2011-12-25 Christfest

Predigt am 1. Christfesttag über Offbg 7,9-17 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für das Christfest aus der Offenbarung des Johannes, Kap. 7, die Verse 9-17: 

 "Danach sah ich, und siehe, eine große Schar,die niemand 

 zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern 

 und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem 

 Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen 

 in ihren Händen, und riefen mit großer Stimme: Das Heil 

 ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und 

 dem Lamm! 

 Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten 

und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron 

 auf ihr Angesicht und beteten Gott an 

 und sprachen: Amen, Lob und Ehre und 

 Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke 

 sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen 

 Und einer der Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind 

 diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind und woher 

 sind sie gekommen? Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, 

 du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind's, die ge- 

 kommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre 

 Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht 

 im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron 

 Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; 

 und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. 

 Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch 

 nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; 

 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden 

 und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers und 

 Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen". 

  

 

 

Liebe Gemeinde, 

es gibt kaum Tage im Jahr, an denen unsere Augen so viel 

Ungewöhnliches sehen wie in der Weihnachtszeit. 

Es ist die Zeit der hell erleuchteten Städte und Dörfer. 

In jedem Schaufenster sind die Angebote eingerahmt in 

weihnachtlichen Flitter. 

Unsere Wohnungen sind mit Sternen, Figuren und vielleicht sogar

mit einem Tannenbaum geschmückt. 

Festliche Zeit!

 

Dazu kommen die Geschenke, die unsere Augen und Sinne 

aufhellen!

Für ein paar Tage überstrahlt der weihnachtliche Glanz so

manche Not und Sorge, 

manches Leid und manche ausweglose Situation - oder - 

lässt den schreienden Widerspruch zwischen der

Scheinwelt und der Realität des Lebens erst richtig deutlich werden. 

In kaum einer Zeit des Jahres sind so viele Menschen in 

Verzweiflung und Ausweglosigkeit!

Und wenn in ein paar Tagen die Dekorationen wieder abgebaut 

werden, dann steht alles und für viele die Frage, wie es jetzt weiter-

geht und wie man durchkommen soll, wieder da. 

 

Das Wort für die Predigt aus der Offenbarung unserer Bibel ist ein Einblick

in den Himmel.

Das ist etwas ganz Anderes als die Lichterketten in den Straßen 

oder in unseren Häusern. 

Was Gott dem Johannes in einer Vision zeigt, das scheint uns so fern, 

so unwirklich, so phantastisch!

Es bringt uns nichts, denken wir!

Und doch liegt in dieser Sichtweise die Hilfe, wie wir unser

Leben meistern können. 

Wir könnten diesen Bibelabschnitt mit dem Wort des 34. Psalms (V6)

überschreiben: "Die auf IHN sehen werden strahlen vor 

Freude ...!"  

 

Lassen Sie mich das Wort Gottes für diesen Festtag heute

unter drei Gesichtspunkten erklären. Nämlich 

 


1.) Durchblick - inmitten der Not (Vv9.11)

 "Danach sah ich, und siehe, eine große Schar,die niemand 

 zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern 

 und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem 

 Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen 

 in ihren Händen ... Und alle Engel standen rings um den 

 Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten 

 und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und 

 beteten Gott an." 

 

 

Die Vision des Johannes ist ein Blick auf den Thron Gottes. 

Und bevor er das sieht, berichtet er von einer großen Not:

- Die Gemeinde Gottes wird verfolgt. 

- Glaubende sterben durch die Willkür gottloser Menschen. 

Wo ist die Macht Gottes? 

Wo ist seine Hilfe? 

Hat das einen Sinn, dass Menschen hingeopfert werden? 

Wie lange lässt du noch Deinen Namen entheiligen?

 

Vielleicht ist unsere Not eine andere!?

Wir leben nicht im Iran, in Ägypten, Syrien oder Nordkorea ...

Aber nach Antworten sehnen wir uns doch alle. 

