2009-12-13

Predigt über Jesaja 35,6-10 / Pfarrer Friedhelm Bühner in Vertretung für Pfarrer Johannes Lange, Missionsbund LICHT IM OSTEN

Das Wort Gottes für diesen Sonntag steht in Jesaja 35, die

Verse 6-10:

„Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie!

4 Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! 

Seht, da ist euer Gott! Er kommt und wird euch helfen.« 5 Dann 

werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben 

geöffnet werden. 6 Dann werden die Lahmen springen wie ein 

Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es 

werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im 

dürren Lande. 10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen 

und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über 

ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, 

und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.“

Liebe Gemeinde!

Ist heute Morgen jemand unter uns, der müde ist? 

Ich meine jetzt nicht die Müdigkeit, die daher kommt, dass einer 

gestern Abend zu lange vor dem Fernseher gesessen hat 

oder noch auf die Weihnachtsbrötle im Ofen warten musste. 

Ich meine eine so mehr generelle Müdigkeit, ein Erschöpftsein. 

Die einen sind erschöpft, weil einfach alles so viel ist, 

etwa auf der Arbeit. - Aber auch Hausfrauen und Mütter erleben das 

und Menschen, die einen schwerkranken Angehörigen in aller Treue 

versorgen: Ich bin erschöpft, es wird mir schier alles zu viel. – 

Andere sind erschöpft, weil sie frustriert sind. 

Immer öfter kommt in ihnen die Frage hoch: Welchen Sinn macht 

das Ganze eigentlich, wofür ich mich einsetze? 

Kommt denn wirklich was Sinnvolles dabei heraus, 

oder ist es nicht letztlich für die Katz? 

Nur heiße Luft, vergebliche Liebesmüh? 

Ist so jemand unter uns? – An den hat Gott schon damals gedacht 

und hat für ihn den heutigen Predigttext durch Jesaja aufschreiben 

lassen: „Stärket die müden Hände“. 

Euch, die ihr müde seid, will ich zu Hilfe eilen und euch stärken.

Ist heute Morgen jemand unter uns, der wankende, weiche Knie hat? – 

Ich meine jetzt nicht die weichen Knie, die daher kommen, dass 

jemand sein Jogging- oder Walkingprogramm trotz guter Vorsätze 

nicht auf die Reihe gebracht hat. 

Nein, ich meine die weichen Knie, die daher kommen, 

dass jemand unsicher ist und so verschiedene Ängste hat. 

Wie viele Ängste huschen doch so durch unsere Seele. 

Da ist die allgemeine Wirtschaftslage, die Finanzkrise und die 

nachfolgende Wirtschaftskrise. Wo führt das noch hin? - 

Aber auch die persönlichen Ängste sind da. 

Die Angst, sich zu blamieren, 

die Angst, eine Aufgabe nicht zu bewältigen, 

die Angst davor, in einem Konflikt das direkte, klärende Gespräch 

zu suchen, die Angst, dass man untergebuttert und ungerecht 

behandelt wird und sich nicht recht dagegen behaupten kann.

Ist heute Morgen jemand unter uns, der so was kennt? – 

An den hat Gott damals schon gedacht und hat für ihn durch Jesaja 

aufschreiben lassen: „Macht fest die wankenden Knie. Sagt den 

verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht!“

Hört sich ja gut an. 

Aber bügelt das nicht doch alles zu schnell glatt? – 

Meine Erschöpfung, wo mir schier alles zu viel wird, 

oder meine tiefe Frustration? 

Oder die Ängste, die doch einfach da sind? 

„Stärket die müden Hände; macht fest die wankenden Knie. 

Saget den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht!“ – 

Das würde ich ja schon gerne an mir erleben, aber wie soll das gehen?

Unser Predigttext sagt es. 

Hören Sie mal weiter. Da heißt es: „Seht, da ist euer Gott! Er kommt!“ – 

Schaut auf Gott. Schaut auf zu ihm. 

Schaut dahin, wo er zu sehen ist, schaut dahin, wo er kommt, 

wo er schon gekommen ist. – 

Ach ja, das ist es doch gerade, das ist ja so schwer. 

Wo ist er denn zu sehen? 

Wo kommt er denn? 

