2011-08-14

Predigt über Jesaja 2,1-5 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Gottes Wort für diesen Sonntag steht im Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 2, die Verse 1-5:

"Dies ist's, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat

über Juda und Jerusalem:

Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des Herrn Haus ist, 

fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben 

und alle Heiden werden herzu laufen. 

Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns 

auf den Berg des Herrn gehen zum Hause des Gottes Jakobs, 

dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen 

Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und 

des Herrn Wort von Jerusalem! 

Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele

Völker. Da(nn) werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre 

Spieße zu Sicheln machen. 

Denn es wird kein Volk (mehr) wieder das andere das Schwert erheben 

und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. 

Kommt nun, ihr vom Hause Jakob lasst uns wandeln im 

Licht des Herrn!" 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

 

bestimmte Berge haben was etwas ganz Besonderes an sich, 

etwas Faszinierendes. Da gibt es 

  • den Götterberg Fuji(jama) in Japan, 
  • einen Mount Everest, von den Tibetern als „Mutter des Universums“ verehrt, 
  • den Ayers Rock, einen roten Felsen in der Mitte Australiens: Er spielt in 

  in der Religion der Eingeborenen (Aborigenes) eine große Rolle, 

aber auch in Deutschland gibt es solche Berge, z. B. 

  • den Brocken im Harz, wo jedes Jahr das Neuheidentum aufblüht, 

           wenn an der Sonnwende Geister und Dämonen verbrannt werden. 

        Was Jahrhunderte nur noch verborgen präsent war, ist wieder da.
          100.000e Menschen, die von Jesus offensichtlich nichts wissen, pilgern da hin jedes Jahr ....

 

Und es gibt umgekehrt Orte, wo sich viele Christen treffen und dadurch 

der Glaube gestärkt wird: In Stuttgart (die Christustage), Bad Blankenburg, 

Siegen, Krelingen, oder ganz in der Nähe Bad Liebenzell, das Zentrum der Mission. 

Menschen kommen in Scharen. Gottes Wort wird verkündigt und viele gehen 

mit neuem Glaubensmut anschließend wieder heim. 

 

Einen Sammlungsort dieser Art stellt der Prophet Jesaja vor. 

Einen ganz bestimmten. 

Es ist der Berg, auf dem Gottes Hauptstadt erbaut ist: Jerusalem, 

der Tempelberg, oft nur Zionsberg genannt. 

Ein großes Meeting ist dort angesagt mit Massen von Besuchern und 

einer starken Botschaft!

 

Komisch!

Im ersten Kapitel des Jesajabuchs wird die Stadt mit Sodom und Gomorra verglichen, 

zwei Städte, die Gott wegen ihrer Lasterhaftigkeit vernichtet hat (1. Mose 19). 

Mit denen wird Jerusalem vergleichen.

Das Volk: abgefallen. 

Die Gotteskinder: mit Schuld beladen. 

Die Tempelbesucher: verstockt. 

Jetzt aber die geistliche Wende?

Ein Neuaufbruch ausgerechnet in Jerusalem, auf dem Zionsberg?

Wie kommt es dazu?

 

Schauen wir genauer hin. Jesajas Schau bezieht uns mit ein.

 

  1. Lasst uns aufbrechen - hin zu Gottes Licht!

Jesaja bekommt von Gott etwas gezeigt, 

ein bewegtes Bild, das von Gott zur Botschaft werden soll,

fanstastisch, irreal: Der Tempelberg, das 750-Meter-über-dem-Meer-Plateau, 

auf dem Jerusalem liegt, ist zum majestätischen Berg erhöht, höher als 

alle anderen Berge. 

 

Natürlich nur ein Traumbild? -

So sicher ist das nicht!

Psalm 104 bekennt vom Weltschöpfer: „Du machst neu die Gestalt der Erde.“

Ob er in „der letzten Zeit“, in die Jesaja vorausschaut, nicht Lust hat, 

seinen erwählten Berg neu zu gestalten?

Kann gut sein, wir wissen es nicht. 

 

Jetzt überragt der Hausberg Gottes jedenfalls alles, 

was in dieser Welt bisher hoch und spitzenmäßig war:

Auch alles Hochmütige. 

Der majästetische Berg macht die Einzigartigkeit des Gottes Israels anschaulich. 

Den Fremdvölkern rings herum (oder denen, die als Nichtjuden im Land wohnen?

Ein Viertel aller Israelis heute sind Nichtjuden, Araber mit israelischem Pass, 

dazu kommt das Westjordanland und der Golan ...), 

ihnen geht ein Licht auf: Sie werfen ihre Götter in den Müll und 

machen eine Pilgerreise nach Jerusalem. 

 

Diese Prophetie beginnt sich schon zu erfüllen, als in Jerusalem 

um die Zeitenwende herum auch einige Griechen nach Jesus fragen. 