Und immer wieder suchen wir den Durchblick, um das Ungeheuer-

liche, das Unbegreifliche, verstehen zu können. 

 

"Und ich sah eine große Schar ..." 

Durchblick durch die kümmerliche Situation der Gemeinde. 

Durchblick über alle Widrigkeiten hinweg auf das Ziel. 

Und dieses Ziel ist Gott selbst und Jesus, das Lamm. 

Trotz Schmähungen und Verfolgungen, ja trotz gewaltsamem

Tod sind sie ans Ziel gekommen, die auf Jesus ihre ganze 

Hoffnung gesetzt haben. 

 

Und ein solcher Durchblick, liebe Gemeinde, 

Durchblick inmitten vieler offener Fragen, kann auch uns heute

jene Zuversicht geben, die wir brauchen, um auszuhalten und 

nicht selten auch durchzuhalten im Glauben. 

 

In diesen Tagen wartet im Iran ein evang. Pastor auf seine Hinrichtung. 

Der oberste Gerichtshof hat alle bisherigen Urteile bestätigt. 

Sein Vergehen: Er hat auch Muslimen die frohe Botschaft 

vom Retter Jesus Christus verkündigt

und einige sind Christen geworden. 

 

Doch der „Abfall“ vom Islam wird dort mit dem Tod bestraft. 

 

Viele Menschen weltweit beten für ihn, 

Petitionen werden geschrieben, Unterschriftenlisten ausgelegt. 

Aber es ist höchst unsicher, 

ob sie diesen Pastor vor dem Strang retten werden ...

Er wäre nicht der Erste, der so sein Leben verliert. 

 

Menschen, die so unter Druck stehen, 

die brauchen „Durchblick“ auf die Vorgänge im Reich Gottes, 

Gewissheit, welches große Ziel bei Jesus sie erreichen, 

wenn die schlimmste Befürchtung eintrifft. 

 

 

Und so stellt Johannes uns nach dem Durchblick - 2. - den Aufblick vor 

Augen: 

 

 

2.) Aufblick - So groß ist unser Gott! (Vv10.12)

Und was sieht er in dieser Vision? 

Er sieht, dass Gott auf dem Thron sitzt, dass er die 

Herrschaft tatsächlich ausübt. 

Jesus, das Lamm, das für uns geopfert wurde, ist das Ziel!

Heil ist bei unserem Gott und bei seinem Sohn! 

Nur bei ihm! 

 

Und alle, die schon immer vor Gott stehen 

- die Engel, 

- die Ältesten, die das Gottesvolk des alten und 

neuen Bundes repräsentieren, 

- die vier Gestalten, die das Wesen Gottes verkörpern, 

beten Gott an und rühmen seine Größe! 

 

Für die Gemeinde und damit auch für uns ist dieser Aufblick 

ganz wichtig!

Denn wenn wir nicht mehr sehen, wie Gott ist, dann werden wir 

von dem, was in der Welt (und um uns herum) passiert, überwältigt! 

Und glauben Sie mir: Dieser Aufblick hat nichts damit zu tun, 

ob es mir gerade gut oder schlecht geht ...

Er ist eine Frage der Entschlossenheit, der bewussten Ausrichtung

meines Lebens in diese oder jene Richtung ...

 

Deshalb ist für die Gemeinde die Anbetung Gottes, 

das Einüben, Jesus zu loben für seinen Gang ans Kreuz, 

eine Art Überlebensstrategie. 

Denn im Lobpreis zu Gott bekennen Christen: So ist er!

Und so steht das Lob Gottes gegen alle Verniedlichung

und Verharmlosung Gottes!

Lob ist der öffentliche Ausdruck: Ja, Gott ist der HERR der Welt!

Und damit beziehe ich immer auch Stellung gegen alle 

andern Götter und Wichtigkeiten dieser Welt, die ja bekanntlich 

in unserem Kopf beginnen ... 

