2014-09-28

Predigt über 1. Mose 2,4b-9.15 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,

jeden Monat gibt die Bundesanstalt für Arbeit die 

aktuellen Arbeitslosenzahlen bekannt 

und wir spüren, das ist wie Blutdruckmessen am Puls

der Wirtschaft …

 

Aber gerade auch auf der menschlichen Ebene

machen die Arbeitslosenzahlen auf ein Problem aufmerksam: 

Dass nämlich Arbeit nötig ist 

    - um seinen Lebensunterhalt zu verdienen 

    - und etwas dazu beizutragen, dass jemand nicht
        von der Hand in den Mund leben muss,
        sondern wenigstens ein bisschen für morgen
        vor-sorgen kann. 

 

Aber Arbeit ist noch mehr! 

Sie ist mehr als nur schweiß- oder hirnschmalztreibender Stress,
den wir halt auf uns nehmen, um durchs Leben zu kommen!

 

Arbeit gibt einem Menschen auch etwas zu seiner Identität, 

ein Stück Wertgefühl und das brauchen wir Menschen! 

 

Nach dem biblischen Zeugnis der Urgeschichte ist der Mensch 

zur Arbeit geschaffen. Aber die Arbeit, die er tun soll, 

hat einen klaren Zweck - und eine Grenze!

 

Ich lese den heutigen Predigttext aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 2, 

die Verse 4b bis 9 und Vers 15: 

    „Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Himmel und Erde machte. 

    Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden

    und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen;

    denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden - 

    und kein Mensch war da, der das Land bebaute; 

    aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land.

    Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker - 

    und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase und so 

    wurde der Mensch ein lebendiges Wesen. 

    Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten 

    hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.

    Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei 

    Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den 

    Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der 

    Erkenntnis des Guten und Bösen (...)

    Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den 

    Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“

 

 

 

Was ist der Mensch? 

 

Wie geht es Ihnen, wenn Sie hie von der Erschaffung des 

Menschen hören?

Aus Erde geformt wie beim Backe-backe-Kuchen

in einem großen Sandkasten?

 

Wir wissen es heute scheinbar besser, 

viele Biologielehrer erklären es uns so:

Der Mensch habe sich über Jahrmillionen hinweg entwickelt

vom Säugetier bis zum Computeringenieur des 21. Jahrhunderts. 

 

Aber der Beweis fehlt bis heute.

Es gibt viele Indizien, doch man kann sie so oder so interpretieren, 

je nachdem ob ein Wissenschaftler mit Gott rechnet oder nicht. 

Und selbst die absoluten Zahlen (z. B. bei Altersbestimmungen)

sind sehr sehr unsicher, weil wir davon ausgehen müssen, 

dass sich die Atmosphäre auf der Erde wahrscheinlich tausendfach 

geändert hat … das wäre ein großes Extra-Thema heute morgen!

 

Es ist auf jeden Fall so:

Das, was die Bibel hier berichtet, ist nicht aus der Luft gegriffen. 

Fragen wir einen Chemiker, woraus der menschliche Körper besteht: 

ein Löffel Kochsalz, Eisen im Gewicht von 10 Nägeln, 

Phosphor für 6000 Streichholzköpfe, 

genügend Kalk, um einen Hühnerstall zu weißeln, 

50 Liter Wasser, 

dazu noch ein bisschen Stickstoff und Kohlenstoff. 

 

Die Bibel hat Recht: 

Der Mensch, das Lebewesen mit dem am höchsten entwickelten 

Gehirn, ist aus Erde vom Acker gemacht. 

 

Auf Hebräisch heißt Mensch „adam“ und der Ackerboden „adama“. 

Bei jeder Beerdigung werden wir daran erinnert: 

„Von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du werden …“

 

Wir Menschen sind vergänglich - nicht ewig, sondern irdisch. 

Oft wehren wir uns gegen diese Erkenntnis, 

wollen unsere irdischen Grenzen nicht wahrhaben. 

 

Ja, wir haben Großes erreicht: 

Menschen überwinden die Erdanziehungskraft und fliegen 

zum Mond, die Medizin lässt die Lebenserwartung kräftig steigen, 

die Wissenschaft löst viele Rätsel dieser Erde. 

 

Abe die Bibel bleibt nüchtern: Aus Erde vom Acker gemacht. 

Wir sind nicht die Macher, für die wir uns halten. 

Am Ende bleibt Erde, Vergänglichkeit …

Erde ist das Rohmaterial, aus dem der Mensch, besteht, 

beschreibt es unser Predigttext. 

 

Wer bin ich? 

Unser Bibelwort sagt: ein Mensch von Gott beatmet, 

mehr als der letzte Dreck.

Da hören wir, wie das Sand- und Lehmmännchen lebendig wurde. 

„Gott blies ihm den Atem des Lebens in seine Nase“. 

 

An der Atmung lässt sich feststellen, ob ein Mensch lebt. 

15-mal pro Minute einen halben Liter Luft ein- und ausatmen, 

das ist der Rhythmus des Lebens. 

