2010-12-14 Seniorenheim

Predigt zum Adventslied EG 11 "Wie soll ich dich empfangen" im Seniorenheim Schwann / Pfarrer Friedhelm Bühner

EG 11,1+2 Wie soll ich dich empfangen

Liebe Gemeinde im Seniorenwohnheim Schwann, 

was wäre die Advents- und Weihnachtszeit ohne 

die bekannten Advents- und Weihnachtslieder, 

die uns doch auch an die eigene Kindheit zurück erinnern!?

 

Ich selber kann mich noch erinnern, 

wie wir in der Schule bestimmte Lieder auswendig

lernen mussten uns sie auch zusammen gesungen haben. 

Leider machen das heute nur noch wenige Lehrer

und auch nur noch wenige Eltern, 

dass sie zusammen mit ihren Kindern um den Adventskranz

sitzen und ewas aus der Bibel vorlesen, darüber reden und 

zusammen singen. 

 

Gottes Wort ist ja auch in manchen Liedern ganz nah bei uns. 

So z. B. in dem Lied, von dem wir schon die ersten beiden 

Verse gesungen haben: "Wie soll ich dich empfangen und wie 

begegn ich dir ..." 

Paul Gerhardt hat es gedichtet: 

 

1. Wie soll ich dich empfangen 

und wie begegn ich dir, 

o aller Welt Verlangen, 

o meiner Seelen Zier? 

O Jesu, Jesu, setze 

mir selbst die Fackel bei, 

damit, was dich ergötze, 

mir kund und wissend sei. 

 

2. Dein Zion streut dir Palmen 

und grüne Zweige hin, 

und ich will dir in Psalmen 

ermuntern meinen Sinn. 

Mein Herze soll dir grünen 

in stetem Lob und Preis 

und deinem Namen dienen, 

so gut es kann und weiß. 

 

   

Wie soll ich dich empfangen?, fragt Paul Gerhard in seinem Lied. 

Empfangen: Eigentlich steckt in diesem einen Wort schon das 

ganze Geheimnis, wie wir am besten durch die Adventszeit 

gehen können. 

Es geht darum, dass wir empfangsbereit werden für den Sohn 

Gottes, der uns mit vollen Händen die ganze Liebe seines Vaters 

austeilt. 

Mit offenen Herzen und Händen dürfen wir uns beschenken lassen - 

wie die Kinder an Weihnachten. 

 

Empfangen: Das ist aber auch eine Haltung, mit der sich viele 

Menschen schwer tun. 

Empfangen: Das klingt so passiv, so nach Sozialhilfe und Hartz IV. 

Der sorgenvolle Erwachsene in uns will sich wehren: 

- Bin ich denn ein Bettler? 

- Stehe ich mit leeren Händen da?  - Und 

- kann ich mich denn einfach so besuchen und beschenken 

    lassen? 

 

Empfangen. Es ist gar nicht so einfach, die richtige Empfangs-

haltung für den Besuch durch Gottes Sohn einzunehmen. 

Deshalb will ich Jesus selber bitten, dass er mir hilft, 

ihn in rechter Weise in mein Leben hineinzulassen. 

Und da höre ich an dieser Stelle sehr bewusst den Rat von Paul 

Gerhard: Bitte doch Jesus, dass er dir die richtige Haltung schenkt:

 „O Jesu, Jesu, setze / mir selbst die Fackel bei, / damit, was dich 

ergötze, / mir kund und wissend sei.“ 

 

Jesus muss mir helfen, dass ich in die richtige Haltung hineinfinde. 

Nein, ich will es nicht so machen, wie jene Männer am Wegrand 

in Jerusalem, die sich geärgert haben über das Treiben der Jünger 

und Freunde von Jesus. 

Sie haben ihr Herz zugeschlossen. 

Sie wollten keinen Einzug des Friedenskönigs, weder in Jerusalem 

noch bei sich in ihrem Leben. 

Sie haben ihm die kalte Schulter gezeigt und schnell beraten, 

wie sie ihn wieder loswerden könnten. 

 

Alles, was er gesagt und getan hat, war ihnen zuwider. 

So soll es bei mir und bei uns nicht sein, 

sondern ich will mich öffnen, ganz neu öffnen für diesen Herrn, 

für seinen Frieden, seine Liebe und sein Erbarmen. 

