2011-10-16

Predigt über Markus 9,17-29 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, der Predigttext steht heute Mk 9,14-29. 

Es geht um Wunder, um Krankheit und Heilung, ums Gebet – und letzten 

Endes geht es, wie immer, um Jesus:

„Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen

Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo 

er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und

knirscht mit den Zähnen und wird starr. 

Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben 

sollten, aber sie konnten es nicht. 

Er aber antwortete ihnen und sprach: O du ungläubiges Geschlecht,

wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen?

Bringt ihn her zu mir! 

Und sie brachten ihn zu ihm. 

Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn und er fiel auf die 

Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. 

Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist‘s, dass ihm das wider-

fährt? Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins

Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas 

kannst, dann erbarme dich unser und hilf uns!

Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst, wenn Du kannst!? - Alle Dinge

sind möglich dem, der da glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes:

Ich glaube, hilf meinem Unglauben! 

Als nun Jesus sah, dass das Volk herbeilief, bedrohte er den un-

reinen Geist und sprach zu ihm: Fahre von ihm aus und fahre nicht

mehr in ihn hinein! Da schrie er und riss ihn sehr und fuhr aus. 

Und der Knabe lag da wie tot, so dass die Menge sagte: Er ist tot.

Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf - und er 

stand auf.“ 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

was Naturgewalten sind, das sehen wir gerade wieder in den Nachrichten

(Überschwemmungen in Thailand, ein havariertes Conainer-Schiff auf einem 

Riff vor Neuseeland, das am Auseinanderbrechen ist ...)

manchmal sogar in unserer direkten Nähe (die Lothar-Stürme z. B. vor 

15 Jahren, die auf den Höhenlagen des Schwarzwalds immer noch an 

kahlen Flächen zu erkennen sind). 

Es verschlägt uns für kurze Zeit der Atem, wenn wir sehen, 

wie Häuser im Sturm wie Pappschachteln durch die Gegend fliegen. 

 

Auch im ganz normalen Leben gibt es solche Situationen:

Menschen wollen helfen, sie können aber nicht. 

Und tagtäglich werden Menschen auf der Suche nach Hilfe enttäuscht:

- beim Arzt, der ihre Krankheit einfach nicht in den Griff bekommt, 

- beim Ausscheiden aus dem Arbeitsleben, wenn jemand nicht

mehr weiß, wie es jetzt weitergehen soll;

- Menschen gehen zum Psychotherapeuten, weil sie sich keinen 

Rat mehr wissen - und - auch das gibt es:

- Menschen, die von Christen und von der Kirche eigentlich 

Hilfe erwartet hätten, aber enttäuscht worden sind. 

 

Realistischerweise müssen wir sagen: Solche Erfahrungen gehören 

irgendwo zum Leben. 

Genauer gesagt, zum Leben in der „Welt“ (...), in unserer Welt, 

einer vom Sieg des Jesus am Kreuz erst ansatzweise erneuerten „Welt“. 

Noch gilt, wie in es in dem Lied „Die Gott lieben, werden sein wie die Sonne“, 

heißt:

„Viele Tränen werden noch geweint 

und der Mensch ist noch des Menschen Feind ...

Krieg und Terror sind noch nicht gebannt

und das Unrecht nimmt noch überhand ...

„Noch verbirgt die Dunkelheit das Licht 

und noch sehen wir den Himmel nicht ...

 

Das kann bedeuten, dass Menschen sogar von mir oder Dir

etwas erwarten - vielleicht gerade weil wir Christen sind!? - und wir 

können es doch nicht erfüllen.

 

Auch dem Vater des epileptischen Jungen aus unserer Geschichte

ging es ähnlich:

- Enttäuschung über alle Ärzte, 

- Enttäuschung über die Jünger von Jesus (die konnten ihn auch

nicht gesund machen)

und trotzdem findet dieser Vater angesichts so vieler Enttäuschungen 

zum Glauben an Jesus Christus! 

Kaum zu glauben, aber wahr! 

Und noch mehr: Er findet zum Glauben, noch bevor er miterlebt, 

wie sein Sohn geheilt wird. 

