2016-06-26

Predigt über 1. Korinther 1,18-25 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,
»Wenn Dummheit weh täte, dann müssten sich manche
schreiend am Boden wälzen.«

Natürlich wir doch nicht – denn wir, wir sind ja schlau!
So wie der Mensch überhaupt schlau sein will – und sich
für schlau hält.

Was tun wir nicht alles für die Bildung!
Jede Regierungspartei hat neue Ideen.
Nachhilfe-Organisationen und neue Schularten schießen
wie die Pilze aus dem Boden.
Ja, und dieses Jahr soll der nach zehn Jahren endlich 
notwendige neue Bildungsplan nun tatsächlich kommen –
und Sie werden sehen: 

Alles wird von Grund auf „besser“ (oder vorsichtiger: „anders“)

Schule wird neu erfunden!
Und es kommen Studienreformen,
G8 und G9, vielleicht noch Eliteschulen
die pushen natürlich die Klugheit der Nation enorm nach oben.

Tatsächlich sieht’s natürlich oft ganz anders aus.
Ich kenne inzwischen mehrere Lehrer, die vorzeitig in den
Ruhestand gegangen sind (oder gehen werden),
weil sie sagen: Das Niveau (gerade auch der Schüler) ist in den
letzten Jahren kontinuierlich gefallen …
Bildungsreformen hin oder her …
Ich spreche das einfach mal so aus,
ohne es bewerten zu wollen.

Längst hat sich auch die Erkenntnis durchgesetzt,
dass Wissen allein nicht reicht.
Wer etwas weiß, damit er‘s weiß,
ist noch lange kein »Käpsele«.
Denn wirklich schlau ist nur der,
der sein Wissen auch anwenden kann.
Der nicht nur klug ist, sondern auch lebensklug.

Aber es bleibt: Die, die sich für am klügsten halten,
meinen oft …, sie hätten durch ihr Wissen …
ihr Christsein und ihren Gottesglauben überwunden.
Für sie sind dann die »dumm«,
die noch die »Glaubensmärchen« der Kirche »nachbeten« –
oder sogar für wahr halten.

Was sagt die Bibel dazu?
Fragen wir doch mal den Apostel Paulus als Kronzeugen. 

Ich lese den Predigttext für diesen Sonntag aus 1. Kor 1,18-15

 

„18 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen,
die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine
Gotteskraft.19 Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will 

zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der 

Verständigen will ich verwerfen.« 20 Wo sind die Klugen? 

Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? 

Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? 

21 Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, 

Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, 

durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben. 

22 Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach 

Weisheit, 23 wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den 

Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; 24 denen aber, 

die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als 

Gottes Kraft und Gottes Weisheit. 25 Denn die Torheit Gottes ist 

weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist 

stärker, als die Menschen sind.“

 

 

Da hat der Apostel Paulus natürlich ein richtig
heißes Eisen am Wickel.
Um nicht zu sagen, eines der heißesten Themen der Theologie
überhaupt: „Warum das Kreuz?“
Ein Streitpunkt, seit Jesus sein Leben gelassen hat.
(Dazu drei Punkte heute Morgen:)

1. Umstrittene Wahrheit – vernünftige Helden ticken
anders

Helden sind groß, stark.
Sie haben etwas von James Bond oder von Spiderman.
Aber Helden hängen nicht am Kreuz.
Sie sind keine verurteilten Verbrecher.

Für die Griechen war das einfach lustig:
Die Christen glauben an einen gekreuzigten Verbrecher!
Das war einfach ne Lachnummer –
und dass die aus dem kleinen Land am Jordan
manchmal ganz schön verrückte Sachen aus dem Hut ziehen,
das war jedem gebildeten Griechen klar.
Und ein bisschen … hat man bei ihnen sowieso …
von oben nach unten geschaut.

Denn von der Kultur, vom Denken, von der Bildung her –
da konnte den Griechen nun wirklich keiner das Wasser reichen,
da konnte keiner mithalten.
Und die Christen schon gar nicht.

Den Juden ist das Lachen gleich im Gesicht eingefroren:
Der Mensch, der da am Kreuz jämmerlich erstickt ist –
das soll der Messias sein?
Das soll der Retter der Welt sein?

Vielleicht,
dass sie da an einen König aus den Wolken gedacht haben
oder auf jeden Fall an irgendwen aus der High Society –
aber doch nicht an einen Gekreuzigten!

Für die Juden war das Kreuz
wo man Verbrecher umbringen konnte,
das Niedrigste, was es gibt.
Ein Fluch! „Wer am Kreuz hängt, der ist verflucht!“ (1).
Und einer, der verflucht ist,
der kann doch nicht etwa der Messias sein.
Das ist höchstens grotesk.

