2010-06-13

Predigt über Epheser 2,17-22 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Brief des 

Apostels Paulus an die Epheser, Kapitel 2, die Verse 17-22:

„17 Und er (der Sohn Gottes, Jesus) ist gekommen und hat im Evangelium 

Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. 

18 Denn durch ihn haben wir alle beide in "einem" Geist den Zugang zum Vater. 

19 So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger 

der Heiligen und Gottes Hausgenossen, 20 erbaut auf den Grund der 

Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, 21 auf 

welchem der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen 

Tempel in dem Herrn. 22 Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer 

Wohnung Gottes im Geist.“

"So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, 

sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen."

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

ist es nicht ein tolles Gefühl, wenn man dazugehören darf? 

Ich weiß nicht, ob sie schon mal das Gefühl gehabt haben, 

ein Außenseiter zu sein. 

Ihr Konfirmanden kennt das vielleicht aus der Schule: 

Da gibt es manchmal Klassenkameraden, die finden keine Freunde. 

Sie werden so gut wie nie in eine Mannschaft gewählt, 

sondern vom Lehrer irgendwo zugeteilt. 

Und immer gibt es Gemaule: 

„Ach, der soll bleiben, wo der Pfeffer wächst!“

Im Betrieb gibt es manchmal Mitarbeiter, die von anderen 

geschnitten werden. Aus welchem Grund auch immer sind sie wie 

ein Fremdkörper, gehören nicht dazu. 

Vermutlich ist es für sie sehr schwer, eine solche Situation zu ertragen.

Die Christen in Ephesus kennen das auch - sogar in zweifacher Hinsicht. 

Einige von ihnen haben früher zur jüdischen Gemeinde gehört. 

Aber seit sie Christen geworden sind, werden sie dort wie Aussätzige 

behandelt. 

Die meisten von ihnen waren früher angesehene Leute in der Stadt, 

waren Kaufleute, Händler, gute Nachbarn. 

Aber seit sie Christen geworden sind, wollen die anderen nichts mehr 

mit ihnen zu tun haben, behandeln sie, als ob sie Fremde wären.

Der Apostel sagt: Wundert euch darüber nicht. 

Jesus ist es nicht anders ergangen. 

Er war auch nur Gast und Fremdling in dieser Welt. 

Aber eines wird euch trösten: Wenn ihr auch nicht mehr richtig zu 

dieser Welt gehört, so gehört ihr doch jetzt ganz und gar zu Gott selbst.

Ihr werdet jetzt in dieser Welt wie Gäste und Fremdlinge behandelt, 

aber ihr seid jetzt Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. 

Für euch hat sich etwas Entscheidendes im Leben verändert. 

Jetzt seid ihr Mitbürger im Reich Gottes und Familienangehörige bei Gott, 

Brüder und Schwestern von Jesus Christus selbst. 

Was für eine Ehre! 

Das heißt konkret: Ihr neuen Konfirmanden seid in unserer Gemeinde 

nicht mehr Gäste und Fremdlinge, ihr seid im Glauben an Jesus 

Brüder und Schwestern. 

Und wenn jemand aus einem anderen Land nach Deutschland 

gekommen ist, 

dannn ist er für uns keine unbekanntes Wesen,

sondern willkommen am Tisch des Herrn. 

Er oder sie gehört zu uns, als ob das nie anders gewesen wäre. 

Und umgekehrt: Wir Dennacher / Schwanner sind für diese zugezogenen

Mitchristen auch keine Fremdlinge, sondern ihre Mitbürger. 

Egal wo jemand einmal beheimatet gewesen ist - alle, die ihr jetzt Gottes 

Wort hört und seiner Einladung gefolgt seid, 

seid nicht mehr Gäste und Fremdlinge im Haus des Herrn, 

sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. 

Wenn wir das nur immer leben würden!

(Bezug zu einer Besuchreise nach Albanien in den Pfingstferien: 

Kein Wort deutsch miteinander gesprochen, 

kein bischen genetisch verwandt, 

und doch durch den Glauben an Jesus Christus Geschwister ...)

Ich glaube an diesem Pauluswort eines begriffen zu haben: 

Im Reich Gottes spielen kulturelle Unterschiede keine Rolle mehr. 

Sprache, Rasse, Herkunft und Geschlecht stellen keine Trennlinien 

mehr dar. Ob rot, gelb, grün oder schwarz, ob dick oder dünn, 

reich oder arm, groß oder klein: Die Jesus nachfolgen, sind nicht 

mehr „Gäste und Fremdlinge“, sondern Mitbürger der Heiligen 

und Gottes Hausgenossen:

Eine bunte Vielfalt von Menschen, die den Glauben an Jesus Christus 

miteinander teilen, nehmen am Tisch des Herrn Platz.

Sie brechen miteinander das Brot. Sie trinken aus dem einen Kelch. 

Sie beten zu dem einen Herrn. 

Sie sind erfüllt von dem einen Geist, der an Pfingsten über sie alle 

ausgegossen worden ist.

