2013-03-03

Predigt über Jeremia 20,7-11a / Pfarrer Friedhelm Bühner

»Gott braucht keine Helden«, so lautet der Titel eines Buchs, das in den letzten Jahren für so manche Mitarbeiter in Kirche und Gemeinde ein echter Gewinn war.

Darin geht‘s um einen schwedischen Christen, 

der als Journalist mit großem Engagement erfolgreich 

einen christlichen Verlag geleitet hat, 

sein ganzes Leben und enorm viel Kraft hat er in diese Aufgabe

gesteckt. 

Bis er nach etlichen Jahren merkt, 

dass er in eine handfeste Krise gerutscht war:

Seine Kraft war zu Ende. 

Sein Glaube kochte auf Sparflamme

und seine Ehe bestand nur noch auf dem Papier. 

In dieser Krise - ist es dann - Gott sei Dank zu einem Neuanfang 

gekommen. 

 

Das Fazit des Buchs heißt: Gerade in der Schwachheit ist Gott 

uns näher, als wir ahnen.

»Gott braucht keine Helden.« 

Das gilt heute noch genau so wie früher. 

 

Wir hören heute aus der Bibel von einem Mitarbeiter Gottes, 

der ganz bestimmt kein Held war, eher das Gegenteil. 

Jeremia ist ein Prophet Gottes, für den Misserfolg, 

Anfechtung und Zweifel ständige Begleiter sind. 

In seinen »Konfessionen« lästt er uns hinein schauen, 

wie‘s ihm mit dem Auftrag Gottes geht. 

 

Mit »Konfessionen« sind persönliche Stellungnahmen gemeint,

Bekenntnisse also, was der Mann Gottes in seinem Dienst erlebt 

und erlitten hat.

 

Unser heutiger Predigttext stammt aus einer dieser Konfessionen / Be-

kenntnisse, er steht  im Buch des Propheten Jeremia, Kapitel 20, die Verse 7-11:

„7 HERR, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. 

Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber 

zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. 8 Denn 

sooft ich rede, muss ich schreien; »Frevel und Gewalt!« muss ich rufen. 

Denn des HERRN Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. 

9 Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in 

seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein bren-

nendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, dass ich's nicht 

ertragen konnte; ich wäre schier vergangen.  10 Denn ich höre, wie viele 

heimlich reden: »Schrecken ist um und um!« »Verklagt ihn!« »Wir wollen 

ihn verklagen!« 

Alle meine Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle: »Vielleicht 

lässt er sich überlisten, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm 

rächen.«

11 Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine 

Verfolger fallen und nicht gewinnen ...“ 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

schon beim ersten Hören fällt der enorm persönliche Ton auf

und ich will dem Text heute Morgen einfach noch mal Schritt für Schritt 

entlang gehen. 

 

Da sind wir drei Dinge aufgefallen: 

 

1. Eine Berufung in der Krise

»Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen. 

Du ist mir zu stark gewesen und hast gewonnen.«

 

Schon diese ersten Worte zeigen uns ganz Wesentliches. 

Jeremia ist nicht freiwillig Prophet geworden.

Der Herr musste ihn überreden, überzeugen, vielleicht sogar zwingen. 

Wörtlich übersetzt heißt es: »Du hast mich verführt.« 

Wie ein starker Mann, der ein schwaches Mädchen um den Finger wickelt, 

„verführt“, so ist Gott aus der Sicht Jeremias mit ihm umgegangen. 

 

Er wollte nicht. 

Doch er konnte sich Gott nicht widersetzen.

Am liebten wäre er der geblieben, der er war: der einfache 

Priestersohn aus Anathot. 

Aber der Herr hat ihn gegen seinen Willen zum Propheten berufen!

 

Doch das ist nicht alles. 

Jeremia fährt fort: »Ich bin darüber zum Spott geworden täglich 

und jedermann verlacht mich.« 

Wenn es wenigstens ein erfolgreicher Auftrag gewesen wäre! 

Aber das Gegenteil ist der Fall! 

 

Nicht genug, dass Gott ihn in dieses schwierige Amt gestellt hat, 

jetzt kommt auch noch dazu, dass er nur Schwierigkeiten erlebt, 

und zwar an allen Ecken und Enden. 

Zum einen nehmen ihn die Leute nicht ernst:

Über seine Gerichtsworte lachen sie nur. 

Jeremia ist zum Spott der Leute in Jerusalem geworden! 

Jeremia, die Lachnummer der Nation!

 

Zum anderen lesen wir gleich danach, 

dass die Leute heimlich über ihn tuscheln. 

Sie warten nur, bis er einen Fehler macht, 

damit sie ihn anzeigen können.