 

Aber dieses Leben kommt nicht aus uns selbst. 

Und auch kein Herzschrittmacher und keine Beatmungsmaschine

können uns lebendig machen. 

Sondern Gott gibt uns Menschen den Atem des Lebens, 

wir verdanken ihm unser Dasein

und wo Gottes Lebensatem fehlt, 

werden wir wieder zu Erde und Materie. 

 

Und das gilt nicht nur in der Vergangenheit, 

für die Geschichte von Adam, vom ersten Menschen. 

Was die Bibel hier berichtet, betrifft uns alle: 

Jede und jeder hat Gottes Lebensatem bekommen, 

es gibt keinen Menschen, bei dem der Schöpfer nicht 

die Hand im Spiel hatte [siehe Täuflinge …]. 

Niemand ist nur eine Mischung aus den Erbanlagen seiner Eltern. 

Sondern Du lebst, weil Gott es so haben will!

Du bist Sein Geschöpf, mit Fähigkeiten und Stärken,

mit Fehlern und Schwächen (wie auch ich). 

Jeder Atemzug will uns daran erinnern: 

Ohne Gott kein Leben. 

 

 

Aber wir Menschen sind heute ganz schön atemlos. 

Alltag und Arbeit können wir die Luft ausgehen lassen. 

Viele kommen heute nicht mehr zum Durchatmen, 

die Anforderungen werden höher geschraubt, 

der Druck nimmt ständig zu …

Wir haben das Gefühl: Keine Zeit mehr zum Luft holen. 

Lebe ich jetzt oder werde ich gelebt?

 

Manches ist aber auch „haus gemacht“: 

Bei jungen Leuten die Jagd nach dem letzten Kick z. B., 

immer neue Erlebnisse konsumieren, um das Leben zu spüren, 

das ist „hipp“.

Wie viele Fernsehprogramme haben wir mittlerweile, 

damit ja keine Sekunde Langeweile aufkommt?

 

Und werden wir dabei nicht immer atemloser 

und haben immer weniger Gelegenheit zum Durchatmen?

 

 

Der Mensch aber ist, sagt uns Gottes Wort, zum

Aufatmen berufen!

In die Atemlosigkeit hinein - will uns Gott aber gerade 

den Atem des Lebens schenken!

Deshalb sind wir heute Morgen hier. Im Gottesdienst. 

In seiner Nähe. Am Puls Gottes, der so unglaublich stabil ist

und der sich auf unser Leben übertragen will. 

 

Wir dürfen bei Gott aufatmen. 

Bei ihm zählt nicht, was wir leisten und uns leisten können. 

Da müssen wir nicht ständig fit und funny, high und happy sein.

Sondern bei Gott können alle (wenn sie es tun!)

tief durchatmen, alle, die müde sind vom Hamsterrad des Leben. 

Gottes Beatmung gibt Kraft für den Alltag

und Mut für die nächste Aufgabe. 

 

Aber dazu reicht es nicht, 

ein- oder zwei Mal durchzuatmen und dann wieder wie bisher

Augen zu und durch, auf zu neuen Höchstleistungen …

Wer den Lebensatem spüren will, 

der muss Gott an sich heran lassen 

und mit ihm verbunden sein. Mit ihm leben. 

Dann bekomme ich einen anderen Blickwinkel

und eine neue Sicht der Dinge. 

 

Und dann steht da auch: 

Der Mensch ist geschaffen um zu arbeiten.

Das wird darin deutlich, dass Gott mitten in der unfruchtbaren, 

toten Wüste, einen Garten pflanzt. 

Die Wüste wird damit zum blühenden Lebensraum, 

im dem jetzt der von Gott geschaffene Mensch

seine Heimat, seine Aufgabe und nicht zuletzt

seinen Lebenszweck finden soll. 

 

Den Garten „bebauen und bewahren“, das war und das ist 

sein Auftrag. 

Der Mensch wird also nicht für sich geschaffen. 

Und ohne den Garten mit seinen Früchten könnte er auch nicht

überleben. Er braucht ihn! 

So hat es Gott gewollt! 

 

Aber dazu muss der Garten gepflegt werden!

Man darf ihn nicht einfach sich selbst überlassen, 

ins Kraut schießen lassen. 

 

Mit einem verwilderten Garten würde auch der Mensch, 

der darin lebt und auf ihn angewiesen ist, verkümmern! 

 

Andererseits aber versprechen ihm die Produkte des 

Gartens 

    - das Fortleben, 

    - sie versprechen ihm Freude, Feste, 

    - ja sogar Reichtum und Nacht. 

Also, viel viel mehr als rein zum Überleben braucht. 

 

Ja, wenn er es darauf anlegt, 

kann der Mensch mit extremen Mitteln

auch noch das Letzte aus eben diesem Boden heraus holen!

 

Aber ein Fass ohne Boden ist Gottes Garten nicht!

Und auch die Lebensmittel und Lebensmöglichkeiten darin 

sind nicht endlos. 

