2015-07-19

Predigt über Johannes 6,1-15 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

die Betheler Kleidersammlung, 

die es bis vor wenigen Jahren auch bei uns gab, 

heißt bis heute „Brockensammlung“. 

Ein seltsamer Name. 

Er kommt daher, dass Pastor Friedrich von Bodelschwingh

im 19. Jahrhundert in Bielefeld eine Sammelstelle für gebrauchte Sachen 

aller Art gegründet hat. 

Alte Sachen, die man sonst einfach weggeschmissen hätte. 

 

Was wir heute „second hand“ nennen, 

hat er „Brockensammlung“ genannt, 

weil er eine bestimmte Geschichte aus der Bibel im Kopf

und wohl auch im Herzen hatte. 

 

Wir hören heute diese Geschichte als Predigttext. 

Aber wer jetzt denkt: „Die kenne ich ja schon in- und auswendig!“, 

den bitte ich trotzdem nochmal genau hinzuhören. 

 

Der Evangelist Johannes nennt nämlich ein paar Details, 

die Dir vielleicht noch gar nicht aufgefallen sind (Johannes 6,1-15):

"Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See Tiberias 

heißt. Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, 

die er an den Kranken tat. Jesus aber ging auf einen Berg und setzte 

sich dort mit seinen Jüngern. Es war aber kurz vor dem Passa, dem 

Fest der Juden. 

Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt 

und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? 

Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. 

Philippus antwortete ihm: Für 200 Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, 

dass jeder ein wenig bekomme.

Spricht zu ihm einer seiner Jünger  Andreas, der Bruder des Simon Petrus: 

Es ist ein Kind hier, das hat 5 Gerstenbrote und 2 Fische; aber was ist das 

für so viele? Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. 

Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa 5000 Männer. 

Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, soviel sie wollten. Als sie aber satt waren, 

sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts

umkommt. Da sammelten sie und füllten von den 5 Gestenbroten 12 Körbe 

mit Brocken, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.

Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: 

Das ist wahrlich "der Prophet", der in die Welt kommen soll. 

Als Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen um ihn 

zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein." 

 

 

 

 

Ist euch aufgefallen, wann die ganze Begebenheit stattfindet?

Johannes nennt eine ziemlich genaue Zeitangabe: 

„Kurz vor dem Passa“. 

 

„Kurz vor dem Passa“

 

Warum notiert er das besonders?

Es ist doch völlig egal, wann genau das Wunder der Brot- und

Fischvermehrung stattgefunden hat!

Auf den Zeitpunkt kommt es doch nicht an!?

 

Es ist typisch für Johannes, 

dass der Zeitpunkt viel mehr ist als ein Datum im Jahr. 

Für ihn hat der Hinweis auch geistliche Bedeutung: 

Das Passafest ist das jüdische Hauptfest, 

erst recht damals. 

Und natürlich wird es vor allem in der Hauptstadt gefeiert, 

also dort, wo der Tempel steht, 

der die Mitte Gottes verspricht. 

 

Johannes macht uns deutlich: 

Das Eigentliche, das wirklich Wichtige, die Nähe Gottes, 

die ist nicht unbedingt besonders nah, 

wo Menschen sie vermuten und feiern. 

 

Gott ist nicht unbedingt besonders nah, 

wenn uns Mega-Events eine Gänsehaut bescheren. 

Wir erleben Gott nicht einfach, 

weil wir denken, zur richtigen Zeit am wichtigen Ort zu sein, 

wo irgendwie alle sind. 

 

Das Entscheidende ist, wo Jesus ist. 

 

Gott ist da, wo Jesus ist - und sei es im letzten Kaff am Ende Welt, 

so wie damals in Galiläa um den See Genezareth. 

 

Deshalb ist es auch für uns wichtig, 

dass wir uns klarmachen: Die Events, die Highlights sind es nicht, 

wo uns Gott besonders nahe ist, 

so sehr wir das hin und wieder auch brauchen (> Konficamp, Christustag …).

