2016-11-27 1. Advent

Predigt über Jeremia 23,5-8 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören auf Gottes Wort für diesen 1. Adventssonntag

aus dem Buch des Propheten Jeremia, Kapitel 23, die 

Verse 5-8:

"Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David 

einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, 

der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird.

Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. 

Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: 

»Der HERR unsere Gerechtigkeit«.

Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der HERR, dass 

man nicht mehr sagen wird: »So wahr der HERR lebt, der die 

Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, sondern: »So wahr der 

HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel herausgeführt 

und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen 

Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« 

Und sie sollen in ihrem Lande wohnen."

 

 

1. Eine unheile Welt. 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

eine Schülerin, 16 Jahre alt, verhält sich ungewohnt still. 

Es fällt ihrer Klassenlehrerin auf und sie spricht sie an: 

"Maren, was ist los? Du bist so still." - 

Sie druckst herum: "Ich ziehe jetzt um, zur Oma." - 

"Warum? Ziehen deine Eltern weg?" - "Nein. Mein Vater wohnt

schon lange nicht mehr bei uns. 

 

Und jetzt hat meine Mutter einen neuen Freund. 

Und der will nicht zu ihr ziehen, weil ich da bin." - 

"Und da hat sich deine Mutter für den Freund entschieden?" - 

 

"Erst nicht, aber jetzt hat sie gesagt, ich soll mir doch ein Zimmer

suchen. 

Sie mag mich ja, aber sie müsse doch auch an sich denken, 

ich soll das verstehen." - 

 

Was wird wohl in diesem Teenager vorgehen?

Wie tief wird sich diese Erfahrung in ihr Leben eindrücken, 

wie sehr ihre Zukunft bestimmen?

Wird sie noch im Alter daran denken? - 

 

Nur zu oft bleiben solche Narben des Lebens 

und immer mal wieder kommen sie hoch und tun weh. 

Und: Wie viele solcher Teenager gibt es, 

die ähnliche Erfahrungen 

gemacht haben?!

Gar nicht so selten, vermute ich, ist es auch der Grund warum sie 

manchmal so laut und „aufgekratzt“ daherkommen.

 

Ein Satz aus einem christlichen Heft hat sich bei mir eingeprägt: 

"Man kennt einen Menschen erst dann gut, wenn man weiß, 

wo es still in ihm weint."

Dieser Satz reizt zum Widerspruch. 

Ist es vielleicht so, dass in allen Menschen so ein Weinen da ist?

Ein Weinen, das eine Sehnsucht nach dem Heilwerden, 

nach dem Zurechtkommen anzeigt?

 

Wenn wir meinen, dass an dem Satz etwas Wahres dran ist, 

dann ahnen wir, warum die Bibel so viel von dem Unheilvollen 

und dem Heil spricht. 

 

Auch der heutige Predigttext ist in einer heillosen Zeit gesprochen. 

In Israel geht die Angst um vor den heranrückenden babylonischen 

Truppen: Nervosität und Kriminalität steigen, 

die Angst vor dem Morgen. 

Und wenn die Oberen auch noch so sehr beschwichtigen: 

Alles wird gut, wir haben alles im Griff: 

Auf der Straße sieht es anders aus: 

Menschen werden erfordert, 

sogar Jeremia entgeht nur knapp einem Mordanschlag

der eigenen Verwandten!

 

Es waren unsichere Zeiten. 

Und die Zukunft sah noch düsterer aus, 

weil man damit rechnen musste,

dass die Babylonier völlig enthemmt und brutal im Land wüten würden: 

    - Häuser plündern, Frauen vergewaltigen …

    - dann die Männer umbringen und ganze Städte einfach 

        in Brand stecken. 

 

 

2. Gott gibt sein Wort in dunkler Zeit.

 

Was gibt Halt?

Jeremia ist an seiner Botschaft fast zerbrochen (krepiert). 

Er sollte ja als Prophet das Unheil ankündigen, 

er hat es nicht mehr ausgehalten. 

Aber dann hat Gott selber ihm ein neues Wort gegeben, 

einen Durchblick über den unmittelbaren, morgigen Tag hinaus. 

Und das enthält einen ganz starken Trost. 

Es ist eine neue Verheißung: 

Gott, dessen frühere Taten so oft besungen worden sind, 

er wird sie in gleicher Kraft und Größe morgen wieder tun. 

    - Gott ist nicht schwach geworden. 

