2015-05-14 Christi Himmelfahrt

Predigt über Lukas 24,50-53 / Pfarrer Friedhelm Bühner

An diesem Himmelfahrtstag hören wir auf die letzten vier Verse des

Evangeliums nach Lukas im 24. Kapitel (Vv50-53):

„Er (Jesus) führte sie (die Jünger) aber hinaus nach Betanien

und hob die Hände auf und segnete sie. 

Und es geschah, als er sie segnete, da schied er von ihnen und

fuhr auf gen Himmel. 

Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem 

mit großer Freude und  waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“ 

 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

„Sie kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude!“, 

das ist das Schlusswort des Lukas-Evangeliums!

Zusammen mit dem Anfang der Lukas-Evangeliums,

wo es in der Adventsbotschaft ebenfalls heißt:
„Siehe, ich verkündige euch große Freude!“, 

bildet es so was wie ein Reißverschluss.

 

Es geht um ein und Dasselbe: „Große Freude“ …

weil der Sohn Gottes Mensch geworden war

und jetzt am Schluss, weil er nach vollbrachtem Werk 

in Gottes unsichtbare Wirklichkeit zurückkehrt. 

 

Das Kommen von Jesus in diese Welt 

und seine Rückkehr aus dieser Welt 

machen die zwei Brennpunkte der Frohen Botschaft aus, 

die Lukas im Evangelium verkündigt. 

Es geht um Jesus - allein um ihn!

Und ER ist der Grund - letztlich aller - echten Freude und Zuversicht. 

So wie es auch für uns heute sein sollte. 

Und wie auch wir uns den Blick dafür schärfen lassen sollten, 

weil seit jenem Tag - „Christi Himmelfahrt - ganz realistisch gilt: 

„Jesus Christus herrscht als König ...“ 

 

(Eine erste Überschrift:)

1. Jesus Christus: Der erhöhte HERR 

Wir berühren damit einen Punkt, 

der die Zeugen Jehovas ständig zum Widerspruch reizt: 

Jesus Christus ist nicht nur Lehrer, nicht nur Prophet, 

sondern er ist der HERR und damit der Retter derer, 

die an ihn glauben. 

 

Auch die theologisch Liberalen reden nicht gerne

vom „erhöhten Herrn und Retter“, 

sie machen aus Jesus vor allem das gute Vorbild, 

das soziale Gewissen unserer Gesellschaft, 

das aber letztlich zu allem „Ja und Amen“ sagt …

also niemals „HERR“ ist

und mit Gott regiert. 

 

Aber die Erhöhung von Jesus in die Sphäre Gottes zeigt,

wer Christus tatsächlich war und ist:
Der HERR und Retter aller, die an ihn glauben. 

 

40 Tage sind inzwischen seit seiner Auferstehung vergangen 

und schon x Mal hat sich Jesus inzwischen seinen Jüngern gezeigt 

und mit ihnen über „Gottes Königsherrschaft“ gesprochen. 

 

Es war eine ganz besondere Zeit für seine Jünger!

Ihr HERR und Meister war bei ihnen 

und doch - anders - als bisher.

All die grausigen und niederschmetternden Ereignisse seit

seiner Kreuzigung konnten sie von ihrem HERRN doch - nicht trennen. 

 

Und das hatten sie gerade jetzt gelernt - und im Glauben erfasst: 

Jesus, der Irdische, ist gleichzeitig der HERR, 

HERR über alle Herren und Damen dieser Welt, 

über alle Mächte und Gewalten, 

über Hohes und Tiefe, 

Gegenwärtiges und Kommendes … (Röm 8)

 

Jetzt aber ist der Augenblick da, 

wo Jesus Christus 

in die für uns Menschen unsichtbare Welt Gottes zurückkehrt. 

 

Er führt sie hinaus „nach Bethanien“ 

und wird „aufgehoben“ in den Himmel. 

 

Ganz schlicht berichtet Lukas davon: „... da schied er von ihnen 

und fuhr auf gen Himmel“ (V51). 

„Er wurde in den Himmel aufgenommen“, 

auch so kann man Lukas wiedergeben.  

 

Wer kann ermessen, was damit ausgesagt ist? 

Machen wir uns wirklich klar, 

welche Tragweite das Berichtete hat? 

 

Werden Könige gekrönt, 

dann ist das fast immer ein Medienereignis.

Auf eine gewonnene Meisterschaft im Fußball oder Eishockey gibt

es Straßenparaden mit Feiern über eine ganze Woche. 

Für den FC Bayern München hat es zum großen Triumph

zwar nicht gereicht, aber trotzdem haben sie gefeiert, 

schon in Stadion.

Und doch: Was ist das alles im Vergleich zu dem Ereignis, 

von dem die Bibel hier berichtet?

 

Hier wird deutlich, wer Jesus in Wirklichkeit war und ist, 

nämlich der HERR, der aus der Herrlichkeit kam. 

Er ist der Sohn des lebendigen Gottes, 

der König aller Könige -, 

Gottes- und Menschensohn. 

