2013-06-09

Predigt über Jesaja 55,1-5 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,

kennen Sie den alten TV-Film »Die Meuterei auf der Bounty«? 

Im Auftrag des britischen Königshauses ist im 19. Jahrhundert 

ein hartgesottener Kapitän mit seiner Mannschaft 

auf einem Segelschiff unterwegs über den Atlantik. 

In der Karibik haben sie Brotbaumpflanzen an Bord genommen, 

die jetzt nach England importiert werden sollen.

 

Aber die Pflanzen verbrauchen mehr Wasser als erwartet, 

so dass auf der Rückfahrt das Wasser an Bord knapp wird. 

Die Mannschaft muss hart arbeiten, 

bekommt aber nur eine kleine, 

streng rationierte Menge an Trinkwasser.

Und dann kommt die krasse Szene. 

Einer von der Besatzung schreit vor Durst. 

Er ist wahnsinnig geworden, denn er hat aus lauter Verzweiflung 

Salzwasser getrunken. 

Es hat den Durst nicht gestillt, sondern ins Unerträgliche gesteigert. 

Jedem ist klar: wenn er nicht augenblicklich frisches Süßwasser 

zu trinken kriegt, muss dieser Mann elend sterben. ( - ) 

 

Durst quält,

er kann Menschen bis an die Grenze des Lebens treiben. 

Nicht nur auf hoher See. 

Gerade auch in der sengenden Sonne des Orients. 

Hier ist jeder auf genug Wasser zum Leben angewiesen. 

Deshalb trichtern es die israelischen Reiseführern ihren Reisegruppen

immer wieder ein:  »Majim, chajim – trinkt, trinkt«.

Zum Glück die Touris im Heiligen Land 

an fast jeder Straßenecke Händler, 

die frisches Wasser und Obst anbieten.

 

Der Prophet Jesaja hat so eine orientalische Marktszene 

in der heißen Sommerhitze vor Augen, 

als er das Volk Israel einlädt (Jesaja, Kapitel 55, die Verse 1-5): 

1 Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! 

Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! 

Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! 

2 Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren 

Verdienst für das, was nicht satt macht? 

Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen 

laben. 3 Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! 

Hört, so werdet ihr leben! 

Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen 

Gnaden Davids zu geben. 

4 Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen bestellt, zum Fürsten 

für sie und zum Gebieter. 

5 Siehe, du wirst Heiden rufen, die du nicht kennst, und Heiden, die dich 

nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, deines Gottes, 

und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat.“ ( - )

 

(„Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren“)

 

 

Was sagt der Prophet denn da? 

Geht das denn nicht zu weit? 

Gott als Straßenverkäufer? 

Das wagt man ja kaum zu sagen: Gott als Marktschreier, 

der mit wildem Gestikulieren seine Waren anpreist?

(so wie der Aal-Fritze oder der Wurst-Heini auf irgendeinem

Volksfest ...)

 

Nein – Also so dann auch wieder nicht. 

Der Vergleich trifft‘s nicht ganz. 

Aber: Gott läuft uns wirklich aufdringlich nach!

Er drängt uns seine Gaben regelrecht auf!

Geht das denn zusammen?

 

 

(Er ist) 1. Der Gott, der einlädt

Jesaja nimmt uns hinein in eine unverwechselbare Szene 

im israelischen Alltag. 

Wo immer sich in der heißen Sonne des Orients Leute treffen, 

da sind auch gleich die pfiffigen Wasserverkäufer da, 

die den Durstigen Wasser verkaufen wollen.

 

In großen Behältern aus Ziegenfell bringen sie es daher 

und gießen es in (nicht immer saubere) Gläser. 

Mit großer Show bieten sie das durststillende, kühle Nass an.
Und daneben stehen andere, die schöne
Melonen anbieten. 

Auch das hat ja was!

Nicht immer nach unseren Vorstellungen von Hygiene, 

aber dafür mit umso eindringlicheren Worten:
Hier gibt es Wasser! 

Versorgt euch mit Proviant, Leute!

 

Doch der Prophet setzt noch eins drauf: 

Dieser Marktschreier, der hier seine Waren an den Mann bringen will, 

verlangt nicht einmal Geld dafür! 

Er verschenkt seine Sachen. 

»Kommt herbei, kauft umsonst!« 

Nicht nur ein Sonderangebot, sondern ein Gratisangebot. 

»Die ihr kein Geld habt, kommt her!«

 

So ist Gott, sagt Jesaja: der, der bedingungslos verschenkt, 

der alles aufs Spiel setzt. 

