2013-09-08

Predigt über Lukas 17,5+6 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

»Einen starken Glauben müsste man haben!«
Haben Sie das nicht auch schon gedacht?

Vielleicht haben Sie eine Talkshow im Fernsehen mitverfolgt
und erlebt, wie die Talkpartner sich mit Argumenten
gegen den Glauben an Gott gefallen haben.
Sie selbst haben vor dem Bildschirm zwar gespürt,
dass solche Argumente den eigenen Glauben nicht treffen,
aber trotzdem sind Sie unsicher geworden und waren froh,
dass Sie in dem Augenblick nicht im Fernsehstudio
über Ihren Glauben Rede und Antwort stehen mussten.

 

Wie vielen jungen Leuten geht es so, 

wenn sie in der Schule hören und ohne echte Beweise lernen sollen, 

dass wir Menschen im Grunde affenartige Wesen seien, 

dass die Welt aus einem Urknall und dann einfach so - mit unzähligen

Zufällen - aber ganz bestimmt ohne Gottes konkretes Schaffen - 

entstanden sei!

Ich war im Urlaub mal wieder in meinem Heimatort im Gottesdienst, 

da, wo ich aufgewachsen bin - und war baff erstaunt, 

als im Gottesdienst mein ehemaliger Bio-Lehrer gepredigt hat. 

Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich in meinem schwachen Glauben

auch Gegenargumente gegen die Evolutionslehre kennen durfte ...

Er hat damals meinen noch jungen Glauben sehr gestärkt ... 

 

»Einen starken Glauben müsste man haben!« 

Hat sich vielleicht auch jemand gewünscht, 

der Gott um Heilung und Hilfe gebeten hat, 

aber zunächst keine Veränderung spüren konnte. 

 

Und hoffentlich hat dann nicht noch einer dazu gesagt: 

»Du hast halt noch nicht richtig oder nicht genug!«

 

Der Wunsch nach einem starken Glauben ist sogar in der Bibel zu finden. 

Menschen bitten darum, die uns als Vorbilder im Glauben gelten: 

Die Jünger von Jesus, die Apostel (Wir hören heute aus Lukas 17 die 

Verse 5+6):


5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! 

6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein 

Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß 

dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.“

So kurz ist der Predigttext heute, aber Sie merken schon:
Er hat es in sich ... Ich lese ihn noch einmal: 

5 Und die Apostel sprachen zu Jesus: Stärke uns den Glauben! 

6 Er aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein 

Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß 

dich aus und versetze dich ins Meer!, und - er würde euch gehorchen.“

 

Drei Punkte dazu:

1) Wir bitten mit den Aposteln um einen starken Glauben

Jeden Tag haben die Jünger von Jesus miterlebt, 

wie unbeirrbar fest Jesus mit seinem Vater in Verbindung stand. 

Sie haben ihn überzeugend, liebevoll und einladend von Gott reden hören. 

Sie haben miterlebt, wie Menschen sich der Einladung von Jesus 

zu einer guten und vertrauensvollen Beziehung zum Vater geöffnet haben. 

Und sie haben es erlebt, wie Menschen ihr Leben Jesus übergeben haben. 

Dazu -, wie Gott die Gebete von Jesus erhört 

und viele Wunder gewirkt hat. 

 

Was waren Sie dagegen?

Alles, was Sie sagen und tun konnten, 

das stand dagegen auf einer ganz anderen Ebene.

Und so stellen sie Jesus einmal ziemlich entmutigt die Frage:

»Warum konnten wir hier nicht helfen?« ( - ) 

 

Jesus hat den Glauben seiner Jünger nie schlecht gemacht, 

er hat sie aber hin und wieder als „kleingläubig“ bezeichnet. 

 

Was Jesus hier antwortet, 

das macht deutlich: Eine Beziehung zu Gott braucht Zeit und Pflege,

so wie es auch unter uns Menschen ist. 

Deshalb hat er auch an anderer Stelle auf das Beten und Fasten 

hingewiesen!

 

Ein großer Glaube – wär‘ das nicht schön!?

Ist es nicht für die Zeugen von Jesus in der Welt sogar im »dienstlichen 

Interesse«, mehr oder stärkeren Glauben zu haben?

