2010-12-19

Predigt über Philipper 4,4-7 / Pfarrer Friedhelm Bühner (Die Predigt von Pfarrer Johannes Lange, Missionsbund "Licht im Osten", liegt leider nicht digital vor)

Wir hören den Predigttext aus dem Brief des Apostels Paulus an seine Gemeinde in Philippi, Kap. 4, die Verse 4-7:

„Freuet euch in dem Herrn allewege,

und abermals sage ich euch: Freuet euch!

Eure Güte lasst kundsein allen Menschen!

Der Herr ist nahe!

Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen - lasst eure

Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, 

bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“ 

 

 

Liebe Gemeinde,

vor einiger Zeit erzählte eine noch junge Frau - aus ihrer Kinderzeit:

»Ich kann mich noch gut erinnern, wie das damals war. 

Kurz nach meinem Geburtstag, der im August liegt, 

begann ich mich auf Weihnachten zu freuen. 

Ich holte die Schallplatten mit den Weihnachtsliedern heraus

und spielte sie auf dem Plattenspieler meiner Eltern ab. 

Die ganzen Tage und Wochen bis Weihnachten sang ich diese

        Weihnachtslieder. Ich hörte die Cassette mit der Weihnachts-

geschichte von Carl Orff; 

ich kann sie heute noch auswendig.

Am schönsten aber war der Heilige Abend. 

Diese festliche Spannung. Wenn die Eltern im Weihnachts-

zimmer verschwanden und ich - als Kind - die Wohnzimmertür 

nicht öffnen durfte. 

Den ganzen Tag nicht, bis - wir abends - aus der Kirche kamen. 

Endlich ging die Tür auf - und drinnen stand der Baum, 

schön geschmückt und hell erleuchtet. 

Darunter - lag irgendwo - auch ein Geschenk für mich.« 

 

In dem Bericht der jungen Frau spüren wir, was ihr Weihnachten

bedeutete. Ihre Augen glänzten beim Erzählen -,

und manche von uns - werden an die eigene Kinderzeit erinnert -

und womöglich nochmals - von der Freude angsteckt!? 

 

Was machte die Freude der jungen Frau aus? 

Ich denke, im Wesentlichen zwei Dinge. 

Da war die Freude ihrer Eltern:

All die Gedanken, die sie sich um die Festvorbereitungen 

machten. Und diese Freude ging auf das Kind über. 

Und da war die eigene Vorfreude:

Auf den Baum -, die Lichter -, den Gottesdienst -, die Lieder -, 

die festliche Stimmung und die Geschenke. 

 

Unweigerlich müssen wir dabei an uns heute denken. 

Es ist eine völlig andere Zeit - nach nur wenigen Jahrzehnten. 

Das Leben hat sich verändert und die heutigen Eltern haben es 

schwerer, ihren Kindern die Weihnachtsfreude zu vermitteln.

Sie ist nicht mehr einfach selbstverständlich da. 

Sie ist in Frage gestellt, abhanden gekommen, ausgeleert. 

 

Vielleicht spüren wir nirgendwo anders so sehr, was mit dem Wort

»Traditionsabbruch« gemeint ist, wie an Weihnachten.

Viele Menschen wissen nicht mehr, wie sie Weihnachten feiern sollen, 

geschweige denn, was sie an Weihnachten feiern sollen.

Selbst Christen - tun sich heute - manchmal schwer damit! 

 

Weihnachten funktioniert nicht mehr einfach - als das Fest der 

Gefühle und der Familie. 

Es sitzt eben vielfach nicht - die traute Familie - um den Baum herum:

- Da sind Singles, die überlegen, wo sie dieses Weihnachten 

wieder unterkommen: Wieder einmal der Schwester mit ihrer 

Familie zur Last fallen, oder lieber doch - Urlaub auf Korsika?

- Da ist das kinderlose Ehepaar, das sich die Frage stellt: 

»Sollen wir in diesem Jahr überhaupt einen Baum aufstellen?« 

- Da sind Menschen im Seniorenheim, die sich die Frage stellen: 

»Wird mich dieses Jahr jemand besuchen? 

Oder vergessen sie mich wieder?« 

 

»Freuet euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: 

Freuet euch!« – Wie Spott und Hohn können da die Worte des Apostels 

Paulus klingen, oder aber – und das sind sie wirklich – wie eine Antwort! 

 

(1. Vom Wesen der Freude.)

»Was ist eigentlich Freude?«  

Wir müssen diese Frage stellen heute morgen, denn das Wort »Freude« - 

verschwindet immer mehr aus unserem Wortschatz. 

