2009-12-24

Predigt über Titus 2,11-14 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Heilig Abend 2009 aus dem 

Titusbrief Kapitel 2, die Verse 11-14:

11 Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen 

12 und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen 

und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in 

dieser Welt leben 13 und warten auf die selige Hoffnung und Erschei-

nung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands Jesus 

Christus, 14 der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste 

von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, 

das eifrig wäre zu guten Werken.“


Liebe Gemeinde, 

anders als in der Weihnachtsgeschichte im zweiten Kapitel des 

Lukasevangeliums beschreibt Paulus hier im Titusbrief die 

Weihnachtsbotschaft mit dem nüchternen Satz: »Es ist erschienen 

die heilsame Gnade Gottes allen Menschen.« 

Wenn man sich jedoch sorgfältig in die Einzelheiten dieses Bibelwortes 

hinein vertieft, beginnt es erstaunlich lebenstauglich zu leuchten. 

In klaren Worten fasst Paulus hier das Geschenk der Heiligen Nacht 

zusammen: 

In der Person Jesu Christi ist Gottes heilsame Gnade erschienen, 

alle Menschen loszukaufen von eigenmächtigen Wegen, 

von Sünde und Gottlosigkeit, von selbstsüchtigen Wünschen, 

von aller Ungerechtigkeit. 

In der Person Jesu Christi ist Gottes heilsame Gnade erschienen, 

alle Menschen zu einem gesunden Innenleben zu befähigen, 

alle Menschen zu einem gesunden, gemeinschaftsgerechten 

Verhalten zu bewegen und 

alle Menschen in eine begeisterte Haltung des Staunens, 

der Anbetung und der Hingabe an Gott zu führen 

bis Jesus wiederkommt. 

Kurz gesagt: In der Person Jesu ist in der Heiligen Nacht 

Gottes heilsame Gnade erschienen, 

alle Menschen abzubringen von einem scheiternden Leben und

sie zu gewinnen für ein erlöstes Leben. 

Was das heißt, lässt sich am Beispiel von Maria, der Mutter Jesu, 

durchbuchstabieren. 


1. Mit der Geburt Jesu Christi überwindet 

Gottes heilsame Gnade unsere Distanz zu Gott

Am Anfang des Lukasevangeliums wird uns erzählt, dass Maria, 

die Verlobte des Zimmermanns Josef aus allen Wolken fiel, 

als der Bote Gottes ihr ankündigt hat: 

»Begnadete, der Herr ist mit dir! 

Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. 

Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, 

und du sollst ihm den Namen Jesus  (= ›Retter‹) geben. 

Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; 

und Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben 

und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, 

und sein Reich wird kein Ende haben.« 

Maria fiel buchstäblich aus den Wolken bei dieser aus dem 

Himmel gefallenen Gnade. 

»Sie erschrak und fürchtete sich« berichtet Lukas. 

So sehr hatte die »Gnade Gottes« die Distanz zu Gott verkürzt. 

Als »heilsam« kam Maria diesen Eingriff in ihre Privatsphäre 

überhaupt nicht vor! 

Sie, die unberührte Jungfrau, sollte ein Kind zur Welt bringen, 

das gar nicht ihres war und das sie gar nicht vorgesehen hatte. 

War das Gottes »heilsame Gnade«? 

Brachte diese aus den Wolken gefallene Gnade 

nicht ihre ganze Lebensplanung durcheinander? 

Ungewollt schwanger – das war damals eine richtige Katastrophe! 

Wie sollte sie das ihrem Verlobten Josef schonend beibringen? 

Würde der sie nicht auf der Stelle verlassen? 

Eine schöne Bescherung, eine schöne - »heilsame« - Gnade war das! 

So eine Bescherung, die den Beschenkten peinlich berührt, 

lässt man doch am liebsten gleich ausfallen. – 

Kennen wir das auch, solche »schönen Bescherungen«?

Ein Ehepaar geht mit den Kindern am ersten Christfesttag die Oma 

besuchen. Natürlich müssen sie ein Geschenk mitnehmen. 

Beim letzten Einkauf im Tchibo-Laden hatte man ihnen als Werbe-

geschenk ein so genanntes »Gewürz-Set« angedreht, 

eine Scheußlichkeit aus grüner Plastik, 

wo die Löcher fürs Salz zu groß und für den Pfeffer zu klein waren, 

also genau das richtige Geschenk für eine siebzigjährige Dame, 

die in ihrem Schrank mindestens zehn Salzstreuer aus Holz, Glas, 

Silber und Porzellan hat. 

Die Oma bedankt sich: »Nein, so was Niedliches! Und so praktisch!« 

Dazu die Kinder im Chor: »Und so billig!« – Schöne Bescherung! 

Peinlich!

Wie gesagt -, Maria empfand ihre schöne Bescherung, ihre 

»heilsame Gnade« gar nicht so »heilsam«. 

Was ist eigentlich »Gnade«? 

»Gnade« ist ein freundliches Geschenk. 

Wenn wir schenken, richtet sich unser Schenken danach, was uns der 

andere wert ist. 

