2013-11-03 Reformationsfest

Predigt über Matthäus 10,26b-33 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

Bekenntnisse begegnen uns fast jeden Tag. 

Wir leben in einer Kultur, 

die manche als „coming-out-Kultur“ bezeichnen ...

Man „outet“ sich und zeigt damit an, 

was in einem steckt ...
„Ich bin ein Langschläfer ... und das ist gut so!“ zum Beispiel ...

Oder man sieht es an den längst tot geglaubten Auto-Aufklebern. 

Die zeigen an, wofür oder wogegen man ist: 

Für oder gegen „Stuttgart 21“, das war gestern ...

Heute ist es der „Nationalpark“, der die Gemüter erhitzt: Dafür oder dagegen?

Man zeigt wieder an, wofür man seht!

 

Das gilt auch für andere Lebensbereiche,
im Fußball z. B. oder überhaupt im Sport:
Noch in der letzten Konfigruppe hat mir ein Konfirmand gemailt ...

kurz vor dem Unterricht: 

„Lieber Herr Bühner, ich kann am Mittwoch nicht kommen, 

wegen dem KSC-Spiel“ und dick dahinter in Klammern geschrieben:
„Wichtig, wegen Schalke!“ - ein bekennender KSC-Fan!

 

So was zeigt, für wen dieser Konfi ist und damit auch, für wen nicht!

Das sollen die anderen ruhig mitkriegen!

Dass ich für den KSC bin - und gegen Schalke!

 

Also: Bekenntnisse begegnen uns ständig. 

Aber: Sehr oft fügen sie sich ein in das,
was gerade gesellschaftlich oder in der Gruppe „in“ ist. 

Ist es anders -, ist also mein Bekenntnis eher unbequem für die anderen, 

dann sind wir schon heraus gefordert. 

 

Aber von dieser Art ist seit jeher das Bekenntnis

zu dem einen lebendigen Gott, zu Jesus Christus. 

 

Das wird deutlich im Bibelwort für den Reformationstag aus Matthäus

10,26b-33, das ich jetzt vorlese:

„Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird und nichts geheim, 

was man nicht wissen wird. 

Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; 

und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern.

Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten können, doch 

die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, 

der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. 

Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? 

Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. 

Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. 

Darum fürchtet euch nicht, ihr seid besser als viele Sperlinge.

Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen

vor meinem himmlischen Vater. 

Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch 

verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“ 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

 

heute begehen wir das Reformationsfest. 

Dabei geht es um die Frage, wer wir eigentlich sind: 

als evangelische Kirche, als Gemeinde hier in Dennach / Schwann, 

aber auch persönlich als einzelner Christenmensch. 

 

Immer wieder fragen wir: 

„Wer sind wir eigentlich und wenn ja, wie viele?“
Am vergangenen Donnerstag (dem eigentlichen Reformationstag), 

hat Dr. Gäckle in Neuenbürg einen Vortrag dazu gehalten 

unter der spitzen Überschrift „500 Jahre Reformation - Wo sind all

die Protestanten hin?“ ... 

 

„Wer sind wir eigentlich und wenn ja, wie viele?“ ...
Wir Evangelischen, wir Protestanten!?

 

Das ist eine echt wichtiger Frage!

 

Nicht um der Abgrenzung willen,
sondern wegen des Fundaments, auf dem wir eigentlich stehen sollten

und - weil es dabei um die Eckpunkte geht, 

die ein authentisches Leben als Christ ausmachen!

Denn „Christsein light“ gibt es nicht ...

 

Dazu gibt uns dieses Bibelwort heute fünf ganz wichtige Punkte mit
auf den Weg, nämlich ...

 

1. Entscheidend ist nicht, was ankommt,
sondern worauf es ankommt.

Was mich als Christ zutiefst ausmacht, 

das ist, was Jesus für mich bedeutet. 

Ist er für mich konkurrenzlos wichtig?

(Das frage ich auch immer wieder euch Konfis, wenn ihr gerne

für irgend was anderes frei haben wollt ... „Ist Jesus wirklich 

wichtig für Dich?“)

 

Aber an uns alle, Jung und Alt, mich eingeschlossen:  

Weiß ich und habe ich das persönlich angenommen,
dass Jesus auch für meine Sünden am Kreuz gestorben ist?

Habe ich es erfahren,
wie Vergebung durch Jesus ein Leben frei und froh macht

und habe ich von da her „den Grund gefunden, 

der meinen Anker ewig hält“, wie es in einem Lied heißt?

Den Anker für mein Lebensschiff,
für all meine Zukunftspläne, 

so dass ich es froh bekennen kann:
Jesus Christus hat mir ein neues Leben gegeben - ER ist jetzt mein Leben?