 

Aber bedenken wir:
Wahrer Glaube ist keine angelernte Haltung, 

keine christliche Verhaltensweise

auch keine Tradition

(das merken wir heute oft belastend, wo die christlichen Traditionen

abbrechen in unserem Land, dass das noch oft Gehörte „Also ich glaub‘ schon“

keine Kinder kriegen kann. Die Kinder bleiben weg. 

Ein „Ich glaub schon auch ... irgendwie“ ist kein Glaube. 

Jedenfalls nicht im Sinne von Jesus, im Sinne der Bibel. 

 

Sondern hier geht‘s immer darum, 

ganz fest und unbeirrbar daran zu glauben, 

das Gott das erfüllen wird, was er zugesagt hat (durch Jesus, in der Bibel, 

deshalb lesen wir darin, deshalb gehen wir in den Gottesdienst!) ...,

das Gott das erfüllen wird, was wir erbeten haben. 

 

In der Bibel entdecken wir Gott als einen, 

der es mit uns zu tun haben will. 

Deshalb kam Jesus auf die Erde, deshalb ist er für uns am Kreuz gestorben. 

Jesus lädt uns ein, Gott einen Vater voller Liebe zu sehen, 

dessen Herz sich nach uns sehnt, 

der uns bei sich haben will. 

 

Ein Gott, der wie Jesus sein Leben für uns einsetzt, 

will unser Vertrauen gewinnen (und ich weiß, dass er das bei vielen unter

uns schon erreicht hat, aber manche sind vielleicht noch nicht da!?)

 

Wo wir auf diesen Gott und auf Jesus hören, 

da entsteht, was die Bibel »Glaube« nennt: 

Eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott, 

zu Jesus Christus.

Glaube ist wie ein „Andockmanöver“ ... Er entsteht, wo vor unser

Leben - Jesus - wie eine starke Lok angedockt wird. 

 

Glaube ist wie eine Beziehung, die auf zwei Seiten fest gemacht ist: 

bei uns und bei Gott. 

In dieser Verbindung werden wir Gott - in Jesus, 

der jetzt unser HERR wird -, immer besser kennen lernen, 

unser Vertrauen zu IHM wird wachsen. 

Nicht so, dass wir Gott ganz verstehen, 

aber das ist auch nicht nötig.

Auch nicht so, dass die Verbindung zu ihm immer ruckelfrei ist

(uns ist nicht keine ruhige Reise, aber eine sichere Ankunft versprochen!). 

 

Und so ist dieser Glaube etwas, 

was von Gott aus gesehen absolut stabil und unzerstörbar ist!

 

Durch die Begegnung mit Jesus, durch das Hören auf sein Wort, 

entsteht diese Beziehung zu ihm, die wir Glauben nennen.

 

Und von hier aus kann man dann kritisch fragen:
»Wozu sollte dann ein größerer oder stärkerer Glaube eigentlich 

dienen?« 

 

Die Antworten liegen auf der Hand:

 

– Wir würden gerne mehr mit der Kraft Gottes rechnen, 

und dabei weniger an unserer eigenen Mutlosigkeit kranken.

 

– Wir möchten gerne noch bewusster auch in der Welt 

Gottes zu Hause sein und nicht nur in dieser von Menschen 

beherrschten Welt.

 

– Wir sehnen uns danach, Wunder Gottes in unserem Leben zu sehen.

 

– Wir wünschen uns unter uns Christen weniger Zweifel und weniger 

»Ach-so-Menschliches«. 

Dabei klingt das Heimweh nach Gottes neuer Welt durch ...

 

Aber die Frage bohrt weiter: »Was machen Menschen, auch Christen, 

aus einem starken Glauben?«

 

Gerne schmücken sich Christen mit ihrem Glauben 

wie mit einem Orden, der für besondere Leistungen verliehen wurde. 

Sie fühlen sich vielleicht sogar ganz gut dabei (im Vergleich mit anderen, 

die schwächer aussehen ...)

Dazu aber hat Gott (uns) den Glauben, 

diese Leben schaffende Beziehung zu ihm selbst, nicht gegeben. 

