2009-10-25

Predigt über Markus 10,2-12 / Pfarrer Joachim Kummer, Bösingen

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus Markus 10, die Verse 2-12:

„Und Pharisäer traten zu ihm und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau; und sie versuchten ihn damit. 3 Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten? 4 Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden. 5 Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben; 6 aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. 7 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen, 8 und die zwei werden "ein" Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern "ein" Fleisch.1 9 Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. 10 Und daheim fragten ihn abermals seine Jünger danach. 11 Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; 12 und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe.“

Liebe Gemeinde,

»Ehen werden im Himmel geschlossen« – so lautet der Titel eines Dramas von Walter Hasenclever. Ehen werden zwar im Himmel geschlossen – aber auf Erden gelebt, 

oft erlitten und immer häufiger dann schließlich auch geschieden. 

Unser Predigttext nimmt dieses Thema auf. Dabei kommen drei Ebenen oder auch drei Zeiten in den Blick. 

Diese drei Zeiten gilt es zu unterscheiden, wenn wir Jesu Wort verstehen wollen. Diese drei Zeiten lassen sich leicht bestimmten Personen zuordnen.

1. Adam, 2. Mose, 3. Jesus Christus

1. Adam

Für Adam und Eva ist die Ehe ein Paradies – zunächst wenigstens. Jesus stellt seinen Hörern diese paradiesische Eheordnung vor Augen. Er zitiert, was Gott selbst über die Ehe im Paradies sagt: »Von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.«

Vom Ehejoch ist hier mit keinem Wort die Rede. Mann und Frau sind aufeinander hin erschaffen. Sie brauchen einander. Ja, sie sind erst zusammen vollständig – ein Fleisch. Adam fehlt das Gegenüber, das ihn ergänzt, das ihn ganz macht. Erst mit Eva wird die Schöpfung vollen-det. Die Beziehung der beiden umschreibt die Bibel mit dem Wort »erkennen«. Die tiefste Gemeinschaft, das völlige Einswerden nach Leib, Seele und Geist ist damit gemeint. 

Ein großes Geschenk, das uns Gott hier zugedacht hat: 

Es soll jemanden für mich geben, von dem ich mich verstanden und geliebt wissen darf und dem ich mit gleicher Liebe begegne. 

Die Ehe ist eine Schöpfungsordnung. Sie ist nicht menschliche Erfindung, sie ist nicht ein Zugeständnis an das Animalische im Menschen, an seine Triebstruktur. Die Ehe gehört mit zu dem, was Gott im Anfang »sehr gut« nennt.

Ein Auflösen solch einer innigen Gemeinschaft ist im Paradies schlicht nicht vorstellbar. Jedem Teil würde der andere Teil schmerzlich fehlen und die sehr gute Ordnung wäre grundsätzlich gestört.

Jesus erinnert die Pharisäer an das, was Gott ursprünglich gemeint hat, mit der Ehe. Er zeigt ihnen auf, wie wunderbar Gott das Gegenüber und das Miteinander von Mann und Frau eingerichtet hat, damit sie Gottes gute Absicht erkennen und ihren Schöpfer darüber lo-ben und ihm danken.

Soweit lässt sich unser Text hören, selbst bei einer Traupredigt. Doch gehen wir weiter zur zweiten Ebene.

2. Mose

Wir befinden uns nun »jenseits von Eden«. Da kennen wir uns aus, da sind wir heimisch. 

Vieles von dem, was über die Ehe im Paradies gesagt wurde, gilt auch heute noch: dass sich Mann und Frau nacheinander sehnen, dass sie sich als Hilfe gegeben sind. Gott hat diese Ordnung nicht aufgehoben, sondern auch heute noch sichtbar gesegnet. Die liebende Gemeinschaft von Mann und Frau ist die Keimzelle der Familie. Aus dem Paradies vertrieben, bleibt die Gemeinschaft von Mann und Frau doch bestehen als gute Ordnung Gottes. 

Zugleich aber gilt nun auch das andere: Die Sünde ist in die Welt hereingebrochen. Sie gefährdet alle Beziehun-gen unseres Lebens – auch die Beziehung zu Gott, auch die Beziehung zum Ehemann, zur Ehefrau.

Mann und Frau sind verschieden und haben es oft schwer, einander zu verstehen. Wir alle kennen das aus eigener Erfahrung. 

