2012-10-21

Predigt über 1. Korinther 7,29-31 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

1. Was für eine Erwartung!

 

Der Bestsellerautor Max Lucado schreibt in einem seiner Bücher

von Carinette, die im Waisenhaus von Cap Haitien (also auf Haiti) lebt: 

„Stellen Sie sich die Gesichter von 57 dunkelhäutigen Kindern mit den

glänzenden Augen und lockigen Haaren vor!

Und suchen Sie nach einem siebenjährigen Mädchen mit rosa T-Shirt. 

Da ist sie! – Sie spielt mit den anderen auf dem staubigen Spielplatz. 

Sie hört – wie die anderen – das Trommeln des leichten Regens 

auf dem Blechdach nebenan. 

Sie fährt mit demselben quietschenden Fahrrad, 

das die anderen auch benutzen. 

Sie scheint wie die anderen Kinder auch zu sein

und doch ist sie anders: Sie lebt in einer anderen Welt, 

einer Welt, die ihre künftige Heimat ist …

 

Sehen Sie die abgegriffenen Fotos in ihrer Hand?

Carinette zeigt Ihnen gern die Fotos, wenn Sie sie darum bitten.

Sie zeigt Ihnen die Fotos auch, wenn Sie sie nicht darum bitten.

 

Es sind die Fotos von ihrer zukünftigen Familie.

Sie ist adoptiert worden. 

Vor einigen Tagen war ein Mann da – ihr künftiger Vater  -

und hat die Fotos mitgebracht. 

Seitdem lässt sie die Fotos nicht mehr aus den Augen. 

Sie erinnern sie an ihre neue Heimat. 

 

In ein, höchstens zwei Monaten wird die dort sein.

Es dauert nicht mehr lange, 

die Tage vergehen wie im Flug.

Sie spielt wie die anderen noch auf dem staubigen Hof, 

aber nicht mehr lang. 

 

Neulich spielte sie mit ihren Freundinnen auf der Wiese,

da hielt sie plötzlich inne und rief: „Spielt ihr mal weiter!

Ich muss jetzt erstmal meinem Papa Blümchen pflücken!

Er kommt ja bald!

 

Und immer, wenn das Eingangstor sich quietschend öffnet, 

schaut sie auf und ihr Herz schlägt schneller.

Jeden Tag kann ihr Vater zurück kommen, 

er hat es versprochen. 

Er kam einmal, um seinen Anspruch anzumelden, 

nun wird er bald wiederkommen, um sie nach Hause zu holen. 

Bis dahin lebt sie mit einem Herzen voll sehnsüchtiger Erwartung,

mit einem Herzen, das auf dem Weg nach Hause ist.“

 

 

Ist diese Geschichte nicht ein Sinnbild für unser Leben, 

wenn wir Christus gehören – zwischen der ersten und zweiten 

Ankunft von Jesus?

 

Unser heutiger Predigtext spricht von dieser Zeit bis zur 

Wiederkunft von Jesus (1. Kor 7,29-31):

29 Das sage ich aber, liebe Brüder: Die Zeit ist kurz. 

Fortan sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine;

 und die weinen, als weinten sie nicht; 

30 und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; 

und die kaufen, als behielten sie es nicht; 

31 und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht.

Denn das Wesen dieser Welt vergeht.“

 

2. Die Zeit ist knapp, sagt Paulus.

Ja, wer wird ihm da nicht zustimmen!?

Könnte für Sie der Tag auch 24 Stunden haben – und die Nacht

noch mal so viele?

Wie oft stöhnen wir: „Ich hab‘ keine Zeit!“. 

Komisch, irgendwie kommen wir heute alle mit der Zeit nicht aus, 

wir kriegen nicht alles unter. 

Die Zeit ist knapp, da hast du Recht, Paulus.

Aber, ich glaube, das ist es gar nicht, was Paulus meint. 

 

Er sagt: Weil Jesus wiederkommt, 

deshalb ist die Zeit knapp! Es wird eng!

Ihr kriegt nicht mehr alles unter!

 

Wenn ihr so lebt wie die meisten Menschen heute: 

„Möglichst alles mitnehmen, nur ja nichts verpassen (weil

Ich alles von diesem Leben erwarte) -, gerade dann 

werdet ihr das Entscheidende verpassen! 

