2009-05-03

Predigt über Johannes 15,1-8 / Pfarrer Johannes Rau, Sersheim

Predigtext aus Johannes 15,1-5:

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.“

Liebe Gemeinde,

viel Frucht bringen – das ist doch eine Sache, die wir alle wollen! 

Wir wollen alle, dass unsere Lebensarbeit sich lohnt. Dass etwas dabei herauskommt. Dass wir Anerkennung finden. Manche träumen sogar davon, etwas zu schaffen, was über den Tod hinaus von Bedeutung ist. Etwas, was sie berühmt macht. Wie schön wäre es doch, wenn später mal eine Straße in unserem Heimatort nach uns benannt würde. Oder wenn man uns als großen Rennfahrer oder als Sängerin in Erinnerung behalten würde. Es soll sogar Leute geben, die schon ihren eigenen Namen »googeln«, also in eine Suchmaschine im Internet eingeben. 

Sie wollen herausfinden, wie oft sie im weltweiten Netz der Kommunikation schon vorkommen.

Anerkennung braucht irgendwie ja jeder. Das steckt uns in den Genen. Und Erfolg tut einfach gut. Auch uns Christen. 

An solche Anerkennung, an solchen Erfolg denken wir vielleicht auch, wenn Jesus uns dieses prächtige Bild vor Augen malt: Eine Rebe, übervoll von saftigen, reifen Trauben. Schon an der Größe und an der schwarzblauen Färbung der einzelnen Beeren sieht man, wie reif und süß die sind. Eine Rebe, die es zu etwas gebracht hat. Eine Rebe, die sich sehen lassen kann. Eine Rebe mit sichtbarem, vollem Erfolg! 

Ist es das, was Jesus hier meint? Ich fürchte: Nein! 

Denn wenn er das gemeint hätte, hätte er anders sprechen müssen.

Nicht einfach vom Bleiben am Weinstock, und nicht nur von der Arbeit des Weingärtners. Er hätte dann ungefähr dieses sagen müssen: »Willst Du berühmt werden, dann streng dich an! Willst Du was darstellen, dann spuck in die Hände und leg los! Willst Du Erfolg, dann zeige Leistung!«

1. Frucht ist mehr als Erfolg

Aber das hat Jesus eben nicht gesagt. Und das hat er auch nicht gemeint. Wenn Jesus hier von einer Rebe spricht, die viel Frucht bringt, dann denkt er nicht eigentlich an »Erfolg«. Denn Erfolg und Frucht sind zwei ganz verschiedene Dinge.

Erfolg kommt von der eigenen Leistung. Und das ist nichts Schlechtes. Aber Frucht ist eben etwas anderes: Frucht wird uns geschenkt. Wir sind zwar beteiligt, aber wir können sie nicht selber machen. Frucht kommt nicht aus uns heraus, sondern durch uns hindurch. Bei der Frucht sind wir nicht die Quelle, sondern nur die Leitungen, die das weitergeben, was die Quelle gibt. Die Quelle liegt im Weinstock, in ihm selbst. Und nicht in uns. So hat Jesus das Bild entworfen. 

Man kann also unheimlich großen Erfolg haben und trotzdem keine Frucht bringen. Man kann im Monat 10.000 Euro verdienen und trotzdem keine Frucht brin-gen. Man kann jede Woche in der Zeitung kommen und trotzdem keine Frucht bringen. Man kann alles erreichen und doch am Ende fruchtlos aus dieser Welt gehen. 

Das liegt an dem Maßstab, mit dem Gott misst. Da ist es ganz ähnlich wie im Weinbau. Da geht es heute immer weniger um die Menge und um das Gesamtgewicht. Es geht um die Qualität, um die Öchslegrade, also um den Zuckeranteil und damit auch um Reife und Geschmack. Jeder Weinkenner weiß: Je kleiner das Fläschchen, umso edler kann der Inhalt sein. 

