2012-01-29

Predigt über Offenbarung 1,9-18 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus dem Buch der Offenbarung, Kapitel 1, die Verse 9-18:

„Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der 

Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, 

war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes

willen und des Zeugnisses von Jesus. 

Ich wurde vom Geist ergriffen am Tage des Herrn und hörte

hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die

sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende

es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna

und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und

nach Philadelphia und nach Laodizea. 

 

Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit 

mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene

Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem

 

Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und

gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel.

Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie die Wolle, wie der

Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme und seine

Füße wie Golderz, das im Ofen glüht und seine Stimme wie 

großes Wasserrauschen; 

und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand und aus

seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert - 

und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne scheint in ihrer

Macht. 

Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen, wie tot.

 

Und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: 

Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der

Lebendige. Ich war tot und siehe: Ich bin lebendig von Ewig-

keit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ 


 

Liebe Gemeinde,

eine der bizarrsten und gruseligsten Diktaturen in unserer Zeit

ist wohl die in Nordkorea, wo so sich ein fast allmächtiger Herrscher

jetzt schon in der dritten Familiendynastie sich als „geliebter Führer“

von seinem hungernden Volk huldigen lässt. 

Rund 3 Millionen Menschen leben dort nach offiziellen Schätzungen 

in Konzentrationslagern, auch Hunderttausende Christen. 

Denn es gibt nur noch eine erlaubte „Kirche“ im Land, 

zum Museum umgestaltet, für Diplomaten und Ausländer, 

in der Hauptstadt Pnöngjang. 

 

Vor riesigen Standbildern Kim Jong Ils, des Staatsgründers, 

fallen die Menschen dort nieder

und abends, bevor die Lichter ausgehen,  

kommen aus Lautsprechern noch einmal die Lobeshymnen auf den 

„großen Führer“. 

 

Ein Regime mit Atombomben, 

eine Diktatur von seltsamen „Heilsbringern“, die sich mit 

Rüstungsexport an alle, die dafür zahlen können, über Wasser hält. 

Und das Volk leidet, hungert, 

aber die Machthaber lassen sich vor Bildern und Statuen 

als Helden und Volksbefreier verehren.

 

Scheinbar ähnlich und doch ganz anders kommt im Wort Gottes

für diesen Sonntag auch das Bild eines Heilsbringers vor. 

Der Apostel Johannes ist wegen seines Glaubens auf die 

Insel Patmos in der Ägäis verbannt worden

und dort bekommt er von Gott eine Vision: 

Er sieht eine Gestalt in großer Machtfülle. 

 

Aber sie ist nicht tot, sondern lebt. 

Sie strahlt aus, redet, trägt einen nicht mehr überbietbaren Lichtglanz. 

Johannes sieht kein totes Denkmal, 

sondern eine lebendige Person. 

Und das haut ihn um, er liegt am Boden, ist überwältig. 

 

Aber da hört eine Stimme, die ruft: „Fürchte dich nicht!“

 

Und Johannes kennt dieses „Fürchte dich nicht!“, woher eigentlich? 

Er kennt es von seinen Begegnungen mit Jesus!

 

So, wie er ihn jetzt aber sieht und hört, 

ist er anders. Er ist nicht mehr der Meister wie in den alten Jüngerzeiten, 

sondern er ist bei Gott, er ist der erhöhte HERR:

Mächtig - und doch noch ganz nah, 

Ehrfurcht ein flösend - und doch total tröstend. 

 

Und Johannes versucht, den, den er sieht, 

mit Worten zu beschreiben. 

Wir sollen wissen, mit wem wir es bei Jesus zu tun haben. 

Einiges ist für uns nur schwer vorstellbar. 

Und trotzdem entsteht ein Bild mit vielen Details, 

die für uns wichtig sind. 

Sie zeigen, dass Jesus es mit seinem Zuruf „Fürchte dich nicht!“

Ernst meint - und dass dieser Zuruf bis heute für alle gilt, 

die ihm vertrauen, bedingungslos, für dieses Leben und die Ewigkeit. 

 

Auf drei Details will ich heute mal näher eingehen. 

 

 

1. „Fürchte dich nicht!“, denn Jesus ist die Lichtgestalt Gottes!

 

Ist es nicht so, dass das Gesicht eines Menschen letztlich 

das Entscheidende an uns als Körper ist?!

Sagt dieses Körperteil nicht am meisten über unsere Persönlichkeit aus?

 

Johannes beschreibt Jesus mit den Worten (V. 14.16 b): „Sein Haupt 

aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und 

seine Augen wie eine Feuerflamme ..., und sein Angesicht leuchtete, 

wie die Sonne scheint in ihrer Macht.“ 

 

Verwechseln wir diese Beschreibung bloß nicht mit einem 

alten Mann im Rauschebart, als den sich heute so viele Gott und Jesus

im Himmel vorstellen!

Weder Gott noch Jesus sind liebevolle Opas mit der bekannten

ehrwürdigen grauen Haartracht!