Das hat viele Juden daran gehindert,
zum Glauben an Jesus als Christus zu kommen.
Die Lehre von Jesus war ja vielleicht
ein bisschen radikal
und ein bisschen alternativ
und freiheitsdurstig –
manche jüdische Gruppen waren dafür sogar zu haben!?

Und hat nicht eine riesige Menschenmenge
Jesus an den Lippen gehangen?

Die Lehre von Jesus war’s nicht!

Aber dass Jesus als verurteilter Verbrecher am Kreuz geendet ist –
das war es.

An so jemanden kann man nicht glauben –
zumal er auch noch von sich behauptet hat,
Gottes Sohn zu sein.
Allein das ist schon eine Anmaßung.

So hat es seine guten Gründe,
warum religiöse Sittenwächter wie ein Paulus,
der damals noch Saulus hieß –
warum viele gebildete Juden
mit diesem Jesus so gar nichts anfangen konnten,
ihn für gefährlich halten mussten,
sich an ihm ärgerten. 

Und heute?
Hier bei uns?

Ich mache die Beobachtung:
Auch heute hier bei uns
steht das Kreuz vielen Menschen im Weg.
Auch bei uns: Die Lehre von Jesus und seine Ethik – einwandfrei.
Jesus als guter Mensch,
Jesus als Vorbild – nimm dir ein Beispiel dran!
Aber Jesus am Kreuz -, und das noch „für dich“ –
da steigen doch viele aus.  

(„Also für mich hätte er nicht sterben müssen …!?“)

Sogar Theologen! Gelehrte Leute!
Wie viele theologische Richtungen und Schulen
haben schon ganz offen gesagt,
dass sie ihre Schwierigkeiten mit dem gekreuzigten Jesus haben.

Ihre Schwierigkeiten damit,
dass dieser gekreuzigte Jesus unser Heil sein soll.
 
Dass an diesem gekreuzigten Jesus alles hängt.

Da gab es schon jahrelange Debatten,
und manche Richtungen und Schulen haben
hemmungslos gefordert,
den gekreuzigten Jesus zu streichen
oder wenigstens ein bisschen weniger zu betonen:

Ein Betriebsunfall der Weltgeschichte,
ein Zeugnis dafür, wie grausam Menschen (hauptsächlich aus
dem anderen politischen Lager wie man selbst) sein können –
gar kein Thema!

Und am Karfreitag kann man mit Kopfschütteln bedauern,
was in der Welt so los ist.
Aber dass an diesem Gekreuzigten unser Heil hängt – nein,
das um Himmels willen bitte nicht!

Denn so’ne Vorstellung ist nicht nur wenig ästhetisch,
sie gilt auch heute noch als dumm.
Mindestens aber vorgestrig –
transportiert sie doch irgendwelche archaischen Vorstellungen,
die wir doch längst überwunden haben!?
 
Denn wir Menschen sind doch klug geworden
im Lauf der Weltgeschichte.
Nicht wahr?

 

2. Vorbildliche Klugheit – aber der Kopf blickt
es nicht

»…auf dass wir klug werden«,
war das Motto des Kirchentags 2015 in Stuttgart.
Ein bisschen verkürzt, denn eigentlich geht’s in Psalm 90, 12 da darum,
dass wir Menschen uns klarmachen sollen,
dass unsere Existenz begrenzt ist – und daraus klug werden.

Aber aus dem Klugsein und Klugwerden ließ sich natürlich
ein Haufen spannender Themen gewinnen.

Interessant dabei: Vom Kreuz war dabei nicht viel die Rede.
Das hat sich dann der Christustag nebenan auf die Fahnen
geschrieben
und unter dem Motto »Dein Wort macht uns klug«
genau unseren heutigen Predigttext behandelt.

Aber wie war das noch?
Wir Menschen wollen klug sein?
Klug werden?

Kluge Menschen gab’s schon immer.
Und kluge Menschen im Blick auf geistliche Dinge auch.
Damals waren’s die Schriftgelehrten und die Pharisäer
und überhaupt die Weisen der Welt.
Heute sind’s manche Theologen und Kirchenleiter
und Philosophen 

und auch heute noch die „Weisen der Welt“.

Und es ist eigentlich doch paradox,
dass die Klügsten nicht kapieren, was Sache ist!

Nicht, weil sie zu dumm sind.
Sondern weil sie schon so klug und so gebildet sind,
dass sie sich am »Wort vom Kreuz« nur noch ärgern können.

Weil es keinen Platz hat in ihren selbstgebauten logischen
Systemen.
Wofür die Klugen noch nicht mal was können.
Denn das »Wort vom Kreuz« ist einfach nicht logisch.

