2013-03-10

Predigt über Johannes 6,47-51 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören auf Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Johannes-Evangelium, Kapitel 6, die Verse 47-51:

 

„47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige 

Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der 

Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.  50 Dies ist das Brot, 

das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin 

das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem 

Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, 

das ich geben werde für das Leben der Welt.“ 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

unser täglich Brot ist ein Grundnahrungsmittel. 

Wenn Jesus sich als »Brot des Lebens« bezeichnet, 

dann will er ganz offensichtlich sagen, dass ER ein Grundnahrungsmittel 

für unsere Seele bzw. für unseren Geist ist.

 

Zwei wichtige Dinge gibt uns Jesus heute morgen mit auf den Weg:

  1. Das tägliche Brot ist nicht genug (und)
  2. Nur das Brot vom Himmel macht ewig satt. 

 

 

Der Reihe nach: 

1. Das tägliche Brot ist nicht genug

Jesus hat gerade 5.000 Menschen satt gemacht (1). 

Sie haben erlebt, dass welche Kraft und Macht er hat: 

Er kann von einem Augenblick auf den anderen 

Nahrung für eine große Menge Leute schaffen. 

 

»Wer so viele Leute auf einmal satt machen kann,

der ist unser Mann«, haben sie gedacht. 

Könnte das einer der vielen Bürgermeisterkandidaten 

für Straubenhardt, er würde das Rennen bestimmt

machen ... aber vielleicht sollte er nicht Brot vermehren, 

sondern etwas anderes: schnelle DSL-Leitungen oder

Smart Phones, die heute als Grundausstattung angesehen

werden ... 

 

Nun, Jesus hat Brot vermehrt. 

Und deshalb wollen sie jetzt alle mit ihm verbunden bleiben.

Doch der wehrt ab: »Ihr sucht mich, weil ihr vom Brot 

gegessen habt und satt geworden seid. Aber nicht etwa, weil ihr

gesehen habt, dass das ein Zeichen für Gottes Wirken war« (2).

Und ohne Luft zu holen, redet er weiter: »Schafft euch Speise, 

die nicht vergänglich ist, sondern die zum ewigen Leben bleibt…« (3).

 

Das hat bei einigen bestimmt Verständnislosigkeit ausgelöst. 

Was meint der wohl damit?

 

Da geht‘s doch ganz bestimmt nicht mehr nur ums Brot, 

das er ihnen gegeben hat. 

Denn das war ja vergänglich, 

so gut es auch geschmeckt hat. 

Es wäre verschimmelt oder hart geworden, 

hätten sie es liegen lassen.

 

Jesus will mit seinem Brotvergleich ganz offensichtlich sagen, 

dass ER viel wichtiger ist für unsere Herzen und für unseren Geist 

als das Essen für den Magen. 

Wer IHN aufnimmt in sein Denken, Fühlen, Wollen – wer IHM 

die Möglichkeit gibt, das Leben zu beeinflussen, zu durchdringen, 

für den ist nicht nur die irdische, sondern auch die ewige Existenz geklärt.

 

»Ich gebe euch ewiges Leben«, sagt Jesus 

»Wer (an mich) glaubt, der hat das ewige Leben!« (V. 47)

 

Bei den Männer, die um Jesus herum stehen, 

fängt das Gehirn an zu schalten, die Synapsen laufen heiß: 

Die Speisung der 5000 muss also was mit seinem Reden 

zu tun haben?!

Nur, so richtig kapiert haben sie es noch nicht. 

 

Was ihre Vorfahren erlebt haben, 

die Versorgung mit »Brot vom Himmel« (4), 

dem „Manna“ in der Wüste, von Gott geschickt, 

das bewundern sie bis heute. 

 

Und Jesus sagt ihnen: Hört her, das werde ich nicht wiederholen, 

was Mose für sein Volk erbeten hat, als der Hunger so groß war. 

Jetzt, sagt Jesus, soll etwas viel Größeres passieren.

 

»Mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel,

denn Gottes Brot ist das, was vom Himmel kommt 

und der Welt das Leben gibt« (5).

 

Aber es hat noch immer nicht gefunkt bei den Zuhörern, 

was Jesus ihnen hier anbietet. 

Zu sehen ist das an ihrer nächsten Bitte: 

»O Herr, gib uns doch für immer solches Brot« (6).