Und Jesus gibt sich ihnen als „Menschensohn“ zu erkennen, 

als der angekündigte Zions-König: „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht“

(Joh 12,46). 

Wer Jesus entdeckt, dem geht ein Licht auf. 

 

Die anderen Religionen? Die anderen Götter? 

Die modernen Weltanschauungen ohne Gott? - Sie führen allesamt ins Nichts. 

 

Hier ist der Schöpfer und Erlöser des Lebens!

Jesus, der Menschensohn, von Gott in Jerusalem präsentiert für alle Welt.

Wer das Leben verstehen und gewinnen will, muss dem Aufruf des Jesaja 

folgen: „Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen.“

 

Kommt - zur aufgeschlagenen Bibel, zur Gemeinde, die sich versammelt.

Kommt - überwindet eure Trägheit!

Kommt - heraus aus den Dunkelheiten eurer Sünde!

Kommt - und steht euch mit eurem Hochmut nicht selber im Weg!

Kommt - und sprecht mit dem ausländischen Nachbarn darüber, 

warum ihr hingeht!

 

 

  1. Lasst uns aufbrechen - hin zu Gottes Wort!

Aus allen Himmelsrichtungen reisen sie an, Menschen sämtlicher Nationen, 

beschreibt der Prophet.

Mit einer ganz bestimmten Motivation: „Dass er uns lehre seine Wege.“

Die Besucher wollen bei Gott etwas lernen. 

Ihre Wissbegierde steht in schroffem Gegensatz zur Unwilligkeit der Bürger

Judas, die sich die Ohren zuhalten, wenn der Prophet predigt: 

„Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten!“

 

Die bisherigen Schüler im Haus Israel verweigern sich. 

Jetzt strömen interessierte Nachwuchsschüler ins Klassenzimmer. 

Sie fühlen sich orientierungslos, spüren, dass ihnen nur der Höchste

aller Lehrer helfen kann. 

 

Die Griechen, in der Bibel immer auch ein Sammelbegriff für alle Nichtjuden, 

wollen Jesus sehen und der belehrt sie über den Erlösungsweg des 

Menschensohns. 

Seine Erlösungstat, sein stellvertretendes Sterben am Kreuz für unsere

Sünde ist nötig, damit wir am Jüngsten Tag nicht dem Gericht verfallen

 (Joh 12,47f: „Und wer meine Worte hört und bewahrt sie, den werde ich 

nicht richten ... wer mich aber verachtet und meine Worte nicht annimmt, 

der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, wird ihn 

richten am Jüngsten Tage.“)

 

„Gericht“ - das ist eines der Worte, das - so denken viele - die in 

einer zeitgemäßen Predigt nicht mehr vorkommen sollte!?

 

Aber Jesus klärt vor allem andern - die Gerichtsfrage. 

Seine Botschaft von der Erlösung macht uns zu begnadeten, 

erleichterten Menschen, wenn wir sie annehmen und Jesus folgen. 

Und als solche Menschen fangen wir dann an, nach Gottes Wegen zu fragen: 

Was sollen wir tun? 

Was ist gut? 

Worauf liegt Gottes Segen?

Auf alle diese Fragen können wir selbst nicht die richtige Antwort geben, 

wir brauchen die Bibel dazu, Gottes Wort, den Gottesdienst!

 

Die Lektion, die Israel nicht annehmen wollte: „Lernt Gutes tun ...“

Ein Tagestext für diesen Sonntag lehrt uns, dass „Kinder des Lichts“

Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit leben (Eph 5,9). 

Ein anderer ruft uns zu: „Flieht die Hurerei!“ (1. Kor 6,18).

 

„Ich zog mit meinem Freund zusammen, aber das ging nicht gut“, hat

eine Frau an den Evangeliumsrundfunk (ERF) geschrieben. 

„Als ich schwanger wurde, zwang er mich zur Abtreibung. 

Die Ärzte pfuschten und schickten mich viel zu früh wieder nach Hause. 

Meinen Freund kümmerte das nicht“ (Freundesbrief 29.3.2011). 

Die Schreiberin des Briefs erlebt eine tiefe Gesundheitskrise mit

Behandlungsmarathon und Wochen im Koma. 

Der Freund lässt sie sitzen. 

Sie stürzt ab in die Sucht und in ein Leben auf der Straße. 

In einem Reha-Zentrum, das Christen ihr empfohlen haben, 

geht es aufwärts: „Die Dunkelheit, die mich bestimmt hatte, brach auf. 

Und ich fand zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. 

Mein Leben war wie die Hölle, bis mich Jesus herausgeführt hat.“

 

Sicher: eine extreme biografische Linie!

Umso deutlicher erkennen wir, wie wichtig es für uns alle ist, 

nach Gottes Wort und Wegen zu fragen. 

Konkret zu fragen, hinzuhören und dann Schritte des Glaubens zu gehen.

