2011-01-23

Predigt über Johannes 4,46-54 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Johannes- Evangelium Kapitel 4, die Verse 46-54:

46 Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser 

zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs; 

dessen Sohn lag krank in Kapernaum. 47 Dieser hörte, dass Jesus aus 

Judäa nach Galiläa kam, und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen 

und seinem Sohn zu helfen; denn der war todkrank. 48 Und Jesus sprach 

zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. 

49 Der Mann sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! 

50 Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mensch glaubte 

dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. 51 Und während er 

hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt. 

52 Da erforschte er von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm 

geworden war. Und sie antworteten ihm: Gestern um die siebente Stunde 

verließ ihn das Fieber. 53 Da merkte der Vater, dass es die Stunde war,

in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit 

seinem ganzen Hause. 54 Das ist nun das zweite Zeichen, das Jesus tat, 

als er aus Judäa nach Galiläa kam.“

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

aus dem 18. Jahrhundert gibt es ein Bild, eine Federzeichnung. 

Sie zeigt ein Wohnzimmer, in der Mitte ein Bett, 

auf dem ein Kind schwerkrank in den Kissen liegt. 

Daneben sitzt der Vater, schaut ins Leere. 

Man sieht, er ist verzweifelt, am Tisch im Hintergrund die Mutter, 

die betet und auch ohne Worte ahnt man, was sie betet: 

„Lieber Gott, lass doch unser Kind wieder gesund werden!“

 

Wie oft wird diese Bitte nicht erhört!?

Auch noch im 21. Jahrhundert müssen immer wieder Eltern den 

schwersten Gang antreten, den Gang hinter dem Sarg ihres Kindes her!

Und da kann die Frage kommen: Kann man da noch an Gott glauben?

Wenn einem das Liebste weggerissen wird?

Der beste Freund unseres Mark aus der Zeit in Sigmaringen ist im 

vergangenen Sommer an seinem 20. Geburtstag im Krankenhaus 

an einem Operationsfehler gestorben, hat am morgen noch telefoniert, 

die Glückwünsche entgegen genommen. 

Für die Eltern bis heute ein ganz schwerer Schlag, nur dadurch überhaupt

auszuhalten, weil sie wussten, dass er im festen Glauben an Jesus 

gestorben ist ...

 

Aber was heißt eigentlich „glauben“?

Wie geht das zu?

Darum geht‘s heute in diesem Bibelwort und ich will versuchen, 

drei Seiten des biblischen Glaubens zu umreißen:

 


1. Der Glaube braucht keine Wunder.

Ein Mann aus Kapernaum, ein königlicher Beamter, hetzt nach Kana. 

Er muss zu Jesus, sein Sohn ist todkrank. 

Da ist ihm auch kein Weg von sieben Stunden zu viel. 

Und jetzt steht er vor Jesus: „Herr, mein Sohn ist todkrank. 

Bitte, komm nach Kapernaum und hilf, wir wissen uns sonst keinen 

Rat mehr!“

 

Jeder von uns kann sich in diese Lage versetzen. 

Es fällt uns auch nicht schwer, nahtlos unsere Notsituationen anzufügen, 

vielleicht eine OP oder die bangen Stunden um einen schwerkranken 

Angehörigen in der Familie ...

 

Immer wieder werden wir an unsere Grenzen geführt, 

wo wir offen oder still zugeben: „Jetzt hilft nur noch beten!“

 

Vielleicht hat der königliche Beamte schon alles Mögliche versucht, 

x Ärzte abgeklappert alles erfolglos, 

keinen Kilometer gescheut, es ging ja um sein Kind!

Und welche Opfer nehmen Eltern doch auf sich, wenn es um ihre

Kinder geht, um deren Gesundheit!

 

Jetzt versucht er es bei Jesus. 

Der hat ein offenes Ohr für ihn, wartet auf jeden, der in Not und Sorge kommt. 

Mit offenen Armen wirbt er um uns: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig

und beladen seid, ich will euch aufbauen!“

 

Es ist echt gut, wenn ein Mensch, vielleicht nach langer Pause, wieder betet

und mit seiner Last zu Gott kommt!

Gar nicht so selten ist tiefes Leid für Menschen zur Glaubenswende geworden!

 

Gott will uns in seine Nähe ziehen, 

er will uns losreißen von Sünde und Schuld und zum Frieden mit ihm bringen!

 

Aber der Schrei aus der Not drängt auch zur Soforthilfe: 

„Ich will etwas sehen!

Ich erwarte jetzt Erhörung, wo ist das Wunder, die Heilung!?

Und wenn sie nicht kommt, wie erbeten, 

dann kommt die Ungeduld und oft die totale Abwendung von Gott. 

 

Jesus erkennt diese große Gefahr im Gespräch mit dem Regierungsbeamten. 