Man merkt und sieht doch so herzlich wenig von ihm, 

ich häng doch voll drin und seh’ eigentlich kein Licht!

„Seht, da ist euer Gott! Er kommt.“ – Liebe Gemeinde, liebe Kon-

firmanden, an einer Stelle ist Gott ganz deutlich zu sehen, 

wirklich klar und deutlich, und da kommt er, 

da ist er gekommen. 

Und das ist Jesus Christus. „Seht, da ist euer Gott. Er kommt.“

Und dann, was passiert dann, wenn er kommt? 

Das wird im Folgenden anschaulich beschrieben:

„5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren 

der Tauben geöffnet werden. 6 Dann werden die Lahmen springen 

wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken.“

Liebe Gemeinde, genau das ist damals geschehen, 

als Jesus Christus auf der Erde war, 

genau das hat Jesus Christus getan, buchstäblich, sichtbar, hörbar. 

Viele hunderte Menschen standen drum herum und sind aus dem 

Staunen nicht heraus gekommen. 

Die Evangelien sind voll davon: Dem blinden Bartimäus, 

er ist uns sogar mit Namen bekannt, hat Jesus das Augenlicht geschenkt, 

oder jenem Bettler, der jahrelang an der Pforte des Jerusalemer Tempels 

gesessen und gebettelt hat. 

Auf einmal ist er sehend in der Gegend herum gelaufen (Joh 9). 

Taubstummen hat Jesus die Ohren aufgemacht und ihnen die Zunge

gelöst, so dass sie normal sprechen konnten (Mk 7,31-37; Mt 9,32f; 12,22). 

Und da war jener Lahme, den seine Freunde mit viel Mühe durch ein Loch 

im Dach zu Jesus hinuntergelassen hatten. 

Zu ihm hat Jesus gesagt: „Steh auf, nimm dein Bett und geh nach Hause“ 

Mk 2) Und so ist es tatsächlich passiert. 

Seht auf Jesus, da ist euer Gott. 

Da ist er gekommen. – Ja, aber was ist davon geblieben? 

Was hat das gebracht? 

Ein paar Leutchen, damals, die hatten Glück gehabt und so ein Wunder 

an sich erlebt. Aber was haben wir davon?

Liebe Gemeinde, solche Fragen tauchen nicht erst heute auf, 

nein, die hat man schon damals gestellt, sogar schon zu Lebzeiten Jesu. 

Da war auch ein Mensch, der hatte müde Hände, weiche Knie 

und ein verzagtes Herz. 

Der saß im Gefängnis und hat auf sein Todesurteil gewartet. 

Es war kein Geringerer als Johannes der Täufer. 

Alle Hoffnungen hatte er auf Jesus gesetzt, 

ja sein Auftrag war es gewesen, das Volk auf Jesu Kommen 

vorzubereiten, auf den großen Retter und König, auf den, 

der alles, alles gut macht, alles umfassend heil und gut macht. 

Und jetzt das: Er selbst, Johannes der Täufer,  

sitzt im Knast, in der Todeszelle. 

Da macht sich eine düstere Frage in ihm breit: Ist Jesus wirklich 

derjenige, welcher? 

Ist Jesus wirklich der große Heiland und Erlöser, 

den wir doch so dringend brauchen und auf den wir doch so 

sehnlichst warten? 

Oder haben wir uns geirrt? Haben wir uns getäuscht? 

Diese Frage brennt Johannes auf dem Herzen. 

Und so schickt er ein paar seiner Jünger, die ihn immer wieder 

treu besuchen, zu Jesus mit der ehrlichen Frage (Mt 11): 

Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen 

warten? – 

Jesus antwortet und sagt zu ihnen: „Geht hin und sagt Johannes 

wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, 

Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und 

Armen wird das Evangelium gepredigt.“ - 

Johannes hat die Heilige Schrift sehr gut gekannt und deshalb 

gleich begriffen: Jesus zitiert in seiner Antwort diese Jesajastelle hier, 

unseren heutigen Predigttext, und macht mit seiner Antwort klar: 

Ich habe diese Prophetie des Jesaja erfüllt 

und sogar noch mehr darüber hinaus getan, 

ich habe sogar Tote auferweckt. 