Es wird umgemünzt und stillschweigend ersetzt durch ein 

anderes Wort -, nämlich »Spaß«.

Auch hier hat sich in unserem Werte-Bewusstsein etwas verändert! -

Aus Freude - wurde Spaß!

Und das hat Folgen. 

Denn Freude und Spaß - sind bei weitem - nicht das gleiche.

 

Spaß kann man vergleichen mit dem Erzählen eines Witzes. 

Ein kurzer Moment des Lachens, mehr nicht. 

Oder mit dem Besuch eines Jahrmarkts und der Fahrt mit der 

Achterbahn. Ein kurzes, künstlich herbeigeführtes Hochgefühl, 

das schnell vergessen ist, und doch einiges an Geld gekostet hat. 

Ein Erlebnis, das ich zwar - immer und immer - wiederholen kann, 

das aber nicht dauerhaft - fest zu halten ist. 

 

Freude dagegen lässt sich eher mit einer Bergtour vergleichen - 

oder mit einem Besuch bei guten Freunden, die man lange nicht 

mehr gesehen hat - oder mit der Rückkehr des Ehepartners aus 

dem Auslandseinsatz (der Kur) - , oder der Geburt eines Kindes.

Freude bahnt sich an - als Vor-Freude. 

Und sie nimmt uns dauerhaft in Beschlag. 

Freude berührt uns ganz tief - und lässt uns lange - nicht mehr los. 

 

Da kann ein Mensch vielleicht die ganze Nacht nicht schlafen, 

weil morgen der geliebte Ehepartner wieder nach Hause kommt. 

Oder jemand ist so außer Rand und Band, dass er meint, 

er müsse der ganzen Welt erzählen, wie glücklich er ist. 

Ein anderer sitzt da - und kann vor Glück überhaupt nichts sagen - 

und es laufen ihm Freudentränen übes Gesicht. 

Aber eines ist sicher: Freude und Glück - gehören zusammen. 

 

Hast Du schon einmal geweint vor Glück? 

Dann weißt Du, was Freude ist! 

 

Von der Freude können wir leben - wie vom Brot.

Sie nährt unsere Seele.

Freude hat Kraft. Sie bewegt uns, verwandelt uns, 

bringt uns in Schwung. 

Und Freude hat immer - einen Grund. 

 

(2. Die Freude des Paulus.)

Der Apostel Paulus sitzt um das Jahr 60 nach Christus - irgendwo 

entweder in Ephesus oder in Rom im Gefängnis - und muss mit 

dem Schlimmsten rechnen. 

Und trotzdem schreibt er - von der Freude! 

Er schreibt nicht nur davon, sondern er trägt sie selbst im Herzen! 

 

Man spürt es diesem ganzen Philipperbrief ab, dass da einer schreibt, 

der von innen heraus mit Freude erfüllt ist.

Was ist der Grund - für diese Freude des Apostels? 

 

Es ist Jesus Christus.

Wegen ihm sitzt Paulus im Gefängnis. 

Weil er sich zu ihm bekannt hat. Weil er ihm diente. 

Deshalb wurde er verfolgt und gefangen genommen. 

Trotzdem freut er sich! 

Was ist das für eine Freude? 

 

Es ist die Freude am Herrn, oder im Herrn, wie es wörtlich heißt.

Es ist die Freude, die aus der Beziehung zu Jesus Christus kommt.

Paulus ist - von ihr durchdrungen. Von ihr - lebt er. Sie trägt ihn.

Freude bei uns Menschen hat meistens - mit Beziehung zu tun. 

Und für Paulus gilt: Seine Freude kommt - aus der Beziehung zu Jesus.

Aus der Erfahrung, dieser Sohn Gottes - hat mich frei gemacht 

von Sünde und Schuld -, er ist mein Erlöser geworden! 

 

Kennen Sie diese Freude auch?

Haben Sie diese Erfahrung auch gemacht? 

Diese Freude, die nicht von Menschen gemacht ist, 

die nicht von der Stimmung des Tages abhängt,

von Erfolg oder Misserfolg -,  

sondern die von Gott kommt - in Gestalt eines tiefen inneren Friedens -, 

eines Wissens um mein Angenommensein vom Vater in Ewigkeit? 

Wenn nicht, dann bitten Sie Gott darum!

Gerade jetzt in dieser Advents- und Weihnachtszeit! 

Bitten Sie Jesus darum, dass er bei ihnen einzieht - und sie 

Grund zu dieser Freude des Apostels Paulus haben! 

 

Paulus sitzt im Gefängnis in äußerlicher Not, 

aber er erlebt gerade hier - die Gegenwart Jesu. 