Wodurch das Verhältnis zwischen Mann und Frau aber im Tiefsten gestört ist, das ist die Sünde selbst:

Unsere Selbstsucht, die nicht den Partner meint, sondern im Partner sich selbst. Unser Mangel an Bereitschaft und Fähigkeit, auch die Schwächen und Fehler des Partners zu tragen.

Von der alle Beziehung zersetzenden Sünde ist aus-nahmslos jede Ehe gekennzeichnet. Der Spaltpilz der Sünde hat sich in jeder ehelichen Gemeinschaft eingenistet. Wie alles menschliche Leben von der Sünde gezeichnet ist, so ist die Ehe davon nicht ausgenommen.

Jenseits von Eden ist es durchaus möglich, dass die Liebe füreinander erkaltet, die Bereitschaft, füreinander einzustehen, zurückgeht und die Hoffnung auf Besserung der Beziehung der Verzweiflung weicht. Ja, es ist sogar möglich, dass wir der Lust auf anderes nachgeben, unserem Ehepartner die Treue brechen und eine Beziehung eingehen, von der wir uns mehr versprechen. Das alles ist möglich. Das alles ist auch unter Christen nicht ausge-schlossen. Es gibt keine Sünde, zu der wir nicht fähig sind, wenn Gott uns nicht bewahrt.

Unsere Gemeinschaft ist prinzipiell gefährdet. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wir sind darauf an-gewiesen, dass Gott seine bewahrende Hand über unserer Ehe hält. Eine selbstgerechte Haltung ist also durchaus nicht angezeigt. Keiner von uns kann von sich sagen: Ich hätte die Versuchung überwunden, in der mein Nachbar zu Fall gekommen ist.

Was aber gilt nun für Mann und Frau jenseits des Para-dieses? Das ist die Frage der Schriftgelehrten. Und sie geben auch schon die Richtung vor:

»Und Pharisäer traten zu ihm und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau; und sie versuchten ihn damit. Er antwortete aber und sprach zu ih-nen: Was hat euch Mose geboten? Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden.«

Die Pharisäer beziehen sich hier auf eine Stelle im 5. Mo-sebuch, Kap. 24: »Wenn ein Mann eine Frau nimmt und sie heiratet, wenn sie ihm dann aber nicht gefällt, weil er an ihr etwas Anstößiges gefunden hat, und er ihr eine Scheidungsurkunde geschrieben, diese ihr aushändigt, und sie aus dem Haus entlassen hat, usw.«

Dass Scheidung erlaubt ist, das ist für die Pharisäer ei-gentlich klar. Dazu sind sie nach Mose berechtigt. Das ist ihnen verbrieft.

Wir wissen aus anderen Quellen, dass sich die Pharisäer damals untereinander stritten, was denn dieser Anstoß sei, weswegen man sich von seiner Frau scheiden dürfe. Die Ansichten gingen da weit auseinander: Ein Rabbi sagt, man darf sich schon scheiden lassen, wenn die Frau das Essen anbrennen lässt. Der andere ist sich sicher, mit dem Anstoß, den Mose nennt, ist allein der Ehebruch gemeint. Nun, was meinst du, Jesus?

Jesus antwortet ihnen darauf nicht. Er ordnet vielmehr das Gebot des Mose heilsgeschichtlich ein. Er macht ihnen klar: Die Erlaubnis, sich scheiden zu lassen, gehört nicht zu den sehr guten Ordnungen des Paradieses.

Das Recht zur Scheidung ist vielmehr ein Notrecht, eine Notordnung: »Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Her-zens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben.« 

Scheidung ist die Ultima Ratio, der letzte Weg, um schlimmeres Übel zu verhüten. Scheidung entspricht nicht dem ursprünglichen Willen Gottes. Um das verständlich zu machen, zitiert Jesus zunächst aus der Schöpfungsgeschichte. Scheidung, das wird deutlich, ist Sünde vor Gott.

Und dennoch kann der Fall eintreten, dass ein Paar sich trennt, dass eine Familie auseinandergerissen wird, um größere Schuld und größeres Leid zu verhindern. 

Wir wollen die Gefährdungen einer Ehe im 21. Jahrhun-dert nicht kleinreden:

Die Rahmenbedingungen wandeln sich. Gesetz und Rechte sind zunehmend ein Spiegel der fortschreitenden ethischen Verunsicherung in unserer Gesellschaft. 