 

So zeigt uns dieses Wort Gottes für den heutigen Sonntag nicht nur, 

dass Jesus Wunder tun kann und wie seine Jünger „passen“ müssen, 

sonder hier sehen wir ganz grundsätzlich, 

wie Glaube an Jesus entsteht. 

 

In dieser Geschichte nicht auf einmal, 

sondern: Schritt für Schritt: 

 

 

Der 1. Schritt ist: Dieser Mann kommt zu Jesus.

Gerade vom „Berg der Verklärung“ herunter kommend, findet Jesus

unten am Fuß des Berges seine übrigen Jünger ratlos und 

in großer Verlegenheit. 

Sie haben diesen Jungen, der schon von Kind auf schwer krank war, 

nicht heilen können!

Was für eine Blamage für sie! 

Und was für ein schlechtes Licht für ihren Meister!

Denn durch ihren Misserfolg ist auch der Vater des Jungen wieder um 

eine Hoffnung ärmer geworden ...

Und heute? 

 

Auch heute ist es „Fakt“, dass manche Eltern mit schwerkranken Kindern 

oder mit behinderten Kindern leben müssen!

Wie viele Sorgen und Probleme sie mit sich tragen,
das können Außenstehende oft nur erahnen!

Wie viel Kraft und Durchhaltevermögen für sie dazu gehört, 

das weiß nur, wer selber betroffen ist! 

 

Der Junge in unserer Geschichte war nun nicht nur krank, 

sondern auch von Anfällen geplagt und gequält. 

Für die Ärzte damals ein hoffnungsloser Fall:

Kam der Junge in die Nähe von Feuer oder Wasser und ein Anfall

kam über ihn, dann war er in Lebensgefahr!

Und immer wieder kommen diese Anfälle! 

Deshalb bestand bei den Menschen damals der Eindruck (und Jesus

hat das indirekt bestätigt), dass dieser Junge von einem bösen Geist

besessen ist. 

So etwas kann es wirklich geben ...

Auch wenn das natürlich nicht immer so der Fall ist (Epilepsie ist 

zunächst einmal eine Krankheit wie andere auch). 

 

Schon die Menschenmenge damals hat etwas davon geahnt, 

was wir heute von Jesus, vom Neuen Testament her, wissen: 

Dass Krankheit eben nicht etwas Natürliches, Gottgewolltes ist, 

sondern etwas Unnatürliches, 

das einst durch den Sündenfall in Gottes gute und heile Welt hinein 

gekommen ist. 

 

Das heißt trotzdem nicht, dass deshalb jede Krankheit und jedes Leiden 

mit einer konkreten Schuld in Verbindung steht! 

Wir dürfen auch nicht übersehen: Krankheit hat im letzten Grunde 

immer etwas damit zu tun, dass diese Welt als Ganze sich von Gottes

guter Ursprungs-Schöpfung getrennt hat. 

Krankheit ist also so etwas ein Symptom ... Sie zeigt, wie es um 

diese Welt steht ohne Jesus. 

 

Unten am Berg angekommen, trifft der eine völlig hilflose 

Menschenmenge an: 

- Den kranken Jungen mit seinem schweren Geschick; 

- einen Vater in größter Verzweiflung und 

- die eigenen Jünger, die mit den Schriftgelehrten streiten. 

Haben sie sich überschätzt mit dem Versuch, 

dem schwer geplagten Jungen zu helfen? 

Sie sind jedenfalls mit ihrem Latein am Ende. 


Liebe Gemeinde, ist das nicht auch ersichtlich heute, 

dass viele mit ihrem Latein am Ende sind, 

wenn es um die großen Zukunftsfragen Europas und der Welt geht?

Die Schuldenkrisen, die „Rettungsschirme“, die in immer kürzerer Zeit

aufgebaut und mit immer mehr Geldzusagen ausgestattet werden müssenß

Eine bald nicht mehr leistbare Aufgabe für die Politik, 

einerseits das Volk und die Börsen zu beruhigen 

(„Besetzt die Wall Street“ - Demos rund um die Welt vergangene Woche!)

und andererseits weiter nach Wegen zu suchen, 

die aus der Krise führen könnten?

Wir spüren alle, wie eng das wird, wie schwierig ...


Viele sind mit ihrem Latein am Ende! Nicht nur die Jünger!

