2015-05-10

Predigt über Johannes 16,23-33 i. A. / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus dem Johannes-Evan-

gelium, Kapitel 16, die Verse 23b-28(29-32)33:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten 

werdet in meinem Namen, wird er's euch geben. 24 Bisher habt ihr um 

nichts gebeten in meinem Namen. 

Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei. 

25 Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Zeit, dass ich 

nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus 

verkündigen von meinem Vater. 26 An jenem Tage werdet ihr bitten 

in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für 

euch bitten will; 27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich 

liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin. 28 Ich bin vom 

Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt 

wieder und gehe zum Vater ...

33 Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. 

In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

damit ein modernes Smartphone funktioniert, 

muss die Elektronik in Ordnung sein. 

 

Auch mit dem Glauben ist es so: Jesus bringt uns 

wieder in Ordnung, in dem er uns die Schuld abnimmt, 

indem er unsere Herzen heilt. 

 

Und bei einem Smartphone muss der Akku geladen sein.

Nicht anders im Glauben:

Wir bekommen die Kraft zum Gebet durch den Heiligen Geist. 

 

Im Smartphone muss Ihre SIM-Karte richtig rum

eingesetzt sein. Denn darauf ist alles abgespeichert, 

was das Ding richtig funktionieren lässt.

Wie ist das im Glauben?

Woher bekommen wir das richtige Programm?

Durch Gottes Wort. 

 

Jetzt kann man auch nicht aus dem Stand heraus

einfach so telefonieren mit dem tollen Teil!

Ein bisschen Vorbereitung und Einarbeitung muss schon sein!

Und ich muss noch immer die richtige Rufnummer kennen, 

wenn ich eine bestimmte Person erreichen will!

 

Manche sagen: Die richtige Rufnummer für Gott ist die „5015“, 

weil es in Psalm 50, Vers 15 heißt:

„Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten 

und du sollst mich preisen …“

Also im übertragenen Sinn: Ich muss wissen, 

wie Gott erreichbar ist!

 

Das weiß heute nicht mal mehr jeder Zweite!

 

Dabei ist Gottes Leitung immer „offen“, nie besetzt.

Er hat keinen Anrufbeantwortet geschaltet, 

Sie telefonieren mit einem echten Gegenüber.

 

 

Und so verstehe ich die Worte von Jesus, 

die wir heute als Predigttext zusammen anschauen

wie eine Aufforderung an mich und dich: „Ruf mich doch an!“

 

 

Du bist bei Gott frei geschaltet, also rufe an! (1.)

 

Ist uns schon klar, dass wir - wenn wir beten - direkt das Herz 

Gottes erreichen?

 

Gott liebt uns nämlich - und zwar um Jesu willen. 

Nicht, weil wir schon immer so liebenswert wären. 

Das überhaupt nicht. 

 

Aber Gott sieht es so: Bist du ein Freund von Jesus, 

dann bist du damit auch mein Freund!

Und das für immer. 

 

Stellen wir uns mal wieder vor, 

wir wären noch so richtig jung … 

Dein Vater oder deine Mutter bieten dir an, 

mit dir auf den Rummelplatz zu gehen. 

Du darfst dir was ganz Spannendes raussuchen

und du entscheidest dich fürs „Quadfahren“ - das sind die kleinen

vierrädrigen Kisten, mit denen mit vollem Karacho 

rauf und runter in der Gegend herum fahren kann …

 

Jetzt kauft dir deineVater gleich fünf Zeitkarten. 

Die kannst du dir nacheinander bei ihm abholen

und damit die in die nächste Runde gehen. 

 

Nach ner Weile stellt sich ein fremder Junge an 

und will von deinem Vater auch eine Karte. 

Und der denkt sich: „Warum sollte ich diesem wildfremden

Kerl eine Karte geben, der gehört doch gar nicht zu uns!“

 

Bis … du dich hinter ihn stellst und sagst: 

„Hey Papi, das ist mein Freund und ich hab’ ihm eine 

Freikarte versprochen!“

 

Dann ist für deinen Vater alles klar - und er rückt eine 

Freikarte heraus!

Sein Sohn hat sie ihm versprochen, 

also gibt er sie ihm … „im Namen seines Sohns“!

