2010-08-08

Predigt über Philipper 3,7-14 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Brief des Apstels

Paulus an die Gemeinde in Philippi, Kapitel 3, die Verse 7-14:

„7 Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden 

erachtet. 8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der 

überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinet-

willen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für 

Dreck, damit ich Christus gewinne 9 und in ihm gefunden werde, dass 

ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, 

sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerech-

tigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.1 10 Ihn möchte ich 

erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner 

Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, 11 damit ich gelange 

zur Auferstehung von den Toten.

12 Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; 

ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von 

Christus Jesus ergriffen bin. 13 Meine Brüder, ich schätze mich selbst 

noch nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich 

vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da 

vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis 

der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.“

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

da sitzt einer wegen seines Glaubens im Gefängnis und 

muss mit dem Schlimmsten rechnen. 

In dieser Lage macht er eine Bilanz seines Lebens, eine Gewinn-

und Verlustrechnung: „Es könnte sein, dass ich schon bald mein Leben 

verliere. 

War es richtig, wofür ich gelebt habe? 

Ist es mein Glaube wert, dass ich dafür jetzt im Gefängnis sitze?“

Vielleicht gäbe es für ihn noch eine Chance, wenn er seinen Glauben 

widerrufen würde. Dann würde er sein Leben nicht verlieren und seine

Freiheit wieder bekommen!

Dann hätte sein Leben noch eine Zukunft. 

Er hat doch noch so viel vor!

Paulus schreibt unseren Brief an die Gemeinde in Philippi aus einer

Gefangenschaft, vielleicht in Rom, wo er auf seinen Prozess wartet

oder aus einem Gefängnis in Ephesus. 

Vielleicht gibt es ja den einen oder anderen, 

der jetzt beim Hören auch mit seinem baldigen Tod rechnen muss. 

Aber die meisten von uns sind bestimmt nicht in so einer dramatischen 

Lage. 

Trotzdem stellt sich für uns früher oder später die gleiche Frage: 

Was steht am Ende meines Lebens: Gewinn oder Verlust?

Einzelne von uns haben auch schon erlebt, was Insolvenz und Konkurs

bedeuten, geschäftlich oder privat. 

Vor diesem Hintergrund ist die Frage noch konkreter: Was kann ich tun, 

damit am Ende nicht der Bankrott meines Lebens festgestellt werden muss?

Wenn es auf diese Weise um Gewinn oder Verlust geht, ist natürlich 

entscheidend, was das in der Summe des Lebens ist, „Gewinn“. 

Oder im Bild des Lebens-Laufs: Welches Lebens-Ziel verfolge ich?

Welches Ziel ist meines Lebens würdig?

Und wie lebe ich dann so, dass ich dieses Ziel auch erreiche, 

dass also am Ende ein Gewinn steht und nicht ein Verlust?

Diesen beiden Grundfragen will ich heute morgen mit ihnen nachgehen: 

1. Das richtige Lebensziel und 

2. Das zielgerichtete Leben.

1. Das richtige Lebensziel

Mit einem dramatischen Satz beginnt unser Predigttext: „Was mir Gewinn

war, das habe ich um Christi willen für Shaden erachtet.“

Paulus hat also irgendwann in seinem Leben sein Lebensziel komplett

ausgetauscht. 

Er ist zu der bitteren, aber heilsamen Einsicht gekommen, 

dass alles, wofür er bisher gekämpft hat, für die Katz war. 

Ja noch mehr, dass es nicht nur Verlust und Schaden war, 

sondern dass es aus heutiger Perspektive Dreck ist, Schmutz, Kot. 

Was muss dieser Paulus in seinem alten Leben für ein Teufel gewesen

sein, dass er so harte Worte findet?

Wenige Verse vorher schreibt er, was ihn früher bestimmt hat. 

Er kommt auf seine untadelige Verwandtschaft zu sprechen: 

- Er stammt unmittelbar aus Gottes Volk, aus Israel, aus dem 

Stamm Benjamin.

- Seine Familie hat ihn vorbildlich erzogen und den göttlichen 

Vorschriften entsprechend beschnitten und gelehrt. 

- Er hat sich diese Tradition zu eigen gemacht, ist der frommen 

Gemeinschaft der Pharisäer beigetreten, die ihren Glauben nicht nur 

äußerlich und liberal leben wollten, sondern mit echter persönlicher

Überzeugung und großem Ernst. 

- Alle haben ihm einen vorbildlichen Lebenswandel bescheinigt. 

Das ist der alte Paulus. 

Und wo ist jetzt der Schmutz (Dreck)?

Auch viele von uns haben doch allen Grund, auf ihre Familie stolz

zu sein, auf ihren ordentlichen Lebenswandel. 

Manche sind sogar gute Kirchgänger und beten selbstverständlich 

jeden Tag. Was soll denn daran jetzt schlecht sein?

Es überrascht wahrscheinlich jeden, wie scharf hier Paulus über diese

Einstellung urteilt. Aber wo steckt denn der Wurm?

Ganz einfach: Alle die großen und wirklich beeindruckenden 

Lebensleistungen sind auf seinem eigenen „Mist“ gewachsen.

