2014-12-25 1. Christfesttag

Predigt über Lukas 2,15-20 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext aus Lukas 2, die Verse 15-20:

"15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen 

die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem 

und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der 

Herr kundgetan hat.16 Und sie kamen eilend und fanden beide, 

Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Als sie 

es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu 

ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, 

wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. 

19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem 

Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten 

Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu 

ihnen gesagt war."

 

 

Liebe Gemeinde, 

die Hirten von Bethlehem - das ist so ein Problem für sich!

Um die Weihnachtsgeschichte des Lukas zu verstehen, 

müssen wir eigentlich zu allererst den romantischen, 

sentimentalen Schleier aus unseren Köpfen entfernen. 

 

Der Hirtenberuf damals hatte nämlich wirklich nichts Romantisches!

Hirte ist der geworden, 

der sonst nichts Gescheites gelernt hat, 

wer Muskeln in den Beinen hatte aber dafür eher wenig Köpfchen. 

 

Und wie sieht es bei Maria und Josef aus?

Auf Maria, einem bis dato unbescholtenen jungen Mädchen 

aus gutem Hause mit vielleicht 15 oder 16 Jahren

lastete jetzt der Makel, 

ein uneheliches Kind bekommen zu haben. 

Ganz sicher keine feine Visitenkarte für die Zeit damals! 

Auch wenn sie besser wusste, 

dass Gott und nicht Josef der „Verursacher“ des Kindes war, 

es glaubte ihr damals wohl kaum einer. 

 

Und dem guten Joseph, 

nach allem was wir wissen ein „frommer Mann“, 

Handwerker - dem ist es nicht anders ergangen. 

 

Er hat schon darüber nachgedacht, 

wie er seine Verlobung mit Maria ohne öffentliches Aufsehen 

am besten lösen könnte, da kam von Gott die klare Order: 

Nein, heirate sie, übernimm Verantwortung 

in der ganzen Sache. 

 

Und zu all dem kommt jetzt auch noch der verrückte Befehl

des Kaisers in Rom, jeder soll in seinen Geburtsort reisen 

um sich dort steuerlich registrieren zu lassen. 

Ohne Bahn- und Flugverbindung, 

was bleibt da anderes übrig, 

als sich auf dem Rücken eines Esels mühsam dahin zu bewegen. 

 

Dazu übervolle Herbergen, armselige Verhältnisse. 

Die Geburt von Jesus war wirklich 

alles andere als eine Sache fürs Gefühl!

 

Jahrhunderte lange war das klar, 

bis unsere Vorfahren daraus irgendwann eine Hirtenidylle

und aus der Geburt von Jesus ein familiäres Geburtstagsfest 

gemacht haben. 

 

Kommt die Leere so vieler Weihnachtsfeiern heute 

nicht gerade daher, dass immer weniger wissen, 

was wir da feiern?

Die Weihnachtsumfragen von Reportern auf Märkten 

und beim Einkaufen legen es wirklich nahe!

Kaum einer weiß mehr, 

was wir da eigentlich feiern!

 

Aber - wir können es von den Hirten lernen!

 

Die haben nämlich gerade ein himmlisches Spitzenerlebnis

gehabt, eine Transzendenzerfahrung höchster Güte. 

Sie haben die „Engel singen hören“

und jetzt sind sie auf einmal wieder weg, 

verschwunden. 

 

Was jetzt?

Weihnachtliche Leere bleibt zurück. 

 

"Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die 

Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem

und die Geschichte sehen, die das geschehen ist, die uns der 

HERR kundgetan hat".

 

Glasklar steht den Hirten vor Augen, 

bei dieser nun wirklich unglaublichen Geschichte

da kann man nicht beim Hörensagen, bei Vermutungen, stehen bleiben!

Außerdem glaubt uns ja kein Mensch!

Das müssen wir selber sehen, 

der Sache auf den Grund gehen. 

 

Und wenn das wirklich stimmt, 

dass der Retter, der Erlöser der Menschheit, 

auch für uns gekommen ist, 

dann hätte das ja enorme Folgen für uns. 

„Wir müssen der Sache mit Jesus nachgehen“, 

sind sie sich einig - und wie Recht haben sie damit!