Und so - macht das Gott auch, 

wenn du ihn „im Namen seines Sohns“ (im Namen von Jesus)

um etwas bittest!

 

 

Denken wir an den Heiligen Geist, 

dann fällt es uns ziemlich schwer, ihn zu beschreiben. 

Er scheint so hoch, so unnahbar, so weit weg zu sein. 

Aber - und das sagt Jesus hier - die Liebe zum Sohn 

hebt diese ganze Distanz auf, 

sie bringt Dich Gott ganz nah!

 

Und so wird es seinen Sinn haben, 

dass in diesem kurzen Predigttext Gott sieben Mal „Vater“

genannt wird. 

Durch Jesus dürfen wir zu Gott „Vater“ sagen, 

durch ihn brauchen wir nicht mehr vom „Herrgott“ reden, 

auch nicht vom Schicksal oder einer höheren Macht, 

sondern durch Jesus wird dir Gott zum „Vater“ … 

und du wirst sein „Kind“. 

Und du hast ein Recht darauf, 

dich auf Jesus zu berufen!

Wenn du Jesus dein Leben anvertraut hast.

 

In allen anderen Religionen bleiben die Götter schon auf 

Distanz zum Menschen, sie umgeben sich mit einem Grauschleier

und lassen die Menschen für einen gnädigen Gott „kämpfen“, 

dabei kommen sie nie wirklich zu Gott. 

 

Gerade das Gebet ist im christlichen Glauben so total anders

als in allen anderen Religionen. 

Da gilt nicht, dass du vor allem deshalb beten sollst, 

weil du Gott gnädig oder dir gewogen stimmen willst

oder weil du durch möglichst viel Beten 

Gottes Hilfe oder sein Herschauen erzwingen willst. 

 

So, wie uns Jesus hier das Gebet zeigt, 

ist es keine religiöse Pflichtübung mehr. 

Wie es z. B. im Islam ganz normal ist: 

Du musst beten (als frommer Moslem)

und vor allem, musst du dabei absolut alles richtig machen. 

Sonst bringt es nichts!

Sonst ist Allah nicht zufrieden, hört weg …

 

Jesus dagegen sagt: 

Nicht die Menge deiner Gebete zählt bei Gott, 

auch nicht ob du alles sauber und wohl formuliert bringst, 

sondern Gott sieht in dein Herz, wenn du betest, 

er erkennt, wie du im Tiefsten dabei denkst. 

 

Vielleicht so unverstellt wie ein Kind, das seine Eltern fragt: 

„Also, ich bete jetzt gleich …

Was soll ich denn für euch bitten?“

 

Sehen Sie, was uns Jesus hier mitgibt?

 

Beten ist kein Beschwörungsversuch!

Wir brauchen Gott nicht aus seinem „Schatten“ heraus locken. 

Wir haben das gar nicht nötig!

 

Weil Gott in Jesus nämlich längst seine „Deckung“ verlassen hat. 

Er ist zu uns gekommen. 

Er hat uns - zuerst geliebt. 

Deshalb ist Beten eine Frage meiner Erwartung!

Was erwarte ich von Gott?

Wenig? - dann bete ich auch wenig!

Viel? - dann werde ich auch viel, für viele und für vieles beten!

 

Martin Luther hat mal gesagt: 

„Unser Gebet wird allewege erhört. 

Wenn es nicht nach unserem Willen erhört wird, 

so wird es doch erhört nach dem Willen Gottes, 

welcher besser ist als der unsrige.“ (1)

 

Gott bleibt also souverän. 

Er ist nicht erpressbar. 

Aber er hört … und erhört. 

Wer so denkt und fest mit Gott rechnet, 

der führt keine Selbstgespräche!

Der betet auch nicht deshalb, um seine Seele zu klären, 

wie es beim Yoga der Fall ist. 

Sondern beten, wie es Jesus zeigt, 

ist eine Lebensäußerung des Glaubens, 

da klärt sich die Gottesbeziehung immer wieder neu. 

Da kommt der „Friede Gottes“ in mein Herz und Leben,

gerade in einer Welt voller Egos, voller Angst, 

voller Unwägbarkeiten. 