 

Johannes schildert Jesus ganz hell, vital und voller Licht, 

als eine Lichtgestalt!

Warum? - Weil Jesus Anteil hat an der Herrlichkeit Gottes. 

Er war nicht einfach der gute Mann aus alter Zeit, 

der sich damals so hilfsbereit um seine Mitmenschen gekümmert hat 

und dann ist er gestorben, gekreuzigt worden von bösen Menschen. 

Nein, er ist viel mehr! 

Viel mehr, als wir uns denken können!

 

Jesus hat Anteil an Gottes Herrlichkeit!

Er ist von Gott als Heilsbringer geschickt worden!

Jesus ist ganz Licht, ohne jeden Schatten. 

Und genau darin unterscheidet er sich von allen Mächtigen dieser Welt!

 

Bei den Mächtigen dieser Welt geht es nicht ohne Schattenseite, 

deshalb ärgert mich die oft so scheinheilig geführte Debatte um 

unseren Bundespräsidenten ..., so als ob die, die über ihn herziehen, 

selber auch nach diesen Maßstäben lebten!?

 

In dieser Welt ist überall neben Licht auch Schatten. 

Man kann das zwar versuchen zu verstecken

und die Weltöffentlichkeit zeigt sich dann sofort „schockiert“, 

wenn es mal wieder öffentlich wird, der „Schatten“, 

seien es Liebesaffären oder vielleicht dunkle Geschäfte. 

Aber eigentlich müssten wir es wissen: 

Bei uns ist überall neben Licht auch Schatten. 

Damit will ich nicht sagen, dass man das ignorieren oder gar gutheißen

muss ...

 

Aber wir wir müssen wissen: Nur bei Jesus ist das anders!

Er allein ist ganz Licht, ohne auch nur einen einzigen Schatten, 

Gottes Lichtgestalt, sein Heilsbringer. 

Weil er unser Leben hell machen kann

und das in jedem Menschen beweist und zeigt, 

der vor ihm niederfällt, ihm sein Leben übergibt, der Christ wird. 

Ihnen ruft er als Lichtgestalt Gottes zu: „Fürchte dich nicht!“

 

Und er ruft damit mich und Dich in sein Licht. 

Heraus aus der Selbstbeleuchtung. 

Und wer sich rufen lässt, dessen Schattenseiten macht er hell. 

Dieser Mensch bekommt bei ihm Vergebung für seine Sünden, 

dessen Wunden, die das Leben geschlagen hat, 

beginnen zu heilen. 

 

 

Ein zweites Detail aus dieser Schau des Johannes: 

 

2. „Fürchte dich nicht!“, weil Jesus der gerechte Richter ist!

 

Johannes sieht, wie aus dem Mund der Gestalt ein scharfes, zwei-

schneidiges Schwert herauskommt (V16a). 

Wofür steht das?

So manches Bild aus der Offenbarung macht uns zuerst einmal Angst. 

Und viele sehen hier überhaupt nur ein „Buch mit sieben Siegeln“.

Sie denken: Ich versteh es einfach nicht, alles ist so fremd. 

 

Aber dieses Buch hat in der Geschichte der Christenheit

eine ganz andere Wirkung gehabt und hat sie bis heute: 

Sie ist das „Trostbuch der verfolgten und von innen und außen 

geprüften Gemeinde“. 

 

Christen in schwierigen Situationen haben daraus schon immer

viel Trost gewonnen. 

Weil sie erkannt haben: Hinter den oft schwer verständlichen Bildern 

steht der lebendige Jesus, der seinen Leute (denen, die ihm gehören, 

seiner Gemeinde) zuruft: „Fürchte dich nicht!“

 

Das Schwert im Mund der Gestalt ist ein Hinweis darauf, 

dass Jesus der Richter ist, der keine Waffen braucht. 

Das Wort seines Mundes, das was er sagt, scheidet, 

entscheidet. Und sein Wort ist nicht dahergeschwätzt wie so viel 

in dieser Welt. Es hat Bestand in Ewigkeit!

 

In diesem Bild: Jesus Christus garantiert, 

dass es einmal eine endgültige Gerechtigkeit für jeden gibt!

Ist das nicht ein enormer Trost, 

angesichts so viel Leid und Bosheit, die hier in diesem Leben 

vielleicht nie ausgeglichen werden!?

 

Ich denke an die vielen namenlosen Verfolgten, Gefangenen, 

Hingerichteten auch in unseren Tagen. 

Wer interessiert sich dafür, ob heute in Somalia oder im Iran wieder

Menschen einfach so liquidiert werden?

Unschuldig, sinnlos ... je mehr man sich mit solchen Einzelschicksalen

befasst, die keine Hilfe finden, keinen Fürsprecher, kann man fast

wahnsinnig werden. 

Bis heute sind von der jetzt schon seit drei Jahren im Jemen 

entführten christlichen Familie aus Bautzen nur zwei kleine Kinder

wieder lebend aufgetaucht. Was ist mit den anderen?

Leben sie noch? Hat man sie umgebracht? Wo?