Damit ist bewiesen: Ja, ich bin es wirklich. 

Ich bin der, auf den ihr gewartet habt. 

Seht, da ist euer Gott. 

Er ist gekommen. 

Und es wird alles, alles gut werden, rundum, 

bis in die äußeren Umstände hinein, 

bis hin zu eurem körperlichen Befinden. 

Das wird kommen, garantiert. 

Ihr dürft fest damit rechnen. 

Davon war jetzt schon einmal was zu sehen und mit Händen zu greifen. 

Was jetzt nur an einigen Menschen geschehen ist und nur für ein paar 

Jahre, das erleben einst alle Menschen, die in seinem Reich dabei sein 

werden, und das wird kein Ende haben.

Aber – aber:  Der Weg zum Ziel, zum großen Gipfel verläuft jetzt nicht 

kerzengerade und glatt gleichmäßig nach oben, 

sondern er führt erst noch durch einige Zwischentäler und über 

Zwischenhöhen, durch Schluchten und über Hügelketten. 

Dann erst wird der große Gipfel erreicht sein. 

So war es für Jesus, und so wird es auch für uns sein. 

Jesu Weg hat zuerst in das tiefe Tal des Todes geführt, 

in den Tod am Kreuz. 

Und dieses Tal zu durchschreiten, war notwendig. 

Denn Jesus wollte und will viel mehr für uns als nur die Befreiung 

von äußerer leiblicher Not, 

er will viel mehr, als dass wir funktionierende Augen und Ohren haben, 

Mund und Beine. 

Er will uns zuerst einmal von der inneren Not unserer Seele befreien. 

Sein erstes Wort zu dem Gelähmten war nicht, „steh auf, nimm dein Bett 

und geh nach Hause“, sondern: „Dir sind deine Sünden vergeben.“ 

Von dieser Not unserer Sünde und Verlorenheit will Jesus Christus 

uns zuerst erlösen. 

Und diese Not ist so viel größer und die Erlösung davon ist so viel wichtiger, 

dass Jesus hier gesagt hat: Die gibt es nicht erst irgendwann später, 

sondern die gibt es gleich, sofort. 

Für jeden, der zu mir kommt und sie mit aufrichtigem Herzen haben will, 

ist sie sofort zu haben, ohne Verzögerung. 

Sofort kannst du die Vergebung der Sünden und die Erlösung 

vom ewigen Verderben erfahren. 

Sofort kannst du darüber Frieden und Gewissheit finden. 

Du brauchst mir nur deine Sünde und Verlorenheit zu bekennen, 

und du brauchst das nur im Glauben anzunehmen, 

dass ich auch für deine Sünde am Kreuz gestorben bin. – 

Was für Jesus ein tiefes Tal war, sein Tod am Kreuz, 

das ist für uns schon eine wunderbare, großartige Höhe, 

von der aus wir einen freien Blick zum Gipfel der Ewigkeit haben können: 

Schon jetzt Vergebung all meiner Sünden haben und die Zusage, 

dass ich durch Jesus freigesprochen bin aus dem kommenden Gericht: 

was für ein wunderbarer, mutmachender Ausblick!

Jesu Weg führte dann aus dem tiefen Tal des Todes hinauf 

auf die Höhe seiner Auferstehung aus den Toten. 

Diese seine Auferstehung ist eine ganz große Ermutigung für die, 

die ihn im Glauben angenommen und zu ihrem Herrn und Gott 

gemacht haben.

„Seht, da ist euer Gott, er kommt“, und mit ihm wird auch eure 

Auferstehung aus den Toten kommen und damit auch die reale Erlösung 

eures Leibes, ewige Freude, wo es keinen Schmerz und kein Stöhnen 

mehr geben wird (vgl. V10). 

Weil Jesus auferstanden ist, werden auch wir auferstehen - 

diese Gewissheit ist wieder so eine wunderbare Höhe, 

von der aus wir schon den freien Blick zum Gipfel der Ewigkeit 

haben können.

Aber bis wir bei diesem Gipfel ankommen, müssen wir noch 

durch manche Täler hindurch. 