 

Feinde sind also auf dem Plan. 

Sie wollen ihn mundtot machen. 

Attentate werden auf ihn verübt. 

Die Tempelpolizei misshandelt ihn und steckt ihn in den Block. 

In eine Zisterne wird er geschmissen. 

Seine Schriftrollen werden auf zynische Art in einem Kaminfeuer 

abgefackelt.

 

Das alles steht im Hintergrund, wenn er jetzt seinem 

"Herrn vorhält: »Herr, du hast mich verführt, in die Irre geführt. 

Ich bin dir auf den Leim gegangen.«

 

 

Ich bin froh, liebe Gemeinde, 

dass wir auch solche Schicksale in der Bibel haben.

Denn sie beleuchten eine Seite unseres Glaubens, 

die für viele von uns -  vielleicht gar nicht so weit - entfernt ist. 

Wenn nämlich die Berufung in die Krise kommt, 

wenn der Glaube zu kriseln anfängt 

oder wenn man im Dienst für Gott einfach nicht mehr weiter will

 

Die Bibel verschweigt solche Dinge nicht. 

Und dafür bin ich Jeremia echt dankbar.

 

Ein Pastor erzählt, wie ihn Mitte 40 eine schwere Erschöpfung 

eingeholt hat: Er hat die Erwartungen der Gemeinde einfach nicht mehr

erfüllen können. 

Schon seit langem hat er es gespürt.

Die Gemeinde hat wohl auch schon über ihn getuschelt. 

Der Pep und die Begeisterung, die er am Anfang seiner Dienstzeit 

noch für die Jugendlichen seiner Gemeinde aufgebracht hat, 

waren aufgebraucht. 

Jetzt schleppt er sich nur noch mühsam durch seinen Wochenplan ...

 

Aber nicht nur im hauptamtlichen Einsatz gibt es solche Krisen.

(Wir erleben das auch bei Mitarbeitern in Jungscharen, im 

Kindergottesdienst, ja sogar im Kirchengemeinderat kann es das 

geben ...)

 

Da spürt eine Mitarbeiterin, wie die Luft längst raus ist. 

Ihre Aufgaben in der Gemeinde macht sie nur noch aus Pflicht-

bewusstsein und schon längst nicht mehr mit Begeisterung 

und aus echter Liebe. 

Am liebsten würde sie alles hinschmeißen. 

Sie fragt sich, ob sie ihrer Aufgabe treu sein soll und 

vielleicht ja auch, ob sie dem Glauben überhaupt abschwören soll.

 

 

Berufene können in eine Krise rutschen. 

Auch das gibt‘s in der Bibel.

Egal, ob sie haupt- oder ehrenamtlich aktiv sind. 

 

Und wie ist es mit unseren Ehen? 

Da fragt sich einer, der schon 25 Jahre lang verheiratet ist: 

»Habe ich die Falsche geheiratet?“ oder eine: „Habe ich den Falschen 

geheiratet? 

War das nicht alles ein großer Irrtum?«

 

Berufung in der Krise. Das gibt es. 

Wir wären Lügner, würden wir das abstreiten. 

 

Und unser Herr, Jesus Christus? 

Wir stehen in der Passionszeit. 

 

Hat er nicht auf dem Weg zum Kreuz seine Krise durchlebt? 

»Vater, wenn es möglich ist, dann lass diesen Kelch an mir 

vorübergehen.« 

Auch ihm ist die Last des Wegs vor Augen gestanden. 

Auch er spürt den Kampf, den dieser Weg mit sich brachte, überdeutlich. 

Gerade, weil er das alles durchgemacht hat, 

kann er uns in unseren Krisen - nahe sein.

 

 

2. In der Berufung bleiben

Die Botschaft, die Jeremia verkündigen muss, 

fällt auf keinen fruchtbaren Boden. Im Gegenteil. 

Die Gerichtsworte, die er den Leuten vorhalten muss, 

prallen an ihnen wie Regentropfen auf einem Mantel ab. 

Sie haben alle den eingebauten „Lotuseffekt“, 

es perlt ab wie der Regen auf frischen Blättern ...

 

Was hat er ihnen nicht alles sagen müssen: 

Sie haben den lebendigen Gott verlassen! 

Statt aus der Quelle lebendigen Wassers zu trinken, 

sind sie mit Zisternen, mit gesammelten Altwasser, zufrieden. 

Sie treibt die Gier nach unrechtem Gewinn. 

Ehebruch und andere Sünden zwischen den Geschlechtern 

muss er ihnen vorhalten. 

Witwen und Waisen werden ignoriert. 

 

Aber Jeremia predigt wie gegen eine Wand! 

