2012-12-24 Christvesper

Predigt über Johannes 7,28-29 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde am Heilig Abend, 

Johanan ist ein junger jüdischer Mann. 

Mit vielen anderen ist er unterwegs auf einer Landstraße, 

die von der verhassten Römberhochburg Cäsarea am Meer 

in die Berge nach Jerusalem führt. 

Er wohnt eigentlich in Antiochia in Kleinasien, 

wo auch viele Juden leben. 

Sie kommen jeden Sabbat in der Synagoge zusammen, 

um aus der Thora, den Propheten und den anderen Schriften des

Alten Testaments zu hören, 

was Gott schon in Israel getan hat - und was er noch mit Israel vorhat.

 

Der Weg von Johanan und der ganzen Reisegesellschaft 

führt zum großen Tempel in Jerusalem. 

Hier wird er in ein paar Tagen zum Laubhüttenfest sein,

so wie viele Tausende neben ihm,

die das Gebot aus dem Alten Testament sehr ernst nehmen

und extra aus dem Ausland anreisen, per pedes natürlich. 

 

Auf dem Weg nach Jerusalem kommt Johanan mit Michael

ins Gespräch, einem Mann, der auch mit seiner Familie nach 

Jerusalem reist. 

Als sie näher kommen, unterhalten sie sich darüber, 

was in der Synagoge immer wieder zur Sprache gekommen ist: 

Gott wird Israel einmal einen Retter schicken, 

der die Menschen mit Gott zusammen bringt. 

 

„Er wird große Dinge tun!“, schwärmt Johannan. 

„Blinde werden wieder sehen können, 

Gelähmte wieder springen wie Hirsche

und der Stumme wird Loblieder singen“.

Wenn der Retter, der Messias Gottes kommt, dann wird alles gut. 

Denn er wird uns die Auferstehung vom Tod bringen

und das ewige Leben bei Gott!

 

„Genau“, sagt Michael, 

„ohne Leid und ohne Sorgen!“

„Mensch, wie gern würd‘ ich das miterleben!“, anwortet

Johanan voller Wehmut. 

 

(Streit um Jesus)

 

Die zwei verstehen sich gut 

und so beschließen sie, zusammen zum Laubhüttenfest zu gehen. 

Nach der Hälfte der Festwoche gehen sie wieder zum Tempel. 

 

Als sie auf der riesigen Tempelplattform ankommen, 

bemerken sie einen Menschenauflauf in einem Seitenflügel

der Tempelanlage (der sogen. „Säulenhalle des Salomo“). 

Da halten normalerweise Theologen Vorträge für Leute, 

die ihre Bibel besser verstehen wollen. 

So ein Lehrer hat heute wieder viele angezogen. 

 

Aber irgendwie ist es doch anders als sonst: 

Die einen hören dem Mann voller Begeisterung und mit 

leuchtenden Augen zu - während andere das Ganze mit einer

Mischung aus Verachtung und Abscheu betrachten. 

Einige heben sogar die Fäuste. 

 

„He, den hab ich schon mal gesehen!“, ruft Michael Johanan zu. 

„Und noch mehr habe ich von ihm gehört: Man sagt von ihm, 

er habe Blinde wieder sehend gemacht,

Stumme konnten auf einmal klar reden. 

Er soll sogar den verstorbenen Sohn einer Witwe, der gerade

beerdigt werden sollte, wieder ins Leben zurück geholt haben!“

 

„Aber das gibt‘s doch nicht!“, fährt es Johanan raus. 

 

„Ob er wohl ...?“ ( - ) 

„Der?“ -, ruft ein Mann den beiden zornig zu, 

der ihr Gespräch belauscht hat. 

„Der soll der Retter sein? Niemals!

Wisst ihr denn nicht, was Henoch über den Retter geweissagt hat?

Gott hält ihn bei sich verborgen bis zu dem Tag, 

an dem die Toten auferstehen.“

 

Und er zeigt verächtlich auf den, der da redet: 

„An dem da ist nichts verborgen!

Ich komme aus dem gleichen Ort wie er. 

Das ist der älteste Sohn von unserem Zimmermann. 

Ich kenne seine Brüder. 

Die haben auch nicht gerade eine hohe Meinung von ihm. 

Statt das Geschäft des verstorbenen Vaters weiterzuführen, 

macht er einen auf Wanderprediger. 

Und dabei ist er noch nicht einmal ein ausgebildeter Theologe!

Nein, der ist nicht aus der Verborgenheit aufgetraucht. 

Ich weiß genau, wo er herkommt. 

Und wenn er weiter so redet, dann weiß ich auch, 

wohin er geht!“ - er zieht grinsend den Zeigefinger über den Hals. 