 

Aus der Mission kennen wir Berichte, dass Menschen vorgeben, 

die Nähe zu Jesus und zu seiner Gemeinde zu suchen, 

aber in Wirklichkeit haben sie es nur auf die materielle Versorgung 

abgesehen haben. 

Eine gut gemeinte Versorgung mit Hilfsgütern weckt bei vielen 

Begehrlichkeiten. 

 

Ein guter Freund und Christ, den ich aus meiner Zeit im Kosovo

und auf dem Balkan kenne, hat mir das immer wieder erzählt: 

Wie die Leute nach dem Ende der kommunistischen Mangel-

wirtschaft in Albanien scharenweise in christliche Gemeinden 

gekommen sind, die oft Hilfe aus dem Ausland bekamen ...

Sie haben sich zu den Christen gehalten, 

wollten im Grunde aber nichts von ihrer Botschaft wissen, 

sondern dort etwas mitnehmen für den notwendigen Lebens-

unterhalt. 

 

Auch aus China gibt es solche Berichte und man nennt

diese Leute dort „Reis-Christen“. 

Weil sie Christen sein wollten, nur weil sie dann den notwendigen 

Reis bekommen. 

 

Hier in unserem Bibelabschnitt müssten wir dann eher von 

»Brot-Christen« sprechen. 

 

Auch ganz subtil und nicht mit Blick auf Essen und Trinken 

können sich Menschen zur Gemeinde, zu Jesus halten. 

Weil sie eine bestimmte Erwartung haben: 

Zum Beispiel in einer Jugendgruppe einen Freund / eine Freundin, 

vielleicht den Partner fürs Leben zu finden. 

Und das ist auch völlig in Ordnung, dass Christen als Freund 

oder Freundin sich einen Christen wünschen und wo werden 

sie den am ehesten finden? - Eben dort, wo sich Christen treffen

und was zusammen unternehmen!

 

Aber ich habe es auch schon erlebt, 

dass dieses Ziel so im Vordergrund stand, dass, nachdem 

das hübsche Mädel oder der tolle Kerl nicht „angebissen“ hat 

oder - noch schlimmer - von jemand anders weggeschnappt wurde, 

dass dann jemand von Jesus weggeht, 

den Teenkreis, den Jugendkreis, die Gemeinde verlässt. 

Weil Jesus wohl doch nicht im Mittelpunkt ihres Denkens, 

ihres Wünschens und Lebens stand ...

 

Es ist so menschlich ... aber auch so ernüchternd. 

 

Zu allen Zeiten gibt es die solche Menschen wie die 5000, 

die Zeichen und Wunder erwarten, 

aber nicht begriffen haben oder begreifen wollten, 

dass es viel wichtiger ist, 

das »Brot des Lebens« zu gewinnen.

 

 

Das Zweite: 

2. Nur das Brot vom Himmel macht für ewig satt

»Ich bin das Brot des Lebens!« (7) 

 

Dieses Wort von Jesus ist eine Einladung, 

in die Nähe Gottes zu kommen und in der Nähe Gottes zu bleiben, 

einmal dazu zu gehören am himmlischen Reich. 

 

 

Aber die Reaktion der Zuhörer ist enttäuschend: »Sie murrten« (8). 

Sie werden gedacht und wahrscheinlich auch gesagt haben: 

»Wie kann der uns helfen, noch dazu bis in alle Ewigkeit?« 

 

Für sie war Jesus der Sohn des Josef und der Maria, 

so haben sie ihn gekannt. Bisher ...

Der sollte vom Himmel gekommen sein und helfen, 

in den Himmel zu kommen? 

Es sind kritische Fragen, die da gestellt werden.

 

Kennen Sie das auch? 

 

Da haben sie einem Menschen die Wahrheit von Jesus Christus 

im Gespräch weitergesagt, 

ihn vielleicht - und hoffentlich! - zu den ProChrist Abenden 

eingeladen, aber der lehnt verständnislos ab. 

Statt offen darüber nachzudenken, 

kommen nur verständnislose und sogar spöttische Rückfragen ...

 

Damals haben sie Jesus völlig falsch verstanden. 

Sie wollten ihn zum König machen. 

Sie haben aus ihm den machen wollen, 

der Brot herschafft, 

ohne dass sie auch nur einen Finger krümmen müssen. 

