2009-08-02

Predigt über Matthäus 5,13-16 / Pfarrer Arnold Konrad, Friolzheim

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus Matthäus 5, die
Verse 13-16
:
„13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. 16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“



Liebe Gemeinde,
welches Bild haben wir von Christen? Wie sollten Christen leben und handeln? – Wenn wir darüber nachdenken, dann können wir dies nie distanziert tun, denn wir sind Betroffene. Wenn wir also von uns reden, dann können wir niemals objektiv sein. Unsere Ängste, unsere Vorbehalte und Vorstellungen werden in dieses Bild eingear-beitet. Ob dies ein gültiger Maßstab werden kann?

Jeder Mensch hat Angst vor dem Gerede der anderen. Wir fürchten uns davor, dass andere uns als Christ mit dem Wort »konservativ« belegen. Warum verstecken wir uns eigentlich, wenn wir die christlichen Werte für unser Leben bejahen und dabei erleben, dass diese Werte uns gut tun – und auch der Welt, in der wir leben? Warum wollen wir als Christen keine Außenseiter sein? Christus war es doch auch. Sein Verhalten überraschte viele.
Uns kostet es Überwindung, am Sonntag zum Gottesdienst zu gehen, denn wir haben die Worte im Ohr: »O, die Kirchenspringer sind auch nicht besser.« Als ob wir als Christen besser sein wollten! Wir wollen doch nur gemeinsam auf den Herrn hören, der unser Leben bestimmt. Wir wollen uns von ihm etwas sagen lassen, für unseren Alltag. Wir wollen uns von Christus sagen lassen, was in unserem Leben nicht »rund läuft«.

Christen sollen sich nicht verstecken. Wir sind aufgefor-dert, uns zu Christus zu bekennen. Welche Bedeutung, welchen Einfluss dies für uns und für die Umwelt hat,
in der wir leben, dies will uns das heutige Bibelwort aufzeigen.

1. Christen fallen auf!
Jesus Christus »provoziert« uns, er ruft uns im wahrsten Sinne des Wortes heraus. Das ist der Wortsinn von »pro-vozieren«: Herausrufen, hervorrufen. Er sagt es seinen Leuten auf den Kopf zu: »Ihr seid das Licht der Welt.« Es ist einfach so. Christen fallen auf wie ein Licht in der Dunkelheit, wie die Stadt Jerusalem hoch über dem Kidrontal, wie eine bewohnte Burg am Rhein. Das ist so. Jesus stellt diese Tatsache in die Mitte unseres Abschnitts aus der Bergpredigt. Alles dreht sich um den einen Satz: »Christsein heißt: sein, was man ist.«

Christ werde ich nicht aus eigenem Entschluss oder durch meine Anstrengung. Es ist das Werk Christi, was mich zum Christen macht. Was wir durch Christus sind, dies sollen wir auch sein, d.h. leben. Wir sollen uns nicht laufend dafür entschuldigen, dass Christus unser Leben bestimmt, dass wir nach christlichen Maßstäben unser Leben gestalten. Christus ermutigt uns, selbstbewusst unser Christsein zu leben.

Jesus sagt zu Menschen, die ihm nachfolgen, die er schon in dieser Welt zu Bürgern seines kommenden ewigen Reiches gemacht hat: »Ihr seid das Salz der Erde, ich habe euch dazu gemacht. Macht euch keine Gedanken wie ihr als Salz in die Welt hinein wirken könnt. Ver-bergt nur euer Christensein nicht, alles andere überlasst mir.«

»Ihr seid das Licht der Welt.« Ist das nicht anmaßend? – Gott ist Licht und Jesus sagt von sich: »Ich bin das Licht der Welt«. Wir, wir sind dies doch nicht, ich nicht und Sie auch nicht. – Was Jesus meint, verstehen wir, wenn wir an die Sonne und den Mond denken. Der Mond leuchtet nur vom Glanz, vom Licht der Sonne her. Als Christen sind wir, im Bild gesprochen, aufgefordert »Mond« zu sein und in das Dunkel dieser Welt hinein zu leuchten.

