2009-02-22

Predigt über Markus 8,31-38 / Pfarrer Matthias Schmidt, Freudenstadt-Wittlensweiler

Predigttext aus Markus 8,31-38:
„31 Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. 32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. 33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten. 36 Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden? 37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? 38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.“



Liebe Gemeinde,
Jesus redet hier sehr offen von seinem Leiden- und Ster-benmüssen. Er weist darauf hin, dass die Notwendigkeit seines Kreuzestodes letztlich im Willen und Plan Gottes mit ihm und uns Menschen begründet ist. Und er ruft alle, die Jünger und das Volk, die sein Wort vom Kreuz hören, auf den Weg ihm nach, in die Jüngerschaft, in die Nachfolge.

Das sind ernste, unbequeme, ja zum Teil auch Worte, die man missverstehen kann. Aber sie sind auch voller Verheißungen.

1. Das Ärgernis des Kreuzes


Ein Pfarrer fragte seine Konfirmanden im Konfirman-denunterricht, was sie denn denken, warum Jesus hatte sterben müssen. Einige hatten im Religionsunterricht gut aufgepasst und konnten geschichtliches Detailwissen einbringen: Jesus wurde von den Schriftgelehrten und Priestern abgelehnt. Er wurde von den Oberen zum Tod verurteilt, weil er sich als Sohn Gottes bekannt hatte und sich mit Sündern und Außenseitern aus seinem Volk abgegeben hatte.

Aber die Frage, welche Bedeutung denn der Tod Jesu für uns heute haben kann, diese Frage war schon wesentlich schwerer zu beantworten. Denn was soll der Tod eines Mannes vor rund 2.000 Jahren mit mir heute zu tun haben? Viele Menschen unserer Zeit möchten zwar an der christlichen Tradition und an christlichen Werten festhalten - aber mit dem Kreuz Jesu wissen sie wenig anzufan-
gen. Da haben sie ihre Schwierigkeiten.

Eine Geschichte mit dem Titel »der versteigerte Christus« ist dafür kennzeichnend: Bei der Versteigerung eines Privathaushaltes befand sich unter den Gegenständen des Hausrates auch ein Kruzifix mit einer Christusgestalt. Als es versteigert werden sollte, bot niemand - vielleicht aus Scham, vielleicht aber auch aus Hilflosigkeit. Jedenfalls musste der Auktionator zu dem Kruzifix noch andere Gegenstände hinzufügen, damit es schließlich doch noch von einem Mann ersteigert wurde. Er nahm die Sachen entgegen, dabei murmelte er vor sich hin: »Was fange ich bloß mit diesem Christus an?«

Das Kreuz Christi ist bis heute vielen entweder ein Är-gernis oder Torheit (1). So ging es zunächst auch Petrus und den ersten Jüngern Jesu. Auch Petrus wusste zu-nächst nichts mit einem leidenden und sterbenden Messias anzufangen. Petrus will Jesus von seinem Kreuzweg abbringen. Im Matthäusevangelium heißt es sogar an dieser Stelle, dass Petrus zu Jesus spricht: »Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!« (2). Jesu Weg in die Niedrigkeit, ins Leiden, in die menschliche Ablehnung, in den Tod am Kreuz passen nicht in das Messias-bild des Petrus und der übrigen Jünger.

Erst kurz zuvor am Beginn der Reise Jesu nach Jerusalem hat sich Petrus in Cäsarea Philippi stellvertretend für alle anderen Jünger zu Jesus als dem Messias Israels bekannt. Seiner Vorstellung nach aber muss der Weg Jesu ein Triumphzug werden. Jetzt kommt die Machter-greifung mit sichtbaren Erfolgen! Das Reich Gottes muss sich endlich sichtbar durchsetzen.

Das ist jedoch nicht göttlich gedacht, sagt Jesus, sondern menschlich und vom Gegenspieler Gottes, dem Satan, inspiriert. Deshalb weist Jesus diesen Einspruch, diese Einrede des Petrus und damit allen menschlichen Einspruch gegen seinen Leidensweg so entschieden zurück.

2. Die Heilsbedeutung des Kreuzes

Die Heilung der Welt und unseres Lebens kann nicht durch eine rein äußerliche Verwandlung der Strukturen vonstatten gehen: Änderung der Machtverhältnisse, Um-organisation in Handel und Wandel der Menschen.
Heil wird diese Welt und unser Leben nur durch ein völ-liges Neuwerden des ganzen menschlichen Wesen. Von innen her muss die Veränderung erfolgen.

Jesus weiß, dass die Welt das wurzelhafte, das radikale Neuwerden der Menschen braucht. Die größte Not des Menschen ist die, dass er sich seit jeher selbstherrlich aus der Gemeinschaft mit Gott verabschiedet hat. Diese Trennung von Gott ist, was die Bibel als Sünde bezeich-net. Das ist unsere Grundsünde, dass wir uns von Gott entfremdet haben.

