2015-03-29 Palmsonntag

Predigt über Johnannes 12,19-19 / Pfarrer Friedhelm Bühner

der Altbundeskanzler Helmut Schmidt war wieder einmal bei

„Menschen bei Maischberger“ zu Gast. 

Und einmal ganz ungewohnt ohne qualmende Zigarette meint

er: „Ich würde mich heute nicht mehr auf Gott verlassen ... Gott 

hat allzu viele schlimme Dinge zugelassen“. 

Eine kurze Stille, dann gehts weiter …

Die Diskussion ging eigentlich um ein andere Thema. 

 

„Gott hat allzu viele schlimme Dinge zugelassen ...“ - 

Mit diesem Satz hat der alte Schmidt so manchem

aus der Seele gesprochen … und gerade jetzt nach dem 

Flugzeugabsturz über den Alpen, 

dazu noch absichtlich herbei geführt, 

wo ein ganzer Spanischkurs ausgelöscht wurde, 

zusammen 150 Menschen,

und so manchem verzweifelten Gebet der Angehörigen

„So hilf uns doch!“ - da kann - uns auch hier im Gottesdienst -

so eine Antwort nicht völlig kalt lassen. 

 

„So hilf doch!“ - Wie oft stellen diese Bitte Schüler und Eltern, 

wenn der Stress in der Schule nicht mehr zu ertragen ist 

und es mit der Versetzung eng wird. 

„Hilf doch!“ - Wie oft wird diese Bitte in den Zimmern der 

Krankenhäuser ausgesprochen, 

wenn das Können der Ärzte seine Grenzen erreicht hat - 

und der Krebs doch weiter macht. 

„Hilf doch!“ - Wie oft kommt diese Bitte von Ehepartnern, 

wenn es in der Beziehung kriselt - und die Ehe ist vielleicht 

trotzdem in die Brüche gegangen. 

 

„Ich würde mich heute nicht mehr auf Gott verlassen“, 

das ist die resignierte Schlussfolgerung nicht nur des Altkanzlers, 

sondern vieler, die denken, 

sie seien bei Gott nicht „durchgekommen“. 

Warum auch immer. 

Vielleicht weil die Leitung überlastet war oder - 

weil er gar nicht da war?

 

Liebe Gottesdienstbesucher, 

am liebsten würde ich Sie jetzt persönlich fragen, 

welche Erfahrungen Sie schon mit Gott gemacht haben!?

 

Vielleicht - und hoffentlich! - auch ganz andere!

 

Gehen Sie mit ihm in den Tag, in die Woche, 

in das laufende Lebensjahr? 

 

Fragen Sie ihn vor wichtigen Entscheidungen, 

wie sie sich entscheiden sollen, 

was sie tun sollen?

 

Wir können die kritische Rückfrage des Altkanzlers an Gott

ja heute morgen auch einmal bewusst umdrehen:

Wie müsste Gott denn handeln, 

damit Enttäuschungen überhaupt nicht passieren? 

 

Die Vermutung liegt nach: 

 

Er sollte sich auf jeden Fall aller unserer Bitten annehmen!

Und am besten - uns gleich - von aller Art 

gesundheitlicher und persönlicher Probleme befreien!

Das wär’s doch!

Dann würden wir alle an Gott glauben! … Oder … auch nicht!

 

 

Als Jesus vor 2000 Jahren mit seinen Jüngern durchs Land 

gezogen ist, da ist es den Leuten nicht viel anders gegangen wie uns:

Sie haben große Hoffnungen auf ihn gesetzt, 

weil er sichtbar, spürbar, erlebbar aktiv war: 

Mutlose hat er wieder aufgebaut, 

Hungrige satt gemacht, 

Kranke geheilt!

 

Mensch, was für eine Hoffnung tut sich da auf!

 

Und plötzlich geht das Gerücht durch die Stadt: 

ER kommt, Jesus kommt!

Der, vor dem sich sogar die Dämonen und der Tod in Acht nehmen, 

der Naturgewalten im Griff hat, 

er kommt!

 

Und schon steht er da, 

am Osttor der Davidsstadt Jerusalem -, 

es ist nur noch eine Frage von Stunden bis sie ihn leibhaftig 

sehen werden. 

 

Aber hören wir selbst. 