 

Deshalb ordnet Gott an, ihn schonend und bewahrend zu pflegen!

Wie schwer das umzusetzen ist in dieser Welt, 

das hat der jüngste Weltklimagipfel wieder gezeigt …

Im Prinzip sind alle dafür, aber alle anderen sollen erst mal anfangen

um das Weltklima retten, für sich selber bittet man um Aufschub …

 

Wir alle sehen die Müllberge, die wir produzieren 

und die Abgase, die wir in die Lust pusten, 

die rapiden Wetterumschwünge ...

Aber wir Deutschen sind doch gerne Reise-Weltmeister, 

produzieren und fahren halt die großen Autos …

Unsere ganze Lebenseinstellung ist betroffen bei diesem Thema

und das macht es nicht eben leichter,

den Garten Erde schonend und bewahrend wie Gott es will 

zu pflegen … 

Aber das Gebot kann uns trotzdem nicht egal sein!

 

 

Unser Predigttext heute lässt aber auch eine Aussage 

zur Freude an der Arbeit zu, die offenbar von Anfang an

mitgedacht ist bei Gott. 

 

Dass Arbeit mit Schweiß zu tun haben kann,

ist hier noch gar nicht im Blick. 

Es ist erst eine Folge des Sündenfalls, 

dass Arbeit von uns vor allem als Last und Bürde empfunden wird!

 

Solange die Menschen noch im Einklang mit Gott gelebt haben, 

war das nicht so! 

Da war es Freude gemacht, Gottes Garten (die Erde) bebauen 

und bewahren zu dürfen! 

 

Heute dagegen ist Arbeit zum Einen etwas Gutes und 

Nötiges … aber sie bringt auch viele Gefahren mit sich. 

Nicht nur am Berufsstress kann man das sehen, 

sondern auch am Hobby- und Freizeitstress, 

den sich viele Menschen selber auferlegen

und der ganze Familien in Beschlag nehmen kann, 

so dass die wichtigsten Dinge auf der Strecke bleiben …

 

Die Bibel sagt: 

Nicht die Arbeit macht es, sondern der Auftraggeber!

Wo wir unsere Arbeit (auch unser Hobby) vom göttlichen 

Arbeitgeber lösen, 

kriegt sie schnell eine Eigendynamik, 

die dazu führt, dass nicht wir mit der Arbeit etwas machen, 

sondern die Arbeit etwas mit uns!

 

Aber Gott hat den Menschen nicht in den Garten Erde gesetzt, 

damit der Garten ihn beherrscht. 

Sondern er soll den Garten beherrschen!

Der Garten soll ihm Lebensraum, Heimat, Arbeitsplatz und auch

Ruheort werden. 

Der Garten ist Spannungs- und - Entspannungsraum gleichzeitig!

 

Entspannung ist nur möglich, 

wo die „Arbeit vor dem Vergnügen“ steht.  

 

Deshalb wird schon am Anfang der Bibel 

von der ordnenden Reihenfolge 

    - zuerst die Arbeit 

    - dann die Ruhe gesprochen. 

 

Zum Arbeiten - gehört auch das Genießen, 

wie es z.B. im Predigerbuch beschrieben ist (3,10-14; 9,7-10). 

Der Garten mit all‘ seinen Früchten und Anbaumöglichkeiten ist nicht

nur Aufgabe, sonder auch Gottes Geschenk! ( - ) 

 

Unbeschwerten und echten Genuss gibt’s aber nur dort, 

wo er in Dankbarkeit und Vertrauen dem Schöpfer gegenüber 

gelebt wird, der alles gegeben hat. 

 

Das wird nur dort gelingen, wo wir unser Leben überhaupt 

an Gott ausrichten und ihm zu vertrauen gelernt haben

wie ein Kind. 

 

Im nächsten Kapitel der Bibel wird es darum gehen, 

wie das Paradies schließlich verloren gegangen ist, 

wie Gott selber den Menschen daraus vertrieben hat. ( - ) 

 

 

Ist Gott also doch schuld daran, dass unser Lebensalltag mit so viel

Stress und Aufopferung zusammen geht? - Nein! ( - ) 

 

Wir selber müssen es uns das zuschreiben 

und Gott geht den umgekehrten Weg! 

 

In seinem Sohn Jesus Christus will er den Menschen für das 

Paradies zurück gewinnen. 

Der Zugang dahin - ist nicht - auf Ewigkeit versperrt. 

Wo wir uns durch ihn mit Gott versöhnen lassen, 

bekommen wir auch 

    - zu unserer Arbeit, 

    - zu unserer Umwelt, 

    - zu unseren Mitmenschen - und 

    - zu uns selbst 

einen neuen Bezug. 

 

Und wir finden damit zurück - zu unserer ursprünglichen Bestimmung, 

die uns der Schöpfer als Geschöpfe mitgegeben hat, 

dass wir leben sollen - mit ihm immer wieder durchatmen - und er 

sich an uns freuen kann! 

 

Das macht unseren eigentlichen Wert als Mensch aus! 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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