Die Ungewissheit kann wahnsinnig machen ...

 

Mitten in diese Welt voll schreiender Ungerechtigkeit 

hören wir hier das „Fürchte dich nicht!“ des auferstandenen Jesus!

Er ruft es denen zu, die an ihn glauben!

 

„Auch in Deine Not hinein“, sagt er, „da, wo Du Dich ungerecht behandelt

siehst, zurück gesetzt, übervorteilt, hintergangen siehst ... oder in anderen 

Ländern sogar ... umgebracht!“, 

da schau auf mich und dann „Fürchte dich nicht!“

 

Denn ich bin einmal der Richter. 

Ich werde Dir Recht schaffen und die zur Rechenschaft ziehen, 

die sich in dieser Welt scheinbar so galant ihrer Verantwortung entzogen 

haben.  

 

Jesus Christus, der auferstandene Herr, wird einmal der Richter sein.

Das ist für Christen Trost und Ermutigung zugleich.

Damit können sie in einer vielfach ungerechten Welt leben, 

für ihren Glauben notfalls sogar sterben 

und dabei wissen: Mein Herr lebt, Er richtet. 

Das richtet heute schon auf. 

Das gibt Kraft und Mut, sich nicht unterkriegen zu lassen. 

 

 

Ein drittes Detail aus der Schau des Johannes: 

 

3. „Fürchte dich nicht!“, weil Jesus der Herr des Lebens ist.

Wie Jesus sich dem Johannes vorstellt, ist schon eigenartig:
„Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.“ 

Und dann benennt Jesus das Wichtigste seiner Existenz so: 

„Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ 

 

Was heißt das?

Jesus ist der Lebendige, nicht nur für sich selber!

Er wird für alle, die ihm gehören und nachfolgen, zum Lebensspender,

des ewigen Lebens!

Sie haben im Glauben an Jesus auch Anteil an seinem Sieg über den Tod. 

Jesus kann das Totenreich öffnen, aus der Hölle befreien!

 

Manche werfen den Christen ja vor, sie würden viel zu viel vom 

ewigen Leben reden und aufs Jenseits vertrösten. 

Aber manchmal könnte es auch genau umgekehrt sein, 

dass nämlich die Christen gar nicht mehr den Mut haben, 

offen und frei von dieser Perspektive zu reden!?

 

Aber das ist ungesund für sie. Warum?

Johannes weist darauf hin, indem er sagt: Würdest Du Deine Probleme

wieder stärker im Licht der Ewigkeit sehen, dann bekämen sie eine

ganz neue Perspektive!

Und es stimmt doch!

 

Also für mich ist das eine ganz große Kraftquelle, der Blick 

auf die ewige Hoffnung bei Jesus, 

um auszuhalten, sich nicht zu verlieren im Vielerlei, 

manchmal auch bereitwillig zu leiden, sich nicht zu fürchten!

„Werdet nicht der Menschen Knechte!“, sagt Paulus, 

denn einer ist euer HERR, Christus. 

Der Auferstandene, mein Retter und Richter.

 

Alle Diktatoren müssen den Menschen ihre Bilder und 

Statuen mehr oder weniger aufzwingen. 

Sie sind „Heilsgestalten“ mit ausgeprägten Schattenseiten, 

in aller Regel Unheilsgestalten. 

 

Bei Jesus ist das ganz anders. 

Das, was Johannes hier geschaut hat, stellt es uns vor Augen: 

Jesus ist auferstanden und lebt. 

Wir leben in einer Zwischenzeit, bis er wiederkommt. 

Auf ihn will ich aktiv warten, zuleben. 

Er ist die vollkommene Lichtgestalt, der Herr des Lebens und Richter. 

 

Ich finde, wir sollten dieses Bild, das Johannes sehen darf, 

vor unserem inneren Auge ganz fest verankern. 

Dann wird uns Jesus in jeder Lebenslage so vor Augen stehen. 

Als der, dem nichts unmöglich ist. 

Als der, dem mein Jetzt und meine Zukunft gehört. 

Der mir zuruft: „Fürchte dich nicht!“ 

„Ich bin es, ich kenne Dich, vertraue mir!“

 

Das ist doch viel, viel mehr als ein bisschen freundliche Aufmunterung!

Da strahlt die Ewigkeit in mein Leben hinein, 

kraftvoll und voller Zukunft, 

Freude über Jesus, meinen HERRN. 

Er ist mir schon heute nahe, 

Ich kann mich auf ihn verlassen. 

 

Und das wünsche ich Ihnen, 

vor allem anderen. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
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Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Christvesper, Christuskirche Dennach (Pfr. Held)
16:30 Uhr:
Waldweihnacht an der Schwanner Warte: Familiengottesdienst mit Weihnachtsstück (KiGo-Team & Jan Hunsmann)
18:00 Uhr:
Christvesper, Schlosskirche Schwann (Pfr. Held)
Dienstag, 25.12.2018
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17:00 Uhr:
Weihnachts-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)