2015-12-26 Christfest II

Predigt über Hebräer 1,1-4 / Pfarrer Friedhelm Bühner - gehalten in Ottenhausen

Liebe Gemeinde,

jedes Jahr lässt es unsere Herzen wieder höher schlagen: 

Die Kinderaugen, die im Kerzenschein strahlen. 

Und die (hoffentlich) jubeln über die Weihnachtsgeschenke, 

die sie bekommen. 

 

Weihnachten ist jedes Jahr auch ein bisschen Rückkehr 

in eine vergangene Kindheit. 

Die Atmosphäre unter dem Christbaum, 

die man als Kind erlebt hat, 

die Lichter, die selbst gemachten „Breedle“, 

das besondere Essen -, die Sehnsüchte. 

(eigene Erfahrungen ...)

 

Aber jetzt sind wir wieder unter uns. 

Die vielen, die sich am Heiligen Abend in der Kirche drängten, 

genießen jetzt die freien Tage. 

Das milde Wetter weckt bei vielen schon Frühlingsgefühle, 

sie gehen wandern oder mit dem Hund spazieren …

 

Und dann hören wir jetzt einen Predigttext, 

der eigentlich recht wenig weihnachtlich klingt. 

Er kommt mit schweren und hohen Worten 

aus einer fernen Welt auf uns zu, 

lädt nicht ein zu süßen Träumen, 

sollte uns aber gerade deshalb neugierig machen!

 

Gottes Wort für diesen zweiten Christfesttag ist wie ein 

verschnürtes Paket, das sich aber lohnt auszupacken. 

Es steht in Hebräer 1,1-4:

„1 Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet 

hat zu den Vätern durch die Propheten, 2 hat er in diesen letzten 

Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum 

Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. 3 Er ist 

der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens 

und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht 

die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten 

der Majestät in der Höhe 4 und [er] ist so viel höher geworden als 

die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name.“

 

 

»Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei
Weise geredet hat zu den Vätern…«. 

 

Das ist die erste Sensation, besser gesagt das erste Wunder, 

das hier verkündigt wird: Gott spricht. 

 

Die Juden erzählen von dem verehrten Rabbi Magith, 

dass er jedes Mal, wenn er bei der Schriftlesung 

auf die Bemerkung stieß: »Der Herr sprach…«,

in Verzückung geraten sei. 

Er hat dann angefangen vor Freude zu tanzen. 

 

Dieser Schriftgelehrte hatte begriffen, 

wie unfassbar die Tatsache ist, 

dass Gott mit uns Menschen redet. 


Gott spricht uns an, obwohl wir schon im Paradies 

das Gespräch mit ihm aufgekündigt haben. 

»Sollte Gott gesagt haben?« - hieß schon dort 

die kritische Frage. 

Kurz darauf fällt die Tür ins Schloss. 

Der Mensch fliegt aus dem Garten raus. 

Und seitdem - müsste eigentlich - eisiges Schweigen 

herrschen. 

»Mit dem rede ich kein Wort mehr. 

Der ist in Zukunft Luft für mich!« 

auch Gott könnte uns mit solchen Sprüchen abspeisen!

 

Denn Gott hat das Recht, 

sich gegenüber dem rebellischen Menschen zu verschließen. 

Er könnte sich in ewiges Schweigen hüllen 

und die Menschheit ihren Weg durch gottlose Einsamkeit 

gehen lassen. 

Aber was passiert? - 

Gott bricht sein Schweigen. 

Er ergreift „vielfach und auf vielfältige Weise“ das Wort. 

Als Christen können wir dieses Reden Gottes zuerst 

unter der Überschrift zusammenfassen:

 

 

(1.) Gott hat Israel sein erstes Wort,
gewissermaßen ein Vorwort, gegeben.

 

Wie sieht das praktisch aus? 

Der Prophet Elia hatte auf dem Berg Karmel 450 Priester der 

heidnischen Gottheit Baal versammelt. 

Die machten viel Lärm um nichts. 

Sie sind in Ekstase geraten und haben sich ihre Haut so lange

geritzt, bis das Blut auf den Boden lief. 

Aber Baal hat sich nicht gerührt …

Und Elia spottet über den abwesenden Götzen. 

Nicht die geringste Reaktion zeigt sich. 

 

Dann meldet sich der Gott Israels zu Wort:

In einem gewaltigen Zeichen antwortet Gott auf das Gebet 

seines Propheten:

    - Er erweist sich als lebendiger Gott. 

    - Sein Wort geht im Lärm der Menge nicht unter. 

 

Und Gott redete immer wieder in der Geschichte Israels, 

ist nicht anonym geblieben, 

sondern offenbart seinen Namen Mose am Dornbusch. 