Wie sollen wir in diese Welt hinein leuchten? So großar-tige Leuchten sind wir doch gar nicht! Mit unseren guten Werken sollen wir auffallen! Wir sollen Gutes tun und darüber reden, dass Gott, der Vater im Himmel, uns zu solchen guten Werken anstiftet. Mit guten Werken wollen wir Gott loben und danken, dies ist Ausdruck unseres Christseins. »Ihr«, so Jesus, »scheint als Lichter in der Welt, mitten unter einem verderbten und verkehrten Ge-schlecht«.

Viele wollen heute auffallen. Die einen färben sich die Haare grün, andere lassen sich einen Ring durch die Nase oder die Lippe ziehen. Wer im Berufsleben weiterkom-men will, muss auffallen. Von all dem ist hier nicht die Rede. Es geht auch nicht um ein dünkelhaftes Benehmen. Christen fallen auf, weil sie im Alltag etwas ausstrahlen. An ihnen wird deutlich, dass sie der Welt etwas anderes zu bringen haben: den anderen Frieden, der von oben kommt und unser Inneres verändert; die andere Versöh-nung, die Versöhnung des Sünders mit Gott; die andere Freiheit, die Freiheit der Kinder Gottes von Schuld, Tod und Teufel. »Lasst dieses Licht leuchten vor den Leu-ten«, sagt Jesus.

Christen sind in dieser Welt keine angepassten Men-schen. Sie solidarisieren sich nicht kritiklos mit dieser Welt, sie integrieren sich nicht einfach in die Ideologien und Systemen dieser Welt. Sie sind Licht im Dunkel. Die Gemeinschaft der Christen, die Kirche, übernimmt von daher nicht die Probleme und Geschäfte dieser Welt, sondern ist das Licht der Welt, der helle Strahl Gottes gegen alles Dunkel in dieser armen in Finsternissen ver-sinkenden Welt. Wie dunkel, wie finster es in dieser Welt ist, dies erkennen wir jeden Tag. Wir müssen nur die Zeitung aufschlagen und stellen fest: die Ethik und die Moral nimmt ab, in allen Bereichen. Die Kirche ist in diesem Dunkel wie ein Fels. Sie weist auf Christus, der Menschen und damit die Welt verändern kann.

Gottes Licht leuchtet, wo sein Wort gesagt wird. Christen haben deshalb Gottes Wort weiterzusagen – sonst nichts. Das Wort Gottes steht über allem, was in der Welt Gel-tung hat. Es steht über aller menschlichen Ordnung und Gesetz, auch über dem Grundgesetz unseres Staates, dessen Bürger wir auch sind.
Kennen Sie diese phosphoreszierenden Kreuze? Sie strahlen im Dunkel, wenn sie zuvor angestrahlt werden. Von Mose wird berichtet, dass sein Angesicht leuchtete, wenn er im Heiligtum, wenn er bei Gott gewesen ist, wenn Gott ihn anredete. Christus will auch mein Leben erleuchten. Wer im Licht Christi und seiner Worte lebt, kann fest damit rechnen: Von ihm wird ein Leuchten ausgehen. Dieses Licht Christi gilt es nicht absichtlich abzudunkeln, zu verstecken, oder zur reinen Privatsache zu erklären, die niemanden etwas angeht. An diesem Licht soll jeder teilhaben. Keiner dunkelt es ab, wenn jemand anderes hinzu tritt.

Wer sein Christsein versteckt; wer nur in seinem Inners-ten Christ sein will, der hat vom Christsein nichts verstanden. Jesus sagt: »der ist nutzlos, den kann ich nicht gebrauchen.« Ein hartes Wort.