Ihr müsst euch entscheiden!

Die Zeit, die euch bleibt, bis Jesus wiederkommt, 

ist zu knapp, zu wertvoll um sie totzuschlagen, 

um sie sich zu vertreiben oder um sie anzufüllen

mit nutzlosen Sachen …“

 

Paulus ist am Anfang davon ausgegangen, 

dass die Wiederkunft von Jesus direkt bevor steht. 

Dann hat es doch länger gedauert, 

ist damit sein Rat erledigt?

 

Nein, zu allen Zeiten haben Christen nach der Maxime gelebt:

Der HERR ist nahe!

Und immer, wenn sie es nicht getan haben, 

hat das böse Folgen gehabt:

Dann lebten sie wie die Knechte, von denen Jesus erzählt.

Weil sich die Rückkehr ihres Arbeitgebers verzögert hat, 

meinten sie: „ER kommt noch lange nicht“ und haben 

angefangen, das Arbeiten schleifen zu lassen, 

nur noch für den Genuss zu leben

und egoistisch miteinander umzugehen. 

Immer in der Meinung, schon noch rechtzeitig, bevor der 

HERR erscheint, umschalten zu können. 

Aber als er dann unverhofft dastand, 

gab’s ein böses Erwachen.

 

Die Zeit ist knapp, es wird eng. 

Auch wenn die Wiederkunft von Jesus immer noch auf sich

warten lässt, gilt: Niemand von uns weiß, 

wie viel Zeit er (oder sie) noch hat!

Es kann sein, Jesus kommt doch ganz plötzlich und unverhofft

(wie von ihm voraus gesagt); 

manchmal entwickeln sich Prozesse ja mit einem Mal 

rasend schnell, so als würde jemand die Zeit „zusammen drücken“.

 

Seit Albert Einstein wissen wir, dass Raum und Zeit relativ sind.

Was für den Raum inzwischen modellhaft aufbereitet ist (im 

Bereich der schwarzen Löcher kommt es durch ungeheure

Mengen von Energie zur Krümmung des Raums

bis hin zu einem quasi trichterförmigen Verschlingen),

gilt offenbar auch für die Zeit:

Durch die ungeheure Energie der Wiederkunft von Jesus

wird die Zeit „zusammen gedrängt“, 

das Schema der Welt wird wie von einem trichterförmigen

Schlund verschlungen werden. 

 

Es kann aber auch sein, dass unsere Zeit schon vorher

beendet wird – durch den Tod.

Keiner weiß, wann das sein wird, 

niemand hat unbegrenzt Zeit. 

 

Vor ein paar Jahren gab’s eine große Schülerbefragung

unter dem Motto: „Wenn ich nur noch einen Tag zu leben 

hätte …“ – die Antworten darauf waren hoch interessant:

Einige wollten den Tag noch mal in vollen Zügen genießen, 

andere wollten ihn nutzen, um noch was in Ordnung zu bringen.

Wieder andere haben sich vorgenommen, nur Gutes zu tun.

 

Vieles jedenfalls, was ihnen sonst so wichtig war, 

ist angesichts des nahen Todes absolut zweitrangig geworden.

 

Was würden Sie (was würdet Ihr Konfirmanden) tun bei 

der Ankündigung: Du hast nur noch ein Tag zu leben!? 

Nun? ( ... ) 

Und warum tun ihr (warum tun Sie) es nicht schon jetzt? –

 

Wenn wir unser Tun und Lassen vom Ende her bewerten,

kommen wir plötzlich zu ganz anderen Gewichtungen!

 

Paulus erinnert uns: Die Dinge dieser Welt, 

das Wesen dieser Welt, alles das wird vergehen.

Es wird einmal wie in einen großen Strudel hinein gerissen

werden, hängt euch nicht daran!

Hängt euch an das, was in der Ewigkeit Bestand hat, 

lebt euer Leben vom Ende her!

 

Wie machen Sie’s?

Treffen Sie ihre Lebensentscheidungen danach, 

was Ewigkeitswert hat?

Die Zeit ist knapp. Es wird eng. 

