2017-02-26

Predigt über Lukas 18,31-43 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

es war in einer großen Stadt in der Fußgängerzone. 

Mitten unter die vielen Samstagseinkäufer 

mischen sich zwei junge Leute aus einem Teenkreis. 

Die starten eine Umfrage: »Glauben sie an Gott?«, 

so halten sie den Passanten das Mikrofon an den Mund. 

 

Sehr häufig kommt die Antwort: »Ja«. 

Mal mehr, mal weniger überzeugt.

 

Aber das reiche den beiden nicht. 

Deshalb fragten sie weiter: 

»Wie sieht denn bei ihnen dieser Glaube 

konkret aus?«

 

Jetzt aber kommt in den meisten Fällen großes Rätselraten!

    »Äh, das weiß ich nicht so genau« – 

    »Da hab’ ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht« – 

    »Das kann ich so nicht beantworten«.

 

Es war ernüchternd, 

das Ergebnis des Interviews:

Gott ja – aber eine echte Beziehung zu diesem Gott,

meistens Fehlanzeige.

 

Würde die Umfrage hier in Dennach / Schwann besser ausfallen?

Was würden Sie antworten, wenn Sie gefragt werden: 

»Wie wird der Glaube konkret?« ( - ) 

 

In unserem heutigen Predigttext geht es um einen

Blinden vor Jericho. 

Beim Evangelisten Markus wird er mit Name 

genannt: Bartimäus. 

Und der Mann, so hilflos er am Straßenrand auch 

erscheinen mag, 

dieser blinde Bettler gibt uns eine dreifache Antwort 

auf die Frage: »Wie sieht Glaube konkret aus?«

 

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Lukas-

Evangelium, Kapitel 18, die Verse 31-43:

„31 Jesus nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, 

wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, 

was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.  

32 Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird 

verspottet und misshandelt und angespien werden, 33 und sie werden 

ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. 

34 Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen 

verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war. 

35 Es begab sich aber, als er in die Nähe von Jericho kam, 

dass ein Blinder am Wege saß und bettelte. 36 Als er aber die 

Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre. 37 Da 

berichteten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorbei. 38 Und er rief: 

Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! 39 Die aber vorne an 

gingen, fuhren ihn an, er solle schweigen. Er aber schrie noch viel 

mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! 40 Jesus aber blieb 

stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er aber näher kam, fragte er 

ihn: 41 Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass 

ich sehen kann. 42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube 

hat dir geholfen. 43 Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach 

und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.“

 

 

 

Wie sieht Glaube konkret aus?

 

1. An Jesus glauben heißt: 
Ihn nachdrücklich um Hilfe bitten.

Ein Bild des Jammers. 

Da sitzt Bartimäus am staubigen Wegrand. 

Übersetzt man seinen Namen,
dann hieße er auf deutsch: „Sohn des Geehrten“. 

 

Ob sein Vater ein Ehrenmann war, 

keine Ahnung!

Aber für den Sohn musste der Name schon wie Hohn klingen. 

Einem Blinden zur Zeit von Jesus blieb schließlich
nichts anderes übrig, als zu betteln. 

Er war auf das Mitleid anderer Leute angewiesen. 

Und ehrenhaft war das ja nicht gerade!

 

Eines Tages hört Bartimäus, dass Jesus vorbeikommt.

Wahrscheinlich hat er schon manches über den Mann 

aus Nazareth vom Hörensagen mitbekommen.

Er soll Wunder tun …

Sogar hoffnungslose Fälle soll er heilen können. 

Aber war bei ihm … nicht alles aussichtslos? 

Blind ist blind. 

Was soll dieser Jesus da schon machen?

 

Und doch – Bartimäus fängt zu rufen, 

zu schreien!

Sein Glaube wollte sich nicht mit dem, 

wonach es nun mal aussieht: Aussichtslos!

Er ruft, nee, er schreit: 

»Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!«

 

In der Kinderbibel von Kees de Kort hat der holländische 

Künstler diese Szene toll herausgestellt ... 