2.  Christen zählen wenig!
Schon immer sind Christen in der Minderheit. Deshalb kann Kirche, auch wenn sie Volkskirche ist, nie Kirche für das ganze Volk sein. Sie bleibt eine kleine Lampe in einem großen Zimmer, eine Stadt auf dem Berg, die aber doch nur ein Punkt ist in der weiten Landschaft.

Wenn die Zahl der Christen auch klein ist – nutzlos ist ihr Tun nicht. Eine kleine Lampe kann ein Zimmer erhellen und es gemütlich machen. Eine Prise Salz genügt, um der Speise die nötige Würze zu geben. Jesus ist da, wo die Seinen – notfalls nur zwei oder drei – versammelt sind in seinem Namen (Matthäus 18, 20). Irgendwo versammeln sich einige Wenige zum Gottesdienst, irgendwo sammelt sich eine kleine Schar von Betern und nicht nur dann, wenn die Welt in hellen Flammen steht. Die Welt lebt davon, dass Christen für diese Welt beten. Dies ist der priesterliche Dienst der Jünger Jesu für
diese Welt.
Ein junger Ingenieur hat in einer großen Stuttgarter Firma seine Arbeit aufgenommen. Als Student war er re-gelmäßig im Gebetskreis der Studentenmission. Nun will er im Berufsalltag als Christ handeln. Dies ist nicht einfach, so allein. Nach einigen Monaten stellt er in einem Gespräch fest, dass in der Nachbarabteilung auch ein Christ ist. Sie sprechen nun häufig miteinander über den Betriebsablauf, über die Schwierigkeiten, die anstehen-den Probleme. Was können sie tun?  Sie verabreden sich einmal in der Woche vor Arbeitsbeginn zum Gebet. Da dies im Betrieb nicht möglich ist, bitten sie im nahegele-genen evangelischen Waldheim um einen Raum. Seither treffen sie sich zum Gebet. Andere Christen sind dazu gestoßen. Ich bin davon überzeugt, dass diese Betriebs-gebetsgruppe für die Firma Bedeutung hat, auch wenn dies nicht in Zahlen zu messen ist.

So gibt es verschiedene kleine Gebetsgruppen in unserem Land, auch im Landtag und Bundestag. Natürlich weiß die Welt nicht, dass für sie gebetet wird und dass sie davon lebt. Woher soll sie dies auch wissen? Wir Christen haben von daher umso zuverlässiger dieses Weltamt wahrzunehmen.

Wir müssen auch dies sehen: Viele Dinge in dieser Welt werden auch Christen nicht anders anpacken als Menschen, die von Jesus Christus nichts halten. Äußerlich also kein Unterschied. Trotzdem wird sich das Bekenntnis zum dreieinigen Gott auswirken, allein schon in dem Wissen um unser Woher und Wohin und um die letzte Verantwortlichkeit vor Gott. Als Christen wissen wir um unsere Schuld, um Gottes Gericht und um unsere Verlorenheit. Aber wir wissen auch um die Vergebung, die Jesus schenkt. Wir wissen um den Unterschied zwischen Vergänglichem und Ewigem; zwischen dem, was Menschen können und dem, was nur Gott kann. Dies alles ist umschlossen von der Gewissheit, dass Gott zu uns steht und uns annimmt.
Als Christen wirken wir in diese Welt hinein. Die Wirkung des Salzes beruht darauf, dass es anders – nicht besser! – ist, als die zu würzende Speise. Anders sein heißt nicht, ein dünkelhaftes Besserseinwollen an den Tag zu legen. Nichts berechtigt uns dazu! Es geht auch nicht darum, feindselig gegen diese Welt zu werden und von ihr abzurücken; eine Insel der Seligen zu schaffen. Nein! Jesus hat uns in diese Welt gesandt, mitten in sie hinein. Jesus möchte, dass wir in dieser Welt als Christen leben, so konsequent wie möglich. Wir sollen leben, wo-zu Jesus uns gemacht hat und machen will. Dann bewegt sich etwas in dieser Welt und wenn es nur das ist, dass es nicht weiter bergab geht mit dieser Welt.