 

Wer Jesus nur vom Hörensagen kennt, 

von vagen Erinnerungen aus dem Reli-Unterricht

oder von der letzten Weihnachtspredigt -, 

wer Jesus nur so kennt

und dem das schon reicht, 

der kennt ihn eigentlich noch gar nicht. 

 

Jesus muss man selber, 

muss man persönlich begegnen, 

sonst ist nichts gewonnen.

Die christliche Oma und der fromme Urgroßvater in allen Ehren -, 

aber Jesus, unser HERR, will Leute,

die sich selber anstrengen

ihn persönlich kennen zu lernen. 

 

Schließlich hat er es uns persönlich vorgemacht: 

Sein Abstieg vom Himmel in diese lebensgefährliche Welt. 

Dafür war er sich nicht zu schade. 

Weil er will, dass niemand verloren gehen muss, 

sondern die Chance hat, Gottes Liebe zu bekommen. 

 

Nur, wer Jesus persönlich kennen lernt, 

kennt ihn! 

 

 

"Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu 

das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, 

breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen über dieses Kind gesagt

war."

 

Da ist der erste Weihnachtsstress also da!

Aber es ist ein „Eu-Stress“, ein positiver Stress, 

einer der dem Kreislauf gut tut. 

„Eilend“, d. h. voller positivem Stress sind sie nach Bethlehem 

hinein gerannt. 

Die Schafe sollten blöken wie sie wollten, 

es würde sie zwischenzeitlich auch hoffentlich niemand klauen, 

das alles war ihnen jetzt egal.

Es galt: Keine Zeit zu verlieren, sich Gewissheit zu verschaffen!

Jetzt oder nie! 

Manche Dinge sind so wichtig, 

die muss man einfach haben!

 

Und es bleibt nicht beim Engelchor in der Erinnerung, 

sondern sie werden voll und ganz fündig, 

machen es für sich fest: 

"Christ, der Retter ist da!“

 

Windeln, Futterkrippe, Stallmief und die ganze Armseligkeit

an diesem Wochenbett, die stören sie nicht!

ER ist es!

Christ, der Retter ist da!

 

Das elektrisiert sie von Kopf bis Fuß

und reicht ihnen!

 

"Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten 

Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, 

wie denn zu ihnen gesagt war.“

 

Das ist die eine Art, wie wir auf die Botschaft vom Retter und

Erlöser reagieren können: Mit frohem Loben. 

Die Botschaft der Engel wird zur eigenen Botschaft,

was Gott verheißen hat zu etwas, 

was gerade auch mir gilt: 

"Euch (Dir) ist heute der Heiland geboren!"

 

„Heiland" (griech. „soter“), dieses Wort war damals 

übrigens ganz oft im Gebrauch. 

Kaiser und Könige haben es sich als Ehrentitel zugelegt, 

sich damit geschmückt, z. B. „Erretter aus Todesgefahr“ 

oder Kriegsgefahr zu sein. 

Tatsächlich war das in der Regel eine Farce. 

Für die von ihnen Erretteten waren sie in Wirklichkeit

Sieger und Besatzer, Ausbeuter!

 

Das war bei Jesus anders. 

 

Jesus zwingt niemand unter seine Herrschaft 

Er setzt Jesus seine Herrschaft nicht einfach durch, 

sondern wirbt um unser Vertrauen. 

Bei ihm ist Freiwilligkeit Trumpf!

 

Ob die Hirten von Bethlehem sich darüber jemals Gedanken

gemacht haben, weiß ich nicht. 

Aber sie haben instinktiv begriffen: 

Auch wir, die wir nun wirklich für viele die „Letzten“ in der Gesellschaft

sind, auch für uns ist Jesus gekommen, 

auch uns gibt er eine echte Chance!

Er will den Menschen ihre Schuld vergeben, 

sie frei machen für eine große Zukunft mit und bei Gott. 

Und dafür haben die Hirten Gott gelobt.

 

Das war bei den anderen, 

die sie mit ihrer Botschaft be-glück-en wollten, 

nicht so. Von ihnen heißt es hier: 

"Und alle, vor die es kam, verwunderten sich über das, was 

ihnen die Hirten gesagt hatten.“

 

Wer beim Hörensagen stehen bleibt, 

sich die Weihnachtsbotschaft vielleicht einfach anhört, 

sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen lässt, 

ist mal flüchtig verwundert. 

Aber das war’s dann auch!