 

Christen müssen nicht beten, 

sondern sie beten ganz selbstverständlich … 

mehr und mehr … für alles Mögliche … weil sie durch Jesus

den Draht zu Gott haben, 

eine freie Leitung zu jeder Zeit … zum Herrn der Welt. 

 

 

Ein Zweites macht Jesus deutlich:

 

Adel verpflichtet  - Das gilt auch für das Gebet (2.)

 

Wenn Jesus bei mir im Herzen angekommen ist, 

dann lebe ich in einem neuen Stand

und dieser „Adel“ - bedeutet auch Verpflichtung!

Als geliebtes Kind Gottes gehöre ich jetzt zu seiner Familie

mit allem, was dazu gehört.

 

Die erfahrene Liebe wird Folgen haben.

Sie sucht das Gespräch mit Gott,  

seine Nähe im Hören auf Gottes Wort, im Gottesdienst

(Das ist kein „Muss“! - Niemand „muss“ als Christ zum 

Gottesdienst. Aber was drückt es denn aus,

wenn jemand anscheinend gar kein Verlangen hat, 

Gott hier zu begegnen, 

auf sein Wort zu hören …?)

 

Wenn Jesus bei mir im Herzen angekommen ist, 

dann wird das Folgen haben: 

    - dann werde ich beten … über Jesus zu Gott vordringen.

    - Es ist ein Zeichen der Echtheit, 

        genau so wie die Begegnung mit ihm im Gottesdienst. 

    - Ich kann gar nicht anders, 

        so wie ein Same, der auf guten Boden gefallen ist, 

        nicht im Boden bleiben kann, 

        sondern austreibt, dem Licht entgegen wächst. 

        Würde er im Boden bleiben wollen, 

        ginge er schnell ein. 

 

Auch alles, was wir aktuell erleben in unserer Umwelt

wird Christen ins Gebet führen:

Die Kälte in vielen Häusern, 

die steigende Zahl von Kindern und Jugendlichen, 

die in Patchworkfamilien groß werden, wechselnde Väter und

Mütter erleben - aber keinen Gott, der ihnen Halt gibt, 

die Krisenherde der Welt,

die Flüchtlingsströme, 

die Naturkatastrophen … wie zuletzt in Nepal. 

 

Für die gröbste Nothilfe können wir spenden, 

aber gerade durch ihr anhaltendes Gebet werden Christen ihre

Verantwortung für diese Welt wahrnehmen, 

nicht zuletzt indem sie dafür beten, 

dass auch heute noch Menschen „zur Erkenntnis der Wahrheit

kommen“, Jesus annehmen und ins Reich Gottes finden. 

 

Jesus selber hat in der Nacht vor seiner Verhaftung

im Gebet um das Heil der Menschen gerungen: 

„Wacht und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Mt 26,41).

Er hat seine Jünger darauf vorbereitet, 

auf Zweifel, Anfechtung … und den großen Gegenspieler Gottes, 

der uns von Jesus wegtreiben will. 

 

Wenn ein Christ betet, 

dann gesteht er damit ein, dass er Gottes Hilfe braucht. 

Wer dagegen meint, dass er sich selber bewahren kann, 

für sich allein glauben und leben, 

der wird scheitern. 

Weil der Gegenspieler Gottes immer auf der Lauer liegt. 

 

Vor kurzem kam ein toller Film über wandernde Herden in Afrika

im Fernsehen. Unglaublich schöne Bilder. 

Darin ging es auch um die Klugheit der Tiere: 

Sie bleiben als Herde möglichst zusammen

und schützen so ihre Jungtiere. 

Das gelingt ihnen auch meist. 

Aber die Löwen haben ihre Jagdstrategie genau darauf abgelegt, 

dass sie versuchen einzelne Tiere aus der Herde heraus zu hetzen. 

Wenn ihnen das gelingt, 

dann - sind sie fast immer die Gewinner. 

Allein - können die Tiere ihr Leben nicht schützen

und werden gefressen. 

 

„Passt auf …, dass ihr euch nicht absondert von der Herde“, 

durch ein gehetztes Leben … oder andere Gründe, 

die doch letztlich keine sind, 

würde Jesus uns zurufen. 

 

Beten und der gelebte Zusammenhalt

macht den Adel aus, in dem Christen durch Jesus stehen. 