Ich lese aus Johannes 12, die Verse 12-19, den Predigttext für

diesen Palmsonntag:

„12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen 

war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, 13 nahmen sie Palm-

zweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! 

Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von 

Israel! 14 Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie 

geschrieben steht (Sacharja 9,9): 15 »Fürchte dich nicht, du Tochter 

Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« 

16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus ver-

herrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben 

stand und man so mit ihm getan hatte. 17 Das Volk aber, das bei 

ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten 

auferweckte, rühmte die Tat. 18 Darum ging ihm auch die Menge 

entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 19 Die 

Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts 

ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.“

 

 

Das Volk wartet sehnsüchtig auf die Hilfe von Jesus. 

Es brüllt: „Hosianna! - So hilf doch!“.

Ohrenbetäubend, so dass es keiner überhören kann. 

Direkter kann eine Bitte eigentlich nicht gestellt werden!

 

Und Jesus? Was macht er?

Wir lesen nichts von einer Siegergeste.

Auch keine kämpferische Faust wird in den Himmel gestreckt, 

kein Victory-Zeichen gemacht. 

Jesus lässt sich nicht auf die Schultern der jubelnden Massen heben, 

macht nicht den politischen Revoluzzer, 

der entschlossen das Wort ergreift und eine kämpferische 

Rede hält: Schaut her, da geht’s lang!

 

Er heilt keinen Kranken, 

verjagt keine römischen Soldaten. 

Es scheint, als prallen die eindringlichen Hilferufe der Menschen 

„Hosianna - so hilf doch!“ unerhört an ihm ab. 

 

Das Einzige, was wir von Jesus in unserem Bibeltext lesen, ist: 

Er besteigt einen Esel (Maultier), genau jenes Tier, 

auf dem der Prophet Sacharia einen armen und friedvollen Retter 

nach Jerusalem einziehen sieht. 

 

Was will Jesus mit dieser Aktion ausdrücken? -

„Macht mich nicht zu dem, was ich nicht bin!“

 

Die Menschen damals wie heute hätten Jesus gerne 

als ihren ganz persönlichen Wunscherfüller, als Glücklichmacher, 

als einen, der ihnen Freiheit und Stolz garantieren soll. 

 

Aber genau in dieses Schema lässt sich Jesus nicht pressen. 

Er zieht nicht in Jerusalem ein, 

um wie von einem Festumzugswagen dem bittenden Volk 

kleine Wohltaten wie Süßigkeiten zuzuwerfen, 

sondern er zieht ein -, weil sein Vater will, 

dass er dort - ans Kreuz genagelt wird. ( - ) 

 

Eine ganz fremde Vorstellung, 

eine enttäuschende Wahrheit ist das. 

Jesus erfüllt nicht unseren Willen, 

bedient nicht - unsere - primären Wünsche, 

sondern erfüllt den Willen des Vaters!

 

Aber das Volk in Jerusalem, 

wie auch viele Zeitgenossen heute, 

wollen diese Wahrheit nicht wahrhaben!

Sie sind in ihrem „Hosianna, hilf-doch-Gegröle“ 

oder dem sich selten vorgeschobenen - „einem Gott, der so 

viel Schlimmes zugelassen hat, dem kann ich nicht vertrauen“ 

voll und ganz mit sich selber beschäftigt 

um diese Enttäuschung - überhaupt zu erkennen. 

 

Wie sieht es da bei uns aus, wenn wir Jesus zurufen: „Hosianna, 

so mach doch endlich was, so hilf doch endlich!“?

Bin ich bereit, mich enttäuschen zu lassen?

Mich ganz unter seinen Willen für mein Leben zu stellen?

Mir einzugestehen, dass Jesus nicht meinen Willen, 

sondern den Willen seines Vaters tut, 

als der er dem Kreuz entgegen geht?

 

Wenn wir uns dieser schmerzhaften Erkenntnis stellen, 

dann ist das auf jeden Fall eine Enttäuschung 

und ich merke: 

Jesus ist nicht der, den ich mir immer vorgestellt habe. 

Er ist nicht der, 

der einfach mein Wunsch- und Traumerfüller ist, 

sondern er ist das Passalamm, das zum Kreuz zieht. 

Nicht zuletzt, weil ich das nötig haben … nur … würde ich darauf

selber nie kommen!