Als Christen sind wir oft eine armselige Minderheit. Hin-zu kommt, dass wir auch als Christen vielfältig versagen. Wir können die Augen davor nicht verschließen. Wenn wir es nicht sehen wollen, dann zeigen andere auf unsere wunden Stellen. Trotzdem sagt Christus: »Ihr seid das Licht der Welt«.

3.  Christen bewirken viel!
Jesus sagt von seinen Jüngern: »Ihr seid das Salz der Erde; ihr seid das Licht der Welt.« – Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn wir Christen dies von uns be-haupten, aber alles, was die Welt an und durch uns erlebt, diese Behauptung Lügen straft. Licht der Welt, Salz der Erde zu sein, können wir nicht von uns aus behaupten. Wir können es nur sein, indem wir begreifen, dass wir es selbst nicht sind, sondern Christus. Er macht uns dazu, nach seiner Zusage.

Als Licht sollen wir auf den Leuchter gestellt werden. Dies bedeutet nichts anders, als ein Vorbild zu sein. Aber wer will heute noch Vorbild sein? Und doch ist es so überaus notwendig, weil Vorbilder Orientierungspunkte sind. Deshalb sollen wir als Christen Licht sein, damit man sich zurechtfindet. Wir sollen Licht sein, damit andere unterscheiden können. Das Licht hat auch die Aufgabe, auf eine Gefahr hinzuweisen, damit das Unheimliche und Schreckliche sich nicht verstecken kann. Als Christen sind wir aufgefordert, ein klein wenig Helligkeit, Trost, Hoffnung und Wärme zu verbreiten, auch mit unserem schwachen Glauben.

Wenn wir Christen unser Licht nicht verstecken, dann bewirken wir viel. Ein Unding, kompletter Nonsens wäre es, wenn wir etwas über das Licht stülpen würden. Da wären wir ähnlich töricht wie die Schildbürger, die ein fensterloses Rathaus bauten. Mit Säcken wollten sie das Licht auffangen, um es ins Rathaus zu tragen. Dieses Vorhaben musste misslingen! Warum? – Weil Licht strahlen muss. Es ist nicht wie Getreide in Säcken oder  wie Wasser im Eimer zu sammeln.

Es ist merkwürdig, aber eine Tatsache: Der gleiche Raum wirkt viel wohnlicher, wenn Licht hinein fällt. Die glei-che Suppe schmeckt anders, wenn eine Prise Salz dabei ist. Es ist eben doch etwas anderes, wenn einige wenige Christen darunter sind in den Bereichen dieser Welt. Es hat seine Ausstrahlung in einem Ort, in einer Straße, in einem Wohnblock. Es wirkt sich irgendwie aus in einem Staat, in einer Regierung, in einem Verein, in einer Redaktion, in der Wirtschaft, wenn Christen verantwortlich mitarbeiten. Auch in der Handhabung des Rechtes wird dies deutlich, ob ein Christ da mitarbeitet oder nicht. Ich erinnere hier an den früh verstorbenen Justizminister und überzeugten Christen Traugott Bender. Es ist nicht dasselbe in dieser Welt, ob Christen darunter sind oder nicht. Christen bewirken viel in dieser Welt und für sie!

Darum: »Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten,
damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.«  
Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 23.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Montag, 24.12.2018
15:15 Uhr:
Christvesper, Christuskirche Dennach (Pfr. Held)
16:30 Uhr:
Waldweihnacht an der Schwanner Warte: Familiengottesdienst mit Weihnachtsstück (KiGo-Team & Jan Hunsmann)
18:00 Uhr:
Christvesper, Schlosskirche Schwann (Pfr. Held)
Dienstag, 25.12.2018
9:30 Uhr:
Einsingen zum Weihnachts-GD in Schwann
17:00 Uhr:
Weihnachts-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
18:30 Uhr:
Abendgottesdienst mit dem San-Sebastian-Chor in Schwann (Pfr. Held)