 

(Jesus spricht von sich selbst)

 

Der Mann, der in der Säulenhalle zu der Menschenmenge spricht, 

muss etwas von dem Gespräch mitbekommen haben. 

Er hält abrupt inne und schaut zu den beiden herüber. 

Johanan hat das Gefühl, er würde gerade ihn ganz fest anschauen, 

als sich der Mann mit diesen Worten an seine Zuhörer richtet
(es ist unser Predigttext für den Heilig Abend 2012 aus Joh 7,28+29):

„28 Da rief Jesus, der im Tempel lehrte: Ihr kennt mich und wisst, 

woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, 

sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht 

kennt. 29 Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich 

gesandt.“ ( - ) 

 

 

Der Mann, der vorgibt, die Familie des Redners zu kennen, 

ruft verächtlich: „Mir reicht‘s! Wo ist eigentlich die Tempelwache?“

Er wendet sich ab und bahnt sich schimpfend den Weg durch 

die Menschenmenge in Richtung Ausgang. 

 

Johanan und Michael sind beeindruckt von dem, 

was sie da hören und beschließen zu bleiben. 

Denn der Redner ist noch nicht fertig 

und sie wollen möglichst alles mitbekommen, 

von dem, was er zu sagen hat. 

 

(Geschenk des Geburtstagskindes)

 

Liebe Gemeinde, 

natürlich haben Sie es sofort erraten, wer der Redner ist, 

der hier - wie man gerne sagt - „polarisiert“, 

so dass die Leute völlig geteilter Meinung über ihn sind. 

 

Der Redner ist natürlich unser Geburtstagskind: Jesus.

Und zwar kurze Zeit bevor diese und ähnliche Worte dazu führen, 

dass er auf brutale Weise hingerichtet wird. 

Und in diesen Worten steckt ganz viel von dem drin, 

was er den Menschen damals und uns heute schenken will. 

 

Eigentlich ist es ja üblich, dass der Jubilar Geschenke kriegt, 

Aber hier ist es umgekehrt: Das Geburtstagskind bietet uns, 

den Gästen, ein Geschenk an. 

Und das ist Grund genug, dass wir uns dieses Weihnachtsgeschenk

einmal naher anschauen. 

 

Sie erinnern sich noch an die umstrittene Frage aus dem Vorspann, 

woher Jesus eigentlich kommt?

Die Frage nach der Herkunft von Jesus ist keine Haarspalterei. 

Denn daran hängen drei wichtige Fragen, 

die wir uns anlässlich des Geburtstagsfestes für Jesus 

und auch darüber hinaus immer wieder stellen sollten. 

 

  1. Wer ist Jesus eigentlich?
  2. Was tut Jesus?
  3. Wer ist Jesus für dich?

 

 

  1. Wer ist Jesus?

Klar, woher jemand kommt, 

hat viel damit zu tun, wer er oder sie ist. 

Wenn wir Menschen um ums herum erleben, 

schließen wir ganz schnell auf die Familie, eventuell auf 

ihr Land oder ihre Kultur. 

Die Entstehung einer Persönlichkeit wird auch immer von der

Umgebung geprägt, in der ein Mensch aufwächst. 

 

Jesus kommt von dem her, „den ihr nicht kennt“. 

Jesus sagt damit: „Wer über meine Herkunft falsch denkt, 

der kennt Gott nicht.“

Eine ganz schön steile Ansage!

Aber in ihr steckt eine gewisse Logik. 

Denn, weil Gott sich in Jesus zeigt, kann derjenige Gott nicht erkennen, 

der nicht an Jesus glaubt (siehe Joh 1).

 

Jesus ist das Selbstportrait Gottes.

Mit dem Kind in der Krippe ist Gott selber Mensch geworden. 

Unfassbar: Gott macht sich so klein, dass er 

    • sich einem sozial schwachen Ehepaar ausliefert, 
    • in einem Notquartier zur Welt kommt und
    • sich in einer Krippe in die Windeln macht.

 

Es kommt noch krasser: Etwa 30 Jahre später lässt er sich von seinen

Geschöpfen umbringen mit der grausamsten Hinrichtungsart, 

die damals denkbar war. 

Warum macht er das alles?

 

Damit sind wir bei der zweiten Frage:

 

  1. Was tut Jesus?

Die Sache mit der Menschwerdung war von Gott nicht als lustige

Maskerade gedacht. 

Gedacht hat Gott dabei nur an dich und mich 

und daran, uns zu sich zu holen. 

Er kam, um für uns zu sterben 

und um für uns aufzuerstehen - um am Kreuz unsere Schuld wegzunehmen - 

und um uns mit seiner Auferstehung zu zeigen, 

wie er uns ewiges Leben schenken will (mehr dazu bei unseren 

Gottesdiensten an Karfreitag und Ostersonntag - schon jetzt herzlich 

willkommen!)