Ein schönes Bild, ein buntes Bild, ein visionäres und sicher auch 

zukunftsträchtiges Bild von Gemeinde Jesu Christi in dieser Welt. 

Ein Bild, das uns helfen sollte, zum Frieden zwischen gesellschaftlichen 

Gruppen, zwischen Rassen, Völkern und Nationen beizutragen. 

Ein Bild, das uns sagt: nicht Ausgrenzung und Abschottung hilft, 

sondern die Suche nach gemeinsam getragener Verantwortung für 

diese Welt, nach gemeinsamer Missionarbeit. 

Das Bild vom Tisch, an dem wir nicht mehr Gäste und Fremdlinge sind, 

sondern Brüder und Schwestern, Mitbürger und Gottes Hausgenossen 

wird von Paulus noch um einen Schritt erweitert. 

Er sagt: "Ihr seid außerdem ein Bau, erbaut auf dem Grund der Apostel 

und Propheten." 

Kirche und Gemeinde Jesu in dieser Welt gleicht nicht nur einem Tisch 

an dem viele Platz haben, sondern auch einem wundervollen Haus, 

einem kostbaren Kirchengebäude. 

Wir glauben nicht allein, heißt das. 

Wir glauben zusammen mit vielen anderen. 

Wir sind auch nicht die erste und einzige Generation, 

die diesen Weg beschritten hat. 

Es gibt viele Christen vor uns, Mütter und Väter im Glauben, 

wie es hoffentlich auch viele Christen nach uns geben wird, 

die ebenfalls zum Haus Gottes gehören.

Bei der heute lebenden Generation von Christen habe ich manchmal 

den Eindruck, manche leben ihren Glauben, als ob sie das Christsein 

erst vor kurzem erfunden hätten. 

Manche leben ohne Geschichtsbewusstsein, 

so als ob ihre neue Gemeinde die erste wahre Christenheit wäre 

seit den Aposteln. 

Junge und manchmal auch ältere Christen leben ohne Respekt 

und Ehrfurcht vor den Leistungen unserer Vorfahren:

Die Kirchengebäude, Glocken und oft auch Kunstwerke in 

den alten Kirchen, gewachsene Gottesdienstformen,  Liedschätze, 

Literatur, Musik - so vieles verdanken wir der Opferbereitschaft, 

der Hingabe und dem Glaubensmut unserer Väter und Mütter.

Sie haben für ihren Glauben an Gott und Jesus oft ihr Äußerstes 

gegeben!

Sind wir uns dessen eigentlich bewusst? 

Und sind wir bereit, dieses Erbe mit Hochachtung zu sehen und 

behutsam - aber mit dem gleichen Eifer und derselben Hingabe an 

Jesus  - in die Zukunft weiterzuentwickeln?

Vor allem aber: Es auch weiterzugeben an die nächsten Generationen?

Das ist meine andere Sorge, dass wir vor lauter Beschäftigung mit 

uns selber die nächste Generation vergessen. 

Sie soll ja weiterbauen am Haus Gottes. 

Sie soll ja auch als lebendige Steine eingefügt werden in den 

großartigen Bau. 

Sind wir den Kindern und Familien in unserer Gemeinden, 

auch gerade denen, die mit Schwierigkeiten kämpfen, mit Scheidung 

und Hartz IV, so freundlich und einladend zugewandt

in unserer Gemeinde, in den Hauskreisen, beim Blick in die Nachbarschaft, 

dass die nächste Generation Lust und Freude bekommt, 

an diesem Werk Gottes teilzuhaben? 

Ich hoffe doch, unsere Konfirmanden haben bereits gespürt, 

dass wir uns viel Mühe mit ihnen geben wollen. 

Wir wollen in diesem Jahr gerne für jeden Konfirmanden einen Paten 

in der Gemeinde suchen, der für ihn da ist und auch für ihn betet ...

Nächsten Mittwoch werden wir Visitenkarten mit einem Bild herstellen und

sie an Gemeindeglieder weitergeben, dass sie Euch auch ganz konkret

vor Augen haben und jeden Tag genau für diesen Konfirmanden, 

dessen „Visitenkarte“ sie zuhause haben, beten ...

Schon bald werdet ihr Konfirmanden intensiv unsere Jugendgruppen 

entdecken dürfen, ab dem Konficamp steht euch der Teenkreis offen ...

Und nach den Ferien geht es weiter mit dem Gemeindepraktikum. 

Dann noch das Konfi-Wochenende, Jugendgottesdiennste und 

schließlich im nächsten Frühjahr das Fest der Konfirmation. 

Und dazwischen immer wieder: Erfahrungen und Begegnungen mit 

gelebtem Christsein. 

Alle unsere Mühe hat also etwas zu tun mit diesem Pauluswort im 

Epheserbrief: Ihr seid ein Bau, erbaut auf den Grund der Apostel 

und Propheten. Ich finde das Bild von Kirche, das uns der Apostel

hier vor Augen führt, total faszinierend. 