Es ist der Gott, der um uns Menschen leidenschaftlich wirbt, 

der uns in diesen Prophetenworten begegnet, 

der Gott, der alles daran setzt, 

uns von seiner Einladung zu überzeugen.

 

 

(Wer sind) 2. Die Menschen, die eingeladen sind?

»Wohlan, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser« – 

das ist die Einladung des Propheten auch heute Morgen. 

Durstige sind da angesprochen und Leute, die Hunger haben. 

Durst – das deutet einen entscheidenden Mangel an. 

Wer durstig ist, dem fehlt was 

und zwar etwas Lebensnotwendiges. 

Durst, das ist ein Bild für die Sehnsucht nach erfülltem 

und sinnvollem Leben, nach Leben mit Qualität. 

Eine Sehnsucht, die wir tief verborgen in uns tragen.

 

Dabei schwimmen wir doch heute - mitten - auf einem Meer 

von Angeboten und Möglichkeiten, 

die Leben und Freiheit, Glück und Zufriedenheit, 

Lust und Erfüllung versprechen. 

Was wird uns da nicht alles versprochen, 

was unseren Durst nach Leben stillen soll: 

Das musst du dir kaufen – dann bist du glücklich und zufrieden – 

dann bist du »angesagt« – dann fehlt dir nichts mehr.

 

Durst nach Leben, davon sind ganz viele junge Leute „befallen“.

Von einer Party zur anderen, von einem Highlight zum anderen. 

Leben durch er-leben. 

Junge Leute wollen was erleben: 

etwas, das abgehoben ist vom Alltag, das fasziniert!

 

Wo suchen unsere Jugendlichen hier in unserer Gemeinde Leben, 

echtes, sinnvolles Leben? 

Wo stillen sie ihren Durst? 

Die große Konkurrenz auf dem Markt der Wasseranbieter für 

die Jugendlichen macht uns da echt zu schaffen ...

Wer lotst sie wo hin?

Wer betet für sie?

Wer ermutigt sie, in die Gemeinde zu gehen?

Aber auch: Haben wir ihnen wirklich was anzubieten?

 

Oder fragen wir weiter:

Wo habe ich selber »Salzwasser« geschluckt, 

Wasser, das eben g‘rad nicht satt macht, 

sondern den Mangel nur zudeckt 

um ihn danach erst recht spürbar zu machen? 

Wo bin ich leer, mit brennendem Durst und Sehnsucht zurückgeblieben? 

Wie stillen wir denn selbst unsere tiefe Sehnsucht 

nach wahrem und erfülltem Leben?

 

Vielleicht hat es keine Zeit gegeben, in der der Durst nach 

sinnvollem Leben so groß war wie heute!?

Menschen, die innerlich am Rand sind, 

nach der x-ten Beziehung, die wieder in die Brüche zu gehen droht. 

Zur Ehe haben sie sich eh‘ nicht durchringen können. 

Worauf hin hätten sie sie auch gründen sollen, auf welche Basis?

 

Ich glaube, heute wird das immer klarer: 

Nur, wenn ich mein Leben vom Anfang bin zum Ende in Gottes Hand

lege, mich in ihm berge, 

- ist auch der Mut zur lebenslangen Bindung (in Liebe) da, 

- bekomme ich Lust, Verantwortung zu übernehmen,
will nicht einfach so zusammen leben, 

sondern freue mich auf die Herausforderung mit Jesus, 

  ja sogar auf Kinder, wo viele heute sagen:
in diese Welt sollte man lieber keine mehr herein setzen ...

Das ist alles Quatsch

und zeigt eher den fehlenden Glauben. 

 

Ohne diese Basis, die den Durst nach mehr nicht mehr kennt, 

weil jemand bei Gott (bei Jesus!) das Entscheidende bekommen hat, 

lassen Menschen alles offen, 

warten ab, leben in den Tag hinein, 

bleiben unbefriedigt und „durstig“. 

 

Damit rückt dieses Bibelwort heute ganz nah an uns 

und unsere Zeit heran!

 

Weder das Meer der Beziehungen noch das Meer der Angebote

in unserer Gesellschaft heute bietet letztlich Wasser, 

das den Durst nach Leben, 

nach Heilsein, 

nach tiefer Erfüllung dauerhaft löscht.

 

Eine unübersehbare Menge an Lückenfüllern wird uns angeboten:

- »Versenk‘ dich in dich selbst, finde deine eigene Mitte in dir«,
empfehlen die Einen.