Und das ist Freude im Herrn! 

Das ist die Weihnachtsfreude: Die Gegenwart des Herrn erfahren!

Nur deshalb kann er ermuntern: »Freuet euch in dem Herrn allewege! 

Der Herr ist nahe.«

 

Die Freude der Christen, liebe Gemeinde, ist immer eine doppelte Freude: 

Denn sie lassen sich (1.) erinnern an Jesu Kommen an Weihnachten. 

Das allein - wäre schon Grund genug zur Freude. 

Aber sie wissen darüber hinaus auch (2.) um Jesu Triumph über den 

Tod an Ostern. 

So feiern sie die Gegenwart ihres Herrn gleich doppelt!

- Er wurde Mensch, wie wir. Und:

- Er hat den Tod besiegt, für uns.

 

An Weihnachten feiern wir also nicht allein die Geburt Jesu, 

sondern immer auch seine Auferstehung. 

Von der Auferstehung her betrachtet - wird die Geburt des Retters -

zu einem noch größeren Fest.

Zwar hören wir die Botschaft heute nicht mehr von einem Engelchor -

wie die Hirten damals -, aber auch wir heute können Jesus selbst 

erleben!

Weil Er, der  Auferstandene, heute unter uns wirkt. 

Auch jetzt. Er schenkt Freude, die von innen kommt – 

»Freude in allem Leide« – Dabei gilt: 

»Jesus bleibet meine Freude« – Und darüber hinaus:

»Die Freude am Herrn - ist unsre Stärke«. 

 

(3. Die Folgen der Freude.)

Was bewirkt nun diese Freude in uns?

Ganz menschlich gesprochen: Wer sich freut, nimmt das 

Leben leichter. Wer sich freut, sieht alles ein bisschen gelassener.

 

Der frisch gebackene Familienvater wird sich schwer tun, 

wirklich ernsthaft mit jemandem zu streiten. 

Seine Freude ist viel zu groß. 

Da wird alles andere zu unwichtig, um sich damit die Freude 

verderben zu lassen.

Die Freude ist größer - und sie kann - unsere Sicht der Dinge ändern. 

Und das zum Guten. Wie Peter Strauch in einem Lied gedichtet hat: 

»Herr, du gibst uns Hoffnung, du änderst unser Leben. 

Großes wird groß, Kleines wird klein.« 

 

Wer sich freut, sieht auch vieles anders. Und er wird gütig. 

Deshalb schreibt Paulus im Zusammenhang mit der Freude: 

»Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe!« 

Und noch einmal hören wir die Begründung. »Der Herr ist nahe!«

 

Diese Begründung stimmt im doppelten Sinn:

Weil ein Christ in der Erwartung der sichtbaren Wiederkunft des Herrn 

am Ende der Zeit lebt. In der Erwartung, dass Jesus für ihn oder für sie -

als Herr und Retter kommen wird. 

Und dann wird er sehen, was er jetzt glaubt!

Er wird in ungebrochener Gemeinschaft mit Jesus sein. 

Dann wird endlich wahrer Friede sein. Gottes Friede. 

Leid, Streit, Schmerz und Geschrei werden ein Ende haben, 

Krankheit und Not werden nicht mehr sein. 

Der Herr ist nahe!

Er kommt. 

Das ist Grund zur Freude für jeden Christen!

 

Und der andere Sinn: Der Herr ist nahe, er ist jetzt da. 

Als Auferstandener war er bei Paulus im Gefängnis damals gegenwärtig. 

Und ebenso ist er heute bei uns gegenwärtig!

In diesem Sinn dürfen wir auch das mit den Sorgen verstehen:

»Sorget euch um nichts«, ruft Paulus den Philippern zu. 

 

Das ist auch für mich eine schwere Übung - und eine Übung, die Zeit 

braucht -, Sorgen an Jesus abzugeben. 

Aber er ist da. Das erlebe ich fast jeden Tag - und das können auch Sie 

erleben!

Deshalb lasst uns das Ernst nehmen, was Paulus sagt: 

„Sorget Euch um nichts!“ - und es immer wieder üben, 

immer wieder neu!

 

Lassen wir ihm unsere Sorgen - und legen wir sie ihm im Gebet

hin. Dann werden wir die Verheißung erfahren, wie Petrus es sagt: 

». . . denn er - sorgt für euch.« (1)  

 

Und: Wo Freude sich breit macht, da muss - die Sorge weichen.

»Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle Vernunft, 

bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.«   Amen.

 

Anmerkung:

(1)  1. Petrus 5, 7




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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