 

Der englische Erweckungsprediger Ch. H. Spurgeon 

hat einmal geschrieben: 

„Wir sollten beten, wenn wir in einer Gebetsstimmung sind, 

weil es Sünde wäre, eine so gute Gelegenheit zu versäumen. 

Und wir sollten beten, wenn wir nicht in einer solchen Stimmung sind, 

weil es gefährlich wäre, in einem so ungesunden Zustand 

zu verharren.“ (2)

 

Ich persönlich brauche ein festes Zeitfenster jeden Tag, 

an dem ich bete. 

Eine bestimmte Gebetszeit.

Sonst übernimmt der Kalender und vieles andere

mir schnell die Tagesleitung aus der Hand. 

(Und ich gehe auch nach Möglichkeit sonntags in einen

Gottesdienst, wenn ich nicht predige,

wenn ich z. B. im Urlaub bin …)

 

Selbst Jesus hat das für sich so gemacht …

Er ist schon früh am Morgen aufgestanden 

um allein mit seinem Vater im Himmel zu sein … 

und mit ihm zu reden. 

Das prägt den ganzen Tag, 

wie auch umgekehrt, wenn ich es nicht so mache. 

 

Der direkte Draht, 

die freie Leitung zum Herrn der Welt …

nutzen wir sie doch … lassen wir die Drähte glühen!

Was für ein Adel, 

dass wir es überhaupt dürfen!

 

 

Das Gebet ist unser großes Vorrecht! (3.) 

 

Und die Gespräche mit Gott sind darüber hinaus abhörsicher

und kosten nichts (außer unsere Zeit). 

Sie sind das Vitamin B für unseren Glauben

und stärken die Beziehung zum Vater. 

Wer betet, der drückt damit aus, 

was Gott ihm wirklich bedeutet, 

dass sein Herz und seine ganze Erwartung an Gott hängt. 

 

Das geht dann von Herz zu Herz. 

 

Da wird der Dank an Gott nicht zu kurz kommen. 

Für so vieles … nicht zuletzt dafür, 

dass wir überhaupt diesen Zugang zu Gott haben. 

 

Und immer wieder bewahrheitet es sich:

Das Gebet ist der große Sorgenvertreiber!

Hier dürfen wir alles abladen, 

auch den größten Mist!

Hier dürfen wir um Vergebung von Schuld bitten

und bekommen im Gegenzug ein freies Gewissen, 

Frieden mit Gott … nicht selten auch ein neues 

Verhältnis zu schwierigen Menschen. 

 

Da gibt es große Überraschungen!

Echte Gebetserhörungen, 

manchmal sogar auf eine Art und Weise, 

dass es uns gar nicht so vorkommt …

Da mache ich die Erfahrung: Gott wird mich nicht allein lassen. 

Ganz egal, was war … und vielleicht noch kommt. 

Ich darf ihm einfach alles sagen. 

Brauche nicht erst einen Kurs belegen, wie ich denn 

richtig beten kann oder wie ich es konkret machen soll. 

 

Durch Jesus darf ich zu Gott einfach „Papa“, „Paps“ oder „Vater“ 

sagen. Einfach heraus plappern, was mir aus dem Herzen kommt. 

So vertraulich darf mein Umgang mit Gott sein. 

 

Ist dir das schon klar?

 

Beten heißt: Sich aus der Angst der Welt

aufmachen … und zum Vater gehen. 

 

Das fängt immer beim ersten Mal an. 

Mach’ Dir also schon heute rote Kreuzchen in den Kalender, 

damit Du’s morgen nicht vergisst!

 

Durch Jesus bist Du bei Gott frei geschaltet!

Und am anderen Ende der Leitung wartet einer darauf, 

dass du’s auch tust.
Jeden Tag. Amen

 

 

Anmerkungen:

(1) WA 22,527

(2) Zitiert nach „Zuversicht und Stärke“ I/3 (2003), S. 97




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.11 - 21.11.2108
18:30 Uhr:
GD am Buß- und Bettag in Schwann mit Abendmahl (Pfarrer Manz)
Sonntag, 16.12.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schwarze)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schwarze)
Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Heiligabend-GD in Schwann mit Weihnachtsstück (Pfarrer Held)
16:30 Uhr:
Heiligabend-GD in Dennach, besinnlich (Pfarrer Held