2011-11-27 1. Advent

Predigt über Offbg 5,1-14 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen 1. Adventssonntag aus dem Buch der Offenbarung, Kapitel 5, die Verse 1-14:

„Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron

saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit

sieben Siegeln. Und ich sah einen starken Engel, der rief mit 

großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine

Siegel zu brechen?

Und niemand, weder im Himmel, noch auf Erden noch unter

der Erde, konnte das Buch auftun und hineinsehen.

Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde,

das Buch aufzutun und hineinzusehen. 

Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, 

es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die

Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel. 

Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten

und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet;

es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben 

Geister Gottes, gesandt in alle Lande. 

Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, 

der auf dem Thron saß. Und als es das Buch nahm, da fielen 

die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor

dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen

voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen - und sie 

sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch

und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast

mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen 

und Sprachen und Völkern und Nationen - und hast sie unserem 

Gott zu Königen und Priestern gemacht - und sie werden herrschen

auf Erden. 

Und ich sah und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron

und um die Gestalten und um die Ältesten her, und ihre Zahl war

vieltausendmal Tausend; die sprachen mit großer Stimme: 

„Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und

Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.“

Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und 

unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte 

ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt und dem Lamm sei Lob

und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

Die die vier Gestalten sprachen: Amen! - Und die Ältesten fielen 

nieder und beteten an.“

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

an diesem Sonntag lässt uns das Buch der Offenbarung

einen Blick hinter den Vorhang der Weltgeschichte werfen. 

In Bildern, die uns zunächst sehr fremd und verwirrend vorkommen: 

    • das Lamm, das „geschlachtet“ ist,
         Jesus, der am Kreuz für unsere Sünden gestorben ist

    und jetzt ist Himmel vor „Gottes „Thron“ - für seine
      Nachfolger eintritt, ist gemeint,

    • ein „Buch mit sieben Siegeln“, das zu öffnen nur einer würdig 

    ist: wiederum Jesus, der bei Gott im Himmel regiert

- und vieles andere benutzt der Schreiber der Offenbarung,
    um uns Entscheidendes zu sagen. 

 

Sein Buch ist voller Anspielungen auf Voraussagen und Zusagen

der Bibel, die doch letztlich nur auf den Einen zielen, 

der für Christen der universale König, Priester und Prophet

in einer Person ist: Jesus Christus, 

- „aus Gott geboren vor aller Zeit“ (und doch)

- „herunter gekommen“ zu uns, 

um die Macht des Bösen zu brechen und um für alle, 

die an ihn glauben, zum Retter, in der Sprache der Bibel

zum „Lamm Gottes“ zu werden. 

 

Wenn wir versuchen, uns dieser Offenbarung zu stellen, 

dann sehen wir: Die Unsichtbarkeit verbirgt Gottes Thronsaal, 

von wo aus regiert wird. 

Oder anders gesagt: Auch wenn wir Gott und den auferstandenen

Jesus nicht sehen können, heißt das doch nur, dass wir eben

Menschen sind, beschränkt in vielerlei Hinsicht:

Was wir „sehen“, ist nur ein ganz kleiner Teil der Wirklichkeit

und schon da können wir mit unserer Wahrnehmung kräftig 

daneben liegen. 

 

Folgen wir einmal dem kleinen Einblick der Offenbarung 

hinter die Kulissen. 

Vergleichen wir Gottes Thronsaal einmal mit der Schaltzentrale

eines großen Kernkraftwerkes. Auch da werden die gewaltigen Kräfte

der Kernenergie geheimnisvoll kontrolliert und gesteuert. 

Und wir kennen auch die Angst, dass da schon einmal etwas außer

Kontrolle geraten könnte, wie in Tschernobyl oder Fukúshima ...

Und wir fragen besorgt und mit Recht: Reicht die Kompetenz

der Fachleute, reichen die Vorsorgemaßnahmen in so einer Schaltzentrale

eigentlich für alle erdenklichen Katastrophenfälle?

 

Schließlich sieht es beim Blick in das Weltgeschehen schon so aus, 

als ob vieles einfach nicht mehr beherrschar ist. 

 

Und da sitzt Menschen der Zweifel im Nacken: 

Sitzt Gott wirklich „im Regiment und führt alles wohl“? (wie‘s in einem 

bekannten Lied heißt)?

 

Gottes Wort für diesen ersten Advent will uns in dieser Frage

Gewissheit geben! 

 


Teil 1 - Der umfassende Superplan 

Es gab zu allen Zeiten Hilfspläne. 

So in Deutschland nach 1945 z. B. den Marshallplan, der

uns wirtschaftlich wieder auf die Beine gebracht hat. 

Im Aufbau Ost passiert seit Jahren etwas Ähnliches. 