 

 

  1. Lasst uns aufbrechen - hin zu Gottes Frieden!

Auf dem erhöhten Zionsberg in Jerusalem begegnen die Nationen Jahwe, 

dem Lehrer. Jahwe, das ist der Name Gottes, den auszusprechen

schon mit der Heiligkeit Gottes kollidiert. 

Und -: Jahwe, dem Richter und Schlichter. 

Er klärt Streitfälle, weist Rechtsbrecher zurecht, 

sorgt für Verhältnisse, die dem Leben dienen. 

So, wie das seinerzeit Mose, die Richter, David und Salomo getan haben.

Aber: Der Zionskönig übertrifft sie alle.

Er erreicht, dass die Waffen verschwinden und das Kriegshandwerk 

ausstirbt. 

Die Menschheit denkt um, die Völker lernen Gewaltlosigkeit!

Der Traum der Menschheit, seit es den Sündenfall im Paradies gab

und jetzt zum ersten Mal kein Traum, sondern Wirklichkeit!

 

Das muss mit jenem Friede-Fürsten zu tun haben, den Jesaja uns in 

Kapitel 9 vor Augen malt:

„Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben

und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter

und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.

Auf dass seine Herrschaft groß werde ...“ (Jes 9,5f)

 

Er ist nicht nur in Bethlehem geboren worden, 

in Jerusalem gestorben und auferstanden, 

sondern dieser „Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst“ ist 

der Schlüssel und Zielpunkt der ganzen Weltgeschichte. 

Er wird als König der Gottesherrschaft in Jerusalem vorstellt 

und löst Meinungsverschiedenheiten und Streit aus: Kein Anbruch der großen 

Friedenszeit in Sicht! Noch nicht!

 

Und doch ist Jesus für seine Leute der Friedensbringer: „Meinen Frieden

gebe ich euch!“ (Joh 14,27) und der Trainer friedlichen Zusammenlebens: 

„Selig sind die Täter des Friedens.“ (Mt 5,9), ruft er ihnen zu. ( - )

 

„Macht endlich Frieden!“, fordert Altbundeskanzler Helmut Schmidt 

unter Berufung auf Immanuel Kants Schrift vom ewigen Frieden in der 

Wochenzeitung „Die Zeit“ (14.4.2011, 58). 

Das Ideal der Aufklärung müsse sich auch gegen die Religionen durchsetzen, 

die durch das „Übel“ des Missionsgedankens Unfrieden stiften, fordert Schmidt. 

 

Der Prophet Jesaja bringt die Gegenthese: 

Ohne den Zionskönig kein Weltfriede!

Ohne Gott kein einziges Leben in echtem Frieden!

Ist uns das schon klar?

Solange der „König der Gottesherrschaft“ noch nicht sichtbar auf dem 

Berg Gottes in Jerusalem regiert, gibt es keinen dauerhaften Frieden, 

gibt es immer nur Krisen-Intervention!

Und es ist wichtig, dass wir uns das ganz klar machen, 

um nicht falschen Hoffnungen aufzusitzen - und vergessen, dem Zionskönig

erwartungsvoll entgegen zu leben. 

ER wird die Welt richten und ins Lot bringen. 

 

In dem brasilianschen Dorf Milagres erschießt einer seine Frau, 

anschließend erhängt er sich. 

Wenig später kommen Dutzende junger Leute ins Dorf. 

Sie singen, beten, machen Hausbesuche, erzählen von dem Gott, 

der liebt und vergibt. 

Da kommen verfeindete Familien wieder in Kontakt zueinander, 

Eltern und Kinder söhnen sich aus, es ist ein Vorzeichen der angekündigten 

Friedensherrschaft (hat einer geschrieben, der bei der Deutschen 

Missionsgemeinschaft DMB arbeitet (DMG informiert 2/2011, 18)). 

 

Wie leben wir auf sie zu?

Welches Kriegsbeil begraben wir?

Welche Waffen legen wir ab?

 

„Kommt nun, (und) lasst uns wandeln im Licht des HERRN!“

Amen

 

 

 (Diese Predigt übernimmt Vorarbeiten von Pfr. Dr. Tobias Eißler, Gunzenhausen) 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Christvesper, Christuskirche Dennach (Pfr. Held)
16:30 Uhr:
Waldweihnacht an der Schwanner Warte: Familiengottesdienst mit Weihnachtsstück (KiGo-Team & Jan Hunsmann)
18:00 Uhr:
Christvesper, Schlosskirche Schwann (Pfr. Held)
Dienstag, 25.12.2018
9:30 Uhr:
Einsingen zum Weihnachts-GD in Schwann
17:00 Uhr:
Weihnachts-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
18:30 Uhr:
Abendgottesdienst mit dem San-Sebastian-Chor in Schwann (Pfr. Held)