 

Ist es nicht so, dass die Erfolge des Glaubens 

manchmal viel gefährlicher sind als die Misserfolge?

 

Könnte es nicht sein, dass Jesus gerade aus dem Grund 

eher mäßig begeistert ist über die Bitte seiner Apostel: 

»Herr, stärke uns den Glauben!«? 

 

Er braucht keine Kraftprotze im Glauben, 

keine „Dampfwalzen“, 

sondern Nachfolger, 

die in der Verbindung mit ihm bleiben,
weil sie auf ihn angewiesen sind.

 

 

2) Jesus schenkt uns Glauben an den starken Gott

Jesus erinnert seine Apostel an etwas total Unscheinbares: Ein Senfkorn. 

Der Same des Schwarzen Senfs galt damals als kleinster Gegenstand, 

der mit bloßem Auge gerade noch zu erkennen war. 

Er ist klein wie der Punkt eines gut gespitzten Bleistifts 

und so leicht, dass man für nur ein Gramm mehr als 700 

Samenkörner braucht. 

 

Ein solches Senfkorn macht nicht viel her, 

ein kleiner Windhauch bläst es, wer weiß wohin? 

Allerdings kann aus dem kleinen Samen eine ansehnliche Pflanze 

heranwachsen, ein Busch mit Ästen und Zweigen, 

im richtigen Erdboden und bei entsprechendem Klima.

 

Seinen Jüngern, die sich einen vorzeigbaren und wirkungsvollen 

Glauben wünschten, stellt Jesus dieses winzige Samenkörnchen 

als Beispiel hin: »Wenn euer Glaube so unscheinbar wäre wie 

dieser kleine Same, könnte er es aufnehmen mit etwas, 

das so schwer zu entwurzeln ist wie ein Maulbeerbaum.«

 

Eine seltsame Idee von Jesus! 

Ein winziges Samenkorn gegen einen besonders gut verwurzelten Baum? 

Wir können uns gut vorstellen, 

dass in seinen Augen ein verschmitztes Lächeln geblitzt hat. 

Diesen Vergleich werden die Apostel ihr ganzes Leben lang wohl 

nicht vergessen haben. 

Und er sollte auch uns zu denken geben, 

auch wenn der Schwarze Senf und der Maulbeerbaum 

nicht direkt zu unserer Lebenswelt gehören.

 

Wie kann so was möglich sein? 

 

Sicher nicht durch die kleine Kraft eines schwachen Glaubens. 

 

Möglich ist es durch die große Macht des großen Gottes, 

mit dem uns der Glaube verbindet. 

Jesus hilft mit diesem seltsamen Vergleich seinen Jüngern 

und uns, die Kraft des Glaubens aus einem neuen Blickwinkel 

heraus zu entdecken: 

Was unserem Glauben Kraft verleiht und was Wunder zeitigt, 

ist nicht das, was wir machen und auf den Weg bringen können, 

sondern ganz allein das, was Gott tut

(und wir ihn in unserem Leben tun lassen). 

 

Ob die Apostel das verstanden haben? 

Und ob uns das gefällt? 

Was ist dann unser Anteil?

Wozu gebraucht Gott uns denn, 

wenn alles nur auf seine Macht ankommt?

 

Es würde uns gefallen, wenn wir in den Gesprächen über unseren 

Glauben nicht nur ein Bekenntnis aussprechen, 

sondern auch einen starken Beweis 

für die Kraft eines lebendigen Glaubens

an den dreieinigen Gott liefern könnten.

 

Was aber sagt Jesus mit seinem ungewöhnlichen Vergleich? 

Wer seine innere Achse (seine Identität) im Glauben an Gott den 

himmlischen Vater hat, 

wer sich durch die Beziehung zu ihm gehalten weiß, 

hat einen stärkeren Halt als ein Baum,
dessen Wurzeln man nur sehr schwer aus der Erde ziehen kann.

 

Starker Halt (starke Identität) im Glauben, 

in Gott, wird hier jedem zugesprochen, 

dessen Leben durch Jesus mit Gott in Verbindung steht. 