Der Kopf des Bartimäus füllt das ganze Bild aus, 

und er ist hochrot. 

Weil Bartimäus schreit … mit weit aufgerissenem Mund 

so laut er nur kann.

 

»Sohn Davids« nennt er Jesus und macht damit deutlich, 

dass er ihn nicht nur für einen großen Wundermann hält, 

den „Notnagel“ in schweren Zeiten, 

so wie es sich die Leute bestimmt erzählt haben. 

Nein, er glaubt, dass da der Messias an ihm vorbei gegangen ist. 

Der Retter, nicht nur für Israel, nicht nur für die Welt, 

sondern die Hoffnung für sein Leben.

 

Die um ihn herum stehen versuchen Bartimäus abzuwimmeln: 

Man muss dem Jesus doch den Rücken frei halten 

für die wirklich wichtigen Dinge. 

Wer unterwegs nach Jerusalem ist, 

um dort König zu werden, 

der hat bestimmt anderes zu tun, 

als sich um einen Bettler zu kümmern.

 

Es muss frustrierend und entmutigend für Bartimäus 

gewesen sein ...

Jesus, den er ruft, der hört scheinbar nicht. 

Und die, die sich zu ihm halten, 

die wollen, dass er Ruhe gibt. ( - ) 

 

Jesus, den wir schon so oft gerufen haben, 

er hört scheinbar nicht?!

 

Wahrscheinlich kennen auch manche von uns 

diese Erfahrung:

Wie schnell - lässt dann die Kraft des Glaubens nach! 

Wie schnell - kommen wir an den Punkt, 

dass wir innerlich abdrehen und denken: 

„Ach ja, was soll’s?“

 

Wie viele Menschen - haben nach nicht erhörten Gebeten, 

nach enttäuschten Hoffnungen, die sie in Jesus gesetzt hatten, 

nachdem die Eltern, für die sie bebetet haben, 

die sich dann aber doch scheiden ließen,

nachdem Geschwister, die einmal klar Jesus nachgefolgt sind

und dann wieder vom Weg mit Jesus abgekommen sind, 

dem Glauben den Rücken gekehrt? ( - ) 

 

Das eine wirklich große Versuchung, 

die ich selber erlebe …

Auch mit Blick auf Gemeindeglieder …

Und dann manchmal der Gedanke: 

Wenn Jesus doch nicht tut, worum wir ihn bitten - 

warum dann noch beten und glauben? ( - ) 

( … )

 

Aber, und das ist das Entscheidende: 

Bartimäus lässt nicht locker. 

Er setzt alles auf eine Karte. 

Er weiß: Wenn er Jesus vorbeigehen lässt, 

dann ist damit die große Chance seines Lebens weg. 

Und so ruft er noch lauter:
»Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!« 

Er schreit es förmlich heraus.

 

 

Sehen Sie, liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

das ist konkreter Glaube. 

Jesus um Hilfe anrufen – und nicht aufgeben. 

Dranbleiben wie‘ne Klette am Hosenbein, beharrlich sein. 

Auch wenn uns die wohlformulierten Worte fehlen, 

auch wenn der Teufel uns mit Zweifeln übersät!

 

Wir sollen ihm unsere Not herausschreien.

 

Manchmal scheint es, als ob Jesus vorbeigehen würde – 

aber … es scheint nur so!

Geben wir nicht auf!

Kommen wir immer wieder darauf zurück: 

»Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner 

(und seiner und ihrer und … nennen wir die Menschen 

und Situationen immer wieder konkret mit Namen!!!)«.

 

 

2. An Jesus glauben heißt: Jesus alles zutrauen.

Und Jesus bleibt stehen,

lässt den Blinden zu sich kommen. 

Jetzt … kann doch noch alles anders werden. 

Bestimmt ist Bartimäus angespannt bis in die letzte Faser seines Körpers. 

Wie wird die Begegnung mit Jesus ausgehen?

