2011-04-17 Palmsonntag

Predigt über Markus 14,3-9 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Palmsonntag aus Markus 14, die Verse 3-9:

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen 

und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unver-

fälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und 

goss es auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen 

untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte 

dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können 

und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus 

aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein 

gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und 

wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht 

allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im 

Voraus gesalbt für mein Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo 

das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das 

sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.“

 

 

 

Liebe Gemeinde, 

bei der Vorbereitung habe ich mich gefragt: Was haben wir da eigentlich 

für eine Geschichte vor uns?

Und dann habe ich gemerkt: Es geht nicht um Simon, es geht nicht 

um Essen und Trinken, es geht nicht eigentlich um die Frau und 

auch nicht darum, dass Parfüm schon in der Antike sehr teuer war!

Sondern es geht um eine Liebesgeschichte!

Allerdings keine Schnulze, wie man sie jeden Tag im Fernsehen 

anschauen kann. 

 

Ich habe gemerkt: Es ist richtiggehend verrückt, wozu die Liebe

gelegentlich fähig ist!

Kein Mensch versteht auch nur im Ansatz, was hier vor sich geht. 

Aber ich glaube, genau darum geht es, 

dass wir drei Dinge trotzdem begreifen, nämlich ...

 

  1. ... ein Herz voller Liebe

 

Die Geschichte dieser Frau fängt ja nicht erst hier an, 

wo sie in eine gelehrte Männerrunde einbricht, 

sich zu Jesus durchschlägt

und dann eine ganze Flasche reinster Narde über seinem Kopf ausgießt. 

Da ist schon etwas Entscheidendes voraus gegangen!

Schon lange bevor diese Frau dem Sohn Gottes so überschwänglich

ihre Liebe erweist, da war Gottes Liebe zu ihr gekommen und 

hat ihr Herz erfüllt. 

Paulus hat einmal den Satz geprägt: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen 

in unsere Herzen.“

 

Es gibt ja Leute, die als Hobby Zinnfiguren gießen. 

Da wird eine Form gekauft, sie wird verschlossen, dass da nichts rausläuft.

Davor aber muss sie sauber geputzt werden, 

sonst hängen nachher Staub und womöglich Hobelspäne in und an 

der Figur. 

Dann wird das Zinn so lange erhitzt, bis es flüssig ist 

und schließlich hinein gegossen. 

Nach dem Abkühlen kann man den Zinnsoldaten noch schön farbig

anmalen und in die Vitrine stellen. 

 

In das Herz dieser Frau war die Liebe Gottes gegossen worden. 

Haben wir noch eine Ahnung davon, was das heißt?

Niemand kann den geistlichen Zustand eines menschlichen Herzens prüfen.

Viele Leute machen sich Gedanken über Gott und die Welt. 

Viele denken darüber nach, wie sich die Religionen am besten 

zusammen bringen lassen.

Und manche Menschen erleben so etwas wie eine Sehnsucht nach Gott

und dem Frieden, den nur er geben kann. 

Die allermeisten Herzen aber verbrauchen sich im Lauf eines Lebens

in den Fragen und Sorgen des Alltags. 

 

Aber wovon ein Herz komplett ausgefüllt ist, das ist nochmal was 

anderes: Wie die Form einer Zinnfigur. 

Wenn da vorher Dreck drin war, kann man die Figur nachher wegwerfen. 

Es muss reines Zinn sein, sonst nichts!

Genau so - ist das Herz dieser Frau: Vollkommen angefüllt mit Liebe

für Jesus! - Wie geht das?

 

Das fängt damit an, dass ein Mensch in das Licht Gottes kommt. 

Und wer dort mit ehrlichem Herzen vor dem heiligen Gott steht, 

der erschrickt im selben Moment über die eigene Sünde 

und den Abgrund menschlicher Verlorenheit!

Der merkt: Ich passe ja gar nicht zu Gott.

Ich kann ihm so nicht begegnen!

 

In einem solchen Zustandn ist diese Frau Jesus begegnet. 

Und da hat sie kein Hochgefühl gehabt, sondern vor allem nur eines 

gespürt: Dieser Jesus stößt mich nicht weg!

Im Gegenteil: Jesus ist gekommen, um gerade solche Menschen wie

mich zu suchen, von ihren Sünden frei zu machen

und mich heim zum Vater zu bringen. 

Und genau da hat sie ihr Herz für die Liebe Gottes in Jesus weit

aufgemacht!

 

Wie sieht das bei uns aus?

Jesus hat einst den Petrus gefragt: „Hast du mich lieb?“

Und er wird auch uns einmal diese Frage stellen!

Und wir werden sie nicht beantworten können, wenn uns nicht 

jetzt schon klar wird: Jesus hat gerade einen solchen sündigen 

Menschen wie mich lieb?