Deshalb wehrt er gleich ab und sagt: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder 

seht, dann glaubt ihr nicht!“

Erst das Wunder, dann der Glaube, also ein Glaube, der auf Wunder beruht, 

der das Wunder voraussetzt!

 

Dagegen wendet sich Jesus, das will Gott nicht. 

Ein Glaube, der die Sensation zur Bedingung macht, ist kein Glaube. 

Und Jesus blockiert dieses Denken.

Wer nur auf einen Jesus baut, der erst einmal seine übermenschlichen 

Möglichkeiten öffentlich unter Beweis stellen muss, der liegt nicht 

mehr in der Linie Gottes.

 

Der Glaube verlangt keine Beweise, keine Sicherheiten, 

das tut der Unglaube. 

Glaube ist Vertrauen auf Jesus Christus, den Sohn Gottes!

 

Wenn ich eine hohe Autobahnbrücke überfahre, dann brauche ich kein 

Vertrauen, weil die Baupolizei die Festigkeit der Brücke überwacht. 

Ich kann diese Brücke ohne Bedenken und sicher befahren. 

So stellen sich manche Menschen auch den Glauben vor: 

- Glaube als Sicherheit, 

- Glaube als unverlierbarer Besitz, 

- Glaube als etwas Statisches. 

 

Aber mit dem Glauben ist wie in einer Ehe: Die Basis einer Ehe ist 

nicht Sicherheit, sondern Vertrauen. 

Und wenn das Vertrauen entzogen ist, geht die Ehe in die Brüche. 

Ein Glaube ohne Vertrauen zu Jesus Christus wird keinen Bestand

haben können. 

Mein Drang nach Sicherheiten, Wundern, Beweisen kann regelrecht 

verhindern, dass ich in ein Vertrauensverhältnis zu Jesus Christus komme. 

So wie ich bis heute nicht verstehen kann, wie Menschen gleich mit 

einem Ehevertrag in die Ehe starten, in dem gleich die mögliche 

Scheidung regeln ...

 

Der Glaube vertraut auf Jesus Christus. Punkt und nicht Komma.

Doch dann ...

 

 

2. Der Glaube erfährt das Wunder. 

Jetzt folgt ein echter Glaubensfortschritt bei diesem verzweifelten Vater. 

Hat er bisher gedacht: „Wenn Jesus selber mitkommt und ans Bett meines

Kindes tritt, dann kann er vielleicht ein Wunder vollbringen!?“

Aber was für eine Enttäuschung, Jesus schickt ihn weg - 

allerdings mit diesem Wort: „Geh hin, dein Sohn lebt!“

 

Und jetzt heißt es im Text: „Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus

zu ihm sagte und ging hin!“

Dieser total fertige Vater nimmt die Aussage von Jesus ernst, 

setzt sein ganzes Vertrauen auf dieses Wort: „Geh hin!“

Das Wort von Jesus setzt ihn in Bewegung!

 

Ähnlich war es, als Petrus von Jesus berufen worden ist. 

Da schickt er ihn und seine Freunde zum Fischen raus auf den See

Genezareth - zu einer für erfahrene Fischer unmöglichen Tageszeit, 

nämlich am hellen Mittag, wo die Fisch vor der Hitze weit abtauchen ...

 

Petrus, der zunächst seine fachliche Kritik anmelden will, 

sagt dann doch wider Erwarten: „Aber weil du es sagst, will ich das

Netz auswerfen!“ (siehe Schriftlesung)

„Weil du es sagst!“

Weil Jesus es sagt, das setzt Petrus in Bewegung. 

 

Und so ist das, was Jesus sagt, das Entscheidende: „Geh hin, dein Sohn lebt!“

Und der Vater vertraut diesem Wort, geht hin, ist gehorsam, 

das ist der Glaubensfortschritt. 

Er verlangt jetzt keine Beweise, 

diskutiert nicht über Sinn und Unsinn der Aufforderung, 

sondern tut, was Jesus sagt. 

Das ist der Glaubensschritt.

 

Und Gehorsam Gott gegenüber bleibt nicht unbeantwortet.

Weil Gott zu seinem Wort steht. 

Und der verzweifelte, aber gehorsame Vater erlebt tatsächlich: Sein Kind ist 

am Leben!

 

Daran sehen wir, dass der Glaube keine Wunder braucht, 

sondern er erfährt das Wunder!

Auch bei Petrus war das so: Weil Jesus es gesagt hat, wirft er seine Netze

am hellen Tag aus - und da heißt es: Sie haben so viele Fische gefangen, 

dass die Netze es kaum aushalten konnten. 

 

Gott segnet es, wenn ich und Du ihm im Glauben gehorchen.

Und wir erleben Wunder, nicht weil wir sie verlangen, 

sondern weil  Jesus das, was er sagt, immer wieder auch durch Wunder

bestätigt, wie auch immer sie aussehen mögen ...