Und das halte ich „mit Zähnen und Klauen“ fest, 

weil es mich festhält!?

Jesus - mein Erlöser - mein Herr - und mein Gott!?

 

 

2. Entscheidend ist nicht, dass ich „in“ bin,
sondern dass ich echt bin.

„Was drin ist, das drängt nach draußen“.
Ist es nicht so?!

Und deshalb ist es auch unmöglich, Jesus im Verborgenen, 

nur ganz privat für sich daheim im stillen Kämmerlein, 

nur unter der Bettdecke Bibel lesend und betend, 

nachzufolgen. 

Das hat Jesus hier mit einem Sprichwort aus seiner Zeit
heraus gestellt!

 

Glaube drängt in die Öffentlichkeit!

Ganz ähnlich wie z. B. eine Ehe intim und öffentlich zugleich ist: 

Zwei Menschen gehören zueinander, so innig, so eng, so persönlich, 

dass es niemanden sonst was angeht. 

Das ist die eine Seite.
Und gleichzeitig - ja gerade deshalb - ist das auch total öffentlich, 

das mit der Ehe ...

 

Das Innigste bestimmt das Äußerste,
weil es die Identität der beiden Ehepartner bestimmt: 

Die Frau ist ohne ihren Mann nur unvollständig, 

genau so der Mann ohne seine Frau!

 

So ist auch der Glaube eine total persönliche Sache (einerseits): 

Meine Beziehung zu Jesus Christus geht mich so persönlich an 

wie nichts und niemand sonst,
aber gerade so bin ich (andererseits) als ein Jünger von Jesus 

nicht ohne ihn zu denken und wahrzunehmen

Wer mir begegnet, dem wird Jesus nicht verborgen bleiben. 

 

Ist es so?

 

Entsprechend sagt Jesus: „Was ich euch sage in der Finsternis, 

das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, 

das predigt auf den Dächern“ (V27).

 

Das, was wir also heute für uns aus Gottes Wort

ganz privat und im Stillen mitnehmen, das sagen wir weiter: 

Wir treten ins Rampenlicht, auf die Bühne, 

auf die Dächer dieser Welt, kurzum: Wir gehen in die Öffentlichkeit!

 

Tun wir das? 

Tun wir das ohne Scheu?

Machen wir den Mund auf zuhause, in der Familie, im Verein?

Gehen für mich Gottes Termine (am Sonntag Morgen, im Kinder-

gottesdienst, in der Jungschar, im Kirchengemeinderat, im Konfirmanden-

Unterricht ...) vor?

Für Jesus, der mir persönlich ganz wichtig geworden ist?

An dieser Stelle zeigt sich die Echtheit unseres Glaubens!

 

 

3. Entscheidend ist nicht, wie viele große Worte machen, 
sondern wer das letzte Wort hat. 

Haben Sie sich schon mal gefragt:
Wen fürchte ich eigentlich mehr: 

Menschen oder Gott?

Von wem erhoffe ich letztlich, gehalten zu werden?

 

Jesus sagt ohne Scheu: „Wer mich verleugnet vor den Menschen, 

den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater (V33).

Es geht um die ewige Verlorenheit. 

Jesus hat sein Leben für uns gegeben,
er hat gelitten wie ein Hund, 

ist bespuckt und verlästert worden - und das alles für mich, für dich, 

für die Sünder dieser Welt - 7 Milliarden gibt es davon, 

soviel wie es Menschen auf dieser Erde gibt!

Denn er wollte nicht, dass die Menschen ohne Hoffnung
und auf ewig verloren gehen!
Deshalb war er bereit für uns zu sterben!

 

Angesichts einer solchen Liebe bis in den Tod 

noch einmal die Frage:

Wen fürchte ich eigentlich mehr: 

Die Menschen, die mich zum Außenseiter stempeln,
wenn ich Jesus frei und offen bekenne - oder Gott, 

dem ich einmal Rechenschaft geben muss?

Den, der kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten?

Von wem erhoffe ich letztlich gehalten zu werden?

 

Es ist doch eindrücklich, wie Jesus uns hier drei Mal ermutigt: 

„Fürchtet euch nicht!“

Gott kennt und liebt uns bis in die Haarspitzen. 

Und Jesus will uns vorbereiten, ausrüsten, das Rückgrat stärken 

angesichts all dessen, was bevorsteht - an Mächten, die uns in die 

Knie zwingen wollen. 

Wir sollen vor Gott knien - und vor Menschen stehen!

Aufrecht für unseren Glauben, an jedem Ort!