Aber geht es eigentlich nur um wirtschaftliches Wohlergehen? 

 

Aus Sicht der Bibel haben die vielen Krisen in der Welt ihre

tiefere Ursache darin, dass die Menschen Gott den Rücken gekehrt 

haben! 

Deshalb zielt Gottes Hilfsplan nicht eingeschränkt 

auf Wirtschaft und Soziales oder auf Jugend und Famile oder

den Schutz der Umwelt, sondern Gottes Plan für diese Welt ist ein 

Generalplan, der alles umfasst, weil ER allein weiß, 

was die Welt wirklich braucht: Nämlich eine völlige Erneuerung, 

indem das Böse überwunden wird. 

Denn „reformieren“ lässt es sich nicht. 

 

 

Teil 2 - Die totale Fehlanzeige! 

Wir alle wissen: Schöne Pläne helfen nicht, wenn sie keiner 

umsetzen kann oder will. 

Auch vor der Reformation, also bevor Martin Luther wieder Gottes Wort

ins Zentrum gerückt hat, hat es umfassende Reformpläne für die Kirche

gegeben, aber man hat sie nie umgesetzt. 

Gott selber musste durch Menschen wir Martin Luther eingreifen!

 

Und so ist es bis heute geblieben. 

Politiker und im Grunde auch Wähler wissen sehr genau, dass z. B. unsere

„Pflegeversicherung“ auf neue Füße gestellt werden muss, damit sie auch 

in 20 Jahren noch funktioniert, 

aber schon mehrere Regierungen haben sich daran versucht

und immer wenn es ans Eingemachte geht, wenn Wahlen anstehen 

und man eigentlich laut sagen müsste, was das Ganze kostet, 

dann machen sie schnell einen Rückzieher. 

So wird die von allen Parteien als total wichtig angesehene Reform

wahrscheinlich noch lange nicht kommen.

 

Auch für diese Welt, liebe Gemeinde, liebe Konfis,

ist eine Totalreform nötig!

Es wird ein Super-Krisen-Manager gesucht! 

Weil nicht mehr zu übersehen ist, dass die optimistischen Weltverbesserer 

alle kläglich gescheitert sind. 

Die Neoliberalen genau so wie die Kommunisten. 

Ihre Therapien waren zu allen Zeiten nur auf die Symptome bezogen, 

aber die tieferen Ursachen haben sie nicht beseitigen können, 

Egoismus, Gier und wie sie alle heißen. 

Die Bibel nennt sie „Sünde“.

 

Und weiter heißt es dort: Die Mächte des Verderbens in dieser

Welt können nicht von denen gebannt werden, die ihnen selber 

verfallen sind! 

Aber wer kann dann noch helfen? 

Nur Gott allein!  

 

 

Teil 3 - Der ungewöhnliche Siegertyp! 

In der Offenbarung des Johannes wird eines immer wieder 

klar herausgestellt: Es geht nicht nur um kluges Management!

Der Sieg über das Böse musste durch Kampf errungen werden. 

 

Aber die Siegertypen, die wir kennen, z. B. vom Sport, sind alle

muskulöse, harte Burschen. Frauen und Männer, die begeistern. 

Richtige Löwentypen. 

 

Dagegen war Jesus ganz anders: Ein Lamm, jung und schwach, 

noch dazu mit Todeswunde! 

Was soll das ausrichten? 

So kommt es uns vor ...

 

Aber Gottes Logik ist anders: Nur durch den Tod von Jesus gab es 

Sieg und Leben - über Sünde, Tod und Teufel. 

Was kein Mensch erwarten würde, das ist Gottes Weg, um 

uns Menschen aus dem Schlamassel zu führen: 

Der Ohnmächtige am Kreuz wird der allmächtige Weltvollender. 

Und das Neue beginnt dort, wo Menschen sich Jesus ausliefern 

und durch seinen Versöhnungstod - im Glauben an ihn - neue Menschen werden.

Wie Paulus einmal schreibt: 

„Ist (aber) jemand in Christus, dann ist er eine neue Schöpfung;

das Alte ist vergangen, siehe, (etwas) Neues ist geworden!“ 

(2. Kor 5,17)

 

Was die Offenbarung des Johannes uns heute aber vor Augen

führt, das ist Teil 4 - (Und ich will ihn einmal so überschreiben:) 

 

(4.) Das begeisterte Echo! 

So wie der Plan Gottes, diese Welt und uns Menschen zu retten, 

alle Weltbereiche umfasst, so ist auch das Echo!