 

Es steht uns nicht zu, von Gott zu verlangen, 

dass er unser Leben oder das eines Angehörigen durch ein Wunder 

verlängern muss. Wir haben auch nicht das Recht auf Heilung

unserer Krankheiten. 

 

Aber wir haben große Zusagen und die gelten: 

- „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, 

ich will euch aufbauen!“ 

- „Bittet, so wird euch gegeben ...“ (Mt 7,7)

- „Das Gebet bewirkt viel, wenn es ernstlich ist“ (Jak 5,16)

- „Rufe mich an in der Not, dann will ich dich erretten - und du sollst

  mich preisen“ (Ps 50,15).

 

Wir haben die Verheißung Gottes: „Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir“

 

und das Versprechen des Auferstandenen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage

bis an der Welt Ende“. 

 

Ein Liederdichter hat das so ausgedrückt: 

„Er ist ein Fels, ein sichrer Hort - und Wunder sollen schauen, 

die sich auf sein wahrhaftig Wort verlassen und ihm trauen. 

Er hat‘s gesagt und darauf wagt - mein Herz es froh und unverzagt

und lässt sich gar nicht grauen.“ (EG 374,2)

 

Der Glaube erfährt das Wunder wie Gott es will, 

äußerlich oder innerlich. Und ...

 

 

3. Der Glaube ist ein Wunder. 

Damit, dass das Kind gesund wird, ist die Geschichte aber noch nicht aus. 

Am Schluss steht da der kleine und unscheinbare Satz: „Und er glaubte

mit seinem ganzen Hause“. 

 

Es ist also nicht beim Notschrei geblieben, beim Drang nach einem Wunder. 

Sondern der Vater macht Schritte des Glaubens, 

weil er dem Wort von Jesus gehorsam war. 

Und daraus entstehe eine lebendige Beziehung zu Christus, 

der Funke des Glaubens springt auf das ganze Haus über. 

Da können Menschen richtig froh und dankbar bekennen: „Er hat alles 

wohl gemacht.“

 

Der Glaube selber ist ein Wunder!

Und das will ich mit einem Beispiel unterstreichen: 

Ein Evangelist hat über das Wunder der Bibel gepredigt. 

Nach der Veranstaltung kommen einige alte Kameraden zu ihm und sagen:

„Hör mal, das mit demWunder, das ist ja wohl ein Bluff!“

 

Da hat er sie in seine Wohnung geführt, quer durch das Haus. 

Er zeigt ihnen das Wohnzimmer: „Da stand früher mal ein wackliger Tisch

und ein paar Schnapsgläser samt Flasche drauf!“

Jetzt haben sie eine saubere Wohnungseinrichtung gesehen ...

 

Er zeigt ihnen das Schlafzimmer: „Da sind früher ein paar alte Matrazen 

auf dem Boden gelegen ...“ - heute zwei sauber bezogene Betten. 

Dann zeigt er ihnen Raum, in dem ein gutes Klavier stand. 

 

„Schaut her!“, sagt er, „das alles hat Gott umgekrempelt. Wir waren hoffnungs-

lose Säufer. Dann ist Jesus gekommen und hat alles neu gemacht. Ist das 

nicht das größte Wunder vor unseren Augen?“

 

Auch in Schwann habe ich so ein Wunder schon erlebt. 

Gott kann Menschen, für die Krankenkasse nach dem x-ten Abbruch 

schon keine Suchttherapien mehr bezahlen will, 

die das „austherapiert“ gelten, weil keine Maßnahme gefruchtet hat, 

durch ein Wunder auf neue Füße stellen. 

 

Wenn ein Mensch sich von Jesus zum Glauben rufen und einladen lässt, 

wenn er ihm und seinem Wort vertraut

und sein Leben lernt darauf zu bauen, 

dann ist das ein echtes Wunder!

 

Aus sich heraus, einfach so, kann niemand glauben. 

Der Glaube ist ein Geschenk, das ich annehmen kann oder nicht. 

So war auch die Heilung des kranken Sohns ein reines Geschenk

und nicht einklagbar. 

 

Der Glaube selber ist das größte Wunder und zu diesem Wunder lade

ich Sie und Euch Konfirmanden ein. 

Diesen Glauben wünsche ich uns allen, 

dieses Wunder will Gott an uns vollbringen. 

 

Das ist dann kein Allerweltsglaube, kein Herrgott-Glaube, 

sondern ein lebendiger Glaube, 

bezogen auf eine Person, auf Jesus Christus, 

den Retter und Heiland der Welt. 

 

Es ist ein lebendiger Glaube, weil er Jesus vertraut, 

ein Glaube, der keine Wunder braucht, der aber Wunder erfährt!

Ein Glaube, der selber das größte Wunder ist. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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