Die Frau oder Freundin kriegt eine Flasche kostbaren Parfüms. 

Die Mama eine Flasche Livio-Öl. 

Die Oma, wie gesagt, ein Fläschchen Salz. 

Die kleine zickige Schwester ein Fläschchen Liebesperlen und die 

Nachbarin kriegt gar nichts, weil die sowieso eine alte Flasche ist. 

Alles ist genau abgestuft: Wer lieb war, kriegt was. 

Von wem wir nichts haben, der hat von uns auch nichts zu erwarten. 

Bei Gott aber ist das anders. 

Gott schenkt das, was wirklich notwendig ist. 

Er schenkt keinen Ramsch. 

Das musste Maria erst verstehen lernen. 

Die Geburt Jesu Christi, des Sohnes Gottes, war ja wirklich Gottes 

»heilsame Gnade« für alle Menschen. 

Und dazu musste Gott bei Maria - die Distanz - erst einmal überraschend 

schroff verkürzen. 

2. Mit der Geburt Jesu Christi befähigt uns Gottes 

heilsame und rettende Gnade gedeihlich zu leben

Es gilt, was es in einem alten Weihnachtslied heißt: 

»Welt ging verloren, Christ ist geboren.« (EG 44,1). 

Welt ging verloren. 

Maria war bei der Nachricht des Boten Gottes sehr schnell klar, 

worum es bei diesem Gnadenbesuch Gottes in ihrem Leben ging. 

Judäa war von den Römern besetzt. 

Die Welt sehnte sich nach dem Retter, der aus alt neu machen konnte. 

Ja, verloren - war diese Welt damals, als Jesus geboren wurde. 

Muss ich heute darüber noch viele Worte verlieren? 

Dass die Welt kaputt ist, sieht doch jeder jeden Tag:

In unserer wirtschaftlich angespannten Lage gehen Firmenexistenzen 

in die Brüche und damit auch Familien. 

Menschen kommen leiblich und seelisch bis an ihre Grenzen und 

drohen zu scheitern. 

Viele sehnen sich, weil ständig alle Grenzen rücksichtslos überschritten 

werden, nach einem geheilten Leben. 

Nun wissen wir, dass Heilung sich längst nicht auf unser leibliches 

Wohlbefinden reduzieren lässt. 

Heilung ist viel mehr, sie umfasst auch unser seelisches Gleichgewicht 

und unsere geistige Ausgeglichenheit. 

Das Christfest erinnert uns an die großartige Tatsache, 

dass sich Gott in Jesus Christus in der Heiligen Nacht als der Heiland 

an die dem Tod verfallene Welt verschenkt hat. 

Dieses Weihnachtsgeschenk ist die Grundlage für unsere Rettung. 

Das ist die »heilsame Gnade«, 

das ist ein »seliger Tausch« (Martin Luther). 

Er lässt sich in unser Verhängnis stellen und wir gehen frei aus. 

Wenn wir dieser Botschaft Gottes glauben

und dem auferstandenden Jesus nachfolgen!

Haben wir nicht die Dramatik der Heiligen Nacht durch eine Geschenke-

Austausch-Aktion weithin verharmlost? 

Konnte Jesus - uns nicht einfach durch seine göttliche Macht erretten, 

ohne in diese Welt zu kommen und zu sterben? 

Nein, Hilfe musste von außen in diese Welt kommen, 

damit sich wirklich etwas »heilsam« ändern kann. 

Denn wir alle verfehlen von Natur aus unser Leben 

so wie Gott es ursprünglich für uns vorgesehen hatte. 

Wir verirren uns in die Sünde und kommen aus eigener Kraft nicht frei. 

Deshalb musste Jesus in diese todverfallene Welt kommen und sein 

Leben geben, um unsere Sünde aus der Welt zu schaffen. 

Wer dieses Geschenk Christi voller Vertrauen annimmt, 

der ist in alle Ewigkeit frei. 

Dazu kam Jesus in diese Welt! 

Dazu ist jedem von uns die »heilsame Gnade Gottes« erschienen. 

Ob wir jetzt abwehrend zurückzucken, oder ob wir mit Maria sprechen: 

»Mir geschehe, wie du gesagt hast. Ich bin deine Magd, bzw. dein Knecht!«? 

Jesus, der Retter, der Heilmacher und Erlöser, 

ist Gottes großes Geschenk an uns, 

die großen Kaputtmacher. 

Egal, wie kaputt du dich heute Abend fühlst, 

wie kaputt dich andere gemacht haben, 

wie kaputt du andere gemacht hast, 

wie kaputt du dich selber gemacht hast – du hast einen Heilmacher, 

den Heiland der Welt, Jesus Christus. 

»Es ist erschienen die rettende, heilsame Gnade Gottes allen Menschen.« 

Allen, auch dir! 

Egal, wer du bist, woher du bist, was du gemacht hast und wie du lebst – 

du hast einen Heilmacher! 

Den bietet dir Gott heute als Geschenk an. 

Willst du dich beschenken lassen? 

Ich kann dich nur darum bitten: Nimm Jesus als den Herrn und Heiland 

deines Lebens an! 