 

Da fragt er ihn: 

»Was willst du, dass ich für dich tun soll?«

 

O Mama mia, 

stellen wir uns vor, jemand würde uns das fragen: 

»Was kann ich für Dich tun?« ( - ) 

Was wäre Deine Antwort?

 

Vermutlich hängt unsere Antwort vom Fragesteller ab. 

Einem Automechaniker würd‘ ich sofort mein Auto anvertrauen, 

damit er die fällig Inspektion macht. 

Einer Bankangestellten würde ich meine finanziellen Verhältnisse 

soweit offen legen, damit sie mich in Sachen Geldanlage beraten kann. 

Den Personalchef würde ich bitten, 

mir einen krisensicheren Job zu geben.

 

Je nachdem wer fragt, 

liegen auch unsere Erwartungen … 

Ja, es kommt alles darauf an, 

dass wir von der richtigen Person das Richtige erwarten. ( - ) 

 

Und wenn Jesus uns fragt, 

was erwarten wir von ihm? ( - ) 

 

Wenn hier Bartimäus bittet »Herr, dass ich sehen kann«, 

dann heißt das, dass er groß von Jesus denkt. 

Er traut ihm sogar das Menschenunmögliche zu.

 

Das … ist … Glaube – groß von Jesus denken 

und deshalb auch Großes von ihm erwarten. 

 

Und der Blinde erlebt es, dass er richtig von Jesus gedacht hat. 

Er ist mit seiner Bitte nicht an den Falschen geraten 

und hat ihm auch nicht zu viel zugetraut. 

Jesus ist genau der Richtige für unsere Anliegen 

und wir können ihm wirklich nie zu viel zutrauen.

 

Jetzt antwortet er Bartimäus: 

»Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen.«

Eigentlich heißt es: »Dein Glaube hat dich gerettet.« 

Es geht also um mehr, als um den äußerlichen Durchblick, 

um seine Netzhaut und seine Pupillen …

Und Bartimäus kommt in doppelter Hinsicht zum Sehen.
Er kriegt sein Augenlicht. 

Aber - er bekommt noch dazu Jesus - vor Augen, 

erkennt ihn als den Heiland der Welt 

und als seinen persönlichen Retter.

 

Nur kurz davor, als Jesus im Gespräch seinen Jüngern 

den kommenden Weg ins Leiden beschreibt, 

da heißt es von den zwölf Jüngern: 

»Sie aber begriffen rein gar nix davon, 

und der Sinn der Rede war ihnen verborgen« (V. 31). 

Die Jünger hatten also keinen Durchblick, 

was die Stunde für Jesus geschlagen hatte. 

 

Bartimäus aber hat seine Stunde erkannt:

Der Tag, an dem er … das Licht sieht -, 

da sieht er das Licht der Welt!

 

 

3. An Jesus glauben heißt:
    Gott loben, und andere damit anstecken.

Hat Kees de Kort den schreienden Bartimäus in seiner Kinderbibel 

mit hoch rot gefärbtem Kopf gemalt, 

dann sieht man an der Stelle ein Gesicht 

mit weit aufgerissenen Augen und einem 

offenen Mund des Staunens.

 

Aber dabei bleibt es nicht:

Was Bartimäus erlebt hat, das braucht Worte. 

dankbare Worte, Gott lobende Worte.

Worte mit einer neuen Melodie:

Gott, der Schöpfer des Lichts vom ersten Schöpfungstag, 

der hat‘s auch in seinem Leben hell werden lassen!

Mensch, hört doch her!

Wie kannst Du da noch schweigen? 

 

War es bisher das Non-Stopp-Schreien, 

so wird daraus jetzt das Non-Stopp-Loben: 

»Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach 

und pries Gott.«

 

Ein echt glückliches Ende. 

Da hat einer verstanden: 

meine Rettung, meine Gesundheit, mein Wohlergehen, 

das alles - und noch viel mehr - ist keine Frage 

des Glücks oder der eigenen Sorgfalt. 

Nein, das alles liegt in Gottes guter Hand. 

Und weil dieser Herr es gut gemacht hat, 

deshalb soll ER in den höchsten Tönen gelobt werden. 

