des Johannes ist nicht kompliziert. 

Er sagt nicht: 

„Stellt euer Leben völlig auf den Kopf, 

geht alles Bisherige auf, lasst euch taufen, 

geht wie ich in die Wüste 

und fastet Tag und Nacht“. 

 

Die Antwort ist jeweils ganz einfach: 

1. Wer hat, der gebe dem, der nicht hat.
2. Fordert nicht zu viel ein, sondern dem gesetzten Maß
entsprechend.
3. Lasst euch an dem genügen, was ihr habt.

Es ist nichts Spektakuläres
Es geht einfach darum, das zu tun, 

wovon man durch die Bibel weiß, was richtig (oder falsch) ist.
Also: Bibel lesen und das tun,
was einem vor die Füße fällt.
Als Banker, als Soldat oder Polizist, als Akademiker,
als Hausfrau und hauptberufliche Erzieherin der eigenen Kinder,
als Schüler, als Rentner.

Einfach das tun, was Gott sagt - damit hat man ein Leben lang
zu tun.
Das geschieht also täglich, alltäglich.
Wo wir … wo Du … mit Jesus rechnest!?
Wo wir … wo Du … seiner Art bei Dir Raum gibst!?
Einfach tun, was er sagt.
Sein Wort hören … und gelten lassen.

Wenn wir das tun, 

bereiten wir Gott neu einen Weg in unser Leben.

Dann kommt er bei uns durch. 

Und durch uns zu anderen. 

Deshalb: „Bereitet den Weg des Herrn!“

Amen

 

Wir singen den Schluss des Liedes EG 312,5-7 „Täufer, was sollen

wir tun, wenn er jetzt kommt? Dem Herrn die Ehre zollen …“

 

 

(Ich danke Pfarrer Dr. R. Genz für seine Vorarbeiten zum Predigttext)

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.11 - 21.11.2108
18:30 Uhr:
GD am Buß- und Bettag in Schwann mit Abendmahl (Pfarrer Manz)
Dienstag, 11.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Freitag, 14.12.2018
17:30 Uhr in Schwann:
Mädchenjungschar - Weihnachtsfeier
Sonntag, 16.12.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schwarze)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schwarze)
Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)