Und Johannes beschreibt den Jubel darüber, der dazu im 

himmlischen Thronsaal herrscht: 

- Da wird ein „neues Lied“ angestimmt, 

- da wird dem großen Retter Jesus Christus für seine

Erlösungstat am Kreuz „Lob, Anbetung, Ruhm und Ehre“

gezollt, alles, was lebt, fällt vor ihm nieder, lobt und preist ihn.

 

Dass sogar die Engel und alle Bereiche der geschaffenen Welt

mit einstimmen, daran denken wir zunächst gar nicht. 

Und ihr Lob wird euphorisch und vielfältig sein!

Aber entscheidend ist das total Durchdrungensein vom Vollender 

der Welt, dem Sohn Gottes, dem „Lamm, das der Welt Sünde trägt“.

 

Denn durch IHN gibt es wirklich Hoffnung!

Genauer: Nur durch ihn: Weil niemand sonst als der Auferstandene das 

„Buch mit den sieben Siegeln“ öffnen kann und darf. 

Die ganze Hoffnung eines Menschen liegt also im Auferstandenen, 

dem Erhöhten und Allmächtigen - oder er hat keine! 

Da bleibt doch nur - die Anbetung!

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

wir hören dieses Wort heute am 1. Advent. 

Es wirft bereits den Blick voraus an das andere Ende der Spannungs-

kurve, die mit dem ersten Kommen von Jesus an Weihnachten beginnt. 

Als Kind ist Jesus zur Welt gekommen,

wegen unserer Schuld ist er zum Opferlamm geworden

und jetzt regiert er die Welt als Sieger. 

 

Noch nicht sichtbar für uns! 

Und doch ganz real, auch wenn wir es nicht direkt sehen.

 

Wenn Menschen sagen: „Alles im Griff“ (alles unter Kontrolle), 

dann wissen wir, dass das auch leichtfertiges Geschwätz sein kann, 

vielleicht sogar durchdachte Hinhaltetaktik, 

der Versuch einer Ablenkung.

 

„Alles im Griff“, das kann bei uns auch das genaue Gegenteil meinen!

 

Nur bei Gott - ist diese Aussage Realität! 

ER ist der, der da ist, der da war und der da kommt, 

der Allmächtige! 

 

Ja, es gilt sogar noch mehr: „Alles ist in Vorbereitung!“

 

Gott führt diese Welt zum Ziel!

Und dafür bürgt - alles entscheidend - der Tod seines Sohnes. 

ER bereitet die Erneuerung der Welt vor! (1)

 

Das heißt nun nicht, dass alle Menschen automatisch dabei sind. 

Nein, es ist gerade umgekehrt: Der Grundzustand des

Menschen ist, dass er fern von Gott ist und dass er diese Erneuerung 

durch Gott gar nicht für nötig hält. 

 

Er ist getrennt von Gott, weit weg, 

das sehen wir auch daran, wie wenige Menschen den Gottesdienst heute 

noch für wichtig halten. 

Sie denken, ich hab‘ doch soweit alles unter Kontrolle!

Aber sie täuschen sich 

und auf jede Täuschung folgt irgendwann eine große Ent-täuschung ...

 

Ganz anders für die, die ihr Leben auf Jesus, auf das Lamm Gottes, 

bauen. Sie können aus diesem Wort Gottes mitnehmen: 

„Alles ist unter Kontrolle!“ - und - „Alles ist in Vorbereitung!“

 

Aber auch der Ernst jenes (sprichwörtlich gewordenen) 

Buches mit den „sieben Siegeln“. 

 

Uns für diesen HERRN zu entscheiden, dem alle Macht und Herrschaft auf 

Erden und im Himmel gegeben ist, ihm zu dienen mit unserem Leben, 

dazu sind wir aufgefordert. 

 

In den Adventsgottesdiensten der nächsten Wochen gehen wir 

ihm in Bibeltexten entgegen - in Richtung Bethlehem.

 

Aber am wichtigsten ist es, dabei zu sein, 

- wenn er das zweite Mal kommt - und er seine Gemeinde - 

um seinen Thron versammlt. 

- Wenn gesungen wird: „Du bist würdig, von uns zu nehmen

Preis und Ehre und Dank ...“

Amen

 

 

Anmerkungen:

(1) Offb 21,5

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Christvesper, Christuskirche Dennach (Pfr. Held)
16:30 Uhr:
Waldweihnacht an der Schwanner Warte: Familiengottesdienst mit Weihnachtsstück (KiGo-Team & Jan Hunsmann)
18:00 Uhr:
Christvesper, Schlosskirche Schwann (Pfr. Held)
Dienstag, 25.12.2018
9:30 Uhr:
Einsingen zum Weihnachts-GD in Schwann
17:00 Uhr:
Weihnachts-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
18:30 Uhr:
Abendgottesdienst mit dem San-Sebastian-Chor in Schwann (Pfr. Held)