Der Blick des Menschen, auch des Menschen vor Gott, 

ist hier ganz auf die eigenen Errungenschaften ausgerichtet: 

„Schaut her, wie rechtschaffen ich bin. Ja, Gott, schau her: Ich habe mir 

alle Mühe gegeben.“

Ein solcher Mensch braucht Christus nicht. 

Er braucht vielleicht ein bisschen göttliche Hilfe, um die gröbsten 

Fehler auszubügeln, aber im Grunde hält er sich schon für ganz ok.

Pastor Heinrich Kemmner aus Krelingen hat das einmal die 

„stinkende Selbstgerechtigkeit“ des Menschen genannt. 

Nur, was stinkt denn da?

Es ist (1) eine gnadenlose Selbstüberschätzung: „Mensch, hast du dich

schon vor dem heiligen Angesicht Gottes gesehen?“

Und es ist (2) in dieser Selbstüberschätzung ein Nichternstnehmen Gottes. 

Warum? - Wenn Gott uns einen Spiegel vorhält, der uns unsere 

rettungslose Verlorenheit klar macht, dann ist das einfach Widerspruch

gegen Gott, wenn wir sagen: „Ach, so schlimm ist es doch nicht. 

Das schaffe ich schon.“

Und es nimmt (3) Jesus nicht ernst.

Warum musste der denn sterben? - Weil wir so nette Typen sind?

Weil wir ein bisschen moralische Unterstützung brauchen?

Für Paulus ist seit seiner Begegnung mit Christus vor Damaskus klar: 

„Was ich hier bei Jesus gewonnen habe, das ist so unvergleichlich, 

dass ich kaum noch verstehen kann, wie ich früher gemeint habe, 

auch ohne ihn zurecht kommen zu können. 

„Das richtige Lebensziel? - Da fällt mir nur noch Christus ein. 

So hat es Gott mir gezeigt. Alles andere kannst du vergessen!“

Und zu dem Unvergleichlichen dieses Lebensziels gehört etwas 

Besonderes: Dieses Ziel gibt‘s geschenkt!

Das gibt es nur als Geschenk. 

Ich darf allen selbst gesteckten und selbst erreichbaren Zielen 

getrost den Abschied geben. 

Wenn ich Gott wirklich Gott sein lasse und nicht mehr versuche, 

ihn vor meinen Karren zu spannen, dann wird sichtbar, was ER will: 

Mich retten! - Und wie er es will: Für mich umsonst. 

Anders geht es nicht!

Was bedeutet dieses Geschenk?

Paulus sagt es hier im Philipperbrief so:

- Ich bin von Jesus Christus ergriffen. Er hat die Gemeinschaft mit 

mir hergestellt. In meiner Bekehrung ist es Wirklichkeit geworden. 

- Gott hat mich in Christus berufen. Nicht ich habe mich zum Christen 

gemacht. 

- Gott rechnet mir die Gerechtigkeit von Jesus Christus zu. Nicht ich

habe mich als rechtschaffener Christ erwiesen. 

Immer wieder malt uns Paulus diese grundlegenden Fakten unseres

Glaubens vor Augen. Er schreibt es Christen, die er herzlich gern hat. 

Aber eben auch Menschen, die nur allzu leicht anfangen, 

sich auf ihren Glauben irgendetwas einzubilden!

Wer damit anfängt, steht am Ende mit leeren Händen da. 

Aber wer in Christus gefunden wird, dem ist der Siegespreis zugesagt. 

Die vollendete Gemeinschaft mit Christus wird von Gott selbst zugesagt. 

Mit dieser Besinnung auf das richtige Lebensziel ist unsere Predigt 

aber noch nicht am Ende. 

Hätten wir es mit der kaufmännischen Gewinn- und Verlustrechnung

zu tun, könnten wir jetzt vielleicht schließen: Die Gemeinschaft mit 

Christus ist im Glauben hergestellt. Damit ist alles geklärt. 

Aber jetzt ist diese Gemeinschaft mit Christus kein „Ding“, 

das ich fertig in die Tasche stecken kann, sondern etwas Lebendiges. 

Und etwas Lebendiges ist in Bewegung. 

Deshalb brauchen wir eine zweite Zielangabe: 

2. Das zielgerichtete Leben

Wie können von Christus ergriffene Menschen so leben, 

dass die Gemeinschaft mit Christus lebendig bleibt?

Dazu ein paar Beobachtungen: 

Zunächst einmal: Sie schielen nicht ständig zurück!

„Ich vergesse, was dahinten liegt!“, sagt Paulus in Vers 13. 

Das gilt im Guten wie im Schlechten!

Die einen sind wie gebannt von ihren Schlechtigkeiten, 

die sie früher ohne Jesus problemlos tun konnten. 

Die anderen feiern ihre alten Siege mit Jesus. 

Die einen kommen von alter Schuld nicht los, 

den Entbehrungen in der Kindheit. 

Die anderen träumen von den guten alten Zeiten in der Gemeinde. 