 

Und so kann eine Ent-täuschung auch zur Befreiung werden, 

wenn sie meine bisherige Täuschung aufhebt!

 

Wenn ein Nomade in der Wüste erkennt, 

dass die prächtige Oase in der Ferne nur eine Fata Morgana war, 

dann ist er „ent-täuscht“

Er weiß jetzt aber aber, wo er dran ist. 

Und das ist nur gut für ihn. 

Denn er wird jetzt nicht länger einer Luftspiegelung hinterher rennen, 

die ihn ins Verderben stürzen würde,

sondern er wird „ent-täuscht“ - anfangen -

nach der wahren Wasserquelle zu suchen. 

 

Was ist die wahre Wasserquelle für uns, für mich?

Und wie finde ich sie?

 

Ich finde sie dann, wenn ich „ent-täuscht“ (über mich und

meine eigenen Wünsche) zum Kreuz von Jesus ziehe 

und dort erkenne, wie Gott wirklich ist. 

[Bezug Glaubenskurs …]

 

Wir Menschen halten Gott gerne vor: 

Warum hat er nur dies oder jenes zugelassen?

Warum hat er mir damals nicht geantwortet, 

als ich in großer Not wirklich zu ihm gerufen habe? ( - ) 

 

Ich kann darauf keine letztgültige Antwort geben. 

Aber nicht immer sind diese Vorhaltungen ganz ehrlich. 

Denn wenn ich nur in der Not zu Gott komme, 

aber in guten Zeiten meinen eigenen Weg gehe, 

was muss ihm das sagen?

 

Gott ist kein Automat, nicht mein verlängerter Arm. 

Er will nicht irgendeine Rolle in meinem Leben spielen, 

sondern er will der Regisseur meines Leben sein.

Er will das Drehbuch zu meinem Leben nicht nur schreiben, 

sondern es auch umsetzen!

Weil er Gott ist - und als solcher wirklich weiß, 

was ich brauche. 

 

Erst wenn ich innerlich da angekommen bin, 

dass ich ihm das zugestehe, 

dass ich bereit bin,

ihn Gott sein zu lassen, 

werde ich bereit sein für seine Gedanken mit meinem Leben. 

Und da werde ich erkennen, 

was Jesus gemeint hat als er sagt: 

„Was würde es dem Menschen bringen, 

wenn er die ganze Welt gewinnen würde (Haus, Hof, Ehre, Familie, 

Gesundheit, Heilung ...), aber Schaden nähe an 

seiner Seele“ (Mt 16,20), 

wenn er dafür am ewigen Leben vorbei geht!?

 

Alles, auch die sehr so verständlichen Notrufe an Gott, 

sie wären eine trügerische Hilfe gewesen!

Weil das Heil mehr ist … als Heilung!

Weil es viel wichtiger ist, 

dass ich mich von Gott zur wahren Quelle des Lebens führen lasse:

Unter das Kreuz von Jesus. 

Wo ich zunächst einmal komplett desillusioniert werde. 

Wo ich erkenne: Ich bin nicht der, der ich gerne sein will. 

Ich bin ein Sünder, der Vergebung braucht. 

Und ich darf Gottes Vergebung 801987662, 

mit Jesus ein neues Leben bekommen!

 

Ist Dir das schon aufgeleuchtet? 

 

Hast Du Gott schon gedankt für diesen Weg, 

den er auch für Dich gegangen ist?

Für Jesus am Kreuz?

 

Dann ist das Wort von der „Frohe(n) Botschaft“ aufgegangen, 

das bis heute am Anfang jeder Konfirmation steht: 

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn

für uns uns dahin gab, damit alle, die an ihn glauben 

das ewige Leben haben“ (nach Johannes 3, Vers 16). 

 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Christvesper, Christuskirche Dennach (Pfr. Held)
16:30 Uhr:
Waldweihnacht an der Schwanner Warte: Familiengottesdienst mit Weihnachtsstück (KiGo-Team & Jan Hunsmann)
18:00 Uhr:
Christvesper, Schlosskirche Schwann (Pfr. Held)
Dienstag, 25.12.2018
9:30 Uhr:
Einsingen zum Weihnachts-GD in Schwann
17:00 Uhr:
Weihnachts-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
18:30 Uhr:
Abendgottesdienst mit dem San-Sebastian-Chor in Schwann (Pfr. Held)