    - Er hat sich nicht ohnmächtig aus dem Dasein geschlichen, 

        wie sich das manche Zeitgenossen Jeremias - 

und auch viele Zeitgenossen heute - vorstellen.

Die sich vielleicht schon seit Jahren - innerlich - von Gott 

verabschiedet haben, aber jetzt reflexhaft rufen: 

Wo ist er denn?

Warum lässt Gott das zu?

 

Er hat nicht aufgehört zu wirken.

 

Trotz aller Negativschlagzeilen und Prognosen, wie in diesen Tagen:

    - die bestialischen Taten der IS-Terroristen (foltern, morden, 

        vergewaltigen und versklaven von Hunderttausenden 

        Menschen)

    - Flüchtlingswellen aus Asien und Afrika …

    - ein „Großmächtiger“ im Osten, der in die Ukraine einfallen lässt

        und in Syrien Krankenhäuser bombardiert (aber die Welt

        nimmt es hin, erklärtermaßen um nicht alles noch 

        schlimmer zu machen) …

    - Präsidentenwahlen im Westen, die einen auch das Fürchten

        lehren können. 
        
Aber es gilt auch für unser ganz persönliches Leben:
    - das Gericht Gottes - es kommt.
        Wenn Jesus morgen oder noch heute … sichtbar wiederkommt,
        dann gibt es kein Ausweichen mehr.
        Dann stellt ein, was wir womöglich seit Jahren verdrängt haben: 

        Die Würfel sind gefallen …

        Ich kann nicht mehr sagen: Ja, hätte ich das gewusst, 

        wäre ich natürlich umgekehrt 

        und hätte mein Heil bei Jesus gesucht! ( - ) 


    

Wie muss sich dagegen Jeremia gefreut haben, 

dass Gott seinem Volk Israel trotz kommenden Gerichts

noch eine Zukunft verheißt: 

Gott wird sein Volk … noch einmal … befreien, 

wird sogar noch Größeres vollbringen, 

wenn er Israel aus den Nordländern wieder zurück holen wird. 

 

Gott verspricht, dass er mit den Nachkommen Israels noch einmal 

neu anfangen wird. 

Die irdische Herrschaft in Israel hat zwar keine Zukunft, 

das hat Jeremia kurz davor klar gesagt.

 

Aber Israel wird trotzdem einen Davidssohn als Herrscher haben. 

Der wird regieren wie noch nie einer vor ihm. 

Und wenn er regiert, dann wird die Sehnsucht der Menschen 

nach Gerechtigkeit gestillt sein. 

Dann wird er seine Macht dafür einsetzen, dass die Menschen 

Gerechtigkeit erleben:

    - Da wird man einander wieder vertrauen können, 

    - dann braucht man keine Angst mehr zu haben, abends 

        noch alleine aus dem Haus zu gehen, 

    - man kann die Türen offen stehen lassen und 

    - dem, was ein anderer sagt, darf man vertrauen. 

 

Als Jeremia das seinem Volk ansagt, 

da sieht alles noch ganz anders aus. 

Und auch danach … hat man noch nicht gesehen, 

dass es besser geworden wäre. 

Im Gegenteil: Es ist von Tag zu Tag schlimmer geworden. 

Und doch … hat Jeremia das Wort, das Gott ihm gegeben hat:

Es wird kommen der König, der Sohn Davids!

 

Die Erfahrungen der Gegenwart konnten ihn nicht aus der

Bahn werfen. 

Er nimmt seinen Halt und seine klare Orientierung aus Gottes 

Wort von der Zukunft, 

das er selber bekommen hat, 

ist nicht verzweifelt. 

 

 

3. Heute Gott vertrauen und sein Heil bezeugen.

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

wir feiern heute den 1. Advent, wir bereiten uns vor auf Weihnachten. 

Dann feiern wir das Kommen des Retters, 

bei dessen Geburt es gesungen worden ist: Das "Ehre sei Gott

in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines

Wohlgefallens ..."

 

Er ist geboren worden in der Stadt Davids, stammte von David ab, 

aber nicht von den Königen, 

die Israel einige Jahrhunderte regiert haben. 

 

Er predigte eine neue Königsherrschaft der Gerechtigkeit

für die Armen, die um des Geistes Gottes willen in Not geraten, 

für alle, die nach Gerechtigkeit hungern, 

für die Sanftmütigen, 

für die Verfolgten.

 

Er hat das Reich gepredigt, das nicht von dieser Welt war, 

einen Frieden, der höher ist als alle menschliche Vernunft, 

eine Herrschaft, die kein Ende hat. 