Paulus schaut nach vorne. 

Und das, während er im Gefängnis sitzt und mit dem Tod rechnen muss!

Er lässt sich die Zukunft von niemandem rauben, 

auch nicht von Gefangenschaft und Tod. 

Denn das ist das Zweite: Paulus bleibt ganz nüchtern und bescheiden. 

Auch ein Christ, der das richtige Ziel kennt, ist noch unterwegs. 

Noch ist die Herrlichkeit von Gottes Reich nicht sichtbar. 

Auch Paulus kennt keine Abkürzung, 

auch er ist noch unvollkommen. 

Das alles kommt erst noch. Deshalb gibts ja auch noch viel zu hoffen.

Ein Ziel, auf das wir zuleben!

Deshalb können Christen in einer Welt voller Druck und Not  fröhlicher

sein, weil sie wissen: Das Beste kommt nocht!

Gefährlich wird es nur bei denen, die meinen schon am Ziel zu sein

und die sich deshalb einfach so treiben lassen. 

Deshalb schreibt Paulus drittens von der Anstrengung, die auch im 

Christsein steckt. 

„Nachjagen“ übersetzt Luther diese Lebensstruktur.

„Eilen, rennen, etwas erreichen wollen“, könnten wir auch sagen. 

Das hört sich tatsächlich nach Anstrengung an, ist es auch. 

Christsein ist kein Spaziergang, es kann in dieser Welt etwas kosten, 

für manche viel kosten!

Aber Paulus macht das trotzdem keine Angst. 

Er verfällt auch nicht in Leistungsstress, 

weil er ja von der Gemeinschaft mit Christus herkommt:

Christus hat ihn ja schon längst ergriffen und wird ihn auch nicht wieder

loslassen. 

Das ist die Gewissheit, die ihn trägt - mitten in aller Mühe, 

die auch ihm das Glaubensleben macht. 

Wie weit Paulus darin alle selbst gesteckten Ziele preisgibt, 

das merken wir abschließend in Vers 10 und 11: 

„Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung

und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode

gleich gestaltet werden - damit ich zur Auferstehung von den Toten 

gelange.“ 

Christus will er erkennen!

Ganz in der Gemeinschaft mit Christus aufgehen!

Da öffnet sich der Himmel und die Auferstehung kommt in den Blick. 

So sieht zielgerichtetes Leben aus. 

So lässt sich die dunkle Todeserwartung aushalten: Im Blick auf die 

himmlische Herrlichkeit, die denen, die glauben, durch Christus

garantiert ist. 

Aber den auferstandenen Jesus gibt es nur auf dem Weg des Leidens

und des Todes. 

Wenn ich Gemeinschaft mit Jesus haben will, dann habe ich auch 

Gemeinschaft mit seinen Leiden und seinem Tod!

Natürlich auch mit den Früchten seines Leidens uns Sterbens:

Mit der Kraft der Gnade und der Vergebung!

Aber wenn ich es richtig sehe, gehts Paulus hier vor allem darum, 

dass ich als Christ auch bereit sein muss, schwere Wege zu gehen, 

wenn ich mir von Gott sagen lasse, wohin die Reise geht. 

Sie sind deshalb erträglich, weil es Gottes Wege sind, 

weil es die Wege von Jesus sind, 

auf denen er dabei ist. 

Das gilt in der Partnerwahl (dass ich als Christ nur einen gläubigen 

Partner suchen will, auch wenn es davon deutlich weniger gibt), 

in der Berufswahl (wenn ich spüre, dass Gott mich nicht als Handwerker 

oder Angestellten will, sondern dass ich auf eine Bibelschule gehen sollte

oder Theologie studieren und mich an einen Platz stellen lassen, den ich 

mir heute noch überhaupt nicht vorstellen kannn ...), 

aber schon im ganz Alltäglichen, wenn es darum geht, dass ich mich 

mutig zum Glauben an Jesus bekenne (wenn der Papa das blöde findet

oder sich die Klassenkameraden dann lustig über mich machen ...)

Christsein bedeutet immer wieder auch schwere Wege gehen

und wir reden das nicht schön. 

Aber mit Jesus kann ich sie aushalten, ja noch mehr: 

Mit Jesus kann ich sie überwinden, 

weil ich weiß, dass sie nicht das letzte Wort in meinem Leben haben werden. 

Am Ende steht mein Herr, der mich in seiner herrlichen Gegenwart

in Empfang nimmt.  ( - ) 

Wonach jagen Sie in ihrem Leben?

Wie sieht ihre persönliche Gewinn- und Verlustrechnung aus?

Paulus stellt uns das Leben mit einem einzigartigen Ziel vor, 

der Gemeinschaft mit Jesus, dem Sohn Gottes (3,13f): 

„Eines sage ich euch: Ich vergesse, was dahinten ist

und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist

und jage nach dem vorgesteckten Ziel, 

dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes

in Jesus Christus.“

Amen

(Diese Predigt übernimmt die Vorarbeiten von Pfarrer Dr. Wolfgang Becker, Nümbrecht)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.11 - 21.11.2108
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