Gott ist in so manchem stillen Gottesdienst

vielleicht näher als wir es jemals vermutet haben. 

Deshalb: Lass uns darauf schauen, 

dass wir zu Jesus kommen, ihn suchen. 

Und die Menge zu ihm bringen. 

Und nicht umgekehrt. 

 

Denn wo Jesus ist, da ist Gott.

 

 

„Wo kaufen wir Brot?“

 

Meistens wird bei der „Speisung der 5000“ eine Person nicht erwähnt:

Philipps. Dabei erlebt der die ganze Geschichte so intensiv wie 

sonst keiner. 

 

Stellt ihm Jesus doch eine knifflige Frage: „Wo kaufen wir Brot, 

damit alle diese Menschen zu essen haben?“

Was hätten Sie, was hättest Du anstelle von Philipps darauf

geantwortet?

 

Eines muss ich vorweg noch sagen: 

Jesus wollte Philippus hier sicher nicht „vorführen“ oder bloß stellen. 

Seine Frage war nicht so eine wie in der Schule, 

wenn man nicht aufgepasst hat 

und der Lehrer einen dann extra drangenommen hat, 

man keine Antwort wusste - und deshalb vor der Klasse blöd dastand. 

 

Jesus testet mit seiner Frage auch nicht, 

ob Philipps schlau oder reif genug ist, 

um weiter sein Jünger zu sein. 

Bei Jesus fallen wir nicht durch

und wir werden auch nicht wegen schlechter Leistung ausgesiebt. 

 

Ich glaube, Jesus wollte mit seiner liebevollen, 

geistlichen Pädagogik erreichen, 

dass Philippus nicht zuerst auf die menschlichen Möglichkeiten schaut, 

sondern auf seinen Herrn und dessen Möglichkeiten. 

 

Ich glaube, genau das ist die Schule, 

in die Jesus auch Sie und Dich und mich hinein nehmen will. 

Denn auch ich denk’ noch viel zu oft wie Philippus: 

„Wie soll das denn gehen, dass alle Leute hier am Ort (oder in der

Firma oder im Verein) die Gute Nachricht hören?

Wie sollen wir das denn schaffen, 

dass jeder die Hilfe bekommt, die er braucht?

Wie sollen wir das nur hinkriegen, dass Einsame besucht, 

Gleichgültige eingeladen und neue Menschen gewonnen werden?

 

Dazu bräuchten wir doch viel mehr engagierte Mitarbeiter, 

mehr Mittel, mehr Möglichkeiten … mehr, mehr … was weiß ich. 

 

Aber Jesus sagt den Philippussen unter uns: „Schau auf mich!

Ich brauche nur fünf mickrige Knäckebrote und zwei trockene Bibis. 

Das langt, um ein Zeichen zu setzen, 

ein Zeichen für Gottes überreiche Güte. 

Vertraut mir. 

Verzweifelt nicht an euch und euren begrenzten Möglichkeiten. 

Solange ihr mich habt, wird alles gut!“

 

„… damit nichts umkommt“

 

War Jesus ein Schwabe?

Nach dem Evangelisten Johannes lässt er die Brotkrümel einsammeln -

nicht, damit alle sehen, wie viel Brot er gegeben hat

oder wie überreich er alle versorgt hat, 

sondern „damit nichts umkommt“, 

damit nichts verdirbt. 

 

Für die Älteren unter uns war das früher, 

in der Kriegs- und Nachkriegszeit, überlebenswichtig, 

dass nichts umkommt. 

Sonst hätte man einfach nicht genug gehabt. 

Und aus dieser Notsituation ist dann für viele eine Selbstverständlichkeit

geworden, so dass man auch in einer Zeit des Überflusses

lieber den Schimmel vom Brot kratzt, 

als eine Brotscheibe einfach wegzuschmeißen. 

 

Ich staune, dass Jesus nicht mit der Fülle protzt, 

die er schenkt. 

 

Ich finde es stark, dass die große Essenmenge nicht zur 

Verschwendung führt, sondern alles aufgesammelt wird. 