 

Wie viele Christen in arabischen Ländern, aber auch in Nordkorea

oder Laos, können uns darin ein leuchtendes Vorbild sein. 

Aber auch in Deutschland kann man heute schon erahnen, 

dass es in Zukunft schwerer werden könnte, 

sich frei und ohne Nachteile öffentlich zu Jesus zu bekennen

und zu seinem Wort, 

wenn wir nichts davon weglassen
(was viele von uns heute erwarten ...)

Vieles von dem, was Jesus will, ist nicht „in“!

Aber wir sind aufgefordert zu bekennen, 

den zu wählen, der einmal das letzte Wort hat!

 

 

Ein 4. Eckpunkt: Entscheidend ist nicht,
was wir für morgen befürchten oder erträumen,
sondern was wir heute tun!

Mit Blick auf so manche aktuelle Sorge oder die Möglichkeit,
dass wir auch in Deutschland als Christen einmal real verfolgt werden 

könnten (die NSA-Abhöraffäre, Edward Snowden lässt grüßen,
was ist, wenn sich einmal jemand an die Spitze eines Staates putscht,
der diese ganzen Möglichkeiten der Überwachung speziell gegen
die Christen einsetzt? ...), 

sollen wir - wie die Jünger damals - nicht erstarren
oder uns in Träume flüchten.

 

Heute ist Jesus bei uns. 

Und er wird es auch in Zukunft sein. 

Und heute ist unser Bekenntnis gefragt. 

Heute sind wir seine Zeugen. 

Und heute gilt uns seine Verheißung. 

Das, was wir heute vor der Welt bekennen,
das hat morgen Bedeutung vor Gott!

 

Gefragt ist das schlichte Bekenntnis (und das kann z. B. heißen,

dass ich dem Sonntagmorgen für den Gottesdienst und den Kinder-

Gottesdienst ohne Zögern den Vorrang gebe vor einer Wanderung 

oder einem Vereinsausflug um diese Zeit -
oder wenn ich in der großen Pause der Schule zum Schülerbibelkreis
gehe - auch wenn mich andere dafür 

fragend anschauen werden ...)

 

Das, was ich heute tue, das sagt etwas aus!

Der Gang durchs Dorf in Richtung Kirche und Gemeindehaus 

ist ein Bekenntnis. 

Wir sollen den Mut haben, uns total gelassen in den Chor 

der Bekenntnisse unserer Zeit einzumischen und wieder durch 

Selbstverständlichkeiten unterstreichen:

„Hey, ich bin Christ - und das ist gut so!“

 

 

Ein letzter, 5. Eckpunkt, für das Leben als Christ entnehmen wir aus

diesem Wort:
Entscheidend ist nicht, wie überzeugend, wie stark,
wie groß ... wir sind, sondern dass wir treu sind!

Jesus verheißt seinen Jüngern nicht die großen Erfolge, 

aber er fordert ihre Treue, 

die in seiner Treue gründet. 

 

Und Gott segnet unsere Treue im Kleinen wie im Großen!
Schon heute, davon bin ich fest überzeugt. 

Nicht zuletzt darin, 

dass ich ein zufriedener Mensch bin, 

ein Mensch, der eine innere Kraft hat, die anderen fehlt. 

 

Mein Glaube an Jesus Christus 

hat seine Stärke nicht aus mir, 

sondern er fußt - ja meine Gelassenheit - fußt direkt 

beim Auferstandenen, in Christus, meinem Retter, 

der den ganzen „Laden“ dieser Welt in seiner Hand hat ...

Meine Familie, meinen Beruf, die Schule, Gesundheit und Krankheit ...

u. u. u., schlicht alles!

 

Immer dort, wo Christen klar und gelassen
von Christus her leben, 

dann wird in ihrem Leben das „Fürchtet euch nicht!“ sichtbar, 

dann wird der sichtbar, der das letzte Wort hat

und der längst den Sieg für uns erkämpft hat!

 

Warum sollten wir für den nicht ganz einstehen, 

frei bekennen, was wir glauben?!

Jesus Christus ist HERR!

Nur in ihm liegt Freiheit. 

Das sollen alle wissen ... und nichts sonst soll mir darauf

den Blick versperren!

Amen





Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.11 - 21.11.2108
18:30 Uhr:
GD am Buß- und Bettag in Schwann mit Abendmahl (Pfarrer Manz)
Sonntag, 16.12.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schwarze)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schwarze)
Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Heiligabend-GD in Schwann mit Weihnachtsstück (Pfarrer Held)
16:30 Uhr:
Heiligabend-GD in Dennach, besinnlich (Pfarrer Held