Es ist auf eine große Zukunft angelegt. 

Stellen Sie sich mal eine große historische Kirche mit sichtbaren 

Steinquadern vor: Ein Stein passt zum andern. 

Einer trägt den andern und wird von anderen getragen. 

Ein Stein für sich allein ist keine Kirche. 

Jeder Stein ist wichtig und hat seine Aufgabe. 

Da gibt es Wände in der Kirche, auf denen ein enormes Gewicht liegt

und die vieles tragen. 

Es gibt Dachziegel, die den anderen Schutz bieten.

Es gibt Fenstersteine, die nach außen hin öffnen, 

und es gibt Türsteine, die einladen, hereinzukommen. 

Durch lebendige Steine (Menschen), die sich „einbauen“ lassen in die 

Gemeinde, wird die Kirche zu einem Haus, das erfüllt ist von Gottes Geist, 

vom Geist der Apostel und Propheten. 

Durch lebendige Steine (Menschen), die sich „einbauen“ lassen in die 

Gemeinde, wird Kirche zu einem Haus, das erfüllt ist von göttlicher Musik, 

ein Haus, in dem jeder Lust hat zu leben, 

wo einer für den andern da ist, 

wo jeder bekommt, was er zum Leben braucht, 

wo man Schutz und Geborgenheit findet, Halt und Orientierung. 

Das Bild vom Tisch und vom Haus Gottes. 

Aber zuletzt, sagt Paulus, gibt es in diesem ganzen Gebäude eine 

entscheidende Stelle. Mit der steht und fällt das ganze Haus. 

Die Übersetzer sind sich an dieser Stelle nicht einig, 

was Paulus meint. 

Spricht Paulus vom Eckstein oder vom Schlussstein? 

Beides macht Sinn. 

Paulus kann sagen: In dem ganzen Kirchengebäude ist Jesus Christus 

der Eckstein. Das ist der Stein, der beim Hausbau als erstes gesetzt wird. 

Er muss genau im Lot sein. 

Nach ihm richtet sich das ganze Gebäude aus. 

Ist da irgend etwas schief oder falsch, 

stimmt die ganze Statik nicht und das Gebäude stürzt ein. 

Paulus sagt: Ihr könnt euch darauf verlassen. 

Fundament und Eckstein ist Jesus Christus. 

Von ihm kommt alles her. 

An ihm richtet sich alles aus. 

Er ist der Messpunkt, von dem aus alles andere beurteilt werden muss. 

Weil er richtig liegt, können auch wir richtig liegen. 

Weil er uns trägt, können auch wir andere tragen. 

Wer sich an ihm orientiert, geht nicht fehl.

Oder Paulus kann sagen: Jesus ist der Schlussstein. 

Im Scheitelpunkt des Chors, an der Spitze der Wölbung wird der 

Schlussstein als letztes eingefügt. 

An ihm hängt alles. Er hält alles zusammen. Auf ihn läuft alles zu. 

Ohne ihn hält das Gebäude nicht. 

Der Schlussstein ist die Vollendung des Ganzen. 

Deshalb wird dieser Stein in Kirchen besonders kunstvoll gestaltet. 

Er soll von weitem sichtbar sein und auf Jesus als den Anfänger und 

Vollender des Glaubens hinweisen. 

Wir sind nicht nur Gäste, sondern Familienmitglieder am Tisch des Herrn. 

Als lebendige Steine sollen wir eingefügt sein in den Bau, 

und ausgerichtet auf den Eckstein oder Schlussstein, der Jesus heißt. 

So sieht Paulus Kirche Jesu Christi in dieser Welt. 

Was für eine Ehre wird uns dadurch zuteil, 

dass wir hier dazugehören dürfen, 

dass Gott seinen Bau nicht ohne uns bauen will. 

Nicht anders will Jesus in dieser Welt wohnen und sein Reich bauen. 

Unser Leben sollen wir öffnen und Gott ein Zuhause geben

in unseren Herzen, Gottesdiensten, in unseren Gruppen und Kreisen. 

Sind wir uns dieser Ehre wirklich bewusst? 

Und haben wir sie schon angenommen?

Dann wissen wir, wer uns berufen hat 

und wir können eine einladende Kirche Jesu Christi sein, 

Gemeinde, in der Menschen Lust haben, zu wohnen. 

Was müssen wir dazu tun?

Dem großen Baumeister unser Leben zur Verfügung stellen 

und unser Gemeindeleben so gestalten, dass Jesus seine helle

Freude hat. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Christvesper, Christuskirche Dennach (Pfr. Held)
16:30 Uhr:
Waldweihnacht an der Schwanner Warte: Familiengottesdienst mit Weihnachtsstück (KiGo-Team & Jan Hunsmann)
18:00 Uhr:
Christvesper, Schlosskirche Schwann (Pfr. Held)
Dienstag, 25.12.2018
9:30 Uhr:
Einsingen zum Weihnachts-GD in Schwann
17:00 Uhr:
Weihnachts-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)