 

»Brot besorgen«, das hat der Pharao in Ägypten 

unter Josefs Organisation auch geschafft. 

Zur Zeit von Jesus sorgten dafür in Rom die Kaiser. 

Mit Brot und Spielen – damit konnte man alle beruhigen

und bei Laune halten. 

Jede Regierung, die was drauf hat, 

wird alles dafür tun, dass die Grundversorgung in den Läden 

nie zusammen bricht. 

Deshalb gibt es in Frankreich bis heute einen staatlich festgesetzten 

Brotpreis, denn am Hunger nach Brot ist eins die Revolution 

ausgebrochen. 

 

 

»Aber«, sagt Jesus, »ich will etwas schaffen, das niemand 

sonst kann, weder Kaiser, noch König, auch kein Landwirtschafts-

minister, keine Welternährungsorganisation. 

Ich will euch ewiges Leben geben.« 

 

Er will nicht mit den Großen dieser Welt 

gleichgestellt werden.

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

es hat seinen Grund, wenn Jesus ablehnt, zum »Brotkönig« 

erhoben zu werden:

Er war und ist nicht König - von der Menschen Gnaden, 

sondern von Gottes Gnaden allein.  

»Ich bin nicht vom Himmel gekommen«, sage er, 

»dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, 

der mich gesandt hat...« (9).

 

Aber Jesus, der vom himmlischen Vater Gesandte -, 

wird - nach dem Willen dieses Vaters - sterben. 

Und dieses Sterben wird für alle, die daran glauben, 

Essen und Trinken sein ins ewige Leben hinein. 

»Mein Fleisch wird gebrochen, 

mein Blut wird vergossen«, sagt Jesus, aber - 

genau das - bedeutet Leben für die Welt. 

 

Er bietet hier das ewige Leben an, indem er sagt: 

Ich werde sterben.

 

Genau umgekehrt wie die Mächtigen dieser Welt, 

die das „Fleisch und Blut“ ihrer Untertanen verlangen. 

Der König Jesus - dort am See Genezarath - dagegen 

bietet seinen Untertanen sein eigenes Leben an. 

»Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, 

und ich werde es geben für das Leben der Welt.« (V. 51)

 

Wer sich kennt, versteht das Raunen der Leute, 

die gern nach einem Wunder noch viele weitere gesehen hätten. 

Es stößt ihnen hart auf, was Jesus da sagt (10).

 

Johann Albrecht Bengel, der Namensgeber für das 

vielen von Ihnen bekannte „Albrecht-Bengel-Haus“ in Tübingen, 

ein großer Bibelausleger, bringt am Ende seines 

Kommentars zu diesem Text ein Gebet,

er bittet: »Herr Jesus, erhalte mich im Glauben, 

dass ich mich an keinem deiner Worte ärgern möge, 

auch wenn ich mich nicht in alles finden kann.« 

 

Wie ehrlich!

 

»Seinen Leib essen – sein Blut trinken«, 

diese Worte von Jesus, die kommen uns sehr schwer vor.

 

Eine kleine Denkhilfe dazu: 

Wir kennen den Ausdruck: 

„Er oder sie konnte sich nicht satt sehen“. 

Das heißt dann bei uns: So oft ich auch hinschaue, 

ich will immer noch mehr. 

 

So hat es auch Jesus gemeint, 

wenn er einlädt, ihn wie Brot zu essen, 

d.h. an ihn zu denken, 

sich intensiv mit ihm zu beschäftigen, 

sich in sein Wort zu vertiefen bis ich satt bin, 

bis mein Lebenshunger gestillt ist, 

bis ich ihn innerlich so aufgenommen habe

wie Brot für den hungrigen Magen. 

 

Einer, der zum Glauben gekommen ist, hat gesagt: 

»Ich kann mich gar nicht satt sehen an Jesus –

ich krieg‘ gar nicht genug von ihm.« 

Hier hat sich das Wort von Jesus erfüllt.

 

Ein Beispiel dazu:

Anna war in St. Petersburg groß geworden. 

Obwohl der Großvater russischer Geheimdienstmitarbeiter war, 

stand bei ihm eine Bibel im Regal. 