Das »Wort vom Kreuz« ist paradox,
es steht quer zu allem, was wir Menschen denken können:
Dass Gott Mensch wird
und sich von uns Menschen hinrichten lässt –
eigentlich eine irre Vorstellung!
Und dass diese Hinrichtung am Kreuz für uns Menschen
Heil wirken soll – das ist ja noch verrückter.
Ich geb’s frei heraus zu!

Aber wir Christen behaupten nichts desto trotz
und halten unbeirrt daran fest:
Es wirkt!
Es hilft!
Mehr noch: Es rettet.

 

3. Göttliche Weisheit – setzt die Klugheit der
Klugen schachmatt

Ein Problem haben die Klugen ja alle:
Irgendwie sind sie ein bisschen wie Münchhausen,
der berühmte Lügenbaron. 

Nicht weil die Klugen alle lügen würden –
aber weil sie sich wie Münchhausen am eigenen Haarschopf
aus dem Sumpf ziehen wollen.
Auch diese Welt …
Erinnern Sie sich: „Nur noch schnell die Welt retten“!?
(Song von Tim Brendzko)

Wer auf seine Klugheit setzt,
der setzt auf seine eigene Kraft;
wer auf seine Klugheit setzt,
der will sich selbst retten und erlösen.

Und manche verlieren sich vor lauter Klugheit so im Detail,
dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen –
aber vor allem mögen sie eins nicht hören:
Dass sie verloren sind.

Und das macht die Menschen von heute noch viel wilder
als die Tatsache, dass der Messias am Kreuz hängt.
Ich bin doch nicht verloren!
Ich bin doch kein Sünder!
Ich bin doch nicht schlecht!
Ich hab das doch nicht nötig, dass da einer für mich stirbt! ( - )

Gehen Menschen verloren,
weil sie das »Wort vom Kreuz« für dumm halten –
oder halten Menschen das »Wort vom Kreuz« für dumm,
weil sie verloren sind? ( - )

Das ist ein bisschen wie die Frage, was zuerst da war:
die Henne oder das Ei.
Die werden wir heute Morgen nicht beantworten können –
aber zwei Dinge können wir festhalten:
Das eine: Nach dem Zeugnis der Bibel sind wir alle verloren
und keiner kann sich selbst retten.
Und das andere:
Niemand muss auf Dauer verloren bleiben.

Manche meinen aufgrund ihrer Kindertaufe:
Ich brauche doch gar nicht mehr zu glauben,
ich bin schon gerettet.
Aber das stimmt überhaupt nicht.

Denn wir taufen Babys, weil wir der Meinung sind,
dass man mit Gottes Gnade nicht früh genug in Berührung
kommen kann
und dass Gottes Gnade immer zuerst kommt –
aber wir taufen doch nicht etwa Babys,
weil wir danach Gottes Gnade nicht mehr brauchen würden.

Ganz im Gegenteil:
Wer kann besser Zugang zu Gottes Gnade finden als einer,
dem seine Eltern und Paten von klein auf
davon erzählt haben
und ihm das vorleben?
Aber ganz ohne eigene Entscheidung geht es eben nicht.

Und deshalb ruft das »Wort vom Kreuz« zur Entscheidung:
Lasse ich mich darauf ein –
oder lasse ich mich nicht darauf ein?
Jeder Mensch - muss – ob als Baby getauft oder nicht –
im Lauf seines Leben zu einer eigenverantworteten Antwort
darauf kommen.

So wie ich auch in vielen anderen Fragen
Kindern etwas vorlebe und Kinder erziehe –
aber irgendwann sind sie erwachsen
und treffen ihre eigenen Entscheidungen.
Und die müssen nicht unbedingt ein Leben lang meine
Entscheidungen sein …

Die Entscheidung, ob ich dem »Wort vom Kreuz«
Glauben schenke oder nicht,
ist aber die wichtigste Entscheidung in meinem Leben.

Denn hier geht es um Gerettet-Sein oder Verlorensein –
hier geht es um die Ewigkeit bei Gott
oder - ob ich draußen sein werde.

Die Ewigkeit kann ich mir nicht mit Klugheit erkaufen.
Meine Sünde kann ich auch nicht durch Intelligenz und Bildung
aus der Welt schaffen.

Das kann nur Jesus für mich tun.

Jesus, der am Kreuz den Fluch getragen hat,
der eigentlich mir gilt.
Jesus, der am Kreuz die Strafe getragen hat,
die eigentlich mir gilt.

Das kann mich ärgern.
Aber es wirkt. Es rettet.
Und wenn ich richtig höre, was die Bibel sagt:
Es rettet allein das.  
Amen.

 

Anmerkungen: Paulus nimmt diese Feststellung aus 5. Mose 21, 23 in
Galater 3,13 auf und macht deutlich: Christus wurde zum Fluch für uns!

 

(Ich danke Pfarrer Steffens, Alpirsbach für seine Vorarbeiten zum Predigttext!)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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