 

Das steht dem Trend unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft

total entgegen. 

 

Sicher ist es nicht die Hauptaussage unsere Predigttextes heute, 

aber es ist ganz bestimmt auch nicht falsch, 

dass wir unseren verschwenderischen Umgang mit Essen einmal 

kritisch hinterfragen: 

Deutschlands Bäcker entsorgen z. B. jährlich 500.000 Tonnen Brot!

Das ist ein Fünftel ihrer Produktion. 

Und warum backen die Bäcker 20 Prozent mehr, 

als sie verkaufen können?

 

Weil der geschätzte Kunde, 

weil auch wir noch - kurz vor Ladenschluss - ein möglichst komplettes

und vollständiges Sortiment vorfinden wollen!

Und weil’s teurer ist, einen Kunden zu verlieren

als Brot wegzuschmeißen, 

deshalb entscheidet man sich für die billigere Variante …

 

Liebe Gemeinde, 

es kann gerade den Christen nicht egal sein,

ob Essen, Kleidung 

oder was auch immer bei uns geschätzt oder verschwendet wird,

bei uns als wertvoll oder als wertlos behandelt wird. 

 

Stark, dass ein Pfarrer wie Bodelschwingh schon vor 150 Jahren 

mit seiner „Brockensammlung“ eine Alternative setzen wollte, 

wie wir das auch heute tun können!

 

 

„… entwich er wieder …“

 

Das Ende der Geschichte ist kein typisches Happy End. 

Jesus entzieht sich wieder der Menschenmenge 

und geht zurück auf den Berg, 

in die Einsamkeit, 

in die Nähe Gottes. 

 

Macht er sich etwa aus dem Staub?

Entzieht er sich dem Trubel, weil er eine Auszeit braucht?

 

Das wäre wieder viel zu kurz gedacht. 

Es geht um eine viel tiefere Wahrheit: Jesus „entweicht“, 

weil er sich nicht vereinnahmen lässt. 

Er lässt sich von niemandem „ergreifen und zum König machen“.

 

Er macht sein Ding, 

er geht seinen Weg, 

erfüllt seinen Auftrag. 

Und der heißt: ewiges Leben.

Nicht nur den Bauch füllen, sondern die Seele retten. 

Nicht nur für irdisches Glück sorgen, 

sondern den Himmel öffnen. 

Nicht menschliche Wünsche erfüllen, 

sondern Gottes Plan ausführen. 

 

Liebe Geschwister in Jesus, 

wo wir Christus darauf reduzieren, 

es uns gut gehen zu lassen, 

uns Gesundheit zu schenken, 

für eine neue Arbeitsstelle zu sorgen

oder unsere Beziehungskrise zu lösen - da entweicht er. 

 

Denn das ist zu wenig. 

 

Jesus bietet mehr, denn er ist mehr. 

 

Er nimmt uns, wenn wir das wollen und uns danach ausstrecken, 

ganz hinein in Gottes Gegenwart. 

 

Dann werden wir durch ihn wirklich innerlich frei und froh und satt. 

 

Um ihn geht es. 

Und dass wir aus ihm und auf ihn hin leben.

Dass wir ihn nach seinem Willen für unser Leben fragen. 

Und ihm dann folgen, 

zusammen mit anderen, notfalls aber auch allein, 

weil er die wichtigste Größe überhaupt ist. 

Im Leben und im Sterben. 

 

Ihm zu vertrauen, ihn lieben. 

Das ist wirklich wichtig. 

 

Denn Jesus sagt: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel 

gekommen ist. Wer von diesem Brot ist, der wird leben in Ewigkeit“ 

(Joh 6,51). 

Amen

 

(Ich danke Pfarrer Chr. Lehmann für seine Vorarbeiten zu diesem Predigttext!)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.11 - 21.11.2108
18:30 Uhr:
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Sonntag, 16.12.2018
9:15 Uhr:
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10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schwarze)
Dienstag, 18.12.2018
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Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
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16:30 Uhr:
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