 

Wenn wir das Lied von Paul Gerhard singen, dann kann uns das

Herz aufgehen. Wenn ich es wie ein Gebet singe, 

dann öffne ich mich für das Kommen von Jesus. 

 

Paul Gerhard weiß uns einen Rat, wie ich dieses Kommen 

regelrecht unterstützen können, nämlich indem wir Jesus mit Liedern 

loben und preisen. 

Diesen Tipp hat der Liederdichter aus der Geschichte vom Einzug 

Jesu in Jerusalem abgeschaut: 

 

"Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir 

in Psalmen ermuntern meinen Sinn. 

Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem 

Namen dienen, so gut es kann und weiß." 

 

Wofür aber sollen wir Jesus loben und preisen? 

 

Seine Antwort gibt Paul Gerhard in den Strophen 3 und 4, 

die wir jetzt singen: 

 

EG 11,3+4 Was hast du unterlassen 

 

3. Was hast du unterlassen 

zu meinem Trost und Freud, 

als Leib und Seele saßen 

in ihrem größten Leid? 

Als mir das Reich genommen, 

da Fried und Freude lacht, 

da bist du, mein Heil, kommen 

und hast mich froh gemacht. 

 

4. Ich lag in schweren Banden, 

du kommst und machst mich los; 

ich stand in Spott und Schanden, 

du kommst und machst mich groß 

und hebst mich hoch zu Ehren 

und schenkst mir großes Gut, 

das sich nicht lässt verzehren, 

wie irdisch Reichtum tut. 

   

Paul Gerhard schaut mit seiner Gemeinde zurück auf die schwere 

Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Das Land ist kaputt. 

Ungezählte sind an Pest, Hunger und den Kriegsfolgen gestorben. 

Leib und Seele der Menschen saßen in großem Leid. 

Der Frieden war verdorben, Freude konnte niemand mehr verspüren. 

Aber dann endlich: der Westfälische Frieden, die Waffen ruhen, 

die Menschen können wieder aufatmen. 

 

Paul Gerhard hat diesen Frieden wie viele Menschen mit ihm 

empfunden als ein reines Gottesgeschenk: „Da bist du, mein Heil, 

kommen und hast mich froh gemacht.“ 

 

Wie hat Jesus das fertig gebracht?

 „Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los. 

Ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß 

und hebst mich hoch zu Ehren.“ 

 

Aber ist der irdische Frieden schon alles? 

Gibt uns Jesus nicht noch viel mehr? 

 

Das Geniale an der Dichtung von Paul Gerhard ist, dass er beides 

miteinander verwebt: Den irdischen und den himmlischen Frieden, 

das zeitliche und das ewige Heil:

- „Du kommst und machst mich los“, das bezieht sich auch auf 

meine Schuld. 

- „Du hebst mich hoch zu Ehren“, das bezieht sich auf das, was 

Jesus am Kreuz für mich vollbracht hat: den Frieden mit Gott, 

die Vergebung aller Schuld. 

Was mich von Gott trennt, er hat es überwunden. 

Jesus, der von den Toten auferstanden ist, er ist zu mir gekommen 

und hat mir neuen Lebensmut geschenkt: „Da bist du mein Heil 

kommen und hast mich froh gemacht.“ 

 

Und damit beginnt das große Staunen. 

Großartig, wie Paul Gerhard das in Worte fasst, was wir Jesus 

verdanken. 

 

 

EG 11,5-7 Nichts, nichts hat dich getrieben

 

Wir singen die fünfte, sechste und siebte Strophe: 

5. Nichts, nichts hat dich getrieben 

zu mir vom Himmelszelt 

als das geliebte Lieben, 

damit du alle Welt 

in ihren tausend Plagen 

und großen Jammerlast, 

die kein Mund kann aussagen, 

so fest umfangen hast. 

 

6. Das schreib dir in dein Herze, 

du hochbetrübtes Heer, 

bei denen Gram und Schmerze 

sich häuft je mehr und mehr; 

seid unverzagt, ihr habet 

die Hilfe vor der Tür; 

der eure Herzen labet 

und tröstet, steht allhier. 

 

7. Ihr dürft euch nicht bemühen 

noch sorgen Tag und Nacht, 

wie ihr ihn wollet ziehen 

mit eures Armes Macht. 