Durch Täler der Kraftlosigkeit und Erschöpfung, 

durch Täler der Frustration, 

durch Ängste, innere und äußere Schwierigkeiten, 

durch Täler der Krankheit und durch manch anderes Leid. 

Diese Täler können streckenweise so tief sein, dass wir von dort 

aus den Gipfel schier nicht mehr sehen können. 

Allerdings – während wir diese Täler durchschreiten, 

dürfen wir uns vor Augen halten: Wir rücken dabei trotzdem dem 

Gipfel immer näher, unaufhaltsam. 

Jeden Tag dürfen wir dem Gipfel um ganze 24 Stunden näher kommen, 

egal was unterwegs passiert.

Wenn wir in diesen Tälern drinstecken, dann wird uns eines gut tun: 

uns immer wieder daran erinnern: Ich hab den Gipfel doch schon 

aus der Ferne gesehen. 

Es gibt doch jene Höhen, von wo aus man ihn schon deutlich sehen kann. 

Da ist Jesus und seine Wunder, mit denen er damals unübersehbare 

Zeichen gesetzt hat: Ich mache einst alles heil und neu, rundum. 

Da ist Jesus und sein Tod mit der Zusage: 

Deine Sünden sind dir vergeben, du bist errettet vom ewigen Verderben. 

Und da ist Jesus und seine Auferstehung mit der Zusage: 

Auch du wirst auferstehen. 

Ganz praktisch ist es hier eine Hilfe, wenn wir mitten in unseren Tälern 

innehalten und uns im Gebet vor Augen halten, was wir in Jesus 

Christus haben. 

Was uns auch hilft, ist, wenn wir Stellen in der Bibel nachlesen, 

die uns Jesus Christus vor Augen malen. 

Daraus können wir dann neue Kraft und Zuversicht bekommen, 

damit wir getroster durch unseren Alltag gehen können, 

auch da, wo wir es schwer haben.

Pfarrer Lange, der heute eigentlich die Predigt halten wollte, 

hat mir dieses Beispiel aus der Arbeit des Missionsbundes LICHT IM 

OSTEN  zukommen lassen. 

„So haben das auch unsere Mitarbeiter in Kasachstan erlebt: Ein junge Frau, 

die 220 Kilometer von der großen Stadt Almaty entfernt lebte, hatte eine 

Krankheit mit Lähmungserscheinungen, die immer mehr fortschritt. 

Das Team unserer Mission besuchte sie immer wieder, auch wenn 

der Vater in diesem moslemischen Dorf diesen Besuchern gegenüber 

sehr ablehnend war. 

Trotz aller Versuche, ihr medizinisch zu helfen, starb sie. 

Als unsere Mitarbeiter von ihrem Tod erfuhren, machten sie sich sofort auf, 

um die Familie zu besuchen. 

Als sie sich dem Haus der Familie näherten, fragten sie sich: 

Wie wird man uns nun begegnen, besonders der Vater, der so 

ablehnend war? – 

Als die Tür aufging und unsere Mitarbeiter hereinkamen, wurden sie 

sofort umarmt und gebeten: „Bitte betet mit uns!“ 

Diese Bitte wiederholten sie immer wieder. 

„Wir sind dankbar für euch, ihr habt getan, was ihr konntet, und mehr 

habt ihr uns geschenkt. Unser Kind ist nicht in Depression und Bitterkeit 

gestorben, sondern in Frieden. Ihr habt uns einen wichtigen Weg in 

unserem Leben begleitet und uns eure Nähe geschenkt. 

Bitte verlasst uns nun nicht, kommt bei uns vorbei, besucht uns und betet 

mit uns, das ist so eine große Hilfe. 

Und in unserer Nachbarschaft ist auch eine schwer kranke Frau, bittet 

betet auch mit ihr! Eure Gebete tun uns so gut, und wir lernen von euch, 

wie man beten kann.“ – So haben Menschen es praktisch erlebt, wie der 

Blick auf Jesus Christus sie mitten in Schwerem durchgetragen hat.“

Deswegen, liebe Gemeinde: seid getrost, fürchtet euch nicht, 

mitten in aller Müdigkeit, in aller Angst und allem Verzagen. 

Seht, da ist euer Gott, Jesus Christus. 

Er kommt – und ihr, auch ihr kommt ihm immer näher.

Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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