Er erfüllt den Tempel mit seinem Lichtglanz, 

so dass Jesaja erschrickt: »Weh’ mir, ich vergehe!«. 

 

So deutlich auch die Gottesworte im Alten Testament 

aber auch waren,

das Angesicht Gottes, sein innerstes Wesen ist immer 

verborgen geblieben. 

Es war, als sähe man Gott nur in Umrissen; 

wie durch eine beschlagene Scheibe hindurch.

 

Aber Gott ließ es bei diesen Worten nicht bewenden. 

Nach dem Vorwort, offenbart er im Neuen Testament sein 

eigentliches Wort. 

 

Und das ist das Zweite:

 

(2.) Gott hat sich selbst offenbart in Jesus 

Christus. Er ist das einzigartige Hauptwort 

Gottes.

 

Verliebte wissen das sehr gut:

Es macht einen riesigen Unterschied aus, 

ob ich einen Brief schreibe und darin mühsam meine 

Gefühle ausdrücke, 

oder ob ich dem geliebten Menschen persönlich und 

leibhaftig begegne. 

 

Das ist der Unterschied zwischen dem alttestamentlichen Vorwort 

und dem weihnachtlichen Hauptwort. 

 

Im Kind in der Krippe wird Gott Fleisch und Blut. 

Seine Liebe nimmt leibhaftige Gestalt an. 

Man kann IHN sehen, wie er ist. 

Man kann IHN anfassen und berühren. 

Gott wird Mensch unter Menschen. 

 

Alles bloße Tasten und Ahnen in der Gottesfrage geht zu Ende. 

Detailgenau lernen wir Gott kennen, 

wenn wir Jesus anschauen. 

»Ich und der Vater sind eins. 

Wer mich sieht, der sieht den Vater« sagt Christus. 

Alles unsichere Fragen und Sehnen der Religionen kommt 

in Christus zum Ziel.

 

Ist uns das schon bewusst?

Christus, die Antwort auf das unsichere Fragen 

und Sehnen der Religionen? 

Er ist nicht nur die Antwort für Christen!

Sondern für alle Menschen!

 

Siddharta, dem man später den Ehrennamen Buddha, 

(zu deutsch) „der Erleuchtete“, verliehen hat, 

hat seinen Schülern einmal eine eindrucksvolle Geschichte erzählt: 

 

Ein indischer König richtete einst im Schloss von Benares 

für seine Untertanen ein Fest aus. 

Er ließ in den Innenhof seines Palasts einen Elefanten führen. 

Auf den Straßen der Stadt sammelt er blinde Bettler, 

die jetzt der Reihe nach von Dienern an den Elefanten 

herangeführt wurden. 

 

Der erste bekommt das Ohr des grauen Kolosses zu fassen. 

»Es könnte ein Palmblatt sein, das sich im Wind bewegt« 

meint der Blinde unsicher. 

Die Zuschauer lächeln. 

 

Der zweite tastet vorsichtig an einem Bein des Elefanten entlang.

»Das ist eine Säule« behauptet er selbstsicher. 

Die Leute lachen. 

 

Der dritte versucht den Rüssel des Tiers zu fassen, 

tritt aber entsetzt einen Schritt zurück. 

»Eine Schlange« murmelt er vor sich hin. 

Die Menschen brachen in schallendes Gelächter aus. 

 

Das grausame Spiel mit den Bettlern ging noch eine Zeit weiter. 

Aber immer wieder sind die phantasievollen Antworten falsch. 

Die Bettler verwechseln - ihre Teilwahrheiten - mit dem Ganzen. 

Denn die Tragik ist, dass ein Blinder nur das erkennt, 

was er zu fassen bekommt. 

Aber der Elefant ist einfach zu groß, 

als dass man ihn auf einmal - mit zwei Händen - ergreifen könnte. 

 

Und an dieser Stelle wird Buddha ernst:

So wie es den blinden Bettlern mit einem Elefanten geht, 

so geht es den Menschen mit Gott. 

Aus unserer begrenzten Perspektive 

kriegen wir immer nur einen kleinen Mosaikstein zu fassen, 

aber nie das Ganze. 

Wer behauptet er kenne Gott (ohne dass er ihn so nimmt, 

wie er sich uns er-greifbar gemacht hat), 

der betrügt sich und andere. 

Das ist die Theologie vom Elefanten. 

Die leuchtet ein. 

 

Auch die Bibel bestätigt: »Der natürliche Mensch vernimmt 

nichts vom Geist Gottes…« (Paulus, 1. Korinther 2, 14). 

Auch Christen sind nicht von sich aus klüger als Heiden. 

Sie sind auch nicht besser, 

sondern sie haben es besser. 

 

Warum?