 

Jesus nimmt ernst, was die Apostel damals, 

und was uns heute immer noch genau so betrifft:

- Dass unser Glaube nicht immer gut in Form ist, 

- dass unser Vertrauen zum Vater nicht immer ungebrochen ist, 

- dass auch meine Beziehung zu ihm hin und wieder
ziemlich schwankt im Wind, der uns entgegen weht. 

 

Jesus will uns mit seinem Bild vom Senfkornglauben 

und vom Halt, den dieser in Gott hat, Mut zusprechen: 

Dass sich niemand die Qualität und die Strapazierfähigkeit seiner Beziehung 

zu Gott vom Spott seiner Mitmenschen 

oder von seinem eigenen Schwächegefühl klein reden lässt.

 

Das, was Gott mir im Glauben schenkt, 

übersteigt selbst in seiner unscheinbarsten Gestalt bei weitem das, 

was Menschen sich selbst an Halt zurechtlegen. 

Ein so kleiner Glaube wie ein Senfkorn hat starken Halt in Gott, 

eben, weil Gott - ihn hält.

 

Auch in seiner unscheinbarsten Form ist dieser Glaube gehalten 

von Gott, bin ich gehalten von Gott. 

Weil der starke Gott mich hält, 

unabhängig von meiner geistlichen (und geistigen) Leistungsfähigkeit.

 

Dieser Senfkornglaube sagt: »Ich glaube nicht an mich und meine 

Fähigkeiten, sondern an Gott, meinen Vater und an die unbegrenzten 

Möglichkeiten des Heiligen Geistes. 

Auch in meinem Leben wird Gott Frucht schaffen zu seiner Ehre

und ich lade ihn dazu ein.«

 

So hält sich dieser Glaube nicht an sich selbst, 

sondern ganz an den, dem er alle Macht zutraut und von dem er 

alle Hilfe erwartet. 

Und manchmal kann der nicht mehr als rufen: 

»Herr, ich glaube -, hilf - meinem Unglauben!«

 

3. Jesus stärkt und erhält den Glauben,
  der in Jesus gründet.

Jesus erfüllt den Wunsch seiner Apostel, ihren Glauben zu stärken, 

so, wie sie es nicht erwartet haben:

Alles Wesentliche ist angelegt im Glauben,
so wie im Samenkorn. 

Nicht die äußere Gestalt (... ach, ist der Mini ...) sagt es über die
Möglichkeiten aus, die im Samenkorn und im Glauben stecken.

 

Gott, der das Samenkorn geschaffen hat
(es ist übrigens noch keinem Wissenschaftler gelungen, jemals ein 

keimfähiges Samenkorns im Labor zu erschaffen!), 

dieser Gott ist auch der Schöpfer des Glaubens.
Er steht für das ein, was wachsen soll.

Und durch das Wachsen des Glaubens schafft Gott sich selbst Ehre. 

 

Nicht der Same, und nicht mein Glaube 

kann sich durch eigenes Bemühen zu einem bedeutenden 

Erscheinungsbild herausputzen. 

 

Aber Gott steht hinter beidem, dem Glauben und dem Samen. 

 

Dass Gott unseren Glauben in sich verwurzelt, 

dass wir ihn das tun lassen, 

dass wir wirklich in Beziehung zu ihm leben, 

allein das gibt uns Halt, Rückhalt und Beständigkeit, 

eine Identität unzerstörbarer Art ...

 

Wo Jesus Christus zu Dir und hinter Dir steht, 

da wird Dein Glaube gestärkt. 

Und wo er nicht steht (wo er nicht stehen kann), 

da ist auch kein Glaube ... keine Kraft ... kein Heil. 

 

Einem der Apostel, Petrus, hat es Jesus an anderer Stelle direkt 

zugesagt: »Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht 

aufhöre« (Lukas 22, 32). 

 

Gerade so stärkt und erhält Jesus unseren Glauben, 

dass er für uns und unseren Glauben betet.

 

Wer Jesus hat, der hat das Leben, 

der ist bei ihm guten Händen, 

der ist bei ihm an der richtigen Adresse mit der Bitte: 

»Herr, stärke meinen Glauben!«

 

Und er wird uns den Stoßseufzer »Einen starken Glauben müsste
man haben!« - wie seinen Jüngern damals - auf überraschende Weise

beantworten!

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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