Erfolg ist das, was uns bei Menschen groß macht. Frucht aber ist das, wofür die Menschen Gott danken, wenn sie durch uns von ihm beschenkt worden sind. Natürlich durch uns, aber im Grunde eben von ihm. Frucht ist, wenn einer beten kann: »Herr, ich danke dir für den Martin aus dem Posaunenchor. Wie der mir geholfen hat, das war einfach klasse und uneigennützig. Und das hat mich dir näher gebracht.« Oder wenn jemand anderes betet: »Herr, ich danke dir für meine Mutter. Sie hatte zwar so manche Fehler, aber eines hat sie getan: Sie hat mich geliebt. Sie hat mich geliebt und sie hat mich das Lieben gelehrt. Und auch die Liebe zu dir, Herr!«

Mit Frucht meint Jesus immer das, was von Gott kommt. Frucht kommt durch uns, aber von ihm. Das ist das Geheimnis der Frucht. 

2. Frucht entsteht durch Bleiben

Und um an dieses Geheimnis heranzukommen, ist ein zweites Wort sehr wichtig: Das Wort »Bleiben«. Das Wort »Frucht« kommt in unserem kurzen Bibelabschnitt sechs Mal vor, das Wort »Bleiben« aber sieben Mal!

Erfolg kommt durch Leistung – das hatten wir schon. Frucht aber, Frucht kommt durch Bleiben. Durch das Bleiben in der Verbindung mit Jesus, dem Weinstock.

»Bleibet in mir«, sagt Jesus. »Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht!«

Nun hat das Wort Bleiben für uns ja eher eine passive Komponente. Das Bleiben ist auf den ersten Blick wenig spektakulär. Beim Bleiben bewegt sich nichts, da bleibt anscheinend alles, wie es eben ist. 

Diese Seite des Bildes vom Bleiben ist von Jesus bestimmt so gewollt. Schließlich ist ja er es, der das Entscheidende tut.

Aber auf der anderen Seite bedeutet das Bleiben etwas sehr Aktives. »Bleibet in mir« – das ist doch hier bei Jesus ein Befehl und eine immer wiederkehrende Ermahnung. Damit wird klar: Dieses Bleiben hat doch auch etwas sehr Aktives. So, wie Jesus hier spricht, scheint es alles andere als selbstverständlich zu sein, dass die Rebe am Weinstock bleibt. 

Wir denken: Ja, was kann sie denn schon anderes tun, die Rebe! Die ist doch mit dem Weinstock verwachsen. Und die Traube, die hängt halt da dran, und hängt und hängt. Die kann ja nichts anderes als bleiben. Aber so ist das nicht. In unseren Weinbergen gibt es eine gefürchtete Krankheit: Die Stängelfäule. Da erkrankt durch Pilzbefall der Stängel der Trauben. Bevor die Trauben dann reif sind, trocknen die Beeren ein und beginnen ebenfalls zu faulen. Und irgendwann vertrocknet die ganze Traube an der Rebe oder fällt vom Stock. Bei der Weinlese muss man sehr aufpassen, dass man solche Trauben nicht erntet, denn sie sind völlig sauer und verderben das Ergebnis. 

Beim Bleiben ist es also wichtig, auf eine ungestörte, funktionierende Verbindung zu Jesus zu achten. Es reicht nicht, halt in der Kirche zu bleiben oder jeden Sonntag brav auf der Kirchenbank sitzen zu bleiben. Da muss etwas fließen. Von ihm zu mir, und durch mich zu anderen.

Es reicht nicht, die Bibel nur zu lesen, damit sie gelesen ist, und damit alles bleibt, wie es ist. Da muss etwas fließen, wenn ich Frucht bringen will. Da muss ich die Stimme von Jesus dabei hören. Ich muss darauf achten, was er mir mitteilen will. Ich muss also immer wieder bewusst in Blickkontakt und in Hörkontakt zu Jesus treten. Im Gottesdienst und beim Bibellesen muss ich erwartungsvoll damit rechnen, dass er etwas zu mir herüberfließen lassen will. Etwas, was mich tröstet oder mir den Weg zeigt. Etwas, was mir Licht oder Kraft gibt. Etwas, was ich umsetzen will.

Zum rechten Bleiben gehört also etwas sehr Aktives: Eine Erwartung an Jesus, ein Gespanntsein auf ihn, ein Empfangen von ihm. Das ist das innerste Geheimnis des Fruchtbringens.