Nicht nur dort, wo‘s kein anderer sieht oder hört, 

daheim in den eigenen vier Wänden. 

Sondern so, 

dass es auch die Freunde und Nachbarn mitkriegen.

 

Wir können Gott nicht genug Komplimente aussprechen, 

für das, was er uns Gutes tut. 

Wie oft aber machen wir das? 

Geht es Ihnen nicht auch wie mir: 

Dass das Lob Gottes in meinem Leben viel zu kurz?

 

Ein Lied für Gott angestimmt -, 

das macht das Herz froh … 

das stimmt uns darauf ein, auf Gott zu schauen!

 

Das Gebet am Morgen daheim … 

oder auch wenn Du an Deinem Platz in der Schule bist …

macht allen um Dich herum deutlich: 

Für Dich ist dieser Tag ein Geschenk Gottes

und Du hast vor hinein zu gehen

mit dem starken Wissen: Gott ist treu, er ist da …

 

Auch die Bibellese am Morgen (warum nicht am Frühstücks-

tisch?) ist so etwas. 

Du zeigst damit: Es ist mir wichtig, 

mit Gottes Plan in meinen Tag zu gehen. 

 

Oder die Gespräche über’n Gartenzaun: 

Hast du den Mut, mal nicht nur über’s Wetter

und übers Rasenmähen zu reden?

 

Oder wenn Du Schüler bist

und es gibt einen SBK (einen Schüler-Bibelkreis) in Deiner

Schule: Gehst Du da hin? 

Auch wenn Du vielleicht der oder die Einzige in Deiner

Klasse bist?

Das ist ein Zeichen!

Ein Mutmacher für andere …

und kann ein Zeichen der Dankbarkeit für Jesus sein!

 

Dasselbe ist es mit 

dem Gottesdienstbesuch:

Gibst Du Dir den Kick, 

Dich am Sonntag Morgen über das warme Bett zu erheben?

das gemütliche Familien-Brunchen auf eine andere Zeit zu legen?

 

An Jesus glauben heißt IHM folgen. 

Und „Folgen hat Folgen“ … wie es in einem Lied heißt!

 

Dabei wirst Du aber immer wieder erleben, 

dass Gott Deine Treue segnet, 

Dir im Alltag beisteht

und Dir Lebensmut und Freude gibt. 

 

So einfach geht es zu,

dass mitten in einem stinknormalen Tag

ein Strahl von Gottes Herrlichkeit aufleuchtet.

Das Lob Gottes. 

Der Dank an Gott. 

 

Wäre das nicht eine schöne Sache, 

wenn nach diesem Gottesdienst jeder von uns nach Hause geht 

und sich einen Punkt in der kommenden Woche aussucht, 

an dem er neu - vor Menschen - Gott loben kann und will? ( - ) 

 

Vielleicht passiert dann, 

was bei Bartimäus damals auch eingetreten ist: 

Eine Ansteckung!

 

»Und alles Volk, das dies sah, lobte Gott.«   

 

Ich nenne noch mal die drei Dinge, 

die Glauben ausmachen: 

Gott nachdrücklich um Hilfe bitten! 
Jesus alles zutrauen - und - 
Gott mit seinem Leben loben und preisen.

 

Amen. 

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Unser Gemeindeleitbild (2008), das jetzt für die fusionierte Gemeinde Schwann-Dennach gilt ...
Freitag, 20.10.2017
17:00 Uhr:
Bubenjungschar Klasse 1-7, Gemeindehaus Schwann
Samstag, 21.10.2017
19:00 Uhr in Neuenbürg:
Jugendgottesdienst "biGmac" in Neuenbürg
Sonntag, 22.10.2017
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Wassermann)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Wassermann)
Dienstag, 24.10.2017
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 25.10.2017
15:45 Uhr:
Konfirmanden-Unterricht im GH Schwann
Freitag, 27.10.2017
17:00 Uhr:
Bubenjungschar Klasse 1-7, Gemeindehaus Schwann