Damit es in deinem Leben wieder gut wird. 

Es ist doch genug, was in diesem vergehenden Jahr wieder alles 

falsch gelaufen ist und was du an Schuld auf dich geladen hast. 

Es reicht doch. 

Es reicht zum ewigen Aus vor Gott. 

Seit dem Kommen Jesu muss das nicht so bleiben! 

Bitte jetzt doch einfach in deinem Herzen wie ein Kind: »Jesus, komm 

in mein Leben! Vergib mir! Sei du der Herr meines Lebens!« 

Und wenn du noch nie gebetet hast und nicht weißt, wie du das machen 

sollst und was du sagen sollst, dann sag einfach: »Jesus«. 

Nur: »Jesus«. 

Und da packst du alles rein, was du auf dem Herzen hast. 

In der Bibel steht: »Wer nur den Namen des Herrn anrufen wird, 

der soll gerettet werden« (Römer 10, 13). 

Wenn du heute dein Herz an Jesus verlierst, 

dann hast du die Ewigkeit gewonnen. 

So schafft Gottes heilsame Gnade das Liebenswerte. 

Denn wenn du Gottes Liebe wirklich erfasst hast, 

wenn du Gottes Geschenk wirklich angenommen hast, 

dann wirst du von Herzen dankbar. 

Dann weißt du dich auf dieser Welt, um Gott glücklich zu machen. 

Und damit sind wir beim Letzten:

3. Mit der Geburt Jesu Christi motiviert uns Gottes 

heilsame Gnade, begeistert diesem Herrn zu dienen, 

bis er wiederkommt

Schließlich hatte der Bote Gottes Maria mitgeteilt, 

dass sie Jesus, den Sohn Gottes und den Retter zur Welt bringen sollte. 

Er versprach der verunsicherten Frau: »Bei Gott ist kein Ding unmöglich!« 

Da ließ Maria die Gestaltwerdung der heilsamen Gnade Gottes 

bedingungslos - zu mit den Worten: »Siehe, ich bin des Herrn Magd; 

mir geschehe, wie du gesagt hast.« 

Wo Gott aus allen Wolken fällt und in unser Herz fallen darf 

wie in eine Krippe, da gewinnt seine heilsame Gnade Gestalt. 

Da entsteht Neues. 

Da wacht eine ganz große Dankbarkeit auf. 

Da fängt ein Mensch an, vor Hitze wie geschmolzenes Metall zu glühen 

(so wörtlich!), für diesen Herrn zu brennen, 

d.h. sich mit ganzer Kraft für Jesus einzusetzen. 

Maria, die einfache Frau vom Land - hat damals angefangen, ein 

großartiges Loblied zu singen.

Hand auf’s Herz! 

Für wen oder was haben wir uns in den vergangenen vier Wochen 

bis zur Erschöpfung eingesetzt? 

Ein tüchtiger Geschäftsmann, der für seinen eigenen Profit arbeitet, 

schaut nicht auf die Uhr, wenn er ein Ziel erreichen will. 

Haben wir uns in gleicher Weise für Jesus Christus, unseren Erlöser 

eingesetzt? – 

Viele Christen scheinen sich damit zufrieden zu geben, 

so wenig wie möglich für Jesus, ihren Herrn zu tun. 

Sie gestehen sich selbst - sehr viel Freizeit zu, 

um den verschiedensten Möglichkeiten Spaß zu haben nachgehen 

zu können. 

Missverstehen Sie mich bitte nicht! 

Wir alle brauchen Ruhe- und Erholungspausen, 

damit wir körperlich und seelisch fit bleiben. 

Ich zweifle aber daran, dass viele darunter leiden werden, 

Jesus, ihrem Herrn zu lange und zu intensiv gedient zu haben. 

Wenn Sie einmal überdenken, wie viele Stunden Sie am Tag für 

das Gebet, das Lesen in der Bibel, 

das Bekennen Ihres Glaubens aufbringen und anderen helfen, 

können Sie dann aufrichtig sagen, dass Sie »glühen«, Jesus zu dienen? 

Wenn nicht, dann bitten Sie Gott um ein neues Staunen über seine 

große Gnade - und dann - um ein brennendes Verlangen, ihm zu dienen. 

Dann hätte der Heilige Abend für uns wirklich einen erkennbaren Sinn 

gehabt und es bliebe nicht alles beim Alten in dieser Welt. 

Und dann hätte die heilsame Gnade der heiligen Nacht etwas 

Wertvolles hervorgebracht: 

Menschen die »eifrig sind zu guten Werken«, 

bis Jesus, ihr Herr, wiederkommt.  

Amen. 

(Diese Predigt übernimmt die Vorarbeiten von Pfarrer Friedemann Kley)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.11 - 21.11.2108
18:30 Uhr:
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10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schwarze)
Dienstag, 18.12.2018
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Sonntag, 23.12.2018
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Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Heiligabend-GD in Schwann mit Weihnachtsstück (Pfarrer Held)
16:30 Uhr:
Heiligabend-GD in Dennach, besinnlich (Pfarrer Held