Nach erfülltem Auftrag kehrt er zum Vater zurück. 

Und wir verstehen die Worte des Apostels Paulus (Phil 2,9+11):

    „Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben,

    der über alle Namen ist ... und alle Zungen sollen bekennen,

    dass Jesus der HERR ist, zur Ehre Gottes, des Vaters“.

 

Was für ein Siegesjubel muss Jesus empfangen haben 

in der für uns bis heute unsichtbaren Welt Gottes!

 

In der Offenbarung lesen wir, 

wie das „Lamm Gottes“ das versiegelte Buch nimmt 

und spontane Freude im Himmel ausbricht:

    „Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig zu nehmen: 

    Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und 

    Preis und Lob“ (Apk  5,12).

Auch am Himmelfahrtstag dürfte es so ähnlich geklungen haben! 

 

Und ab jetzt gilt: „Alle Macht im Himmel wie auf Erden“, 

sie liegt bei Jesus Christus.

Was auch immer auf dieser Welt 

und in meinem Leben passiert, 

es muss erst an Jesus im Himmel vorbei!

Dem, der alles lenken und auch wenden kann. 

 

Das ist für mich unheimlich wichtig 

und stellt die vielen negativen Szenarien um die Zukunft der 

Menschheit, unsere Resourcen, um das Klima, 

um die zunehmende Unberechenbarkeit des Lebens, 

auf eine andere Grundlage.

 

Alles, was in dieser Welt und in meinem Leben passiert, 

es muss immer erst an Jesus im Himmel vorbei!

Und wer Jesus kennt und zum HERRN hat, 

der weiß -, was er an IHM hat!

(Das war auch Thema der Bibellese in der vergangenen

Woche … im Philipperbrief).

 

Und so haben wir es heute im Glaubensbekenntnis bekannt 

und dürfen es wissen: ER - hat alles in seinen Händen 

und wird die Weltgeschichte zu Gottes Ziel führen.

Und das dürfen wir wissen. 

Sicher wissen. 

Auch und gerade, 

wenn die Krisen und Konflikte weltweit im Zunehmen sind.

 

Eduard Thurneysen, er war Professor in Basel, 

schreibt einmal von einem Telefonat, 

das er am Abend des 9. Dezember 1968 mit seinem 

Freund Karl Barth geführt hat. 

Der „Prager Frühling“ in der Tschechslowakei

war gerade mit brutaler Gewalt niedergeschlagen worden. 

Da schreibt er: 

„Er (Karl Barth) wusste wohl, dass ihm sein Ende bevorstand; 

aber er ahnte nicht, dass es schon in der kommenden Nacht eintreten

würde. Er war sogar wohl gelaunt und heiter gestimmt. 

Wir sprachen über die Weltlage von heute. 

Er meinte: „Ja, die Welt ist dunkel!“ 

Aber dann fügte er etwas hinzu, was ich nicht vergessen werde. 

Er rief mir nämlich zu: „Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie!

Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington 

oder in Peking, sondern es wird regiert und zwar hier auf Erden, 

aber ganz von oben, vom Himmel her! 

Gott sitzt im Regiment! Deshalb fürchte ich mich nicht!“ 

 

Liebe Gemeinde, 

wenn und weil Jesus Christus heute als der erhöhte HERR regiert, 

dürfen wir seit seiner Himmelfahrt bekennen: 

„Es wird regiert!“ 

„Alle Macht im Himmel und auf Erden“ liegt bei ihm.

Ihm dürfen wir vertrauen, 

auf ihn können wir sicher hoffen!

(er sorgt für mich und nicht nur für mich, 

auch für die Zukunft unserer Kinder und Enkel,

für die Zukunft seiner Gemeinde, 

auch wenn die Zeiten rauher und bescheidener für sie werden).

 

Ihm will ich gehören

im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. 

 

 

(Jesus ist aber nicht nur der erhöhte HERR, 

sondern …)

2. Jesus Christus: Der segnende Retter

Wie war das eigentlich möglich, 

dass die Jünger am Tag der Himmelfahrt „mit großer Freude 

nach Jerusalem“ zurückkehren konnten? 

Gerade noch waren sie völlig enttäuscht 

in alle Richtungen davon gelaufen!)

 

Sie haben ihren HERRN ganz neu sehen gelernt! 

 

Jesus ist für ihr Leben der Retter geworden, 

unter dessen Segenshänden sie leben und bleiben wollen.

 

Es war das letzte „Bild“, das sich ihnen eingeprägt hat: 

Während „Jesus vor ihren Augen gen Himmel fuhr“, 

hat er „seine Hände erhoben und sie gesegnet“ (Vv50.51a). 

So berichtet es Lukas. 

 

Und was damals geschehen ist, 

das soll ab jetzt für immer gelten:

Die Jünger von Jesus bleiben unter seinen segnenden Händen 

und erfahren seine Hilfen jeden Tag!