Aber deshalb aufgeben? - Nein!


Auch der Vater unseres schwerkranken Jungen ist trotz vieler

Enttäuschungen nicht einfach daheim geblieben. 

Sondern er geht zu Jesus: „Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht 

zu dir...“ - „Da, schau her! So sieht‘s aus!“ 

Und er öffnet ihm sein Herz: Er erzählt ihm die ganze Geschichte 

der Krankheit und des Leidens seines Jungen. 

Eine lange Latte enttäuschter Bemühungen ist das!

Aber von Jesus erwartet er offenbar noch etwas! 

Ja, nicht etwas, sondern alles!

 

Und der hört ihm tatsächlich zu!

Er schenkt ihm alle Aufmerksamkeit! 

Wie oft ist es doch bei uns anders!? 

Aber Jesus hört zu!

Und der Mann merkt: Hier nimmt mich einer wirklich ernst. 

Und er kann wegschauen von den Leuten um ihn herum, 

die ihm nicht helfen konnten, 

weg von der belastenden Krankheit des Sohnes. 

Er schaut nur noch auf Jesus. 

Auf ihn allein - und ruft:  Jesus, hilf!

 

Das ist der 1. Schritt wahren Glaubens, liebe Gemeinde, liebe Konfis:

- wegschauen von der eigenen Not, 

- wegschauen auch von Menschen und 

- hinschauen auf Jesus, der‘s kann!

Nur so kann auch mir geholfen werden!  

 

Und jetzt muss dazu der

2. Schritt kommen: Sich an Jesus halten.

 

Die Enttäuschung und Verzweiflung des Vaters war grenzenlos!

Aber er hat das alles Jesus frei heraus gesagt:

Fast verzweifelnd kommt es heraus:

„Wenn du (Jesus) aber etwas kannst, dann erbarme dich unser 

und hilf uns!“ 

„Du bist jetzt wirklich meine letzte Hoffnung!“, sagt er damit. 

„Hab‘ doch Erbarmen mit meinem Sohn und mit mir!“

Schicke uns nicht weg!“ 

 

Wie ein Ertrinkender klammert er sich an Jesus

Und er fordert ihn so richtig forsch heraus: „Jesus, wenn Du mein 

Kind wirklich heilen kannst, dann tu‘s bitte auch!“ 

Und Jesus bekommt diesen Satz nicht in den falschen Hals!

Ganz anders als wir, die wir oft so schnell eingeschnappt sind ...

ER spürt, dass es dieser Vater wirklich ernst meint, 

dass sein Glaube echt ist!  

ER hört den Hilfeschrei darin!

 

Und seine Antwort zeigt, wer er in Wirklichkeit ist: 

- Der Sohn Gottes!

- Der, dem alle Möglichkeiten Gottes zur Verfügung stehen,

gerade dort, wo das Elend unerträglich wird: 

„Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“  

O-Ton von Jesus! 

 

Was heißt das eigentlich: „Alle Dinge sind möglich?

Das scheint doch völlig überzogen zu sein? 

 

Aber wenn wir genau hinhören, dann wird deutlich: 

Jesus spricht hier zu aller erst von sich selber, von seinem eigenen 

Glauben! Denn ER vertraut Gott ganz und gar! 

So dass, wenn wir wissen wollen, was Glaube ist, wir zunächst 

einmal auf IHN schauen müssen: 

Weil ER Gott vertraut, deshalb sind ihm alle Dinge möglich! 

 

Gleichzeitig ist das auch eine Einladung an uns: 

Setz‘ doch dein ganzes Vertrauen auf mich und auf den himmlischen 

Vater! Jesus fordert zum bedingungslosen Vertrauen auf, zum 

Wagnis des Glaubens:

„Glaube mir, bevor du das Ergebnis siehst!“ 

 

Kann man diese Spannung überhaupt aushalten? 

Sie aushalten jedenfalls heißt: Sich an Jesus halten!

So, als sei die Hilfe schon da! 

 

 

Der 3 Schritt: Jesu Wort vertrauen!

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“, so schreit es dieser Mann heraus. 

Er klammert sich damit voll und ganz an Jesus, er vertraut ihm!

Der soll ihm endlich helfen und den Kerl heilen!