Das Volk will nicht hören und sein Dienst scheint g‘rad für die Katz.

Er ist bereit, die Konsequenzen zu ziehen. 

»Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr 

in seinem Namen predigen.« 

 

Sollte er seine Berufung wirklich an den Nagel hängen?

 

In der Krise kommen solche Fragen. 

Soll ich meine Berufung aufgeben, 

meinen Dienst quittieren, meinen Glauben aufgeben? 

Sollte ich meinen Pfarrerberuf an den Nagel hängen 

und lieber einen ganz „normalen“ Job machen, 

wieder Maschinen verkaufen wie früher, 

acht oder neun Stunden malochen, dann aber frei haben?

Welcher Prediger (des Evangeliums) kennt solche Gedanken nicht?

 

In so einer tiefen Krise, wo er den ganzen Kram am liebsten 

hinschmeißen will, aber macht Jeremia eine Erfahrung, 

die kaum eindrücklicher sein könnte: ( - ) 

Er kommt von Gott nicht los. ( - ) 

Das Gerichtswort, das er predigen soll, wird in ihm wie ein Feuer. 

Es wird ihm selber zum Gericht. 

Das Wort ist drauf und dran, ihn selber zu zerstören, 

wenn er es nicht im Gehorsam weitergibt. ( - ) 

 

Ahnen wir was von der Macht des Wortes Gottes,

liebe Gemeinde, liebe Konfis?

Gottes Wort ist kein einfaches Menschenwort, 

nicht einfach Lebensberatung, die Gefallen finden muss, 

nicht Weltverbesserung, die hoffentlich gehört wird, 

sondern eine Macht! ( - ) 

 

Wenn es einen packt, kann man sich ihm nicht entziehen. 

Es packt einen einfach, schnappt einen, nimmt dich in Beschlag.

 

Wir geben als Prediger des Evangeliums keine Gedanken weiter. 

Und schon gar keine Gefühle. 

Sondern das Wort dringt durch uns hindurch nach draußen, 

hin zu den Menschen.

Jeremia kann nicht anders als seiner Berufung treu bleiben. ( - ) 

 

Wir sind nicht Jeremia und haben die Macht von Gottes Wort

auch nicht in dieser intensiven Weise erlebt wie er. 

 

Aber das soll auch uns gelten: 

  - Verlasse deinen Glauben nicht.

- Verlasse deine Berufung nicht! (... siehe Mose, Josua, Elia ...)

 

Auch unser Herr, Jesus Christus, ist seiner Berufung treu geblieben 

und viele mit ihm. 

Selbst dann noch, als sie geradeaus ins Leiden gerutscht sind. 

Jesus nachfolgen heißt immer auch, das Kreuz mit dem Kreuz erleben. 

 

Deshalb gibt uns der Hebräerbrief mit auf den Weg (siehe Schrift-

lesung): »Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns 

bestimmt ist und aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender 

des Glaubens.“ 

Lasst uns so unserer Berufung treu bleiben!

 

 

3. In der Berufung gehalten

»Aber der Herr ist bei mir wie ein starker Held, darum werden 

meine Verfolger fallen und nicht gewinnen« ...

Überraschend ist die Wende am Ende unseres Textes.

Und wir haben keine Ahnung, wie es konkret zu diesem Stimmungs-

umschwung gekommen ist. 

 

Tatsache ist aber, dass Jeremia einen neuen Blick geschenkt bekommt. 

Noch sind die Feinde nicht besiegt. 

Noch muss er Spott und Hohn aushalten. 

Aber eines weiß er jetzt: In allem ist er vom Herrn gehalten. 

 

Und noch etwas blitzt in ihm auf. 

Am Ende wird der Herr recht behalten und nicht seine Feinde.

(vgl. Ende eines Psalms: Warum geht es den Gottlosen so gut? 

... „Aber ihr Ende seht an“)

 

In dieser Hoffnung kann er weiterleben,

weiter predigen und weiterhin in seiner Berufung bleiben.

 

Es hängt nicht an uns, liebe Gemeinde, liebe Konfis

dass wir auch in schwierigen Situationen nicht aufgeben oder 

verzweifeln, sondern an seiner Verheißung. 

Sie trägt. Gottes Wort trägt, weshalb wir jeden Tag darin lesen sollten. 

Er selber trägt und steht uns bei. 

In diesem Wissen können wir wirklich mutig und gelassen

in Anfechtungen, Schwierigkeiten, und sogar richtig großem Ärger 

standhalten. 

 

Amen

 

(Ich danke Pfarrer Dr. Rolf Sons aus Tübingen für seine Anregungen zu dieser Predigt)

 

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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