 

In einer Zeit, in der die Menschen ganz problemlos übersinnliche, 

okkulte, ja sogar spiritistische Kräfte akzeptieren, ist es wichtiger

denn je, dass Christen dem, der allein mächtig ist, auch 

öffentlich klar und eindeutig die Ehre geben. 

Und von IHM heißt es hier: "IHM gebührt Lob und Ehre und 

Weisheit und Dank ..." 

 

So folgt bei Johannes auf Durchblick und Ausblick 

 

 

3.) Der Ausblick - ER überwindet den Tod (Vv13-17)

Da wird deutlich, dass Menschen, die auf dieser Erde lebten, 

jetzt bei Gott sein dürfen. 

Ganz konkret zurückgefragt: Wer sind sie? 

Es sind die, die durch Jesu Blut versöhnt sind, "die ihre Kleider

gewaschen haben im Blut des Lammes ...". 

 

An Jesus Christus entscheidet sich also die Zukunft, 

auch meine Zukunft.

Und ohne sein Versöhnen ist eine Gemeinschaft mit Gott unmöglich!

Ohne sie bleibt mir der Thron Gottes verschlossen. 

 

Denn diese Gemeinschaft ist nicht die Fortsetzung unseres irdischen

Lebens mit all den bekannten Beschränkungen und Problemen, 

die wir kennen. 

Nein, Gott erlöst seine Gemeinde (die Menschen, die umgekehrt 

sind und jetzt Jesus nachfolgen) zu einem neuen Dienst und befreit

sie zu einem neuen Leben:

"Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch 

  nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze." (V16)

Denn der gute Hirte, dem sie ihr Leben übergeben haben, 

"wird sie weiden und leiten zu den Quellen lebendigen 

Wassers ..." 

 

 

Liebe Gemeinde, 

alles, was wir jetzt sehen, erkennen oder zu erkennen meinen, 

ist vorläufig. Das gilt für unser ganzes Leben. 

Für unsere Pläne, Wünsche und Zielsetzungen. 

Auch die unserer Kinder und Kindeskinder. 

 

Und deshalb ist es so wichtig, dass wir uns nichts vortäuschen lassen

wie durch eine Weihnachtsdekoration, was letztlich keine Zukunft hat. 

 

Wir brauchen den Durchblick auf Gottes Wirklichkeit!

Sonst schaue ich in die falsche Richtung 

Wir brauchen den Einblick in seine Größe!

Sonst gewinnen die falschen Mächte Raum in meinem 

Denken und Handeln 

Und: Wir brauchen den Ausblick auf seine Zukunft! 

"Die Damen und Herren dieser Welt kommen und gehen. 

Aber unser HERR kommt!" (hat einmal Gustav Heinemann

völlig zu Recht gesagt). 

Nur wer sich das klar macht und alles daran setzt, am Tag "X”

dabei sein zu dürfen, kann auch mit großen Problemen und Heraus-

forderungen noch zuversichtlich leben, weil er (sie) weiß: 

Ich gehe dem entgegen, der regiert, der mich erlöst hat

und dem der "Große kommende Tag" gehört,

"Gott ist bei mir am Abend und am Morgen. 

Und ganz gewiss an jedem neuen Tag ..."

 

Deshalb: Machen wir unser Leben schon heute bei ihm fest!

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Christvesper, Christuskirche Dennach (Pfr. Held)
16:30 Uhr:
Waldweihnacht an der Schwanner Warte: Familiengottesdienst mit Weihnachtsstück (KiGo-Team & Jan Hunsmann)
18:00 Uhr:
Christvesper, Schlosskirche Schwann (Pfr. Held)
Dienstag, 25.12.2018
9:30 Uhr:
Einsingen zum Weihnachts-GD in Schwann
17:00 Uhr:
Weihnachts-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
18:30 Uhr:
Abendgottesdienst mit dem San-Sebastian-Chor in Schwann (Pfr. Held)