 

Durch ihn … gibt es die Gerechtigkeit, 

die Gott uns zukommen lassen will.

 

Er ist stellvertretend für mich und Dich den Tod am Kreuz gestorben

und hat damit die Last des Gerichts abgenommen, 

dem, der sie sich abnehmen lässt.

 

Wir können jetzt Heimat und Geborgenheit finden 

im Vaterhaus Gottes. 

 

Wenn wir das wollen, 

wenn wir Jesus suchen und sein Heil. 

 

Denn der ist gekommen, damit wir zum Volk Gottes gehören können.

 

Ein Automatismus ist das nicht. 

Keiner wird vereinnahmt. 

Gott lässt uns die Wahl:

„Willst Du Jesus aufnehmen in Dein Leben

und seine Gerechtigkeit die Deine werden lassen?“ ( - )

Wenn wir bekennen, 

dass wir selber vor Gott nichts zu bieten haben, 

dass unser Leben ohne Jesus ein heilloses ist, 

in die Verlorenheit führt, 

dann ist es soweit: 

Dann sind wir bereit für Gottes Gerechtigkeit!

 

Und jetzt stehen wir in der Welt des Jahres 2016. 

Wir wissen um sein Kommen ... im Persönlichen ... wie im ganz
Großen, globalen Sinne.

 

Und trotzdem bleibt da vorerst noch die Sehnsucht 

nach dem letzten Heilwerden:

   - Nach dem Heilwerden dieser Welt,
    die so zerrissen, von Krisen und Kriegen gezeichnet ist, 

    in der es drunter und drüber geht … 

   - nicht zuletzt, weil sie Jesus nicht kennt 

    oder nicht kennen will. 

 

Wir dürfen damit heute morgen zu Gott kommen. 

 

Das Bibelwort für diesen ersten Adventssonntag spricht ja davon, 

dass Gottes Kraft nicht veraltet: 

Das Befreiungswunder aus der ägyptischen Gefangenschaft

wollte Gott ja schon damals wiederholen. 

 

Und er hat es getan!

Damals. 

70 Jahre danach sind große Teile der verschleppten 

Israeliten wieder zurück in ihr Land gekommen. 

Dies Verheißung an Jeremia hat sich also ein erstes Mal

schon ganz konkret erfüllt. 

 

Und dieses Wort aus einer dunklen Zeit 

will uns auch heute mitnehmen: 

Schauen doch einmal weg von der Not, die Dich umgibt 

und binde Deine Hoffnung (für Dich, für die Menschen, die Dir

lieb und teuer sind, aber auch für diese ganze Welt …)

an diesen Gott, der Wort hält. 

 

Das ist kein Kopf-in-den-Sand-Stecken, 

sondern gibt Kraft zu klarem Handeln 

und gibt mir die große Perspektive: 

Gott wird seine Verheißung auch für unsere Zeit 

voll und ganz erfüllen!

 

Wenn Du das glauben und festhalten kannst, 

dann wird daraus Gottes Kraft zu Dir strömen, 

so dass Du auch in schwieriger Zeit nicht zerbrechen musst.

 

Reihen wir uns also heute am 1. Advent ein in den Kreis derer, 

die Jesus nachfolgen und dort, 

wo diese Welt noch viele offene Wunden hat, 

ganz konkret mit Gott rechnen!

    - Bezeugen wir sein Heil so deutlich, dass es Leute wie Maren 

        hören und nicht verzweifeln müssen. 

    - Setzen wir Zeichen, indem wir Gott und sein Wort  

        eindeutig in den Mittelpunkt stellen 

        und alles andere, was uns die Zeit und Kraft dafür 

        nehmen will … wegtun. 

    - Lassen wir Jesus regieren in unserem Leben …,     

        dann ändert sich schon ganz viel in dieser Welt, 

        dann wird sie darin auf Gott und seine Verheißungen

        hingewiesen. 

 

Auch als Gemeinde sind wir natürlich gefordert, 

wirklich offen zu sein für die Marens in ihrer Not …, 

uns nicht selbst genug zu sein. 

 

ER ist verheißen, 

der den Hungernden nach Gerechtigkeit

zu ihrem Recht verhilft. 

 

Feiern wir Advent 

voller Hoffnung auf den lebendigen Gott

und rechnen wir damit, 

dass sein Wort vom Heilwerden sich erfüllt,

heute und morgen. 

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.11 - 21.11.2108
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