So lieb, dass er für mich sogar ans Kreuz gegangen ist!

 

Jesus hat es meinetwegen das Herz gebrochen!

Mein Getrenntsein von Gott durch die Sünde hat ihn dazu gebracht, 

den Himmel zu verlassen. 

 

Noch etwas sehen wir an dieser Frau: Sie hat ...

 

 

  1. ... ein Herz voller Leidenschaft

 

Das lesen wir nicht nur hier.

Als die beiden Emmaus-Jünger am Ostermorgen dem auferstandenen 

Jesus begegnen, da sagen sie nachher: „Brannte nicht unser Herz in 

uns, als er mit uns auf dem Weg hierher geredet hat?“

 

Aus dem Leben des jungen Grafen von Zinzendorf weiß man, 

dass er eines Tages mit einigen seiner Standesgenossen zusammen

gesessen ist und sie haben über ihre Leidenschaften gesprochen. 

„Passionen“ nannte man das. 

Der eine sagt: „Meine Passion ist die Jagd“, 

ein anderer: „Meine Passion ist das Glücksspiel!“, 

der Dritte erklärt lachend: „Meine Passion sind schöne Frauen!“

 

Dann fragen sie den Grafen Zinzendorf, was denn sein Herz ausfülle

und der erklärt: „Meine Passion ist ER, Jesus, nur ER!“

 

Wovon ein Herz erfüllt ist, das sieht man ihm an!

Diese Frau hier hat sich nicht geschämt, ihre Leidenschaft ganz offen 

zu zeigen. 

Sie hat Jesus geliebt, der ihrem Leben Sinn und Ziel gegeben hat. 

Sie hat Jesus geliebt, der sie von Schuld und Sünde frei gemacht hat. 

Sie hat dieser ehrbar frommen Gesellschaft im Haus des Simon 

eine reine Leidenschaft gezeigt. 

 

Was unreine Leidenschaften sind, das wird uns in den Illustrierten 

und Pornokanälen gezeigt.

Sie stehen unter einem göttlichen Nein und haben schon viele ins

Verderben gestürzt. 

Bei den unreinen Leidenschaften steht das Ich in der Mitte. 

Es sucht Lust und Befriedigung. 

Die reine Leidenschaft dagegen hat echte Liebe, sie hat Jesus in der Mitte. 

 

Diese Frau hat die Narde, ihr Herz und alles - geopfert. 

Sie wollte nichts für sich. 

Es ging ihr nur ihm IHN, um Jesus!

Das ist die Leidenschaft des Glaubens!

Und so kommt es, dass das ganze Haus erfüllt war von dem Duft

der Narde. 

 

Ich frage: Wovon ist unser Haus erfüllt?

Vom Wohlgeruch des Glaubens?

Wenn nicht, dann brauchen wir die Umkehr.

Jesus hat gesagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen

seid: Ich will euch erquicken!“

An den Reaktionen der anderen am Tisch in Simons Haus

sehen wir noch was: Da kämpft ...

 

 

  1. ... die Vernunft gegen die Liebe

 

Der Verstand bringt das nicht zusammen:

Wie kann man nur ein ganzes Jahresgehalt buchstäblich auf den Kopf

hauen, pardon: gießen?

Wie kann ein Mann der Dame seines Herzens nur ein so teures Kleid

oder so einen teuren Brillianten kaufen?

Es gibt nur eine Erklärung: Liebe!

Ehrliche, tiefgründige und unverfälschte Liebe. 

 

Die Vernunft bringt das nicht auf die Reihe: 

Wie kann man sich nur für eine so kaputte Welt mit einer durch und 

durch verdorbenen Menschheit  so einsetzen, wie Jesus es getan hat?

Er hat sich für sie hingegeben, nur, damit wir nicht verloren gehen müssen, 

sondern das ewige Leben haben!

 

Dafür gibt es nur eine einzige Erklärung: Liebe. 

Und jetzt müssen wir ganz persönlich werden und mit dem Apostel 

Johannes sprechen: Jesus liebt uns so sehr, 

dass er unseretwegen nicht nur einen Flasche Parfüm, 

sondern zuerst den ganzen Himmel und dann sein Leben geopfert hat

und für uns ans Kreuz gegangen ist!

Das feiern wir im Abendmahl!

Und wir können uns nur eines wünschen: Dass keiner hier rausgeht, 

der nicht verstanden hat: Jesus liebt mich, vergibt mir alle Schuld, 

alle Sturheit, alle Verbohrtheit, alles Versagen - und schenkt mir - 

ich muss es nur annehmen! - Vergebung und das ewige Leben!

 

Das kann keine Vernunft, kein Verstand erfassen. 

Das kann man nur im Glauben annehmen. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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