 

Noch in ganz anderer Hinsicht wird die Zeit vor der 

Wiederkunft von Jesus „eng“ werden, 

denn Jesus und auch Paulus sagen uns voraus, 

dass es nicht nur eine „gedrängte“, sondern auch eine

„bedrängte“ Zeit sein wird. 

Da ist sinnvoll, sich nicht unnötig zu belasten, 

wie bei einer langen, anstrengenden Wanderung durch

die Sommerhitze.

Da kann man nur wandern mit leichtem Gepäck

und man stopft sich den Rucksack nicht mit Sahnetorten, 

Laptop oder vielen Büchern voll, sondern man nimmt

nur das Nötigste mit. 

 

Paulus sagt: Es gibt vieles, das euch nur belasten 

und lähmen wird, wenn ihr es auch noch mitnehmen wollt!

Ihr seid dann nicht mehr frei für den HERRN!

Schaut den Rucksack eures Lebens, 

den Rucksack eurer Zeit, genau durch!

Es gibt Erwartungen, die du ans Leben stellst – die

werden dich ablenken vom Glauben!

Es gibt Erwartungen, die andere an dich stellen – die

werden dich lähmen in der Nachfolge!

Du bist dann nicht mehr frei für die Erwartung

des einen, der kommt.

 

 

3. Nichts soll dich hindern, Jesus zu dienen.

Nicht die Erwartungen deines Ehepartners. 

Wir wissen, dass die Bibel sehr hoch von der Ehe und 

der ehelichen Treue spricht. 

Dass heute reihenweise Ehen auseinander gehen oder zu 

Lebensabschnitts Partnerschaften verbogen werden, 

Das ist dem HERRN (das ist Jesus) ein Gräuel.

Aber umgekehrt – darf der Partner - nicht zum Götzen werden!

 

Es hat nichts mit Wertschätzung und Treue zu tun, 

wenn ein Partner dem anderen verfällt und ihm hörig wird. 

Niemand darf sich zwischen dich und deinen HERRN schieben, 

auch nicht dein Ehepartner!

Das meint Paulus mit „Frauen haben, als hätten wir keine“.

Für den Fall einer Interessen-Kollision gilt auch hier: 

Du sollst Gott mehr gehorchen als den Menschen ...

 

(Beispiel:) Eine Frau ist immer auf den letzten Drücker in den Gottes-

dienst gekommen und beim Orgelnachspiel schon wieder

aufgestanden, nie noch dageblieben (z. B. zum Kirchenkaffee).

Aber sie war jeden Sonntag da. 

Als sie darauf angesprochen wird, 

da sagt sie, ihr Mann halte sie von allem Christlichen fern, 

aber diese eine Stunde in der Woche habe sie bei ihm 

durchgesetzt ... ( - ) 

 

Oder – da war ein junger, kluger Mann, 

der sich mit viel Elan und großer Treue in der Gemeinde engagiert hat.

Aber nach seiner Heirat zieht er sich immer mehr zurück;

Im Zwiespalt um die Ansprüche seiner Frau gibt er schließlich nach ...

Kennen Sie so etwas vielleicht auch? ( - ) 

 

Nichts darf dich hindern, Jesus zu dienen.

Die Ansprüche und Erwartungen deines Ehepartners nicht

und auch nicht deine eigenen Ansprüche und Erwartungen.

 

Paulus ruft uns auf zu haben als hätten wir nicht.

Er will uns das Haben und Haben wollen nicht madig machen.

Er ist kein Sozialist, der Privateigentum für Diebstahl hält.

Wir dürfen haben und uns auch daran freuen.

Aber wie hat es doch Jesus in der Bergpredigt ausgedrückt:

„Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln, wo sie die Motten

und der Rost fressen. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem 

Mammon. Richtet eure Sehnsüchte und Ansprüche 

zuerst an Gottes „Bedürfnissen“ aus und ihr werdet erfahren:

Ihr kommt dabei nicht zu kurz“ (Mt 6,19.24.33) ...

 

Ein kleiner Test ...

Welche Anschaffung haben sie als nächste geplant? ...

Könnten sie darauf verzichten -, wenn Gott es wollte?