Aus dieser Verabschiedung von Gott erwachsen dann die Schuldzusammenhänge der Menschen untereinander. Jesus hat sich deshalb für uns in den Tod gegeben,
damit er uns aus der Verlorenheit der Sünde und aus allen daraus folgenden Schuldverstrickungen befreite.

Am Kreuz Jesu fand das Gericht über unsere Gottlosig-keit und Lieblosigkeit statt. Und dort begegnen wir zugleich der Gerechtigkeit und der Liebe Gottes, denn er will uns für sich nicht verloren geben, sondern retten. Wir Menschen können von uns aus nichts, auch nicht allen Reichtum der Welt für unser verlorenes Leben geben, um es bei Gott auszulösen. Hier gibt es nur einen, der es kann: Jesus Christus. Er ist gekommen um sein Leben als Lösegeld für viele zu geben, wie es an anderer Stelle im Markusevangelium formuliert ist (3). Er hat sich in die Gottverlassenheit begeben, damit wir uns wiederfinden können in der Gemeinschaft mit Gott und dann auch mit unserem Nächsten. Das ist das Geheimnis und die Kraft des Kreuzes Christi. Gott lässt es für alle Zeiten gelten, indem er Jesus von den Toten auferweckt hat.

3. Die Kosten des Kreuzes

Jesus bleibt aber nicht nur bei der Belehrung über seinen Leidensweg und der Zurückweisung des Einspruchs stehen, sondern er ruft uns selbst wie die Jünger damals in seine Nachfolge. Der Ruf Jesu will uns dabei herausreißen aus der Zuschauerrolle und uns hinein nehmen in eine lebendige Gemeinschaft mit Gott.

Nun kann freilich heute keiner mehr von uns so Jesus hintendrein gehen, wie das die Jünger taten. Aber wir können und sollen das Leiden und Sterben Jesu für uns gelten lassen und unser Leben in der Glaubensgemeinschaft mit ihm leben. Wenn wir dies tun, werden wir die Kraft erhalten, ein Leben in der Nachfolge Jesu zu führen.

Das ganze Leben des Christen soll ein Leben mit Jesus sein, und für ein solches Leben gibt Jesus denen, die es hören wollen, Richtlinien als Hilfe mit auf den Weg.
Da ist zunächst einmal die Rede von der Selbstverleugnung und vom Kreuztragen. Das heißt nicht, dass wir den Lebensweg Jesu nachzuahmen hätten. Das können wir auch gar nicht. Es meint auch nicht, ständig nach Leiden und Martyrium Ausschau zu halten. Nein, gemeint ist, dass wir unsere eigenen Lebenspläne und Wünsche
einem Leben mit Jesus unterordnen und Prioritäten setzen.

Jesus selbst sagt, dass wir zuerst nach dem Reich Gottes trachten sollen und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird uns auch alles andere, was wir zum Leben brauchen, zufallen (4). Es kann nicht unser Ziel sein »die ganze Welt zu gewinnen«, also möglichst viel Ansehen, Macht, Einfluss, Ehre, Reichtum und Erfolg zu erlangen. Das Jagen danach bedeutet: Stress und Ängste haben! Das Leben in der Nachfolge Jesu dagegen meint eine größere Gelassenheit und Selbstvergessenheit zugunsten anderer Menschen zu gewinnen. Wer seinen Besitz, sein Leben, sein Ansehen für sich behalten will, wird dies alles ver-lieren, wenn Gott am Ende uns nach der Frucht unseres Lebens fragen wird. Wer sich dagegen für Jesus und die Sache des Evangeliums einsetzen wird, gewinnt das Leben.
Es ist wichtig, dass wir uns in Krisenzeiten in unserer Gesellschaft nicht an den Unfrieden und die Zerrissenheit gewöhnen, sondern dass wir uns für den Frieden einset-zen. Jesus ist unser Friede. Und wenn wir uns so zu Jesus bekennen, mag es dann auch schon mal sein, dass wir auf Unverständnis und Widerstand stoßen. Dieses dann nicht selbst gewählte Leiden können wir dann getrost mit Christus tragen. Mit Jesus gewinnen wir ein zielgerichtetes Leben.

Gebe es Gott, dass die Botschaft vom gekreuzigten Christus für uns nicht Ärgernis oder Torheit ist, sondern göttliche Kraft und Weisheit, die uns hilft, mit unserem ganzen Leben Jesus nachzufolgen. Amen.

Anmerkungen:       
(1)  Vgl. 1. Korinther 1, 21
(2)  Matthäus 16, 22
(3)  Markus 10, 45
(4)  Matthäus 6, 33

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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