Lebensentwürfe, die die Bibel Unzucht nennt, rücken rechtlich auf eine Ebene mit der Ehe. Und die Familien stehen zunehmend unter Druck, die Kindererziehung aus der Hand zu geben und die häusliche Erziehung mit dem sozialistischen Modell staatsgeregelter Kinderaufbewah-rung zu vertauschen. »Lufthoheit des Staates über den Kinderbetten«, damit alle Kräfte frei sind für den Arbeitsmarkt. 

In diesem gesellschaftlichen Klima weht der Wind christlichen Vorstellungen von Ehe und Familie scharf entgegen. 

Wo finden wir Hilfe und Orientierung für unser Eheleben? Wir finden sie – und damit wechseln wir noch einmal die Ebene – bei

3. Jesus Christus

Jesus verweist ungerührt buchstäblich auf Adam und Eva, obwohl Scheidung selbst bei den Juden etwas durchaus Normales war.

Was sagt Jesus? Jesus setzt die Notverordnung des Mose nicht einfach außer Kraft. Aber Jesus setzt sie ins rechte Licht, indem er klar macht, was Gottes guter Wille ist.

»Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.«

Jesus lädt uns damit ein zu einem Neubeginn. Diesen Neubeginn kann unser verhärtetes Herz nicht aus sich selbst heraus wagen. Gott selbst ist es, auf den wir unser Leben gründen, unsere Ehe gründen dürfen.

Wenn ich weiß, dass ich aus seiner Vergebung lebe, dann kann ich auch meiner Frau vergeben. Wenn ich weiß, dass Gott mir diesen Mann an die Seite gestellt hat, dann muss ich mich nicht täglich neu fragen: Ist er’s wirklich, oder würde ein anderer nicht viel besser zu mir passen?

Gott meint es gut mit uns. Trotz unseres Versagens, trotz unserer Schuld. Mit ihm dürfen wir’s gemeinsam noch einmal wagen.

In dieser Zusage liegt letztlich auch der Sinn des Gangs zum Traualtar: Nicht, dass ich vor aller Welt proklamiere, dass ich meiner Frau die Sterne vom Himmel hole. Nicht, dass ich etwas verspräche, was ich von mir aus wie selbstverständlich halten könnte. Nein, der Gang zum Traualtar ist vielmehr ein »Armutszeugnis« (Oswald Bayer).

Ich Armer, wir Armen können nicht von uns aus. Wir können unsere Ehe nicht aus eigenen Kräften erhalten und gestalten. Wir können nicht für unsere Gefühle für-einander garantieren. Und deshalb können wir auch unsere Ehe nicht auf unsere Gefühle bauen, sondern nur auf Gottes Treue. Auf Gott, der ein Gott der Liebe und der Vergebung ist. Eine Ehe wandelt sich im Lauf der Jahre. Die Liebe verändert ihr Gesicht. 

Welch ein Segen, wenn wir das Geschick unserer Ehe vertrauensvoll in Gottes Händen wissen dürfen. – Aber wenn uns diese Zukunft nicht bestimmt ist? Wenn die Ehe auseinanderbricht? Ist uns dann ein neues Eheglück für immer verwehrt?

Jesus sagt: »Wer sich scheidet von seiner Frau und hei-ratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe.«

Scheidung und Wiederheirat sind die äußeren Zeichen für den Bruch einer Ehe. Zerbrochen wurde die Ehe frei-lich schon zuvor durch den begangenen Ehebruch. 

Scheidung – mit allen Folgen – soll nach Gottes Willen nicht sein. Aber letztlich entspringen auch Gottes Notverordnungen aus seiner Liebe zu uns.

Das wollen wir nun aus dieser Geschichte und aus den Worten Jesu mitnehmen: Ehen werden im Himmel geschlossen. Aber nun leben wir unsere Ehen jenseits von Eden. Darum kommen wir in unserer Armut mit unseren Ehen vor Gott und bitten ihn, dass er uns in seiner Liebe erhält. Dass wir einander immer wieder von Herzen vergeben und annehmen, wie Christus uns vergeben und angenommen hat.   Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.11 - 21.11.2108
18:30 Uhr:
GD am Buß- und Bettag in Schwann mit Abendmahl (Pfarrer Manz)
Sonntag, 16.12.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schwarze)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schwarze)
Dienstag, 18.12.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Heiligabend-GD in Schwann mit Weihnachtsstück (Pfarrer Held)
16:30 Uhr:
Heiligabend-GD in Dennach, besinnlich (Pfarrer Held