Nicht aus Prinzip oder Gesetzlichkeit,

auch nicht bloß als neues Spiel in einer Überfluss-Gesellschaft,

z. B. eben gelegentlich mal eine Wohnungsinventur zu

machen und Etliches wegzuwerfen, was man nicht mehr braucht.

Das ist auch nicht schlecht, 

aber Paulus geht’s um mehr -, nämlich darum, dass man 

durch Jesus Christus - loslassen kann …

Darum geht es ihm!

 

(Beispiel:) Ein Tourist darf im Kloster eines Bettelordens

übernachten und ist ziemlich erstaunt über die spartanische

Ausstattung ihrer Zellen, worauf er den Mönch fragt: „Wo

haben Sie denn ihre Möbel!“ – schlagfertig fragt der zurück:

„Ja, wo haben sie denn Ihre?“ – 

„Meine?“ erwidert der Tourist verblüfft, „Ich bin doch nur

auf der Durchreise hier!“ ( - )

„Sehen Sie“, antwortet der Mönch, „das sind wir auch.“

 ...

 

Paulus sagt also: Du bist auf der Durchreise!

Du kannst die Dinge dieser Welt gebrauchen -, aber du „brauchst“

sie nicht, sondern kannst auch verzichten, oder?!

Du sollst leben, als hättest du nicht, 

das heißt: Geh so mit deinem Besitz um, 

als hättest nicht du die Verfügungsgewalt darüber (sondern ER)!

Sind da vielleicht auch bei Ihnen / Dir Entscheidungen fällig?

 

Nichts darf dich hindern, Jesus zu dienen.

Nicht dein Partner (deine Eltern), 

nicht deine Ansprüche.

Und auch nicht – deine Stimmungen, Deine Lust und Unlust ...

 

Wer einen Durchschnitts-Deutschen heute fraget, 

was für ihn das Wichtigste im Leben ist, 

kriegt meistens drei Antworten:

  • Glückliche Ehe- und Familienbeziehungen, 
  • sich was leisten können und
  • immer gut drauf sein. 

 

Kommt es nur mir so vor, als werden wir heute immer

mehr abhängig von unseren Stimmungen und Launen!?

 

Seit Jahren wird uns beigebracht, unsere Stimmungen

nicht zu unterdrücken, sondern auszuleben – auch 

anderen gegenüber. 

Und was war die Folge: Wir werden immer mäkeliger, 

anspruchsvoller und unzuverlässiger (denn wir wissen

ja nicht im Voraus, wie wir uns gerade fühlen, wozu wir

grad Lust haben …)

 

Paulus sagt: Lebt nicht nach Lust und Laune (Hedonismus)!

Ihr sollt euch freuen, als freutet ihr euch nicht

und weinen, als weintet ihr nicht.

Nehmt euch nicht so wichtig!

Nichts darf dich hindern, Jesus zu dienen – auch nicht

deine Stimmung!

Mach deinen Einsatz für Jesus nicht davon abhängig, 

ob du g‘rad Lust dazu hast, 

oder ob es dir scheinbar was bringt!

Jesus - segnet - gerade die selbstvergessene Treue! ( … )

 

Paulus ruft uns auf zu einem Lebensstil,

der von der Wiederkunft von Jesus bestimmt ist!

Denken Sie an die kleine Carinette (… Haiti … Waisenhaus)

und ihre unbändige Erwartung ...

Wovon lassen Sie Ihr Leben und Handeln bestimmen?

Von den vielen eigenen oder fremden Erwartungen?

Oder von der einen großen Erwartung dessen, 

der kommt, um die an IHN glauben, die IHM ihr Leben 

anvertraut haben, zu sich zu holen und alles neu zu machen?

Amen

 

(Ich danke Pastor Manuel Janz aus Lüdenscheid für seine 

Vorarbeiten zu dieser Predigt)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Christvesper, Christuskirche Dennach (Pfr. Held)
16:30 Uhr:
Waldweihnacht an der Schwanner Warte: Familiengottesdienst mit Weihnachtsstück (KiGo-Team & Jan Hunsmann)
18:00 Uhr:
Christvesper, Schlosskirche Schwann (Pfr. Held)
Dienstag, 25.12.2018
9:30 Uhr:
Einsingen zum Weihnachts-GD in Schwann
17:00 Uhr:
Weihnachts-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)