 

Es gibt immer mal wieder Sensationen in dieser Welt, 

Erstaunliches, sogar Unglaubliches. 

Ein Kind ist aus dem vierten Stock eines Hauses gefallen

und unverletzt geblieben! - „Puh!“ denken wir, erstaunlich, 

ja erfreulich!

Aber erst wenn es unser Kind war, 

dann rüttelt uns das wirklich auf!

 

So ist es auch mit Weihnachten: 

Ja, schön, der Erlöser ist geboren! Denken wir vielleicht. 

Aber so lange ich damit nichts Konkretes für mich verbinde, 

bleibt es Verwunderung, Leere, weihnachtliche Leere. 

 

Nein, liebe Gemeinde, 

der Weg der Hirten zur Krippe, 

direkt zu Jesus, bleibt uns nicht erspart, 

    - wenn wir vom Hörensagen zum Glauben, 

    - vom Glauben zur persönlichen Begegnung 

    - und von da aus zu einem lobenden Bekenntnis 

kommen wollen!

Dann aber können wir nicht beim niedlichen Kind in der Krippe

stehen bleiben, 

sondern wir müssen in ihm zugleich den Heiland am Kreuz sehen, 

der für uns - der für mich! - stirbt. 

 

Der Weg von Jesus aus Gottes Ewigkeit 

in die Krippe von Bethlehem 

war der erste Schritt auf dem Weg zum Kreuz. 

Was in Bethlehem angefangen hat, 

das war von Anfang an auf das Kreuz ausgerichtet. 

Weihnachten und Karfreitag gehören total zusammen 

wenn diese Tage kein Kitsch sein sollen. 

 

Bei Lukas kommt aber noch eine dritte Reaktionsmöglichkeit

(neben dem Loben der Hirten - und der flüchtigen Aufmerksamkeit

der Hörer) zum Vorschein: 

Das stille Prüfen der Maria. 

"Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem 

Herzen."

Wir könnten auch übersetzen: "Maria hielt diese Worte nebeneinander!“

 

Was heißt das?

Sie hat einfach die Verheißungen des Alten Testaments 

mit der Erfüllung im Jetzt verglichen

und versucht zu prüfen, ob wirklich beides zusammen stimmt. 

Nur so hat Maria nach und nach verstehen können, 

was da eigentlich abgeht …

 

Die Hirten hat vor allem interessiert: 

Stimmt das auch wirklich, was der Engel ihnen gesagt hat?

Ist auch ihr Erlöser gekommen?

Und mit der Gewissheit waren sie vollauf zufrieden

und sind wieder abgezogen …

 

Maria brauchte mehr. 

Der große Zusammenhang der Verheißungsgeschichte Gottes

war ihr wichtig. Sie ist seit Jahren mit der Bibel umgegangen, 

Gottes Wort war ihr nichts Fremdes. 

 

Wie steht es uns damit?

 

Kennen wir uns noch so gut in der Bibel aus, 

dass wir auf Anhieb sagen könnten, 

was im Alten Testament vom Kommen des Erlösers gesagt wird?

 

Werden unsere Kinder, 

die wir im christlichen Glauben zu erziehen versprochen haben, 

noch weniger an Wissen über die Bibel und den Glauben 

mitbringen als wir?

Lesen wir zuhause gemeinsam die tägliche Bibellese

und diskutieren mit unseren Kindern darüber?!

 

Ich mache Ihnen Mut, 

im neuen Jahr diese „Kinderstuben“ des Glaubens

wieder aufleben zu lassen!

Diese 10 Minuten im Kreis der Familie wieder freizukämpfen

beim gemeinsamen Essen daheim, 

ob das bei Ihnen morgens, mittags oder abends ist - 

ganz egal - aber das „Dass“ ist wichtig!

Wie sollen wir, 

wie sollen unsere Kinder und Enkel 

zu eigenem Glauben an Jesus kommen und an Gottes Wort

wachsen, wenn das Wissen darüber immer spärlicher wird?

 

 

Liebe Gemeinde, 

darauf kommt es beim Christfest an: 

Dass wir - mit den Hirten - dahin gehen, wo Jesus ist. 

Dass wir - wie die Hirten - Gottes Botschaft an uns hören, 

dass wir ihr Glauben schenken, Jesus begegnen 

und für uns sagen können: 

"Christ, der Retter ist da - mein Retter“ 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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