Weil ihnen die Botschaft von der Menschwerdung Gottes

gegeben ist. Durch die Bibel.

 

Von sich aus und mit seinen Möglichkeiten 

kann der Mensch Gott nicht erkennen.

Das sollte sich jeder klar machen, 

der denkt, Gott z. B. in der Natur finden zu können. 

Oder in vorbildlichem Handeln

Oder in eigenem Nachdenken. 

 

Überall da ist ein Mensch noch nicht bei Gott angekommen,

er sieht nur Teil-Aspekte, Mosaiksteine, 

kann nicht wissen, wie Gott letztlich ist. 

 

Aber wir können - als Menschen - einen Menschen wahrnehmen!

 

Deshalb ist Gott zu uns in der Gestalt des Menschen gekommen.

    - in einem Kind, das man im Arm halten kann; 

    - in einem Mann, dessen Füße durch den Staub Palästinas 

        gehen; 

    - in einem Verfolgten, den man jagt und ans Kreuz hängt. 

 

Jesus ist der Charakter, die direkte Ausprägung Gottes
im Wesen des Menschen. ( - ) 

 

Sogar der hartgesottene Römer Pontius Pilatus bricht, 

als Jesus ihm vorgeführt wird, in den Ruf aus: 

»Seht, welch ein Mensch!«.

Das absolute Ebenbild Gottes ist in Jesus wieder hergestellt. 

Und noch viel mehr: Gott wird, was wir sind, 

damit wir zu dem werden können, was Jesus ist, 

nämlich zu Söhnen und Töchtern Gottes. 

 

Die vage Theologie des Elefanten wird überwunden von 

der wunderbaren Theologie vom Kind in der Krippe. 

 

Alle menschlichen Ehrentitel sind zu wenig, 

um die Einzigartigkeit von Jesus zu beschreiben: 

    - er ist mehr als ein Prophet, 

    - mehr als ein religiöses Genie, 

    - mehr als ein bedeutender Weisheitslehrer 

    - und mehr als ein großer Humanist. 

Er ist sogar höher als alle Ehrfurcht gebietenden Engel. 

Jesus ist Gott in Person.

 

In diesem inhaltsschweren Paket, 

das in den Eingangsversen des Hebräerbriefes zusammen

geschnürt ist, hören wir aber nicht nur vom Vorwort 

und vom Hauptwort, das Gott gesprochen hat, 

sondern schließlich - und drittens - auch vom Schlusswort Gottes:

 

 

(3.) Gott hat über der Welt
sein endgültiges Schlusswort gesprochen

 

Das Ende der Geschichte ist noch nicht erreicht. 

Noch immer kann die Wissenschaft weitere große Erfolge feiern. 

Auch politisch ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. 

Wahrheits- und Machtansprüche stehen einander zum Teil hart

entgegen. 

 

Und doch ist »in diesen letzten Tagen« 

alles »geredet durch den Sohn«. 

Es ist alles gesagt!

Gott hat diesem Schlusswort nichts mehr hinzuzufügen.

Die Christusoffenbarung braucht nicht ergänzt 

und kann nicht überholt werden. 

Deshalb ist auch die biblische Überlieferung (der Kanon) 

abgeschlossen. 

Christus ist der Schöpfer und Regent der Welt. 

 

In vielen Kirchen sieht man die mittelalterlichen Bilder von 

Maria mit dem Jesuskind. 

 

Das Ungeheuere in diesen Darstellungen ist oft, 

dass der Knabe den Globus mit leichter Hand 

und ohne Anstrengung über dem Abgrund hält. 

Wenn er uns zusagt: »Deine Sünden sind dir vergeben«, 

dann gilt das hier und jetzt und es rettet in alle Ewigkeit. 

 

Christus ist nach dem letzten Willen des Vaters 

zum Erben über alles eingesetzt. 

 

Dieses ›Neue‹ Testament Gottes wird durch nichts aufgehoben 

oder in Frage gestellt. 

 

Jesus hat sich zur Rechten des Vaters gesetzt. 

 

Die Krippe und das Kreuz sind durch die Auferstehung 

und die Himmelfahrt Jesu mit göttlichem Siegel bestätigt. 

 

Und weil das Wort Fleisch geworden ist, 

dürfen wir - Jesus - im Alltag und an Festtagen, 

in Freud und in Leid beim Wort nehmen. 

ER ist es!

ER macht es!

ER allein!  

Amen.

 

 

(Ich danke Pfr. Dr. R. Hille für seine Vorarbeiten zu diesem Predigttext!)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
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Christvesper, Christuskirche Dennach (Pfr. Held)
16:30 Uhr:
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Christvesper, Schlosskirche Schwann (Pfr. Held)
Dienstag, 25.12.2018
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17:00 Uhr:
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