Er kommt, er kommt mit Willen, 

ist voller Lieb und Lust, 

all Angst und Not zu stillen, 

die ihm an euch bewusst. 

  

Auch ich staune über „das geliebte Lieben“, 

mit dem Gott mich angesprochen, besucht und „umfangen“ hat. 

Gott ist mein Freund. 

Er nimmt mich in den Arm wie ein Vater oder eine Mutter. 

Sein Trost ist unersetzlich. 

Er kennt alle Angst und die Not dieser Welt und kann mein 

Schicksal wenden. 

 

Es steht nicht in unserer Macht, Gottes Kommen zu erzwingen, 

das ist auch gar nicht nötig, weil ihn die Liebe zu mir treibt. 

Die Sorge um mich, um mein Leben und um mein Seelenheil, 

bringt Gott in diese Welt. „Er kommt, er kommt mit Willen, 

ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an 

euch bewusst.“ 

 

Nichts bleibt ihm verborgen von meinem Leben, keine Schuld, 

kein Leid, keine Träne. 

Er kennt all meine Freude und auch jeden Kummer. 

Und liebt mich - trotzdem. 

Liebt mich nach Hause. 

Seine Liebe treibt ihn zu mir und seine Liebe zieht mich heim zu ihm. 

 

Ist das nicht Grund genug, dankbar zu sein? 

Und diesem Herrn zu dienen, ihm Ehre zu machen, 

ihm Respekt zu erweisen, seinen Willen zu erfüllen 

und alles daran zu setzen, dass mir seine Zuneigung erhalten bleibt? 

 

Muss ich mich dann noch fürchten vor dem Weltgericht, 

oder kann ich diesem Ereignis nicht vielmehr getrost und froh 

entgegengehen, wenn der Richter zugleich mein Heiland und 

Erlöser ist? 

 

Paul Gerhard hat eine konkrete Vorstellung, wie diese Welt einmal 

zu Ende geht:

Ja, wirklich, es geht durch Feindschaft und Schrecken hindurch. 

Aber am Ende steht die Einladung des Königs in seinen 

Freudensaal. Wer ihn heute (noch vor seinem Tod) liebt und sucht, 

der wird dort dabei sein.

 „Mit Gnad und süßem Licht“ leuchtet Jesus uns heim. 

Denn wir sind hineingenommen in seine Zusage: „So sehr hat Gott 

die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, 

die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige 

Leben haben.“ 

 

In diesem Sinn wird uns jede Adventszeit zur Heilszeit. 

In diesem Sinn wird uns jedes Licht am Adventskranz zum Hinweis 

auf das Licht von Jesus. 

Davon soll euer Leben künden, auch jetzt in diesen Tagen, 

gerade auch im Seniorenheim. Amen 

 

 

EG 11,8-10 Auch dürft ihr nicht erschrecken 

 

Wir singen noch die Strophen 8 bis 10: 

8. Auch dürft ihr nicht erschrecken 

vor eurer Sünden Schuld; 

nein, Jesus will sie decken 

mit seiner Lieb und Huld. 

Er kommt, er kommt den Sündern 

zu Trost und wahrem Heil, 

schafft, dass bei Gottes Kindern 

verbleib ihr Erb und Teil. 


9. Was fragt ihr nach dem Schreien 

der Feind und ihrer Tück? 

Der Herr wird sie zerstreuen 

in einem Augenblick. 

Er kommt, er kommt, ein König, 

dem wahrlich alle Feind 

auf Erden viel zu wenig 

zum Widerstande seind. 

 

10. Er kommt zum Weltgerichte: 

zum Fluch dem, der ihm flucht,  

mit Gnad und süßem Lichte  

dem, der ihn liebt und sucht. 

Ach komm, ach komm, o Sonne, 

und hol uns allzumal 

zum ewgen Licht und Wonne 

in deinen Freudensaal. 

   

Text: Paul Gerhardt 1653 

Melodie: Johann Crüger 1653




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Christvesper, Christuskirche Dennach (Pfr. Held)
16:30 Uhr:
Waldweihnacht an der Schwanner Warte: Familiengottesdienst mit Weihnachtsstück (KiGo-Team & Jan Hunsmann)
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Dienstag, 25.12.2018
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