Und wo die Stängelfäule sich eingenistet hat, da müssen wir ihn um Heilung bitten, damit die Verbindung wieder lebendig wird. Sonst werden unsere Früchte nicht reif.

Sonst kommt die überwindende Liebe Gottes nicht mehr zu uns, geschweige denn durch uns zu anderen. Wenn wir aber die Liebe von Jesus selber empfangen, dann können wir etwas davon weitergeben. Und darauf kommt es ja an.

3. Frucht wird vermehrt durch Reinigung

Weinstock und Rebe: Diese beiden Dinge haben wir uns nun näher angesehen. Der Weinstock bringt Frucht durch die Rebe. Und die Rebe bringt Frucht durch das Bleiben am Weinstock. 

Aber Jesus spricht in seinem Bild noch von einer dritten Kraft, die eine wichtige Rolle spielt, nämlich von Gott, dem Weingärtner.

Wer vom Weinbau nichts versteht und einem Weingärtner zusieht, kann eigentlich nur den Kopf schütteln. Das beginnt meist schon mitten im Winter. Lange bevor das Laub sich zeigt, schneidet der Weingärtner fast alle Reben weg, so dass das meiste vom schönen Weinstock am Boden liegt. Dann weint der Weinstock sogar. Tagelang tritt aus den Wunden ein wertvoller Saft. Und die wenigen Reben, die er stehen lässt, die kürzt er und biegt sie manchmal sogar nach unten.

Kennen sie eine solche Behandlung? Haben Sie sich auch schon darüber gewundert, wie Gott manchmal mit Ihnen umgegangen ist? Haben Sie vielleicht sogar schon mal darüber geweint? 

Und auch später, wenn sich die Trauben schon zu färben beginnen, kommt er nochmals und schneidet manche Reben weg und oft auch ganze Büschel von Trauben. Ein Laie würde das niemals tun. Er würde alles wachsen lassen, um mehr ernten zu können. Aber der Weingärtner weiß: Wenn er nicht wegschneidet, was keine Frucht bringt oder was nicht reif wird, dann kommt am Ende nichts Rechtes zu Stande.

Ja, Gottes Rebschere tut uns manchmal weh. Und manches, was er wegschneidet, hätten wir noch so gut gebrauchen können. Aber Gott weiß: Es ist zu viel. Es braucht eine Konzentration. Eine Konzentration auf wenige, gute Ansätze, die von Anfang bis Ende gut versorgt werden. Dann entstehen gute Früchte, wie Gott sie haben will.

Liebe Gemeinde, vielleicht war das noch nie wichtiger als in unserer Zeit. Wir stehen so oft in der Gefahr, uns zu verzetteln. Überall sind wir dabei. Alles machen wir mit, weil wir uns so wichtig nehmen. Vielleicht täte uns eine Konzentration gut? Vielleicht wollte Gott uns durch manchen schweren Einschnitt zu einer solchen Konzentration zwingen? Auf jeden Fall müssen wir einem Weingärtner zugestehen, dass er von Weinstöcken mehr versteht als wir. Und so können wir auch dem himmlischen Weingärtner vertrauen, dass er uns richtig behandelt. Er will ja nur, dass wir schöne Früchte bringen, die genießbar sind. Er will ja, dass wir wertvolle Reben sind, die er am Ende nicht abschneiden und verwerfen muss. Wenn er schneidet, dann nur, um unser Potential optimal auszunutzen. Aus scheinbaren Verlusten wird auch für uns am Ende Gewinn.

Ja, Gott arbeitet an uns. Ihm können wir uns getrost überlassen. Und wir können mit seinen starken Kräften rechnen. Er arbeitet an uns, vor allem aber auch durch uns, damit aus unserem Leben am Ende wirklich etwas entsteht: Reiche Frucht im Weinberg Gottes. Reiche Frucht, die anderen Menschen gut tut und Gott zur Ehre gereicht. Wer wollte es da noch ohne ihn versuchen? Nur mit ihm erfüllt sich unsere ewige Bestimmung. Denn mit ihm wird wirklich was aus unserem Leben. 

Das zu wissen, ist dann wirklich Grund zum Jubeln! Jubilate!

Amen. 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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