Das ist das Vorrecht der Gemeinde Jesu

und damit auch unser Vorrecht, 

dass wir unter den aufgehobenen Händen von Jesus leben dürfen. 

 

Ist Dir das schon klar?

Und lebst Du auch unter diesem Vorzeichen?

 

Die segnenden Hände von Jesus sind die gleichen Hände, 

die sich für uns ans Kreuz nageln ließen, liebe Gemeinde, 

die Hände, die Menschen verachtet und weggestoßen haben 

und die sie beseitigen wollten.

 

Nur diese Hände aber können uns wirklich segnen!

 

Und sie tun im Verborgenen mehr 

als alle helfenden Hände dieser Welt zusammen genommen. 

 

Adolf Schlatter, noch mal ein Professor - diesmal aus Tübingen - 

hat noch in seinem letzten Lebensjahr (1938) ein Andachtsbuch 

herausgebracht, in dem er auch zur politischen und 

kirchlichen Situation damals in Nazi-Deutschland 

Stellung nehmen wollte. 

Verdeckt, wie das damals nur möglich war.

 

Unter dem Titel „Kennen wir Jesus?“ schreibt er:

„Wenn uns seine Kenntnis entschwindet, 

kennen wir uns selber nicht mehr ...

Mich bewegt die Frage: 

Können wir nicht mehr von Jesus empfangen,

als wir in unserer völkischen und kirchlichen Gemeinschaft schon 

besitzen? 

Sind seine Gaben nicht reicher als (alles), was wir haben?

Über diese Frage verwundert sich keiner, 

der das Neue Testament kennt ...“

 

Immer wieder versuch(t)en Menschen mit ihren Glücks-, 

Wohlstands- oder Heilsversprechen Jesu segnende Hände 

zu ersetzen. 

Heute z. B. indem sie fordern, 

die biblische Sicht des Segens Gottes auf die Ehe von Mann und 

Frau könnten wir Menschen freihändig auf alle Formen des 

Zusammenlebens erweitern …

 

Aber können wir uns selbst segnen?

Oder wird da nicht aus dem Segen ein „Absegnen“?

Was schon dem Namen nach ausdrückt, 

dass es nicht von Gottes Segen abgedeckt ist?!

 

Wo wir Menschen uns selbst Glücks- oder Heilsversprechen geben

(an Jesus vorbei), da bleibt bis heute immer nur ein großes Vakuum. 

Und wir Menschen beginnen, „uns selbst nicht mehr zu kennen ...“

 

Das Zeugnis des Lukas vom segnenden Retter will uns zeigen, 

wie sehr der Auferstandene seine Gemeinde - Dich und mich - 

und diese Welt beschenken und segnen kann. 

Zu diesem Segen gehört auch, 

dass er in der himmlischen Welt vor Gott 

für seine Leute eintritt, 

dass er ihr Fürsprecher und Anwalt ist.

 

Deshalb ist es nur konsequent für die Jünger, 

wenn sie am Himmelfahrtstag vor ihrem HERRN niederfallen 

und ihn „anbeten“ (V52a), 

als er segnend seine Hände über sie hebt 

(die Zeugen Jehovas mussten hier - nach ihrer Lehre - regelrecht

falsch übersetzen: Nicht „Die Jünger beteten Jesus an“, sondern

sie „huldigten“ ihm … Dabei wird aus dem segnenden Jesus 

bei ihnen logischerweise ein fordernder Jesus).

 

Dagegen sind Jesu echte Jünger zu allen Zeiten 

vor Jesus als dem erhöhten HERRN niedergefallen 

und haben damit bekannt: 

„Du bist der HERR unseres Lebens. 

Wir gehören Dir.

Wir wollen ohne Dich nicht mehr leben!“

 

Und deshalb gilt auch für uns heute: 

Wer den segnenden HERRN erkannt und erfahren hat, 

betet ihn an. 

Mit Worten, die unsere Hingabe an ihn zum Ausdruck bringen, 

aber auch mit Gehorsam im alltäglichen Leben.

Denn Anbetung wird zu einer billigen Kiste, 

wenn wir Gottes Wort nicht auch befolgen 

und Jesus dienen mit Herz, Hand und Verstand. 

 

Aber Anbetung, das können wir hier lernen, 

führt zum Lobpreis Gottes (V53),

wenn wir  - wie die Jünger damals - vor Augen behalten, 

wie Jesus seinen Ehrenplatz zur Rechten des Vaters einnimmt 

und uns unter seinen segnenden Händen leitet. 

 

Wir gehen nach diesem Gottesdienst nicht nach Jerusalem 

und nicht in den Tempel, wie die Jünger damals. 

Sondern wir gehen heim in unsere Wohnungen 

und zu unseren Familien.

Gerade dort und in unserem Alltag sollen wir den HERRN 

mit Lob und Dank verherrlichen und aus seiner Kraft leben. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.11 - 21.11.2108
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Sonntag, 16.12.2018
9:15 Uhr:
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10:15 Uhr:
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Dienstag, 18.12.2018
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