 

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ 

Ein Satz voller Widerspruch, hat es den Anschein!

Und doch ein ganz nüchterner und ein total ehrlicher Satz:

Will dieser leidgeprüfte Vater doch sagen:

Jetzt  vertraue ich dir, Jesus; 

jetzt, in diesem Augenblick hoffe ich auf deine Macht, 

die heilen und retten kann!

 

Das ist der Anfang des Glaubens, liebe Gemeinde, liebe Konfis,

wo Verzweifelte und Hoffnungslose wirklich alles auf eine Karte 

setzen, wo sie ganz der Macht von Jesus vertrauen! 

Wie unvollkommen und schwach dieser Glaube auch noch sein mag, 

es ist der Glaube, der die Welt überwindet (siehe Wochenspruch! 2),

weil er sich ganz Jesus ausliefert. 

 

Freilich, es ist noch ein Glaube gegen die Wirklichkeit, 

wie sie sich uns darstellt, 

ein Glaube gegen den Augenschein! 

Und der schwerkranke Junge ist bis zu diesem Augenblick immer

noch in unveränderter Lage. 

Es hat sich noch nichts getan in Richtung Heilung ...

 

Warum stellt Jesus diesen Mann eigentlich auf so eine Geduldsprobe? 

 

Damit sein Glaube nicht auf sichtbare Wunder baut,

sondern allein darauf, dass ein Wort von Jesus alles kann!

Das ist ein harter Glaubens-TÜV! 

Eine schwere „Teststrecke“!

 

Und als Jesus schließlich sein befreiendes Wort spricht,

da packt den Jungen erst recht noch ein Mal ein starker Anfall!

Wie ein letztes teuflisches Aufbäumen! 

So dass er wie tot da liegt und alles verloren aussieht! 

Aber Jesus nimmt den Jungen an der Hand und richtet ihn auf!

Er hat das Wunder getan!

Allein sein Wort hat das fertig gebracht!

 

Wie sieht es da bei uns heute aus?  

Warum ist unter uns der Glaube oft so schwach und kraftlos? 

Ich frage mich selber und Sie: 

Traue ich (trauen Sie) Jesus so viel zu wie der Vater dieses geheilten Jungen?

Jesus gibt uns hier ganz konkreten Nachhilfeunterricht!

Und gleich danach wird er sagen: 

„Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten.“ (V29)

 

Das Gebet, Gott alles zutrauendes Beten, kenn‘ ich das schon?

Und bete ich so?

 

Hier iegt wahrscheinlich der Schlüssel für die frische Glaubenskraft, 

für das Loswerden von Dingen, 

ja sogar von vielen seelischen und körperlichen Krankheiten!

„Jesus, ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ 

 

Wer diesen Satz „Jesus, ich glaube - hilf meinem Unglauben!“

sprechen kann, der öffnet sich ganz konkret für Gottes Wirken

und ist damit offen für Gottes großes, wenn auch unvorhersehbares

Wirken. 

 

Wer diesen Satz „Jesus, ich glaube - hilf meinem Unglauben!“

sprechen kann, der tritt in die Nachfolge - in die Kreuzesnachfolge -, 

der kann Freude, aber auch Leid als Gottes Wille akzeptieren. 

 

Wer das bekennt: „Jesus, ich glaube - hilf meinem Unglauben!“,

für den hat die Heilung schon längst begonnen. 

Der ist ein Kind Gottes, dem geholfen ist. 

So oder so. 

Amen

 

Anmerkungen:

(1)  Hebräer 12, 2

(2) 1. Johannes 5, 4

(3) Philipp Friedrich Hiller in EKG, württ. Ausgabe 1953, Nr. 547, 2




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Christvesper, Christuskirche Dennach (Pfr. Held)
16:30 Uhr:
Waldweihnacht an der Schwanner Warte: Familiengottesdienst mit Weihnachtsstück (KiGo-Team & Jan Hunsmann)
18:00 Uhr:
Christvesper, Schlosskirche Schwann (Pfr. Held)
Dienstag, 25.12.2018
9:30 Uhr:
Einsingen zum Weihnachts-GD in Schwann
17:00 Uhr:
Weihnachts-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)