 

Durch Kreuz und Auferstehung von Jesus 

bahnt Gott einen Weg zu sich, 

wo es Unglück und Leid, Tod und Trauer nie mehr geben wird. 

Und der Weg nimmt seinen Anfang im Stall von Bethlehem. 

Das ist der tiefere Sinn von Weihnachten. 

Und Gott ermutigt uns, uns auf seinen Weg einzulassen, 

indem wir uns Jesus anvertrauen, ihm vertrauen, mit ihm leben. 

 

Paul Gerhardt hat gedichtet: „Gott wird Mensch, dir Mensch zu Gute ...“.

Lässt Du es zu, dass das alles Dir „zu Gute“ geschehen ist?

 

Damit sind wir bei der dritten Frage: 

 

  1. Wer ist Jesus für Dich?

Die Rede von Jesus im Tempel hat die Menschen getroffen und

aufgewühlt - so wie Johanan, Michael und den wütenden 

Tempelbesucher im Vorspann. 

 

Was Jesus von sich sagt, fordert eine klare Entscheidung. 

Stellen Sie sich einmal vor, 

Sie wären auch im Tempel dabei 

und die drei Männer würden Sie auffordern, Stellung zu beziehen. 

Wie würde Ihre Entscheidung ausfallen?

Wer wäre Jesus für Sie?

 

Wenn jemand redet wie Jesus, dann habe ich nur zwei Möglichkeiten: 

Entscheidungsmöglichkeit A: Was Jesus von sich selber sagt, 

glaube ich nicht!

Dann hätten wir keinen Grund,

ihm diesen großen Gedenktag - Heilig Abend - hier auszurichten. 

Denn dann wäre Jesus ein richtig gefährlicher Größenwahnsinniger

oder ein mit allen Wassern gewaschener Scharlatan gewesen:

Er stellt sich ja auf eine Stufe mit Gott!

 

Als nettes Vorbild oder weiser Prophet würde so einer

jedenfalls nicht durchgehen und wir täten gut daran, 

Weihnachten nur noch als Familienfest, Sonnwendfeier oder

Geschenkewettkampf zu begehen. 

Das ist die eine Möglichkeit, auf das zu reagieren, 

was Jesus da von sich sagt. 

 

Die einzige Alternative ist Entscheidungsmöglichkeit B:

Ich glaube Jesus!

Wenn er von Gott her kommt und mit ihm eins ist, 

dann ist er für mich schon jetzt die Tür zu Gott 

und am Ende die Rettung aus dem Tod ins ewige Leben. 

 

Das hat Jesus so versprochen, 

dafür hat er gelebt, 

dafür ist er am Kreuz gestorben, 

dafür ist er vom Tod auferstanden. 

 

Jesus schenkt jedem, der ihm glaubt, 

seine Nähe und und ein unzerstörbares Leben, 

das den Tod überdauert und nie endet. 

 

(Glauben)

 

Glauben - damit ist gemeint, 

was Sie heute unter dem Weihnachtsbaum tun werden 

oder getan haben: Sie nehmen das Geschenk gern an, 

das eigens für Sie ausgewählt und verpackt wurde!

Dann packen Sie es aus und freuen sich daran - 

hoffentlich! - auch über die Bescherung hinaus. 

 

Jesus beschenkt Sie ganz persönlich: Mit seiner Freundschaft

und mit ewigem Leben. 

Dieses Geschenk will persönlich angenommen werden, 

wie jedes Geschenk: „Ja, Jesus! Ich vertraue Dir.

Ich will von Dir lernen und ich möchte, 

dass DU mich durchs Leben führst.“

 

Schön, wenn man ein Geschenk lange genießen kann. 

Dieses Geschenk, Jesus in meinem Leben, 

das kann Ihnen niemals jemand wegnehmen. 

Nicht einmal der Tod!

 

Lassen Sie uns diese Frage mitnehmen in die kommenden 

Stunden und Tage der Weihnachtsfestzeit: 

Wer ist Jesus und - vor allem - wer ist er für mich?

 

Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne ein 

besinnliches Weihnachtsfest! 

Amen

 

 

(Ich danke Pfarrer Ole Dost aus Alpirsbach für seine Vorarbeiten zu dieser Predigt)

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.11 - 21.11.2108
18:30 Uhr:
GD am Buß- und Bettag in Schwann mit Abendmahl (Pfarrer Manz)
Sonntag, 16.12.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schwarze)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schwarze)
Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Heiligabend-GD in Schwann mit Weihnachtsstück (Pfarrer Held)
16:30 Uhr:
Heiligabend-GD in Dennach, besinnlich (Pfarrer Held