- »Vergiss‘ dich selber und was dich drückt, sorg‘ für Zerstreuung, 
geh auf Reisen und nimm mit, was du kriegen kannst“ oder
die ökologisch-biologische Variante „was gesund macht“,
  sagen Andere.

Wieder andere:

- „Gib der Ruhe keine Chance, nutz‘ das Leben, denn es ist
viel zu kurz!“ (Arbeit, Karriere, der Sport, die Familie  ...)

 

Und doch ist das alles nur Salzwasser für ausgebrannte Seelen, 

»Nicht-Brot« für ausgehungerte Herzen.

 

»Auf – tut was gegen euren Durst!« 

Das sagt auch der Prophet Jesaja.
Wasser, frisches Wasser, gutes Wasser -, Wasser fürs Leben, 

um das geht es!

Aber jetzt macht er ein noch nie da gewesenes Angebot:

Gott lädt uns ein - mit unserem Lebensdurst -, uns alle.

 

 

(Es geht) 3. (um) das Fest des Lebens

Aber der Ruf Jesajas hat eine unerwartete Fortsetzung. 

»Kauft umsonst« – »Lasst euch beschenken« – 

nicht von irgendeinem Lockvogel. 

Sondern von eurem Schöpfer und Erhalter, 

vom lebendigen Gott.

 

Kommt zum Fest des Lebens – kommt in die Lebensverbindung 

mit ihm.

 

Die Mutter eines Konfirmanden hat pflichtbewusst mit ihrem 

Sohn den Gottesdienst am Sonntagmorgen besucht

(was wir uns viel öfter wünschen würden als es bisher der Fall ist ...).

Aber was sie da gehört hat, 

das hat sie mitten ins Herz getroffen. 

Es ging um Jesus und die beiden Schwestern Maria und Martha. 

Und die Mutter des Konfirmanden hört mit einem Mal 

die Stimme Gottes ganz persönlich: »Mach es wie Maria, 

setz dich vor Jesus hin. Hör‘ auf ihn, vertraue ihm, 

lass dich von ihm beschenken.«

 

Einige Wochen später feiert die Familie die Konfirmation des Sohns. 

Aber dieser Tag war gleichzeitig ein Fest für die Mutter. 

Es war auch ihr Festtag des Glaubens. 

Sie hat in all ihrem Lebensdurst - von belasteten Beziehungen 

und gesundheitlichen Problemen - das Wasser des Lebens gefunden.

 

Seither hat sich manches geändert – noch längst nicht alles. 

Aber neues Vertrauen wächst heran. 

Und sie kann ihren Lebensweg dankbar aus Gottes Hand annehmen. 

Sie ist auf den Geschmack gekommen, 

auf den Geschmack des Glaubens, 

den Geschmack des wahren Lebens - mit Jesus.

 

 

(Noch ein 4.:) Ein Festglanz, der überwältigt – Zeugen des Festes
laden andere ein

Wer der Einladung zum Fest gefolgt ist und 

Leben in Fülle gefunden hat, 

kann das nicht für sich behalten – er wird Zeuge sein 

vom lebendigen Wasser, das es umsonst gibt. 

Wo Menschen an das Leben Gottes angeschlossen werden, 

da können, nein, da müssen sie dieses Leben weitergeben. 

 

Wer seinen Lebensdurst bei Jesus Christus gestillt hat, 

kann zum Brunnen für andere werden.

Jemand, der zur Quelle des Lebens gefunden hat, 

kann selber zu einer Quelle des Segens für die Menschen neben ihm werden. 

 

Davon lebt unsere Welt, darauf warten Menschen, 

dass sie mitten auf dem Meer der Angebote, 

die den Lebensdurst eben nicht stillen, 

frisches, gesundes Wasser aus der Quelle des Lebens bekommen.

 

Wenn jeder von uns, der diese Einladung Gottes heute gehört hat 

und von ihm in seinem Wort lebendiges Wasser bekommen hat, 

für einen einzigen Menschen unseres Ortes ein »Wegweiser zum 

Fest des Lebens« würde -, 

was könnte da in unserer Gemeinde, in unserem Ort passieren! 

 

Wie heißt der Mensch in meiner Nachbarschaft, 

meinem Bekanntenkreis, der diese Einladung braucht?

 

»Kommt, atmet auf, ihr sollt leben, 

ihr müsst nicht mehr verzweifeln, nicht länger mutlos sein. 

Gott hat uns seinen Sohn gegeben. 

Mit ihm kehrt neues Leben bei uns ein.«   

Amen.

 

(Ich danke meiner Kollegin Esther Schaaf für ihre Vorarbeiten zu dieser Predigt!)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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