Anna entdeckt sie und suchte immer wieder eine Gelegenheit, 

darin zu lesen.
So erwacht in ihr ein geistlicher Hunger, 

aber niemand kann ihr weiterhelfen.

Und die Jahre gehen ins Land. 

Anna heiratet. 

Sie wird Übersetzerin und Reiseführerin. 

Etwa 1990, in den Zeiten des politischen Tauwetters, 

hat sie eine Gruppe amerikanischer Pastoren mehrere Tage 

hindurch zu begleiten.

 

Was ein Pastor ist, das wusste sie damals noch nicht, 

aber diese Leute sprachen oft von Jesus. 

Sie sind auch immer wieder auf freien Plätzen stehen geblieben

und haben angefangen zu predigen. 

Und Anna übersetzte.

 

Einmal entdeckt sie eine junge Zuhörerin, 

die ihr jedes Wort vom Mund abgelesen hat. 

Sie merkt, wie diese junge Frau der Reisegruppe folgt, 

denn sie war immer wieder da.

 

Nach einigen Tagen kommt dieses junge Mädchen auf den 

Redner zu und bittet darum, ihr zu erklären, was sie tun müsse, 

um mit diesem Jesus leben zu können, 

von dem er immer redete. 

Und Anna übersetzt auch jetzt.

Sie spürt den geistlichen Hunger der Fragerin 

und ist tief bewegt, als der Pastor mit der jungen Frau ein 

Gebet der Hingabe an Jesus spricht. 

 

Anna beobachtet auch, wie fröhlich die junge Frau davon geht. 

 

Daraufhin sagt sie zu dem Pastor: »Ich war so beschäftigt mit 

dem Übersetzen. 

Können Sie dieses Gebet mit mir auch noch einmal sprechen?« 

 

Einige aus der Gruppe, die schon mehrfach für Anna gebetet 

hatten, sahen ihr Gebet erhört.

 

Und dann hat sich bei Anna genau das zugetragen, 

wovon in unserem Text die Rede ist: 

Sie hat Jesus regelrecht „gegessen“ und von ihm „getrunken“, 

sie hat seine Wort regelrecht in sich aufgesogen.

 

Und sie hat begriffen und konnte glauben, 

dass Jesus für sie am Kreuz gestorben ist. 

 

Ihr ist Glaube geschenkt worden, 

der zwar ihre wirtschaftliche Not nicht weggepustet hat, 

der sie aber zu einem dankbaren und hoffnungsvollen 

Menschen gemacht hat.

 

Jesus sagt: »Wer zu mir kommt, den werde ich nicht 

hinaus stoßen« (11).

 

Würden das doch viel mehr Menschen erfahren! 

Würden noch viel mehr Menschen sich auf die Suche machen, 

und wir andere einladen (z. B. zu ProChrist, das heute Abend

um 19.45 an vielen Orten noch einmal stattfindet und zu Jesus

einlädt)

 

Es macht wirklich nachdenklich, 

wie viele Menschen sich selbst genug sind, 

offen für alle Arten von „Wundern“, von spirituellen Erfahrungen, 

aber nicht bereit, sich tieferen Wahrheiten zu öffnen. 

 

Damals sind von den 5.000, 

von denen am Anfang des Kapitels gesprochen wird, 

kaum mehr als zwölf übrig geblieben (12). 

 

 

»Ich bin das Brot des Lebens«, sagt Jesus. 

 

Mit ihm empfangen wir – das zeigt die Erfahrung der Anna – alles: 

Vergebung, Friede, Freude.

 

»Jesus in mir« will bewirken, 

was mir anders - nicht geschenkt werden kann.   Amen. 

 

Anmerkungen:

  (1)  Johannes 6, 1–13 

  (2)  V. 26

  (3)  V. 27

  (4)  2. Mose 16, 14

  (5)  Johannes 6, 32

  (6)  V.34

  (7)  V. 35 

  (8)  V. 41 

  (9)  V. 38

(10)  V. 60

(11)  V. 37 
(12) V. 66f

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.11 - 21.11.2108
18:30 Uhr:
GD am Buß- und Bettag in Schwann mit Abendmahl (Pfarrer Manz)
Dienstag, 11.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Freitag, 14.12.2018
17:30 Uhr in Schwann:
Mädchenjungschar - Weihnachtsfeier
Sonntag, 16.12.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schwarze)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schwarze)
Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)